Ausgabe 
18.7.1855
 
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aus. Als die Herzogin von Nottingham, die da⸗ ran schuld war, daß der Graf Esser sich nicht mehr an die Königin wenden konnte, im Sterben lag, hatte Elisa⸗ beth die Grausamkeit, ihr zu sagen:Gott mag Euch vergeben, ich kann es nicht.

Die meisten bedeutenden Staatsmänner und Kriegshel⸗ den der neuern Zeit sind muthig und selbstbewußt gestor⸗ ben.Sagt Collingwood, er solle die Flotte vor Anker gehen lassen, waren Nelsons letzte Worte. Na po⸗

leon rief sterbend aus:Tete d'armée! Friedrich

der Große, als er sich an seinem Lebensende im Garten von Sans souei sonnte, sagte, indem er in die Sonne blickte:Bald werde ich dir näher sein! Jeffersons letzte Worte, die er gerade 50 Jahre nach der Unabhän⸗ gigkeitserklärung aussprach, waren:Ich vermache meine Seele Gott und meine Tochter meinem Vaterlande. John Adams starb mit den schönen Worten:Unab⸗ hängigkeit für immer: Washington schied mit den Worten:Es ist wohlgethan. 2 Verzeichniß der noch nachträglich zur pariser Industrieausstellung gesandten Gegenstände. 5 Aus Dresden. Der Tritt des Max, auf welchem Aga the im Freischütz lauscht, welcher aber aus Versehen dem Kettenhund Nero zu Theil geworden ist. Aus München. Der vegetabilische Niederschlag, welchen

neulich der Botaniker Krips fand, als er zur Nachtzeit

in den Garten des Herrn Unliebig kam, um dort For⸗ schungen im Gebiete der Fruchtbäume anzustellen.

Aus Augsburg. Ein Pfund Lotzbeck Doppel- Mops, Nr. 1, grobkörnig. Ganz neue Sorte, besonders Blut⸗ wallungen niederschlagend und zuvörderst zu Prisen für die preußischen Marinetruppen im Jahdebusen bestimmt, wenn dieselben bei den Hafenarbeiten sich nasse Füße und Schnupfen zuziehen.

Aus Schilda. Eine Sonnenuhr mit Schlagwerk, nebst einer Vorrichtung, dieselbe im Winter zu heizen und sie ferner auch für Gas- ünd Mondlicht zugänglich zu machen. Von dem Stadtrath zu Schilda als Geschenk für die Stadt Schöppenstedt bestimmt.

Ditto: ein Pfandschein; Gegen ein baares Darlehn von fünf Gulden wurde uns heute von Herrn k ein schwar⸗ zer leerer Tuchfrack nebst dergleichen Beinkleidern ver- pfändet. Die Leihhausdirection.

Aus Schöppenstedt. Ein Rathhauskassenstubenschloß aus feinster gekochter Mohrrübe geschnitzt. Von dem Stadtrath zu Schöppenstedt als Gegengeschenk für die Stadt Schilda bestimmt.

Aus Frankfurt. Ein Gewissen für Staatsmänner. Dasselbe ist aus Gummi elasticum gearbeitet, stark vergol- det und hat viele Auswege. Kaun auch Bauern zum Fausthandschuh und kleinen Kindern als Sicherheitsfallhut dienen. 5

Aus Nürnberg. Futterale für außergewöhnliche Nasen, wie solche von Petersburg aus einigen russischen Genera len auf dem türkischen Kriegsschauplatz zugedacht sein sollen.

Aus Dings. Eine Roßhaarmatratze aus den Haaren eines Getreidewucherers gefertigt, welche sich derselbe bei den Ergebnissen der vorzüglichen Ernte ausgerauft hat.

Ebendaher. Ein sicheres Mittel, Möbel vor Brand zu bewahren.

Seltsame Industrie. Vor einiger Zeit verhaftete die Polizei in Frankfurt eine alte Jungfrau aus den heren Ständen, weil sie junge Mädchen an sich lockte und ihnen das Hager mit einem ätzenden Safte bestrich, worauf

ihnen sofort der Zopf absiel. In einer Zeit von 8 Tagen sollen 27 Zöpfe diesem Verfahren zum Opfer gefallen sein. In China ware diese Frau eben gut zu brauchen.

Ehestandsscheue.

Sie:Du möchtest nur immer so zur Kurzweil ein Verhältniß mit mir haben; so mag ich nun ein für allemal nicht mehr! Du bist selbststäͤndig und hast ein gu⸗ tes Einkommen, wenn du es ehrlich und redlich mit mir meinst, so heirathe mich. Wer a sagt, muß auch b sagen!

Er: Ja, ja, mein liebes Herz! ich will recht gerne b sagen, auch noch e und d. aber nur nicht e(Ehe.)!

Schlammbeißer. Waß meinst Du, Emil, ich glaab als, Ferscht Gortschakoff werd bald in Peterschburg um seine Entlassungk anhalte unn den Oberbefehl nidderlege?

Canalmüller. Wahrscheinlich, seiner Gesondheit wege.

Scklammbeißer. No, no! mir leid.

Canalmüller. Ja, mir aach. Er fihlt sich in der letzt Zeit gar ze stark angegriffe!

Schlammbeißer. Nimmt'r dann nir inn?

Canalmüller. Hurrjöhs, e Meng Pulwer, awer s issem immert noch so, als wann'r sich üwergewe m ü ß tl

Schlammbeißer. No, no, der krank Mann duht mir doch leid!

Canalmüller. Ja, mich jammert er aach!

Schlammbeißer. Ich begreif' nitt, Emil, waß die Schlos⸗ ser immert in de Zeitunge so groß duhn mit de die⸗ bessichere unn feuerfeste Geldkiste. Die Erfin⸗ dungk doch blöslich vo mir.

Canalmüller. No, wie dann dei diebessichrer Geld⸗ kaste konschtruirt?

Schlammbeißer. Ganz eifach unn dabei doch simpel,'s steckt nir drinn!

Canalmüller. Probat fir Schtaatsschätz.

Berichtigung.

Der uns wahrscheinlich auch abgeneigte wandernde Te⸗ legraph hat zwar die Zahl der heirathsfähigen Frauen- zimmer der Neustadt richtig angegeben, allein nicht die der Herren, wie man Ihm bemerkte. Zum Beweise dürfen wir nur noch des aus dem 30jährigen Kriege(Kartoffel- krieg) rühmlichst bekannten Cadetten und dessen Herren Brüder, des C. O. und anderer Dingskirchen, erwaͤh⸗ nen, so ist die unrichtige Angabe des wandernden Tele graphen hinlänglich dargethan. Sind diese Herren auch schon etwas abgelagert und ausgezahnt, so fehlen diesen, wie wir ganz bestimmt wissen, die sog. Weisheitszähne und nach Eintreffen derselben steht immerhin noch zu erwar⸗ ten, daß der Eine oder der Andere die Eine oder die Andere glücklich macht. Ohnehin ist uns ja auch noch der ganze Odenwald offen und wir werden mit unsern Schätzen den Typhus daraus zu vertreiben wissen. Eine andre Aussicht bietet auch noch die wahrscheinliche Schei dung des Herrn Canalmüller wegen böslicher Verlassung!

Wir erlauben uns hiermit die ergebenste Anzeige zu machen, daß am 2. Juli der Weltuntergang nicht statt⸗ finden Konnte, sondern auf Freitag den 3. August, auf den Fruchtmarkt, verlegt ist. Bei ungünstiger Witte⸗ rung findet solcher auf dem Zeughaus statt. Wirthe, Bäcker und Fleischer können jetzt schon ihre Vorräthe da hin bringen lassen.

Das Weltuntergangs-Comitee.