Kus der Hauptſtadt der ſchwarzen Berge.)
Unter den vielen Beſchreibungen Montenegros, welche mir, meiſt von Franzoſen und Engländern verfaßt, in die Hand gekommen ſind, habe ich nicht eine einzige gefunden, welche ein annähernd deut⸗ liches Bild des Lebens in ſeiner ſogenannten Hauptſtadt böte. Ich glaube deshalb gar nichts Ueberflüſſiges zu thun, wenn ich dem Leſer einige Genrezeichnungen vorlege, die ich mir während einer Fuß⸗ reiſe im vorigen Winter unter den wackeren Montenegrinern ge⸗ ſammelt habe.
Cattaro, die öſterreichiſche Hafenſtadt am Fuße des Gebirges, deſſen Hochfläche das Fürſtenthum Montenegro darſtellt, iſt die Aus⸗ gangsſtation für die ſeltenen Reiſenden, denen es einfällt, dort hin⸗ aufzuſteigen und ein draſtiſches Stück orientaliſcher Frage an Ort und Stelle zu ſtudiren. In meiner Naivetät fiel es mir ein, bei einem der militäriſchen Würdenträger dieſer Feſtung, an den ich empfohlen war, und der vermöge ſeiner Stellung in tagtäglichen Be⸗ ziehungen zu den unruhigen Nachbarn ſtand, Einzelnheiten und Per⸗ ſonalien ausmitteln zu wollen.
Meine Forſchungen in dieſer Richtung verunglückten, weil dieſer Beamte häufig durch Eintretende unterbrochen wurde und die unge⸗ ſtörten Pauſen zu wiederholten Nachfragen über die dermalige Qua⸗ lität des Bieres„draußen“ benutzte, Eben ſo wenig Erfolg hatte ich am Abend, als ich einen der Adjutanten„Seiner Hoheit des Für⸗ ſten Nikita“, von Gold und Wafefen ſtrotzend, im Speiſeſaale des „Principe Ereditario“ ſitzen ſah. e Converſation kam in keinen rechten Fluß, weil er das Italieniſche eben ſo mittelmäßig ſprach, als ich das Serbiſche und ſich außerdem bei dem vortrefflichen Landwein in noch nicht ſehr vorgerückter Abendſtunde bereits in jenen beſchau⸗ lichen Zuſtand verſetzt hatte, in welchem er von der Culturmiſſion der Südſlaven eben ſo vage Anſchauungen zu hegen anfing, als von der wirklichen Lage des Ortes, an dem er ſich gerade befand. Er glaubte fortwährend in Cetinje zu ſein und ſtieß auf mein Wohl, das Wohl des„Bruders“ an.
So wandelte ich denn am nächſten Tage über den Kalkſchotter des Berges hinauf. Ich übergehe die Einzelnheiten dieſer oft be⸗ ſchriebenen Tour. Außer der wunderbaren Landſchaft aus Meer und Felſen, zu deren Darſtellung Worte unzulänglich ſind, haften in meinem Gedächtniß die Schluchten, deren jede ihr Epos hat. Ein Montenegriner, der mit Handſchar und Putſchka(Flinte) neben mir herging, war mittheilſam genug. Wir erreichten Krſtſchka Woda, eine Quelle, und tranken abwechſelnd mit Pferden, die bei der letzten Tſcheta(Streifzug) den Türken abgenommen worden waren, Mauleſeln und Laſtträgern von dem Bergwaſſer. Die Laſtträger erſchienen mir ebenſo merkwürdig als bedauernswerth. Die Cerna Gora erzeugt keine Bäume, aus denen man Bretter ſchneiden kann. Nun läßt aber der Fürſt ein Kaffeehaus bauen, welches zugleich als Herberge für die Fremden dienen ſoll, welche vorläufig, wie wir ſo⸗ gleich ſehen werden, in ſeiner Hauptſtadt noch nicht wiſſen, wohin ſie ihr Haupt legen ſollen. Dazu braucht er Holz. Das wird zur See herbeigeführt und in Cattaro auf dem montenegriniſchen Bazar ab⸗ gelagert. Diejenigen ſeiner Unterthanen, welche ihre Steuern nicht bezahlen können, müſſen ſie in der Weiſe„abtragen“, daß ſie Bretter vom Hafen herauf auf den Schultern nach dem Bauplatz befördern. Es ſind bis Cetinje ſieben Gehſtunden, darunter vier ununterbroche⸗ nen Steigens, denn die Gefilde des ſchwarzen Berges erheben ſich in doppelter Höhe des Brocken über den ſalzigen Adria.
Dann fiel mir noch zweierlei in die Augen. Am Rande der Kalkwand, da, wo ſie ſich gegen das Meer herabſtürzt, läuft die Grenze des Fürſtenthums hin. Ich ſage nichts von der Menge der Zickzacks, die an dieſer Grenze endigen, wie denn der Weg überhaupt hier endigt. Man müßte ein Engländer ſein, um ſie zählen zu wollen. Paton ſchätzt ſie auf etwas über fünfzig. Das Intereſſe daran ſchwindet vor einer luſtigeren Naturerſcheinung.
Vor uns liegt auf dem Boden ein großer Haufen graubraunes
*) Bei der Bedeutung, die in dieſen Tagen von neuem die orienta⸗ liſche Frage gewonnen hat, wird der nachſtehende Aufſatz, der nach eigener Anſchauung die Brutſtätte aller dortigen Wirren vorführt, gewiß von be⸗ ſonderem Intereſſe ſein. Die Redaction.
Stroh. Eine Stelle deſſelben bewegt ſich, es erſcheint zwiſchen den moderigen Halmen ein ſtruppiger Menſchenkopf, der uns anſtarrt. „Dobra ti srec!“(Gut ſei Dir das Glück) erſchallt die Stimme. Der Mann ſteht bis zum Halſe in ſeiner Wohnung, einem Erdloch; der Kopf beglückwünſcht uns von oder aus dem Dache. Montenegro kann hinter den aufgeklärten Staaten der Chriſtenheit unmöglich zu⸗ rückbleiben: hier ſteht ſeine Dogana(Mauth), und in dem Interpel⸗ lanten begrüßen wir die erſte officielle Perſon. Ein Silberſechſer er⸗ ſtickt jede aufkeimende Förmlichkeit.
Der erſte Blick auf das vor uns liegende Terrain zeigt uns eine Gegend, welche mit einem üppigen Gefild viele Aehnlichkeit hätte, wenn dieſes ſtatt von Gräſern mit Myriaden von Fuhren zerklopfter Chauſſeeſteine bedeckt wäre. Kleine Höhlungen, welche das Waſſer in dem unendlichen Kalk hie und da ausgewaſchen hat, ſind auf dem Grunde der Mulde mit Humus ausgefüllt. Dieſer wurde mühſam aufgeſucht, ausgegraben und in das verhältnißmäßig vor dem Winde mehr geſchützte Becken gelegt. Aber auch in dieſem müſſen ihn und die darein gepflanzten Erdäpfel große Steine gegen die Bora ſchützen. Die Bora macht auch uns die Honneurs des ſchwarzen Berges.
Nur mit eingeſenktem Kopfe, wie ein fliehender Gemsbock, können wir gegen dieſe Luftbewegung vorſchreiten, mit welcher verglichen der Tauernwind bei Schneewetter ohne Uebertreibung ein behagliches Lüft⸗ chen genannt werden muß. Die wenigen Hütten aus Stroh und Lehm, welche das Steinfeld unterbrechen, ſchützen ſich durch eine kreis⸗ runde Mauer von zuſammengeleſenen Blöcken gegen die Zudring⸗ lichkeit der heimatlichen Luft, welche ſie auf weichen Flügeln ins grüne
keer hinabtragen möchte. In Cattaro unten, an ſeiner Küſte, lag der laue Winter dieſer ſüdlichen Breite mit ſeinen Blumen und ſeinem Grün. Hier trat ich in eine Suppe von zerfließenden Hagelkörnern, und war von einer Viertelſtunde zur anderen von eiſigen Nebeln umringt, die ſich recht wohl an einem deutſchen Weihnachtstage hätten ſehen laſſen können. Um indeſſen nicht ungerecht zu ſein gegen das Klima des ſchwarzen Berges, muß ich billigerweiſe anführen, daß es mir auf der kurzen Strecke von hier bis zur Hauptſtadt den Anblick der langweiligen Steinwüſte durch zwei Gewitter, Schneegeſtöber und Platzregen in anerkennenswerther Abwechslung erheiterte. Der Donner in den baumloſen Schluchten verhielt ſich zum Geräuſch bei unſeren Gewittern wie der Montenegriner zum deutſchen Staats⸗ bürger.
„Montenegro is a sturdy building of nature!“ ſagt ein engliſcher Touriſt. Ich wüßte in der That keinen glücklicheren Aus⸗ druck, als dieſes„sturdy“ für die Landſchaft des Bergvolkes. Viele Columnen unſerer Zeitſchrift ließen ſich mit charakteriſtiſchen Zügen ausfüllen, welche den Anblick jener Wüſte in deutliche Linien zu bri gen verſuchten, und doch würde der Leſer nachträglich keine genauer Vorſtellung haben als vorher. Ueberdies ſoll hier das Gebahren der Menſchen unſere eigentliche Theilnahme in Anſpruch nehmen. Auf einem der zerriſſenen ſchneidigen Kalkhügel— dies nur ſei noch beiläufig erwähnt— jener Felſen der Karſtbildung, wie es der Geognoſt nennt, erblickt man zur Rechten den Oſſa und Pelion der Montenegriner mit gewaltiger Schneedecke:
Auf zum Himmel ragt der Rieſe Lowtſchen, wie es im Anfange unzähliger Heldenlieder heißt. Eine purpurne Wolke am ſüdlichen Geſichtskreis ſtellt den See von Skutari dar. Um ihn ragen nackte Giebel,„Albaniens böſe Berge.“ Der Meeres⸗ ſtrand iſt nicht ſo naß von Schaum als jene Gebirge von Türkenblut, durch die Fauſt des ſchwarzen Berges vergoſſen.
An der ſchlachtenberühmten Capelle des heiligen Jowan vorüber, und wir ſtehen vor Cetinje.
Wenn man mit Recht behaupten darf, daß es in den jammer⸗ vollſten Gegenden der Türkei keine ſo erbärmliche Anſiedelung gibt, als Njeguſch am Wege von Cattaro nach Cetinje— wir ſind vorhin an den zerſtreuten Hütten vorübergekommen— ſo läßt ſich über die Hauptſtadt unbedenklich ein beſſeres Urtheil fällen. Sie gleicht mit ihrer einen langen Gaſſe einſtöckiger gemauerter Häuſer beinahe einem böhmiſchen Dorf. Es fällt uns nicht ein, der Armuth der„Berg⸗ mäuſe“, wie Türkenſtolz dieſes Volk nennt, zu ſpotten, aber die Auf⸗ geblaſenheit und barbariſche Prunkſucht ſeiner großthueriſchen Häupter,
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