Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
465
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Es iſt eine äußerſt ſchwierige Sache, eine Angelegenheit vorzu⸗ haben, von der man nicht weiß, wo und wie man ſie anfangen ſoll! Wie ſollte ich mich in Turin benehmen? Was ſollte ich thun, um zu erfahren, ob ich im Stande wäre, den letzten Wunſch Camillos zu erfüllen? Mein erſter Verſuch war, einige Augenblicke nachdem ich ihn gemacht, geſcheitert.

Ich wollte nämlich ganz einfach unter irgend einem Vorwande dem Obriſten eine Viſite abſtatten, da ich doch ohne Eclat mich aus ſeinem Hauſe vor Jahren entfernt hatte, und wollte, wie durch Zu⸗ fall, dann die Unterhaltung auf ſeine Enkelin leiten und ſein Ver⸗ hältniß zu ihr ergründen.

Aber als ich mich im Hauſe, welches er immer noch in Via Borgo nuovo bewohnte, präſentirte, wurde mir vom Portier be⸗ deutet, daß der alte Herr keinen Beſuch annehme, und das auf Befehl des Arztes; daß, wenn ich jedoch irgend ein Anliegen an ihn hätte, ich mich an den Cavaliere Salviati, den Neffen des Herrn Obriſten wenden ſolle.

4 Ohne mich zu nennen, verließ ich das Haus und ſchlenderte ſinnend unter den Säulengängen, die von Piazza Madame bis zum * Po führen, eine Zeit lang herum. Was ſollte ich nun thun?

vun Die Vernunft ſagte mir, daß ich mich vor dem Cavaliere, nach

dem, was zwiſchen uns beiden vorgefallen war, am meiſten hüten müſſe, wie davor, daß er erfahre, mit welchen Abſichten ich nach

auch hier und da ein Blatt eingebogen.

Turin gekommen ſei jedoch durch ihn allein konnte ich wiederum

ain vandets und Enkelin! 2. e S Was thun? Ich hatte, unbekümmert um das Gedränge der ea Vog Menge von Spaziergängern, Käufern, Verkäufern und Müßiggän⸗

kern, die den Säulengang zu Zeiten oft unpaſſirbar machen, ganz neinen Gedanken nachgehend, die Piazza Carlo Emanuele ſchon über⸗ ſhritten und befand mich bereits an der Po⸗Brücke, als ich mich end⸗

lich fragte, wo ich denn eigentlich hin wolle. Ich ſann einige Augenblicke nach, und da der Tag ausnahms⸗

Auskunft erhalten über das wahre Verhältniß zwiſchen Großvater

Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.

Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 18 Sgr. zu beziehen. Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.

III. Jahrgang. Ansgegeben am 27. April 1867. Ber Jahrgung läuft vom October 1866 bis dahin 1867.

Clelia.

Eine Erzählung nach mitgetheilten Papieren von A. Mels. (Fortſetzung.)

die an den Ufern des Fluſſes entlang ſich in der Richtung nach

1867 N 30.

weiſe lau war, beſchloß ich, einen Spaziergang ins Freie zu machen, überſchritt die Brücke und wandte mich links in jene reizende Allee,

Chieri hinzieht. Es iſt dies einer der ſchönſten Spaziergänge Turins, jedoch wenig frequentirt, da die Modewelt ihm nicht hold iſt und ſich lieber in den prächtigen Anlagen bewegt, welche ſich wie ein Blumen⸗ wall um die Stadt ziehen.

Gewöhnlich ſieht man nur an Sonn⸗ und Feſttagen Spazier⸗ gänger aus der Bourgeoiſie und den arbeitenden Claſſen auf dieſer Promenade, an den Wochentagen trifft man nur hier und da einen einſamen Luſtwandler, der entweder ſeinen Träumereien nach⸗ geht oder, ein Buch in der Hand, ſich einen grünen und ſchattigen Rahmen für das Bild, welches die Lectüre in ſeinem Geiſte hervor⸗ ruft, auserwählt hat.

Ich hatte einige tauſend Schritte in der ſchnurgeraden Allee ge⸗ macht, als mein Fuß gegen einen Gegenſtand ſtieß, den ich ſogleich als ein Buch erkannte. Ich hob es auf, es war ein Gebetbuch, ein Breviarium, welches lange Dienſte geleiſtet zu haben ſchien. Es war mit zahlreichen Bändern als Leſezeichen verſehen, und da dieſe dem eifrigen Katholiken wahrſcheinlich noch nicht genügten, ſo war

Ich ſah mich überall um, und da ich niemand bemerkte, dem ich meinen Fund zurückerſtatten konnte, ſo ſetzte ich meinen Spaziergang fort, indem ich in dem Buche las und an dem Texte die Probe machte, wie viel Latein ich ſchon vergeſſen hatte. Plötzlich bemerkte ich einen Schatten vor meinen Schritten, ich hob die Augen in die Höhe und ſah einen Mönch, der mit auf der Bruſt gekreuzten Armen in der Mitte des Weges ſtand und lächelnd mich auf ſich zukommen ſah! An dieſem Lächeln begriff ich, daß ihm das Breviarium gehöre und ſtreckte ihm von weitem ſchon meine Hand, die es hielt, entgegen er nickte freundlich und kam auf mich zu.

Es iſt nicht recht von mir, Signore, ſagte er,Sie in der frommen Lectüre zu ſtören.

O, nehmen Sie, Padre, erwiderte ich,ich will Ihnen nur