Nummer 10.
f
Ostern 1918.
Deiloqe.
Das Iriedensfest.
Von Kurt Schrey, Waldniel.
Ich Hab' die Nacht vom Friedensfest "geträumt. -- O heiliger Jubel, der da überschäumt!
Ich sah von hohem Berg ins deutsche Land.
Da war ein Band von Haus zu Haus gespannt.
Das warf die Worte: Treue. Opfermut!
Hoch aus zum Firmament als ewiges Gut.
Und Glockenläuten furchte durch die Luft Wie Sturmwind, der in weite Zukunft ruft:
.Bewahrt das Erbgut, das ihr selbst erschaffen!
Die Hand soll dürr fein und die Brust erschlaffen.
Die sich nicht regle an dem großen Tag,
Wo Deutschlands neuer Geist im Werden lag!
Und nur für den fei Friedenszeit fortab,
Der alles, was er geben konnte, gab —
Der niemals in der langen Kricgesnacht Ein Wort gesprochen hat, das feige macht!*
So läuteten die Glocken mir ins Ohr.
Ich horchte still und demutsvoll empor,
Dann beugt' ich mich und steh', da klang das Land: Millionen hoben schwörend ihre Hand!
(Aus Bd. 2 der Kriegslieder, hg. v. Sekretariat sozialer Studentenarbeit. M.-Gladbach. Volksvereinsverlaz. 1917.)
Größe.
Wir sprechen viel von der großen Zeit und klagen über die kleinen Menschen, die ihrer nicht wert sind. Und doch dürfen uns die letzteren, mögen sie selbst zahlreich sein, an der Größe der Zeit nicht irre werden lassen. Denn was an unserer Zeit groß ist, was insbesondere an dem wunderbar erfolgreichen Derteidiguvgskawpfe Deutschlands groß ist, daS wächst eben doch nur aus unzähligen menschlichen Eirzelleistungen zusammen, von denen jede für sich vollgültigen Anteil an der Anerktnnung des Ganzen beanspruchen darf. ES muß zweierlei zusamwenkowmen, sagt Nietzsche einmal, damit ein Ereignis Größe habe: der große Sinn derer, die e8 vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben. Wer klein und engherzig ist von Natur, dem machen auch die größten Ereignisse keinen tieferen Eindruck, der steht auch bei dem größten, was geschieht, nur die Kehrseiten und Schattenseiten, die Mängel und Kleinheiten, für die er Verständnis hat. So beurteilt, bedeutet Pesiimismus und Menschenhatz immer auch ein gut Stück Selbstoerurtei- lung. In der Weltgeschichte ist es nun einmal nie anders, als daß auch die gewaltigsten Taten und die folgenreichsten Umwälzungen die Spuren der Menschlichkeit zeigen. Denn von Menschen und nicht von Engeln wird die Geschichte gemacht. Gott hat uns sozusagen Vollmacht gegeben und F e heit gelassen. Deshalb können wir irren, und deshalb bleibt auch die größte geschichtliche Leistung Stückwerk. Aber das große Herz, das selbst großer Entschlüsse und Taten fähig ist, begeistert sich darum doch auch für jenes Stückwerk, wenn es nur irgendwie die Spuren der Grütze, der geistigen Genialität oder der sittlichen Hoheit an sich trägt. Unsere Feinde sind natürlich blind für die Größe unserer Leistung in diesem Daseinskampf. Ihnen hat Haß und Vorurteil den Blick verschlossen, sie stellen sich selbst damit bas Zeugnis au8, unter der Höhe des deutschen Geistes geblieben zu sein. Denn unS ist selbst die Größe an feindlichen Leistungen, soweit diese sie wirklich zeigten, weder entgangen, noch fühlten wir unS verpflichtet, sie zu verschweigen. Noch übler aber ist das Zeugnis, das manche Neutrale sich auSstellen, die sich' so jeglichen Sinnes für die Größe de8 deutschen Heldentums bar zeigen und doch eigentlich bei ihrer Stellung außerhalb des Krieges wohl Grund und Gelegenheit'.hätten, sich sachlicher^zu verhalten. Aber da spricht eben auch die Enge deS Gesichtskreises mit. Da sind auch so viele nur beherrscht allein von den Nächstliegenden kleinen Interessen, von den AlltäglichkeitSsorgen um
die Erhaltung deS gewohnten Behagens, und da fehlt älles Verständnis für die Schicksalsfragen der Menschheit, die in diesem Kriege, in diesem Auseinanderprallen der größten und entwickeltsten Völker der Erde entschieden werden. Lassen wir diese Kleinen, denn gerade wer grob denkt und handelt, der spielt nicht Theater, dem ist es nicht, wie dem Komödianten, um den Beifall des Publikums zu tun. Wir wollen nur zu fassen suchen, was uns an Riesenaufgaben der schicksalsschwere Augenblick stellt, und wir wollen alle unsere Kraft zusammrn- nehmen, um solchen Anforderungen gewachsen zu sein. Dann wird der Beifall derer, die wirklich groß denken, uns jetzt oder später von selber Anfällen. Dann dürfen wir auch auf den Beifall des Allerhöchsten, des Weltenrichters rechnen, soweit menschliche Gebrechlichkeit hiermit überhaupt rechnen darf. Von solchem Vertrauen zu allem Guten und Starken, von solcher Gleichgültigkeit gegen alles Enge und Kleine, haben sich poch alle großen Menschen tragen lassen. So sollen uns weder die Kleinen im fremden Lande noch die im eigenen daheim irre machen. Ueber sie und ihr kurzsichtiges jämmerliches Gezeter geht der eherne Gang der Weltgeschichte hinweg Wir wollen mit diesem Schritt zu halten suchen. Und das zu können, beweist eben die Anlage des Menschengnstes zur größten Größe.
Reinhard Strecker.
Kcdutd!
.Warum geht es nicht vorwärts?" fragen die Ungeduldigen. Ungeduldig sem, heißt schlecht unterrichtet sein. Die Ungeduldigen wissen nicht, was die moderne Massenschlacht bedeutet. Haben doch selbst die Vernünftigen noch zu wenig Abstand, um die Größe der Zeit ganz zu erschöpfen.
Die Geschichte wird lehren, daß dieser Feldzug eine einheitliche pmnmäßige Handlung darstellt, in der wir von vornherein die Führung hatten, in der wir keinen Schritt zurückca:en und in der wir nicht-, aber auch nichts versäumten, was im Bereich deS Möglichen lag. Die Kurve unserer Erfolge kennt kein Fallen. Ihr Gesetz ist: zuerst immer der Schwächste: Serbien, Montenegro, Rumänien, Rußland, Italien! Das ist unsere Angriffskurve. Zwischendurch läuft in gleichbleibender Stetigkeit die Abwehrkuroe. Auch sie kennt kein Fallen. Selbst Verdun war nur ein Sicherheitsventil für die Somme.
Friedrich der Große hatte fein Kunersdorf, Napoleon I. sein Leipzig. Auch nur Teilniederlagen von annähernd ähnlicher Wirkung blieben uns erspart. Wir waren in den großen Zügen des Geschehns Sieger bis zum heutigen Tage.
.Aber nun geht es nicht mehr vorwärts/ so sagen die Ungeduldigen jetzt, so sagten sie früher schon bei jedem Atemschöpfen des Kampfes.
Und doch wird sich später einmal zeigen, daß wir unser Kriegsziel, den Frieden, auf dem schnellsten Wege erreicht haben, der überhaupt möglich war, trotz der dreieinhalb Jahre. Einer Welt von Feinden den Fuß auf den Nacken zu setzen, erheischt mehr Zeit, als einem Karnikel den Hals knicken. Bei den Massen, dir in der modernen Schlacht austreten, wieviel Zeit ist nötig schon allein zum Aufmarsch der Front! Zum Vergleich ein recht triviales Bild: Welche Mühe hat im Frieden aus dem Tanzboden bloß ein Ballordner, bis er die .Schlachtreihe" des .Fronssaeh" mit zwanzig Paaren in einer Linie ausgestellt hat. Aber ein Millionenheer soll von heute auf morgen stehen, stürmen, siegen?
Lieber Leser! Mach mal mit dem Bleistift eine Million Pünktchen auf ein Blatt Papier! Tüpfle zwei Tage, ohne eine Viertelstunde Pause; bist dn in tiefer Zeit fertig, so zahle ich dir einen Taler.
Diese Millionen Pünktchen sind aber Soldaten, die nicht nur aufs Papier gesetzt, sondern aus dem Schlachtfeld an ihre Stelle gebracht, bewaffnet und verpflegt sein wollen. Nicht Tage, Monate sind nötig zur Bewegung solcher Maffen. Darum ist der Feldzug auch heute noch nicht zu Ende.
Die aussteigende Linie unserer Erfolge hat nie einen Knick erlitten, und an einer Stelle ihren Höhepunkt sogar schon erreicht. Wir haben Frieden mit dem russischen Volke.
Nun lege getrost deine Hoffnung ins Frühbeet unseres großen Gärtners Hindenburgl Bedecke sie warm mit Geduld und Vertrauen! Sonnenglück und Zeit tun das Ihre. Bald läuten dir farbige Blumenglockrn Sieg und Frieden.
(Aus dem .Siegfried'.)
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Während dies gedruckt wurde, kamen die Ereignisse im Westen ins Rollen. Nun gilt die Mahnung doppelt! Das Schicksal geht seinen ehernen Gang — wie rasch oder wie langsam, das zu bestimmen ist nicht Eure Sache, Ihr Ungeduldigen!
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