Ausgabe 
15.5.1918
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Nummer 13.

15. Mai 1918.

DeilnQv.

Wach taugen Schlachten.

Von Kurt Schrey (Waldniel).

Jetzt erst Hab ich dich gewonnen Ganz, mein herrlich Vaterland!

Ach, hier lachen tausend Sonnen Auf dem kleinsten Wiesenrand!

Jetzt erst weiß ich. daß ein Tag Unter deinem Stern geatmet.

Hundert schlimme tilgen mag,

Die wir fern von dir geschmachtet.

Jetzt erst weiß ich, wieviel Blut Dir zum Schutze freudig fließet.

Wieviel heldenhafter Mut Dir zum Heil fich in uns gießet.

Jetzt erst weiß ich. daß wir alle Ganz allein dein eigen sind.

Ob ist stehe, ob ich falle

Vaterland ich bin dein Kind!

Aus Bd. 2 der Kriegslieder, bg. v. Sekretariat sozialer Ltudentenarbeit. M.-Gladbach. Volksvereins-Verlag. 1917.)

Ilaumacher.

Da wird mir von einem Bäckermeister auf dem 2ande erzählt, der seit Monaten Grillen fängt. Singe eS nach ihm. so ständen die feindlichen Lruppen längst vor seinem Heimatort. Wenn wir inen Schützengraben den Franzosen überlassen, so ürchtet er, daß morgen der Rhein überschritten wird, rnd jede Nachricht von einem neuen Widerstand der liussen begleitet er m'.t dem befriedigten Augenauf- chlag: .Habe ich es nicht vorher schon gesagt? Ja, >ie Russen!" Wa6 der Herr Bäckermeister prophe- eit, gibt die Frau Meisterin in vermehrter und «erschlechterter Auflage weiter. So zieht stch durch

kleine Dors ein Nebelschwaden nach dem andern, nd die Leute kommen zu keiner sicheren, selbstbe­wußten Kraft. Sie können nicht mehr zürnen und berhaupt nicht mehr lachen. Wer das nicht mehr ann, ist übel dran. Solche Flaumacher gibt es da nd dort im Deutschen Vaterland. Sie sind unser ieind hier im Vaterland. Zwar kommen sie nicht us, denn eS sind ihrer immer nur drei und da­eben tausend andere. Aber gerade diese drei sind nausstehlich. Ihnen wünschte ich einen Monat lusenthalt in einem feindlichen Gefangenenlager und ann zum Vergleich dazu einen Monat in einem eutschen. Dann mögen sie wieder nach Hause gehen.

Es gibt unzufriedene Menschen. Die einen schelten, atz man nicht scharf genug vorgehe, die andern sorgen, atz man immer aus die Stimmung da draußen zu­ckt horche und sich dort möglichst lieb Kind mache, ch meine: Wer Krieg sührt, muß zuerst den Krieg i seinem vollen Sieg bringen. Ein endgültiger, arer Sieg alles andere steht in vierter und hnter Linie! Wer Krieg sührt, muh die Mittel greifen. Hat einer diesen Mut nicht, alles zu tun id zu leiden, was Jolch einen Sieg verbürgt, so : er zu bedauern und niemand soll ihm folgen! nser deutsches Kriegsgewissen ist heute so rein, wie Kriegsbeginn. Darum laßt untz auf das horchen, as wir und unsere Waffengenossen in Oesterreich- igarn und der Türkei schaffen. Der Sieg steht ute so fest, wie ehedem. Wir wollten nichts er- ern, als wir den Krieg begannen; aber die andern )llen erobern. Die haben keine zarten Empfin­den. Sie würden heute noch alles nehmen, rs sie vom deutschen Land kriegen könnten. Wenn 1 r uns darum gegen West und Ost später aus- hnen, ist das keine falsche Eroberungs-, sondern twendige Friedenspolitik.

So verhaßt mir der Flaumacher ist, so wenig rg ich den Mißbrauch leiden, den man manchmal t diesem Worte treibt. Den verantwortlichen ellen im Deutschen Reich mutz man die gleiche sinnung voll zubilligen, die wir alle einzelne mspruchen:Vaterlandsliebe". Manche, die aus zerer Warte stehen und größere Umschan halten, lagen vielleicht Mittel vor, die andere nicht billigen.

Aber es ist häßlich, mit dem WortFlaumacher" den kurzerhand zu brandmarken, der das gleiche Ziel auf anderem Wege erreichen will: des Vater­landes Größe. Wir wären alle keine Männer, wenn wir uns in unseren mannigfachen Überzeu­gungen nicht scharf auseinandersetzen wollten. Nur eine Grenze bleibe: niemand wage die Reinheit der Vaterlandsliebe eines andern anzutasten! Das wäre ein Verbrechen. Die flauen Seelen gehen uns sicher aus die Nerven. Sie werden geradezu ge­fährlich, wo stch Eigennutz oder noch schlechtere Beweggründe zeigen. Schmach ist es, wenn ein halbes Dutzend Reichsnörgler die Grütze der Stunde mißachtet und sich vom Vaterlande selbst scheidet. Aber hütrn wir uns, was wirkliche Klugheit und tapfere Staatskunst will, als Feigheit zu verdächtigen, wenn es uns jetzt gerade nicht behagt. In Zeiten höchster Entscheidungen gehen oft die glühendsten Vaterlandsfreunde verschiedene Wege. Wie hat man 1866 und 1871 über Bismarck geurteilt! Den einen war er zuflau", den andern war er zu hart". Schaffen wir unserem Volke Stahl ins Blut, dann wird sich alles weitere finden. Eines merken wir uns: Unverantwortliche Menschen schaffen keinen Frieden, sondern vermehren nur den Streit. Den Weltfrieden zu schließen, fordert unausdenkbar große Verantwortlichkeit vor aller Oeffentlichkeit. Darum Hand weg, ihr Friedensstifter, die niemand gerufen hat! Unsere siegenden Truppen sind die besten und im Augenblick die einzigen Friedensstifter. Eins haben wir gelernt: Friede ist kein Spiel. Friede ist kein bloßer Vertrag. Wirklicher Frieden ist der Preis, den ein Volk mit heiligem, teuerstem Blut bezahlt hat, eine Opsergabe an die Zukunft. Nur darum ist der Friede das hochgepriesene Gut des Lebens, weil er so unsagbar viel Leben gekostet hat. Darum muh, wer Frieden schließt, der heiligen Armee unserer toten Kameraden ins Auge sehen können, ohne zu erröten. Zu solchem Frieden Helsen uns Gott und unser Schwert!

\ 5 . Traub.

Ernst Morih Arndt.

Ein Vergleich unserer Zeit mit der Zeit der Befreiungskriege 1813 liegt unendlich nahe. Die gewaltige Begeisterung des deutschen Volkes bei Kriegtzbeginn hat überall Berührungspunkte mit dem Aufschwung der Seelen bei Beginn der Be­freiung von dem 1806 1807 zunehmenden Joch Napoleons. So führt uns der Rückblick zu den Helden des Schwertes und des Geistes jener Zeit, zu Schill, Uorck, Blücher, Gneisenau, zu den Frei­heilssängern Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Schenkendorf, Heinrich von Kleist, zu Stein und Scharnhorst, zu Fichte und Schleiermacher.

Welcher von all den großen Männern hat nun unserer Zeit besonders viel zu geben und ist noch immer in uns wirksam? Da leuchtet aus der großen Zahl der Führer, Helden. Philosophen und Dichter der kernige, echt deutsche Ernst Moritz Arndt hervor. Mit prophetischem Blick hat Arndt in schwerster Zeit französischer Bedrückung noch eigenem inneren Kampf sein Schicksal führte Arndt als geborenen Schweden zu Deutschland und dann zu dem zunächst von ihm verkannten Preußen an die Kraft des deutschen Volkes geglaubt. Sein Ziel blieb die Sammlung der zersplitterten Kräfte für die Gestaltung einer großen Zukunft unter dem Sieger einer Kaiserkrone.

Unsere Kenntnis Arndts als Sänger einiger Vaterlands- und Freiheitslieder genügt für unsere Zeit wahrhaftig nicht. Dieser deutscheste aller deutschen Männer verdient, in unserem Volke wieder zu neuem Leben erweckt zu werden. Sein Geist, sein Glaube und seine Geradheit sind ein leuchtendes Vorbild auch für unsere Zeit. Je tiefer wir uns in seine Schriften und Werke versenken, um so heller und größer wird sein'Bild. Es führt eine Brücke von Martin Luther über Ernst Moritz Arndt, Bismarck zu Hindenburg. Es ist ein gewagter Vergleich, dieser Vergleich gilt aber nicht für die

Größe dieser Männer in der Gesamtheit ihres \ Wirkens, sondern allein für die Richtung ihrer ' markigen Persönlichkeiten, in denen das Edelste des Deutschtums zum Ausdruck ' kommt. Auch Arndts Liebe für Volkstum und seine männliche Frömmig­keit machten ihn zu einem großen Erzieher des deutschen Volkes.

Hier will ich ein persönliches Erlebnis anknüpfen. Ich kannte nur auch wenige Werke Ernst Moritz Arndts. Als ich nun bei der Arbeit über die Be­freiungskriege in ihm den Verkünder deS deutschen Volksempfindens fand und mir sagte, keiner steht unserer Zeit näher und keiner ist wertvoller für uns, da habe ich eine tiefe, innere Freude an dieser Arbeit gehabt und entschloß mich, zu eingehenderen Studien das reichhaltige Arndtmuseum in Godes­berg am Rhein und die Wirkungsstätte Arndts in Bonn auszusuchen. Diesem Gesuch danke ich un­endlich viel. Es wurde mir immer klarer, daß ich auf dem rechten Wege bin. Eine Wiedererweckung der Werke und Taten Arndts ,st einfach eine Pflicht des deutschen Volkes.

Arndt ist ein Prophet unserer Zeit, der treue, deutsche Wächter am Rhein, der unermüdliche Vater­landsverteidiger, der getreue Eckart des deutschen Volkes.

Wie ein Hammerschlag wirkte sein Notruf in der Zerfahrenheit der deutschen Nation:Was ist des Deutschen Vaterland?" Diese markige Sprache auch darin blieb er ggnz deutsch kannte in seinen gewaltigen Flugschriften keine Rücksichten und ge­wundenen Wege. Arndt ging mit festen Schritten, immer sein Ziel im Auge, aufrecht und erhobenen Hauptcs, trotz aller Anfeindungen, von wo sie auch kommen wollten. Er war kein Freund der Leise­treter und Zaghaften, der sich nach dem Winde Drehenden und der eleganten Höflinge. Das steht in seinen markigen Zügen und in seinen funkensprühen­den Augen geschrieben. So begeisterten auch seine Reden und sein Vortrag seine Schüler und Studenten. Es war ein erhabener Augenblick, wie uns erzählt wird, wenn er seine Reden mit einer wundervollen Kraft des Ausdrucks schloß:Nun gehet hin und werdet echte deutsche Männer! Amen!"

Um die Bedeutung Arndts den vielen noch Un­gläubigen vor Augen zu führen, sei nur das eine gesagt: Ernst Moritz Arndt war einer der größten und unversöhnlichsten Feinde Napoleons, einer der treuesten Freunde eines Stein und Gneisenau und stand im brieflichen oder persönlichen Verkehr mit allen großen Männern seiner Zeit. Sein hoch­herziger Charakter und sein grades Wesen, von einem starken und festen Gottesglauben durchdrungen, gaben ihm seine bedeutsame Stellung.

Arndt glaubte an kein friedliches Beieinander­leben der Völker und kämpfte schon damals um die Besitznahme eines Teiles von Belgien zum Schutze des Rheins. Er war der erste, der einsah, daß Elsaß- Lothringen den deutschen Landen angegliedert werden mußte, der auf die strategische Bedeutung von Helgo­land hin wies. Er forderte außer einer großen Militär­macht einen Schutz von Deutschlands Flußmün­dungen durch eine starke Flotte mit der Basis Kiel.

Schon Mitte deS vergangenen Jahrhunderts wirkte Arndt für ein Kaisertum zur Zusammensaffung aller deutschen Stämme und niemals, auch in den schwer­sten Tagen, versank sein Glaube an die Kraft des deutschen Volkes. Das aber ist der Ruf, der auS seiner Zeit zu uns herüberklingt, das ist die markige Sprache, die an unser Gewissen klopft, das ist das deutsche Bewußtsein, das in gleicher Kraft und Stärke auch in uns wohnen muß, es ist das Ver­mächtnis Ernst Moritz Arndts für unsere Zeit. Unser bester und tiefster Dank kann nur eines sein:

In seinem Sinne deutsch zu handeln und deutsch zu wirken, deutsch zu denken und deutsch zu fühlen.

In diesem Gedanken mit heißem Herzen alles zu geben, alles zu opfern in Wort und Tat, für diese Zeit und in alle Zukunft. Carl Lange.

(Aus der Kriegszeitung der Festung Borkum.)