teres Ferien zu machen. Der Herzog von Neweastle,
damals Haupt des siebenköpfigen Kriegsministeriums, vom
Unterhause darüber zur Rede gesetzt, entschulpigte sich da—
mit, daß solche Mißverständnisse und Ferien unter jedem
Vexwaltungssystem vorkommen könnten. sich die Herren, da man Schmiedeeisenkanonenkriege aus Privatmitteln drohte,
Später einigten
so daß nun wirklich diese Kanonen gehämmert wurden und den allerstärksten Versuchen, sie zum Platzen zu brin⸗
gen, bereits ihren unerschütterlichen Eisentrotz entgegenge⸗ setzt haben. Uebrigens brauchen sich deshalb Kronstadt und Sebastopol noch immer nicht ernsthaft zu fürchten, denn auch das Ministerium Palmerston entwickelt ein rie⸗
siges Talent, Personen und Sachen immer da anzustellen, wobin sie gar nicht passen und Herren zu Ministern von
Abtheilungen zu machen, Lon denen sie nicht das Geringste versteben; dagegen sie von allen Sphäxen abz zugchh welche sie gerade fachmäßig studirt haben.
So steht vorläufig noch zu erwarten, daß immer ziemlich jedes Ding und jede Person dahin gestellt werden wird, wo es den meisten Unfug anrichten kann, damit es überall fehle, wo es hingehört, so daß also auch die Schmiedeeisenkanonen sich überall hin verirren mögen, ehe sie mit ihren großen Augen sich Kronstadt und Sebastopol gehörig ansehen. Das ist so Regel im officiellen Eng⸗ land, wo nach Dickens vortrefflicher Schilderung der neuen großen, Röcke für die Straßen⸗ Constabler immer der kür⸗ zeste Polizeimann für den längsten Rock und der längste für den kürzesten, der dickste für den engsten mit Ifeinem Kennerauge herausgesucht und mit officieller Gewalt. Hhinein⸗ gesteckt wird.
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Ausgesuchte Mache. In den vierziger Jahren lebte unter den Linden zu Berlin ein gelehrter Doctor und Hofrath, der, schon von jeher eine notorisch komische Berühmtheit, plötzlich durch seine Heirath und deren Entwickelung auf ein paar Tage ausschließliches Stadtgespräch ward. Er hatte eine uner⸗ meßlich reiche Erbin aus Amerika geheirathet, die expreß nach Berlin gekommen war, um den berühmten Hofrath zu fangen. Sofort nach der Trauung war sie mit Hin⸗ eben einiger Papiere verschwunden. Die Papiere sagten, daß sie eine von einem Engländer gekaufte lieder⸗ liche Person sey, expreß gesandt, um den Hofrath auf ewige Zeiten lächerlich und moralisch tod zu machen. Der Engländer hatte nämlich bei seiner Abreise von Berlin seine Geliebte dem Hofrath anvertraut und ihm für sie und deren Kind Jahre lang Geld geschickt, nachdem letz⸗ terer ihm die glückliche Entbindung der Geliebten gemel⸗ det. Nachdem der Hofrath Jahre lang Berichte über die Geliebte und die herrliche Entwickelung des Kindes einge⸗ sandt und dafür die regelmäßig einlaufenden Geldsummen empfangen hatte, erfuhr der Engländer, daß die Geliebte bei den Entbindung mit sammt dem Kinde gestorben sey. Die Rache des Engländers bestand in der Heirath des Hofraths, die ihn aus Berlin trieb. Dies war eine ausgesuchte Rache. Noch künstlerischer und kostbarer war die eines andern Engländers, den noch ganz Paris durch die Operngucker bewundert, so oft er in seiner Loge der großen italienischen Oper erscheint, obgleich er dort Stamm⸗ gast ist. Ex gilt für einen großen Kunst⸗-, besonders Gemäaldekenner. Zu diesem Rufe kam er besonders durch die Art, wie er sich an einem Künstler rächte. Er war einer von jenen beduinenartigen Englaͤndern, die in allen ersten Hotels Europa's zu finden sind, wenn sie der Ab⸗
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inzwischen wieder mit einem
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Künstler übrig bleibe.
wechselung halber nicht einmal in Aegypten, Indien, China, oder am Cap der guten Hoffnung reisen. Er reisßdte stets und zwar immer mit seiner jungen, schönen Frau, die um soß reizender und liebenswürpiger erschien, da sie ihre jr⸗ gendliche Heiterkeit, Schönheit und Lebenslust geben ihrem glatten, steifen, kaltblütigen, trockenen, gemessenen, vor⸗ nehmen Gatten entwickelte. In Rom wurde das englische Paar mit einem deutschen Maler bekannt, der als prakti- scher Künstler und Kunstkenner berühmt war. Er erbot
sich, dem Paare als Cicerone durch die reichen Kunstschätze
zu dienen. So verbrachten sie manche Stunden, Tage und Wochen zusammen im Museum des Capitols, im Vatikan, im St. Peters-Dom uud in den Umgebungen Roms, wobei sich die persönliche und geistige Ueberlegen. heit des Künstlers über den in Vornehmheit und Etikette eingesteiften Engländer so sehr herausstellte, daß die Frau desselben unwiderstehlich zu ihm hingezogen ward, zumal da er selbst zu ziehen verstanden haben mag, Erst nach manchen Monaten überzeugte sich der Engländer von der Untreue seiner Frau, nahm von dem Maler mit den Wor⸗ ten; auf Wiedersehn! Abschied, kehrte nach England zuruck und lieferte seine Frau hoͤflich und galant in dem 1 ihrer Aeltern ab, nachdem er ihr höflich und galant seine in Rom gemachte Entdeckung mitgetheilt hatte. Sofort verreis'te er wieder nach Deutschland, Rußland, Italien u. s. w., ohne jemals etwas anderes zu besehen als Ge— mälde, ohne etwas. Anderes zu thun als Gemälde zu kau⸗ fen. Nachdem er dieses Geschaft zwei Jahre lang getrie— ben, begab er sich wieder mit einem ziemlichen Fuder von Gemälden nach Rom, suchte den Maler auf und verlangte Genugthuung von ihm.
Der Engländer hatte als der beleidigte Theil die
Wahl der Waffen und forderte ibn auf Pistolen. Die
Herausforderung ward angenommen und Tag und Ort des Duells festgesetzt. Mit dem ersten Schusse zerschmet⸗ terte der Engländer seinem Gegner das Handgelenk der
rechten Hand dermaßen, daß sie ihm amputirt werden
mußte. Nach dieser Amputation erschien der Engländer wieder, ohne sich abweisen zu lassen und sprach:
„Sie denken vielleicht, daß damit meine Rache befrie⸗ digt sey. Aber dann unterschätzen Sie die entsetzlichen Qualen, die Sie mir bereitet, sehr. Mein zerstörtes Her⸗ zensglück verlangte mehr. Ich habe Sie zu einem Leben ewiger, vergeblicher Reue verdammt, zu einem lebendigen. Tode als Künstler, zur ewigen Qual über Ihren ausge⸗ löschten Ruhm.“
„O, nein!“ antwortete der Künstler,,„den Ruhm mei⸗
ner Madonna in Petersburg, meines Luther in Beute
meiner Flucht nach Aegypten in Paris, meiner—
„Genug,“ unterbrach ihn der Engländer,„ich habe hier eine i aller Ihrer Gemälde. Ist sie vollständig!“
„Ja,“ sagte der Maler nach Ueberblickung der Liste, „selbst bis zu dem letzten, das ich kurz vor dem D Duell vollendete.“
„So dachte ich selbst. Ich war sehr gewisenbaft, antwortete der Engländer.„Ihre Gemälde sind alle mein. Ich habe sie sämmtlich aufgekauft, um darüber zu verfü⸗ gen. Es beliebt mir nun, alle ihre Gemälde sofort zu verbrennen, damit keine Spur von ihrer Wirksamkeit als Von Ihrer Hand soll eben fo wenig übrig bleiben als von der fleischlichen Hand, die ich Ihnen zerschmetterte.“
Der Künstler bat vergebens um Gnade. Der vor
Jahren beleidigte Gatte war so unversöhnlich, als hätte er die ae o von dem Liebesverhältnisse eben jetzt erst gemacht. Nach zwei Stunden brachte der Diener eine große Urne 9010 Asche mit einem kurzen Brief“, welcher
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