Vorwort. VII
vortreffliches lateinisches etymologisches Wörterbuch. Vollständigkeit konnte schon wegen des Raummangels nicht durchgeführt werden. Die Etymologie wird freilich immer ein Feld bleiben, auf dem man oft nicht zur Sicherheit kommen kann. Bei der Aufklärung der aus dem Orient entlehnten Wörter hat mich mein Kollege Prof. Stumme auf das dankenswerteste unterstützt.
2. Was die aufgenommenen Wörter betrifft, so enthält das Werk die gegen- wärtigen gangbaren Wörter des neuhochdeutschen Sprachschatzes mit der durch den Umfang des Buches gebotenen Beschränkung, besonders in Hin- sicht der Ableitungen und Zusammensetzungen. Neben diesen gangbaren Wörtern aber hat Weigand eine große Zahl von weniger üblichen und seltnern, die in Luthers Bibelübersetzung und bei den mustergiltigen Schriftstellern aus der Blütezeit der neuhochdeutschen Literatur, namentlich bei Schiller und Goethe, sich finden, aufgenommen, auch bezeichnende, und zumal hier und da in Sechriften vorkommende mundartliche Wörter. In dieser Beziehung kann man, glaube ich, in einem solchen Werke gar nicht weit genug gehen. Schon Prof. v. Bahder und Dr. Kant haben sehr viel nach dieser Richtung hin getan. Ich selbst habe, namentlich in den spätern Lieferungen, noch manchen in der norddeutschen Umgangssprache üblichen Ausdruck hinzugefügt, wobei das reichhaltige Wörter- verzeichnis im Buchdrucker-Duden dankbar benutzt wurde. Das Verbreitungs- gebiet derartiger landschaftlicher Wörter ist nach Möglichkeit mit Heranziehung der Idiotika gegeben worden, ohne daß freilich Vollständigkeit erzielt werden konnte. Auf eine Angabe der Werke, aus denen geschöpft wurde, ist meist ver- zichtet worden, da die unten gebotene Liste(S. XI) die Quellen angibt.
Die Aufnahme der Fremdwörter wird stets eine Schwierigkeit bleiben, da man dem einen zuviel, dem andern zu wenig bietet. Immerhin wird man bemerken, daß je länger, je mehr Fremdwörter aufgenommen sind, und es wird das Buch auch nach dieser Richtung hin nicht im Stich lassen. Die Zeiten sind ja glücklicherweise vorüber, in denen man die Fremdwörter in der Geschichte der deutschen Sprache ungestraft vernachlässigen zu können glaubte.
Weigand hat auch die Vornamen berücksichtigt und auch oft eine Er- Klärung versucht. Da es meine feste Uberzeugung ist, daß die alten Namen keine bestimmte Bedeutung gehabt haben, so habe ich diese Erklärungen ge- strichen, und hätte am liebsten die Namen überhaupt fortgelassen. Da dies aber nicht mehr angängig war, so sind wenigstens keine neuen mehr aufge- nommen worden, und man hat infolgedessen einige vermißt.
„Übrigens herrscht bei allen verzeichneten Wörtern alphabetische Ord- nung, und dieselbe wird selbst in den den Wurzel- und Stammwörtern gleich beigefügten abgeleiteten und zusammengefügten Wörtern nicht gestört, ausge- nommen, daß die abgeleiteten zuerst stehen und dann die zusammengesetzten.“ Man suche also Ableitungen und Zusammensetzungen unter dem Grundwort. Doch ist durch häufige Verweise an der richtigen alphabetischen Stelle dafür gesorgt, dabß man ein Wort auch dann findet, wenn man den obigen Grundsatz nicht beachtet.
3. Weigand hatte die Bezeichnung der Betonung durch den Akzent(), in Wörtern, die den Ton nicht nach deutscher Weise auf der Stammsilbe tragen, durchgeführt. Ich habe es gleichfalls getan. Da dies aber anfangs nicht be-


