Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
449
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Kann im Wege des Buchhandels

III. Jahrgang.

illkommen, o fröhlicher Oſtertag!

8N Nun klingt es wie Pſalmen in Lüften, Nun lebet was welk und erſtorben lag, Nun

grünt es auf Gräbern und Grüften;

Du Erde ſo ſonnig, du Himmel ſo blau,

Ihr Wölkchen ſo licht und ihr Winde ſo lau,

Was lebt in der Luft und was webt auf der Au, Wer feiert die fröhlichſten Oſtern?

Vorüber wandl' ich am Gartenzaun:

Schon ſäumet mit Grün ſich die Hecke,

Schon ſchwellen die Knoſpen ſo ſaftig braun,

Schon keimt's in der heimlichſten Ecke;

Die Primel ſie wärmt ſich im Sonnenſchein,

Das Veilchen es duftet am ſchattigen Rain,

Und alle die Blümchen, ſie ſtimmen mit ein: Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

Nun wall' ich hinaus in das ſonnige Feld,

Da girrt es und ſchwirrt in den weigen,

Der Buchfink baut ſich ſein luftig Gezelt

Und die Lerche lobſinget im Steigen,

Und die Vögelein all auf dem Berg und im Thal,

Sie ſtimmen die Kehlen zum Frühlingschoral,

Sie grüßen mich munter und rufen zumal: Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlun

sgegeben am 20. Ipril 1867. Der Jahrgang läuft vom Ortaber 1866 bis dahin 1867. geg Ap

Wer ſeiert die fröhlichsten Ostern!

gen und Poſtämter vierteljährlich für 18 Sgr. zu beziehen. auch in Monatsheften bezogen werden.

Da hör' ich von ferne noch helleren Klang:

Die Kinder ſie tanzen den Reihen;

Die dumpfige Stube verſchloß ſie ſo lang,

Nun ſpielen ſie wieder im Freien;

Sie ſchlagen den Reif und ſie werfen den Ball;

Die munteren Füllen, entſprungen dem Stall,

Sie tummeln ſich luſtig und rufen mir all: Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

Doch abſeits an der Linde auf hölzerner Bank, Da ſitzet ein Paar, ſich zu ſonnen, Die Tochter ſie führet die Mutter, ſo krank, Die heute dem Lager entronnen; Wie wärmt ihr die Sonne das matte Gebein, Wie ſchlürft ſie die Lüfte, die labenden, ein, Vier Augen leuchten in ſeligem Schein:

Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

Nun aber hör' ich in feſtlichem Chor

Vom Thurme die Glocken erſchallen;

Still tret' ich mit ein in das heilige Thor,

Da brauſt's durch die dämmernden Hallen:

Der Herr iſt erſtanden aus Grabesnacht,

Der Tod iſt verſchlungen, der Sieg iſt vollbracht,

Lobſinget ihr Chriſten und jauchzet mit Macht: Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

Und als ich trat aus dem Gotteshaus,

Da grünten die Gräber im Kreiſe,

Da ſucht' ich mir eines, mein theuerſtes, aus,

Dort ſtand ich und betete leiſe,

Da ſäuſelt in Lüften ein ſeliger Klang,

Wie wenn ſein Gefieder ein Engelein ſchwang,

Da tönt es hernieder wie Seraphsgeſang: Wir feiern die fröhlichſten Oſtern!

A.

Karl Geroß.