bin ich, denn ich thue Dir nischt, wenn Du mir ene gute Wurst— ene gute Antwort gegäben hast.— Wenn gleich das Dhier allen Verstand entbehrt, so hat es doch Instinkt und handelt darnach. Mehl⸗ berg, was thut das Dhiehr?
Mehlberg. Es stinkt! Lehrer. Instinkt hat es! Mehlberg. 8 Kommen denn die Dhiere och in den Himmel? Lehrer. Nee, kein Dhier kann in den Himmel kommen, denn— Fritz. Ja, es kommen welche rein! a Lehrer. Na, welche wären denn das? Fritz.
Die Posamentiere!
ae Lehrer. 5 Was der kleine Schelm vor Infälle hat!— Un⸗ sere Vor⸗ und Stammeltern, Adam und Eva, wohn⸗ ten schon auf Erden im Himmel, nämlich— Mehl⸗ berg, im Par—
f Mehlberg. Paris! Lehrer. Im Paradies! Blieben ste denn darin? 1 Mehlberg. Ne; se wurden nausgebäuscht! a 5 Lehrer. Warum denn? Mehlberg. Weil se vom Apfel gegessen hatten! Lehrer. Was warsch vor'n Apfel? Mehlberg.
En rothes Hähnechen! Lehrer.
Der Sündenapfel warsch!— So kam die Sünde auf uns, die mir geerbt haben. Sie wurden also aus dem Paradiese verjagt, Erdmann, wegen der Erbs— na, wegen der Erbs— a
Mehlberg.
Wegen Erbsen und Pöckelfleisch!
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Der Erbsünde wegen warsch! Der Bengel hat nischt wie Fressereien im Kopfe.— Weß Gott, es schlägt Mittag, da wollen wir denn aufhören; aber sagt's nur derheme, wenn ingeschlacht würde, es wäre mer nich der Wurst, sondern der Liebe wegen.
Nun, Kinder, könnt Ihr nach Hause machen: mir ist nich ganz wohl, ich mache in's Bett!
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Daß die Staatsform des Kaiserthums Frankreich und die damit verbundene Militairherrschaft in sitt⸗
licher Beziehung nicht eben vortheilhaft auf Frank⸗
reich und insbesondere auf Paris gewirkt haben,
geht aus dem ungeheuern Luxus hervor, der von.
Jahr zu Jahr immer übermenschlicher überhand nimmt. Der nüchterne Beobachter fragt sich: Wie soll das werden? Während vor einigen sethszig Jahren man keine Hosen mehr anzog— als ob der Despotismus in den Hosen gesteckt hätte— hat sich heutzutage die Luxuskrankheit bis in die untersten Schichten
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der Gesellschaft hineingefressen; und ein gewöhnli⸗ ches bürgerliches Vermögen reicht nicht zur Hälfte
mehr hin, den Bedürfnissen des Haushalts zu ge— nügen. Die Mütter der jetzigen Generation blaͤh⸗ ten sich, wenn sie in Seide rauschten; Seide, das ist in Paris jetzt ein Stoff, den kaum eine Kam⸗ merfrau noch tragen kann. Dabei sind die gewöhn⸗
lichsten Lebensbedürfnisse fortwährend im Steigen,
und doch ist der Verdienst, das Einkommen, nir⸗ gends gestiegen. Deßhalb die Menge äußerlich glän⸗ zender, innerlich fauler Hauswirthschaften. Spitzen und keine Wäsche, Equipaschen und kein Holz. Deß⸗ halb auf der andern Seite das unsinnige Börsen⸗ spiel: Sieg oder Tod, Reichthum oder Schande. Möge dieser gesellschaftliche Krebsstaat nicht auch unser Deutschland anstecken; doch leider zeigen sich auch schon bösartige Krankheitssymptome!
Heutzutage weiß man gar nicht, nach welcher Seite man schnell genug den Kopf richten soll. In Sebastopol eine Bresche geschossen und Napoleon's in offnem Wagen durch London gefahren. Die Empfangsfeierlichkeiten sollen nach Zeitungsnachrich⸗ ten ungeheuer gewesen sein. Ein Volk, selbst so stolz und eifersüchtig, begrüßt mit solchem Enthu⸗ siasmus einen Mann, der die freisinnige Verfassung des Nachbarvolks abschafft und die absolute Staats⸗ form wieder hergestellt hat. Wie reimt sich das zusammen? Also in England viel Spektakel, aller⸗ höchster Luxus, die glänzendste Empfangsfeierlichkei⸗ ten, nichts als Wonne, Pracht und Wohlleben, während bei Sebastopol über tausend Kanonen don⸗ nern und Tausende von Menschen zusammenschmet⸗ tern und zu Krüppeln schießen, und während in Wien die verhängnißvollen Würfel für die Zukunft geworfen worden sind. Wie reimt sich das zusammen, fragt abermals der Menschenfreund. Während Tausende von Gräbern, die noch nicht be⸗ rast sind, die hinausgezogenen Söhne decken, wäh⸗ rend anderweite Tausende in den Hospitälern wim⸗ mern, während so manches Mutterherz im Stillen weint, in der Heimath nichts als Jubel, Spektakel, Lust und Fröhlichkeit. Und welch ein Contrast, der fast an's Lächerliche gränzt. Vor wenig Jahren zog dasselbe Volk, das heute den Wagen eines ab⸗ soluten Herrschers umjubelt, den Agitator Ludwig Kossuth im Triumphe durch die Straßen Lon⸗ dons. Uebrigens ist die Weltgeschichte nicht arm an solchen Erscheinungen und wir kommen immer wieder auf den zweitausendjährigen Satz zurück: „Heute Palmen, morgen das Kreuz.“ Ja, das Volk, die Massen, sind launenhaft, und nichts ist verän⸗ derlicher als die Stimmung und Gunst des Volks; aber nichtsdestoweniger geht die Gerechtigkeit Gottes unwandelbar durch die Weltgeschichte. Aber wer diese einigermaßen kennt, weiß, daß auf solchen mo⸗ mentanen Volksenthusiasmus nichts zu geben ist. Ist je einem Menschen geschmeichelt worden, so war es der große Napoleon; die halbe Welt lag ihm zu Füßen; die mächtigsten Kaiser schlossen ihn in
seine Arme, und was war sein Ende? Beim großen
Napoleon hatte die Begeisterung wenigstens einen haltbaren Grund, weil der alte Napoleon wirklich eine außerordentliche, noch nie dagewesene Erschei⸗ nung war; wie laßt sich aber ein englischer Enthu⸗
stasmus für Napoleon III. erklären?


