Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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biſche Officiere waren aus einem Grunde anweſend,

und der unſinnige Lärm, mit welchem dieſe Handvoll Menſchen in der Welt von ſich reden macht, müſſen im trockenſten Beſucher eine gelinde Regung zur Komik anfachen.

Einige Weiber kehrten von der Thätigkeit heim, welche man auf dieſem Steingeröll ſeltſamerweiſe Feldarbeit nennt. Bewaffnete Männer ſaßen, Papier⸗Cigaretten rauchend, auf der Schwelle ihrer Thüren und ſchauten lungernd in den Platzregen. Die ſchlanken, von ſchwerer Arbeit etwas gekrümmten Geſtalten der Weiber mit edlen Geſichtszügen und pflaumengroßen, ſchwarzen Augen waren der erſte Gegenſtand, der mir eigentliche Ver⸗ oder beſſer Bewunderung abnöthigte. Das montenegriniſche Sprichwort: Schaue ein Weib der Cerna Gora nicht an, wenn Du nicht willſt, daß Deine Haut an der Sonne trocknet! hielt mich nicht im geringſten ab, deren herabgewürdigtes Aeußere mit objectivem Eifer und ohne die geringſte Scheu vor ihren tabakqualmenden Tyrannen zu ſtudiren.

Bog pomaga!(Gott helfe Dir) ſagten mehrere der Männer, ihre Cigarretten aus dem Munde nehmend, ein Wunſch, den ich nach allem heute Geſehenen mit einem aufrichtigenGott helfe Euch! zurückgab. Es dauerte indeſſen nicht lange, ſo mußte ich wünſchen, daß ſeine Kraft ſich vorläufig an mir ſelbſt bethätigen möge. Gos⸗ podina Lukas, ein altes Weib, von der mir geſagt worden war, daß ſie zeitweilig Fremde beherberge, ſchrie mir aus dem Innern ihrer von keinem Funken Licht oder Feuer erhellten Wohnſtätte, einer ge⸗ räumigen Moderhöhle, zu, daß ſie keinen Platz für mich habe, und beantwortete weitere Nachfragen mit Achſelzucken. Dieſes Weib hatte einen jener Lebensläufe hinter ſich, deren Buntheit ſich bei un⸗ zähligen Abendländern wiederholt, wenn ſie den Fuß einmal in den Orient geſetzt haben. Sie hat in Bosnien, Bulgarien, Konſtanti⸗ nopel, Syrien, Egypten gelebt und weilt jetzt in der Capitale Mon⸗ tenegros. In welcher Eigenſchaft? Das wiſſen alle Heiligen des ſchwarzen Berges nicht.

Der Grund, warum ſie mich nicht unter ihr mehr als beſchei⸗ denes Dach aufnehmen konnte, lag, wie ich von anderen erfuhr, darin, daß ich unglücklicherweiſe Cetinje zu einer Zeit der Ehre meines Beſuchs gewürdigt hatte, in welcher ſämmtliche Häuptlinge des Landes zur Skupſchtina verſammelt waren. Dieſe, auchSe⸗ natoren genannt, überfüllten die wenigen Gemächer der Hauptſtadt.

Die Wahrſcheinlichkeit, in dieſem unwirthlichen, von Schmutz bedeckten Orte ein Obdach zu finden, ſchwand mit jedem Worte der Gospodina Lukas. Endlich fand ſich eine Wittwe im benachbarten Hauſe bereit, mich auf dem Boden ſchlafen zu laſſen. Gospodina Lukas wollte mir dazu ein ſchwarzes Kiſſen leihen, falls ich ihr einen Silbergulden bezahlen würde. Ich zog es vor, meine eigene Reiſe⸗ taſche zu benützen. Den Reſt des Abends verbrachte ich in einem Kramladen nahe an dem feſtungsähnlichen Hauſe Seiner Hoheit. In der Küche des Krämers fand ſich eine Geſ ellſchaft um das Feuer ver⸗ ſammelt, der ich mich beigeſellte. Dach, Wände und Feuerſtätte glichen der Einrichtung einer ſchlechten Sennhütte. Aber die Geſell⸗

aft hatte einen keineswegs paſtoralen Anſtrich. Jeder barg unter ſeiner Struka dasSchlangenneſt, wie der dichteriſche Sinn des Volkes den Gürtel voll Meſſer und Piſtolen nennt. Auch zwei ſer⸗

den ich ſpäter angeben werde.

In dieſer Küche machte ich, auf einem Schemel meine Speiſen verzehrend, zum erſten Mal eine Bemerkung, welche ich ſpäterhin gar oft wiederholen konnte. Es gibt in Cetinje etwas, was ich die umge⸗ kehrte Gaſtfreundſchaft nennen möchte. Die anweſenden Tapferen munterten mich auf, Kaſtradina(geräucherte Hammelskeule) und zum Deſſert das beliebteſte Obſt des Landes und die Lieblingsfrucht der Südſlaven, ſüße Quitten zum herben Wein, zu beſtellen. Als das Verlangte gebracht worden war, nahm jeder unaufgefordert ſein Theil von der Mahlzeit weg, und nach wenigen Augenblicken mußte ich abermals die Bereitwilligkeit des Krämers anrufen.

Unter den Anweſenden machte ſich ein junger Menſch bemerk lich, welcher mit wahrem Zelotenfeuer Oeſterreicher und Italiener be⸗ ſchimpfte, um das ſüdſlaviſche Volk zu verhimmeln. Er war einer jener fanatiſchen Nationalen Dalmatiens, welche den Aufenthalt in dieſem Felſenhorſte den dalmatiniſchen Städten vorzuziehen ihre Gründe hatten. Die Beredtſamkeit, mit welcher er die ſerbiſchen Officiere ſchmeichelnd überſchüttete, erreichte ihren feurigſten Schwung gelegentlich einer Antwort, die er von mir erhielt. Er fragte mich,

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würdige Angelegenheit ſagen ließe, dieſer Zeitſchrift gehörig. geſchichtlichen Grund mancher deren ich viele geleſen, einige auch ins Deutſche überſetzt hatte. Ich fragte meinen Nachbar, welcher einem in einen Menſchen ver⸗ wandelten Falken glich, ob er nichts vom Nowitza Tzerowitſch wiſſe? Er lachte laut auf und ſchrie verwundert den übrigen zu, daß ich etwas von Nowitza⸗Tzerowitzſch erfahren wolle. Erſtaunen aus, daß ich von dieſem gehört hatte. hieß es von allen Seiten,erzähle! langem grauen Bart, der bis jetzt wenig geſprochen hatte, theilte mir mit, was er über dieſe Geſchichte wußte, die zu ſeinen eigenen Jugend⸗ erinnerungen gehörte. Ich gebe ſie hier kurz wieder, weil ſie lehr⸗ reicher für das Weſen dieſer Menſchen iſt, als die größte Ausdehnung, welche ich dieſer Skizze geben könnte.

die Bedrückung der Chriſten in der Herzogewina ärger, als es ſonſt landesüblich iſt. es ihm beliebte; von jedem Kopfe forderte er einen jeder Feuerſtätte ein Goldſtück, und ſog an dem Volke überdies durch Zumuthungen, welche Deutſchland aber nicht erzählen laſſen. kersknechte, banden Zahlungsunfähige ſprengten ſo lange mit ihnen herum, Montenegriner, wollten, bejahrter Menſch, fand ſich darüber einmal veranlaßt, ihn an die Rachſucht des Bergvolkes ſeine böſe Laune hatte, fort erſchlug.

Tzerowitſch. Dieſer ergrimmte über Mord und ſann auf Rache. hinüber nach Cetinje und verrieth den Montenegrinern den Lager⸗ platz Ismail Agas. wegs mußte indeſſen dem einen oder andern ein Verdacht gegen No⸗ witza beſchleichen und ſo geſchah es, daß ſie, waſſer der Moratſcha angekommen,

wozu ich da ſei. Ich entgegnete ihm, daß ich den ſchwarzen Berg III. Jahrgang.

kennen lernen wollte. Darüber brach er, zu den Serben gewendet, in ein lautes Freudengeſchrei aus.Da ſeht Ihr, dieſer Mann kommt aus Deutſchland, um unſere Nation zu ſehen und die dabei ballte er die Fauſt, rollte die Augen gegen die rauchige Decke und überſchüttetedie mit emphatiſchen Schimpfworten, deren Wie⸗ dergabe meine Feder nicht gewachſen iſt.

Die übrige Geſellſchaft unterhielt ſich in den Pauſen, welche ihnen die Pfeife übrig ließ, mehr murmelnd als ſprechend. Es iſt keine Uebertreibung, wenn ich ſage, daß ſich ſämmtlicher Gedanken⸗ austauſch um jene blutige, praktiſche, äußere Politik drehte, die das Bergland jährlich mindeſtens einmal in das Gerede der europäiſchen Leſewelt bringt. Sie ſprachen zwar nicht von Naſen⸗ und Ohren⸗ abſchneiden, von Köpfen, welche erbeutet werden ſollten, und von ge⸗ ſchlachteten Türkenkindern, aber der rapide Zuſammenhang, in wel⸗ chem der weiße Zar, der Paſcha von Albanien und der König von Griechenland genannt wurden das waren im Lande des perma⸗ nent bewaffneten Fanatismus geſprochene Leitartikel, welche in Wirk⸗ lichkeit allerdings dieſelbe Art von beabſichtigterAction durch⸗ blicken ließen. Zwei der Männer trugen um den Hals eine ſilberne Medaille, welche auf das Feſt der tauſendjährigen Gründung des ruſſiſchen Reichs zu Moskau geprägt worden iſt. Ein Senator, deſſen Namen ich an jenem Abend mehrmals erwähnen hörte, fiel vierzehn Tage nachher vor Cattaro durch die Kugel eines unbekann⸗ ten Mörders, vielleicht Henkers. Und über manche andere Andeutung, die halbverſtanden mir um die Ohren ſchwirrte, fange ich erſt jetzt an, eingehender nachzudenken, wenn ich in den neueſten Zeitungen dem verhängnißvollen Abſchnittorientaliſche Frage begegne.

Das Viele, was ſich über dieſe ſpitzige und theilweiſe ſehr merk⸗ übergehe ich, als nicht zum Zweck Meine Abſicht ging auch mehr dahin, dem Heldenlieder auf die Spur zu kommen,

Jeder drückte ſein Mirko! Mirko! Und Mirko, ein Mann mit

Vor noch nicht dreißig Jahren trieb ein gewiſſer Ismail Aga

Den Haradſch(die Kopfſteuer) holte er ſich, ſo oft

ſeines Bezirks ſich im Orient wohl ſtellen, in Die Haradſchlis, ſeine Hen⸗ V zwiſchen je zwei Roſſe und bis ſie bewußtlos niederſtürzten. welche ihren Stammesgenoſſen zu Hilfe kommen V

wurden gepfählt und verbrannt. Einer ſeiner Knechte, ein

zu erinnern. Ismail Aga, welcher eben V ärgerte ſich darüber ſo, daß er den Knecht ſo⸗ Der Knecht hatte einen Sohn, den obengenannten Nowitza den an ſeinem Vater verübten Eilends lief er bei Nacht und Nebel

Darauf hin brachen 100 Mann auf. Unter⸗

an dem klaren Berg⸗ ihn aufforderten, ſich von dem ſie

begleitenden Popen taufen zu laſſen. So wurde mitten im Fluſſe aus dem Muſelmann ein Chriſt. Das Lager Ismails ſtand auf einem Felde bei Gazko. Sein Zelt ragte über die andern b V wie der Schwan, der weiße Vogel, V über Tauben ragt, die weißen Vögel. Nowitza zeigte den Montenegrinern das Zelt. In einer Vier⸗ V

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Hammel, von V