Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
593
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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 18 Sgr. zu beziehen.

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HI. Jahrgang.

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Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.

Ansgegeben am 22. Juni 1867. Ber Jahrgang läuft vom Ortober 1866 bis dahin 1867.

1867) 38.

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Kus vielen Meeren.

* Erinnerungen eines deutſchen Seeofficiers.

VII. Zwiſchen den Piraten.

Im September des Jahres 184 lagen wir auf der Rhede von Singapore. DieLöwenſtadt oder dasKonſtantinopel Oſt⸗ aſiens hatte damals noch lange nicht die Bedeutung und die Ein⸗ wohnerzahl und den Verkehr erworben, deren ſie ſich heutzutage, nach mehr als drei Luſtren, erfreut, nichtsdeſtoweniger machte ſie den Ein⸗ druck einer höchſt regſamen, in raſcheſter Entwicklung begriffenen Handelsſtadt. In der meilenweiten, vor allen Winden völlig geſchütz⸗ ten Bucht ihres Hafens lagen hunderte von Schiffen und Fahrzeugen aller Art vor Anker, von dem gewaltigen Dreidecker der britiſchen Marine an bis herab zu der armſeligen Küſten⸗Dſchunke Chinas. Zwiſchen dieſen größeren Fahrern ſchoſſen den ganzen Tag hin und her unzählige Boote aller Art, welche theils den erſteren zugehörten, theils den Zwiſchenhandel und den Verkehr mit dem Lande vermittel⸗ ten; unter ihnen fallen am meiſten in die Augen die ſcharfgebauten Sampangs der hindoſtaniſchen Laskars, mit ihrem Palmbaſtzelt, den ungeheuern Segeln und dem lebendigen Auslugger, d. i. einem ge⸗ ſpreizt auf den beiden Borden ſtehenden Matroſen, welcher bei Seegang dafür ſorgt, daß das ſchmale, flache Schifflein nicht kentert. Wir hatten Zeit und Gelegenheit genug vom Verdeck herab all das bunte Treiben zu betrachten; Urlaub an Land erhielt kein Mann an Bord. Wir waren nämlich zur Beſchützung des britiſchen Handels gegen die von Jahr zu Jahr überhandnehmende Seeräuberei im chineſiſchen Meer und in der Sulu⸗See commandirt; mehrere neuerdings vorgekommene Fälle hatten uns zur Verſtärkung der indiſchen Flotille von der Capſtadt hergerufen; wir waren beordert, uns zu jeder Minute ſegel⸗ und ſchlag⸗ fertig zu halten. Der uns vorausgeſchickte Dampfaviſo war nach Sarawak abgedampft; die in unſer Kielwaſſer gekommene Corvette Seahorſe bedurfte einige Tage zur Vervollſtändigung ihrer Aus⸗ rüſtung. Wir brauchten nicht lange auf Beſchäftigung zu warten. Eines Abends lief die preußiſche Brigg Melanie, aus Danzig oder Stettin, ich weiß dies nicht mehr genau, übel zugerichtet, mit einem Todten und zwei Verwundeten an Bord, ein, und meldete, die britiſche Barke Ospray, Capitän Shaw, ſei auf der Fahrt von Batavia nach

Shanghai auf der Höhe von Cap Sirik, von einer Piratenflotte an⸗ gegriffen und genommen worden; die Melanie, welche unter Ham⸗ burger Flagge Cabotage betrieb, kam zwar mit ihren ſechs Carronaden dem Ospray tapfer zu Hilfe, allein die Uebermacht der Malayen war zu groß; mit einem Kugelregen überſchüttet, durch brennende Pfeile im Takelwerk beſchädigt und gefährdet, in Brand geſetzt zu werden, war es ihr mit knapper Noth gelungen zu entkommen, viel⸗ leicht nur aus dem Grunde, weil die Seeräuber zu ſehr mit der erſten Beute beſchäftigt und auf deren Aneignung eiferſüchtig waren. An Bord wurden nach Empfang dieſer Nachricht ſogleich die nothwen⸗ digen Anſtalten getroffen, namentlich die Waſſertonnen friſch gefüllt; wie wir erwartet hatten, langte noch in ſelbiger Nacht der Thunderer, der Dampfaviſo von Sarawak an und brachte gemeſſene Befehle des berühmten Radſchah Sir J. Brooke, des britiſchen Reſidenten auf Borneo; der Dampfer ſelber ſollte mit dem Seahorſe binnen drei Tagen folgen. Mit Morgengrauen ſtellten wir die Segel, hoben den Anker, und ließen uns von dem Steamer bis zum Cap Romania bug⸗ ſiren, hier nahm uns ein ſteifer Südweſtmonſun in die Arme und trug uns hinaus in die Chineſiſche See; aufluvend und kreuzend gelangten wir am fünften Tag auf die Höhe von CapSirik und hatten am ſechſten die blauen Krembang⸗Gebirge der Inſel Borneo in Sicht. Hier er⸗ öffnete der Capitän ſeine Depeſchen; wir befanden uns auf dem Schauplatz unſeres Wirkens.

Das Schiff, worauf ich damals als Steuermann fuhr, war J. Br. M. Kutter Mariner von 12 Kanonen, Commander⸗Lieutenant Mathiſon. Seine Bemannung beſtand außer den Officieren und Stewards aus zwei und zwanzig Matroſen, faſt lauter Engländeru, aus dreißig Mann Mariniers unter Lieutenant Davies, aus einer Anzahl indiſcher Laskars, welche vor Singapore geheuert waren, einem chineſiſchen Dolmetſcher und einem dergleichen Koch; im ganzen waren wir wohl achtzig Perſonen, und die Räume des Kutters über⸗ füllt. Trotzdem hatten wir noch in der Nacht unmittelbar vor der Abfahrt einen Paſſagier mit ſeinem Diener an Bord genommen, einen Holländer, Mynheer van der Boſch; er war ein junger, bleicher Mann; wie wir aus ſeinem, des Engliſchen faſt ganz unkundigen