Nummer 9.
Bcflsmc.
15. Män 1918.
Es wird ein deutscher )rükling werden.
Von Paul L in g en s' (Aachen!.
Es wird ein deutscher Frühling werden Voll Heldenkraft und Heldenmark:
Aus tiefgepflügten Ackererden Sprießt neue Saat, herrlich und stark.
Und alle Himmel werden hangen Voll Sonnenglanz und Lerchensang,
Denn mit dem Winter starb das Bangen,
Das auch in deutsche Herzen drang.
Und wenn die Saaten golden reifen Und nicken schwellend schon zur Mahd,
Dann — um die Senfe frisch zu greifen —
Kehren die Männer von der Tat.
Tann mag das grimme Schwert verrosten!
Dann schreitet hinterm Pflug der Held:.
Und Siegessonne fern vom Osten Zum Westen auf die Ernte fällt.
Und rauschend sinkt des Tages Fülle Dem reichen Lande in den Schoß.
Und aus der Gräber Trauerstille Wächst eine Ernte riesengroß.
Doch: - erst muß deutscher Frühling blühen,"
Voll Heldenkraft und Heldenmark!
Noch einmal Kampf und Not und Mühen Und dann ein Friede stolz und stark!
Aus: Kriegslieder, hg. v. Sekretariat sozialer Studenten- arbelt. M -Gladbach. Volksvereins-Verlag.)
Klück.
Von Gottfried Traub.
.Ach was, Vaterlandl Jetzt komme ich und > 2 $ Glück der Meinen. Sie sollen Schluß machen. Dir wollen's alle. Nur die da oben wollen's nichts So hörte ich kürzlich einen sagen; und eS ist nicht ,ur einer. Es sind ihrer manche, draußen und )aheim. Von dem natürlichen Recht zu solcher sehn- üchtigen Klage rede ich nicht. Man wäre kein lllensch, wenn nach drei Jahren der FriedenS- vunsch nicht auch den Tapfelsten übermannte und nan wie ein Kind sich nach der Heimat und den einen sehnte. Wir zu Hause kennen diese Stimmung auch.
Gerade jetzt aber hebt unser Kawps an. Da. vo die größten Gefahren kommen, kleiden sie sich mmer in erborgtes Gewand. Auch zu Christus kam «er Teufel nicht mit Grinsen und Fluchen, sondern nit Bibelworten. So oersucht's heute die Welt ln8 um den Erfolg unserer Waffen zu bringen rnd unsere Kraft von innen auszuhöhlen, weil sie hrer äußerlich nicht Meister werden kenn. Diese alsche Lehre vom Glück heißt: .Wenn ich nur
nein Glück habe, dann ist mir alles einerlei!" So- ange aber der Mensch noch von der Mutter gr- -oren und nur durch Menschen in menschlicher Sprache erzogen wird, bleibt jeder einzelne ein ölied der Gemeinschaft, mehr noch, eine Frucht der öemeinfchast. Ohne sie ist er nichts. Das Eirzel- lllück liegt im Volksglück geborgen wie der Faden m Tuch. Nur ein Narr kann auf eigenes zu- ünftiges Glück pochen, wenn das Vaterland un- lücklich aus diesem Kamps heroorgeht. Die Zu- anft bindet den einzelnen noch fester an sein Land, lS früher. Denn außerhalb seiner Grenzen wird er Deutsche kein Fortkommen finden. Deines Volke« beschick wird dein eigen Geschick. Du träumst, renn du meinst, du könntest dich später in deinem )auS oder Garten abfchließen und genießen. Geht's em Lande gut, so vielleicht auch dir. geht's ihm hlecht, so jedenfalls dir nicht gut. Dre Meinung :ißt wie der Krebs am Mark, als ob einige Herren" daran schuld waren, daß man nicht schon eute das Glück vollbeladen zu uns hereinsahren rsse. Frieden an sich bringt dir und dem Land 'in Glück. ES muß der rechte Frieden fein. Jede -egierung. die nur solchen Frieden dir verbürgt, andelt für dein Glück. Eine andere würde deine I.ukunft verkaufen um ein Linsengericht. Wer wollte as? Wer will das im Ernste?
Ja, der lange Frieden ließ uns vergessen, daß Glück kein/ Prioatsache, sondern Volkssache ist. Die Glückseligkeit, wie man sie so ohnehin den Menschen vorgaukelt, ist kein Geschenk. Man lebt als gesunder, leistungsfähiger Mensch von Arbeit und Leistung, nicht von Behaglichkeit und Genuß. Sage nicht, das sei eine unerträgliche Lehre. Ich kenne kein Geschöpf der Natur, dessen erste Regung und Daseinsinhalt Glück wäre. Das Glück folgt seinem Tun, liegt in seinem Kawps. wie der Glanz aus den Flügeln. Aber zuerst muß der gesunde Wille da sein, sich durchzusetzen, sich aufs Spiel zu setzen, zu ringen und zu siezen. Ein unbarmherziger Klotz ohne Herz und Gewissen gönnt sich und den anderen kein Glück; sicherlich. Wir wollen alle glücklich sein und alle glücklich machen. Aber der natürliche Weg dazu ist der, daß man tapfer bleibe bis zum Ende. Niemand wird gekrönt, der vor dem Ende weich und matt wird. Und die letzten Minuten sind es, die entscheiden. Wenn zur vollen Stunde einige Sekunden fehlen, so ist sie eben nicht voll. Des menschlichen Glückes Sinn besteht in dem Willen, zu seiner Ausgabe zu stehen, bis sie ganz gelöst wird. Nur dann wird sie zur Gabe. Das Glück kommt zu keinem, der stch's verschreibt. Es kommt zu uns als freies Geschenk. Wenn wir's mit zitternder Hand empfangen, dann gibt es uns neue Kraft und segnet. Sonst ist es schon vorher verbraucht und erschöpft.
Der ist heute glücklich, der Augen und Ohren verstopst und vieles nicht hört und steht und seinen Weg kerzengerade voraus geht bis zum Ziel.
(Aus der .Hilfe'. Jahrg. 1917, Nr. 22.)
Kameraden, macht die Augen auf!
Wer von unS hat nicht schon als Kind einmal dem etlenden Zuge nachgesehen, wenn er auf den blanken Schienen des schmalen Bahnkörpers dahin- sauste! Ein unbestimmtes Gefühl kam da über uns, ein Gemisch von Sehnsucht und Neugier. In die Ferne zog eS uns mächtig hinaus. Immer wieder erwachte diese Sehnsucht in uns. nicht stille werden wollte unser Wunsch, ins weite Leben hinautzzukommen, die Welt kennen zu lernen und > Abenteuer zu erleben. Gerade uns Deutschen 'steckt ' der Trieb m8 Weite ties im Blute drin. So finden wir deutschen Unternehmungsgeist aus der ganzen Erde am Werke, so waren wir auf dem Wege, uns ohne Blutvergießen die Welt zu erobern, als uns neidische Widersacher Feinde über Feinde auf den Hals hetzten.
Dieser Trieb ins Weile, dieser Wunsch, in friedlicher. emsiger Arbeit den Erdball zu erobern, zeugt von der ungebrochenen, aufsteigenden Kraft unseres Volkes.
Deshalb wollen wir uns dieses Triebes nicht schämen und uns auch im Kriege deffen bewußt bleiben, daß stch im wilden Strom des Lebens der Blick des Menschen schärst und weitet, daß er in der Fremde sein Wissen bereichern und Erfahrungen sammeln kann. Und W ssen ist Macht; je gebildeter ein Volk ist, um so mächtiger wird es sein.
In diesem Sinne, Kameraden: die Augen auf!
Obwohl wir im Zeitalter des Verkehis leben, wären vielleicht viele, viele von uns ohne diesen Krieg nicht au« ihren vier Wänden herausgekom- men und ihr Blick hätte nicht über das nächste Wirtshaus an der Ecke hinausgereicht. Und heute? Heute hat mancher Kriegsteilnehmer in drei langen KnegSjahren die halbe Welt gesehen. Frankreich und Rußland, Serbien und Rumänien, Griechenland und Bulgarien, die Türkei, Palästina, Italien und Belgien. Ueberall haben die deutschen Soldaten Land und Leute studieren können. Das sind jetzt Menschen mit reicher Erfahrung. weltgewar>dte KerlS, die man im neuen Deutschland, in der Zeit des Wiederaufbaues, dringend nötig hat. Das ist
eine Lichtseite de« Krieges, die wir nicht übersehen wollen.
Unfern Trieb in die Werte, unseren welterobernden Unternehmungsgeist hat man lahmlegen und ausrotten, unseren Verkehr mit der Außenwelt hat man uns abschneiden wollen. Wir aber drangen ties ins Feindesland hinein; unsere Jugsnd lernte dabei in reichstem Maße die Welt kennen.
Und hat einer mit seinem Regiment auch noch nicht das Glück gehabt, weit herumzukommen, so hat doch auch er aus engem Gebiet vieles kennen gelernt: Land und Leute, Einrichtungen, Sitten
und Gebräuche. Macht nur die Augen aus und vergleicht was ihr seht mit dem, was ihr zu Hause habt. Erst dann steht man, was daheim noch verbesserungsbedürftig ist und lernt die besonderen Vorzüge der Heimat kennen, lernt die Heimat mehr noch als bisher lieben. '
So hat sich die Sehnsucht unserer Kmdhe t erfüllt; durch den Krieg sind wir in die Welt hinauS- gekommen l
Einst wird man uns Soldaten beneiden, die wir diese Zeit an der Front im fremden Lande
milerleben dursten. L.utn Stessens.
(Aus der Zeitung des Jnftr.-Rgt. 457.)
Stärkung nuferer Aolkskrast.
Die Bedeutung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Frage der Stärkung unserer VolkSkra'r untersucht in Hest 10 1916 der .Oeffentlichen Gesundheitspflege" Prioatdozent Dr. R»ßle, Freiburg i. Br., der zur Zeit Stabsarzt in einem Reserve- lazarett. Bei Ergründung der Ursachen verschiedener praktisch bedeutsamer Gesundheitsschüdigungen und sonstiger Volksmißstände stößt Dr. R. in meh'facher Beziehung auch auf den Alkohol. So bei den Gründen der so verhängnisvollen Säuglingssterblichkeit: sie beruht vielfach auf dem Nichtstillen, und dieses wieder häufig aus Nichtstillenkönnen infolge ungenügender Ernährung, .in den Städten meist bedingt durch unverschuldete und durch Alkoholismus des Mannes verschuldete Not". Ebenso findet der Verfasser unter den Umständen, die die im Verhältnis ungleich stä.kere Schwindsuchtssterblichkeit der männlichen Stadtbeoölkerung erklären, mit die stärkere Verbreitung de8 Trunkes unter ihr. Dr. N. streift hier überhaupt die verhältnismäßig hohe 'Sterblichkeit der Männer aus alkoholischer Ursache oder Mitursache. Auch die Wehrfähigkeit leidet unter dem Mißstand des Alkoholmißbrauchs: die
Heerestauglichkeit auch der Landgeborenen ist verhältnismäßig gering, u. a. da, 0 wo gut geregelte Absatzbedingungen zum schrankenlosen Verkauf der wertvollsten, gerade für die Wachstumsjahre unersetzlichen Nahrungsmittel und infolge der so erhöhten Bareinnahmen häufig zu vermehrtem Alkoholkon- sum verleiten". Der Geburtenrückgang sodann ist vielfach auf Verringerung der Fortpslanzungssähig- keit zurückzusühren, diese aber mannigfach — neben Geschlechtskrankheiten und Tuberkulose u. a. — wiederum auf jene unglückliche Neigung. Als Bestätigung des mannigfachen Zusammenhangs zwischen Geburtenm'nderung und Trunk weist N. u. a. auf dre Tatsache hin. .daß all die verschiedenen Ursachen der gewollien und ungewollten Einschränkung der Kinderzahl dort am wenigsten geeigneten Boden finden, wo der landwirtschaftliche Betrieb ganz oder annähernd die alte Form der geschlossenen Hauswirtschaft gewahrt hat; in diesen Bezirken sind Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose und Alkoholismus wenig verbreitet." In ländlichen Bezirken der vorhin beim Punkt .Wehrfähigkeit" bezeichneten, mit durch einen erhöhten Alkoholverbrauch gekennzeichneten Art dagegen hat sich ein starker Geburtenrückgang entwickelt. So zählt denn zu den hauptsächlichsten .Schädlichkeiten, die unsere Volkskraft untergraben", namentlich auch der Alkoholmißbrauch mit und ist er darum im Zusammenhang mit ihnen planmäßig zu bekämpfen. Ein Haupmrittel hierfür steht der Veifasser in der zielbewußten Förderung der geschlossenen Hauswirtschaft ländlicher Kleinsiedelung, oder der Halbstedelung von in der Stadt tätigen Arbeitern. Dr. F.


