Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
592
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Die Schickſale eines Ordens pour le mérite.

Nächſt den Fabiern hat wohl keine Familie in einem Kriege ſo viele der Ihrigen dem Vaterlande geopfert, als die Familie Wrangel. In der Schlacht bei Pultawa fochten einu ndzwanzig Wrangel, und zehn davon blieben. Im dreißigjährigen Kriege finden wir eine ganze Anzahl Wrangel, und Weſt⸗ falen entſinnt ſich noch heute mit Grauſen jenes ſchwediſchen Generals Wrangelſo man den Tollen nennt, wie alte Chroniken ſagen. Ein Wrangel commandirte die Schweden bei Fehrbellin und ein Wrangel erhielt von Friedrich dem Großen im Jahre 1745 bei Neuſtadt, wo ihm eine Bombe ein Bein abriß, einen der erſten Orden pour le mérite, den dieſer König ausge theilt. Es mag wenig bekannt ſein, daß dieſer erſte Orden pour le mérite, den die Familie Wrangel in der Perſon des Generalmajors Friedrich Ernſt erhielt, ſich von Vater auf Sohn ohne Unterbrechurg vererbt hat. Dieſe Unterbrechung hätte wohl ſtattfinden können, als der letzte Inhaber deſſelben der Generallieutenant Ludwig Auguſt Friedrich von W. im Jahre 1851 ſtarb und ſein Sohn als ein ziemlich vergeſſener Hauptmann, der ſich jedoch im Schleswig⸗Holſteiniſchen Kriege ausgezeichnet hatte, in der Armee vegetirte. Derſelben Anſicht war auch der jüngere Bruder des Verſtorbenen, den heute jedes Kind in Preußen unter dem Namen:der alte Wrangel kennt; denn er gab ſeinem Herrn Neffen zu verſtehen, daß, da er wohl nie die Hoffnung hegen könne, ſolcher Auszeichnung theilhaftig zu werden, er beſſer thäte ihm dieſen Orden zu geben, den ſein Bruder, Vater und Groß⸗ vater getragen, damit er ihn als Relique bewahre. Der Hauptmann, welchem ſeine Carriere auch nicht im roſenfarbigſten Lichte erſchien, war wohl ebenfalls der Meinung des Oheims, daß er nie dieſen Orden erhalten würde, aber es ward ihm ſchwer, ſich von der Familienreliquie, die ihm theuer war, zu trennen, zumal da er wußte, daß ſein Herr Oheim ein erſtaunenswerthes Talent beſaß, ſolche Sachen zu verlegen und ſie für ſich und ſeine Umgebung unfindbar zu machen. Hatte man doch ſchon einmal den Brief einer allerhöchſten Perſon nach wochenlangem Suchen im Etui des Raſirmeſſers durch Zufall wiederge⸗ funden. Der Hauptmann beſinnt ſich nicht lange, geht zu einem Antiqui⸗ tätenhändler, kauft einen alten Orden pour le mérite, und bringt ihn dem

Onkel, der ihn ſeufzend annimmt und meint, daß jetzt die Mérites in der Familie Wrangel..alle wären. Fünfzehn Jahre vergehen, und ein Krieg

bricht aus, der für Preußen ſo glorreich wie kein vorhergehender enden ſollte. Da taucht in den faſt täglichen Siegesdepeſchen zum großen Erſtaunen aller der Name Wrangel bei der Mainarmee mit einer ſeltenen Beharrlichkeit auf. Bei Dermbach, bei Kiſſingen, bei Laufach iſt es die Brigade Wrangel, die hauptſächlich den Sieg erringt, und das große Publikum, beſonders das Berliner erfährt erſt durch dieſe Bülletins, daß ſein alter Liebling einen Neffen hat, der dem alten Soldatennamen einen ganz neuen Glanz verleiht. Es iſt der Generalmajor, Freiherr von Wrangel, der 1851 an ſeiner Carriere verzweifelte, der jetzt die 25. Brigade bei der Diviſion Goeben führt... und der nach der Beendigung des Krieges ſechs Orden pour le mérite für ſich und ſeine Brigade erhält, den ſchlagendſten Beweis ihrer außerordentlichen Leiſtungen.

Bei der Ordensvertheilung, zu welcher der General nach Berlin gereiſt, iſt natürlich ſein erſter Gang zu ſeinem Oheim; er freut ſich im voraus über die Freude, die er dem alten Herrn durch ſein Kriegsglück bereitet hat; er umarmt ihn erzählt wird beglückwünſcht; aber eine gewiſſe Kühle ent geht ihm nicht, mit der der Feldmarſchall ihn ſeit ſeinem Eintritte behandelt hat und die ſich am ſtärkſten in einem brüsken Abbrechen der Unterredung von Seiten des Oheims äußert. Bei einem zweiten Beſuche ſcheint ſich dieſes noch zu vermehren ſelbſt bei zufälligen Begegnungen ſcheut ſich der Feldmarſchall mit ſeinem Neffen eine längere Unterhaltung anzufangen;

ja, als Se. Majeſtät bei der Tafel den alten Herrn über das Ver⸗ halten ſeines Neffen im Feldzuge beglückwünſcht, macht dieſer ein ſauer⸗ſüßes Geſicht. Endlich eines Tages löſt ſich das Räthſel zur großen Heiterkeit des GeneralmajorsJunge! ſagt zu ihm der Feldmarſchallich kann mir ſchon denken, was Du willſt nimm's mir nicht übel; aber ſeit acht

Tagen kehre ich das Haus täglich um und kann ihn nicht finden! Kann mir

denken, wie gern Du den Mérite Deines Vaters trügeſt;.. aber kann ihn nicht finden.. mag der Kukuk wiſſen, wo ſie ihn mir hingekramt! Nun erzählt der Generalmajor dem Onkel den Vorfall und beide

lachen herzlich darüber. Als ſie ſich trennen, ſieht ſich der Feldmarſchall mit inniger Rührung den Orden auf der Bruſt an und mit tief bewegter Stimme ſagt er:

Ich danke Dir, doch das ſchönſte Familienſtück der Wrangel!

Ernſt, daß Du den Orden Dir verdient haſt; es iſt M.

Ein Concert in San Francisco.

Henri Herz war mit mehreren Concertflügeln in das Goldland Cali fornien gekommen, um durch ſeine Kunſt auch daſelbſt eine Ernte zu halten. Sein erſtes Geſchäft war, die Zurüſtungen zu einer Soirée ſelbſt zu beſorgen. Da wird er unterwegs von drei Herren angeredet, die etwas ſchäbig ausſehen, ihm aber aus früheren Begegnungen in Paris bekannt erſcheinen. Auf ihre höflichen Phraſen und Dienſtanerbietungen erwidert der Künſtler:Sehr verbunden, meine Herren, und gerne angenommen! Könnten Sie mir vielleicht jemand verſchaffen, der den Transport meiner Flügel von dem Stapelplatz nach dem Theater beſorgte?

Mit der größten Aichtigkeit! Wie ſollten wir einen Landsmann in Verlegenheit laſſen! Sage mal, Vicomte, wie wäre es, wenn wir die In⸗

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Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction

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ſtrumente des Herrn trügen? Erlauben Sie mir, Ihnen meinen Freund, Vicomte de*, einen prächtigen Burſchen vorzuſtellen.

Sie ſcherzen ſicherlich....

Durchaus nicht, es iſt unſer voller Ernſt!

So trennten ſie ſich. Eine Stunde ſpäter waren die zwei Flügel im Theater. Herz war ungemein zufrieden mit der Art und Weiſe des Trans portes; als er aber nach dem Preiſe fragte, war er nicht wenig erſtaunt, als die zuvorkommenden Herren 300 Piaſter(ca. 425 Thlr.) von ihm ver langten.

Das iſt der gewöhnliche Preis hier! beruhigte ihn ſein Wirth und fügte lächelnd hinzu;dafür ſind Sie auch durch ſehr vornehme Herren bedient worden. Hier in Californien ſcheut ſich niemand, die niedrigſten Dienſte zu thun.

Auf den Rath deſſelben Mannes machte Herz darauf dem Redacteur der vornehmſten Zeitung von Francisco ſeine Aufwartung. Ein Mann mit ziemlich wildem Bart und Haupthaar; ein rothwollenes Hemde, Hoſen von geſtreiftem Sammet, die in zwei ungeheuren Stiefeln ſteckten ſein Coſtüm; zur Linken des Pultes, an dem er ſchrieb, lag ein Paar Piſtolen.

Herz erklärte dem ſchrecklichen Manne ſein Begehr.

Stehe zu Dienſten, mein Herr, erwiderte der Journaliſt, indem er ihm eine kleine Tabelle zeigte;ſehen Sie, hier iſt unſer Annoncentarif die Zeile koſtet 4 Dollars(5 Thlr. 10 Sgr.), oder wenn es Ihnen beſſer ge⸗ fällt, eine Goldunze für jedes Inſerat.

Dem Künſtler blieb nichts übrig, als wiederum zu zahlen; jeder Wider ſpruch wäre eine Verwegenheit geweſen.Wenn es ſo fortgeht, meinte er beim Herausgehen, zu ſeinem Führer gewandt,werde ich niemals auf meine Koſten kommen.

Warten Sie doch die Einnahme ab! antwortete dieſer.

Er hatte Recht. Das kleine Theater, in dem das Concert ſtattfinden ſollte, war frühzeitig von einer ungeheuren Menſchenmaſſe belagert, die ſich an die Kaſſe drängte. Der Billetverkäufer hatte vor ſich zwei Wagſchalen. Die Hörluſtigen defilirten einzeln an ihm vorüber, jeder reichte ihm einen kleinen ſchwarzen Lederbeutel er öffnete ihn, nahm daraus ein Paar Finger voll Goldſtaub, den er ſorgfältig wog und dann das Billet auslieferte.

Henri Herz bekanntes Talent verfehlte nicht, auf ſein wunderbar genug aus allerhand halbwilden und urwüchſigen Menſchen zuſammengeſetztes Publicum einen gewaltigen Eindruck hervorzubringen. Ein wahrhaft toben⸗ der Beifall, der den Einſturz des Saales befürchten ließ, gab davon Zeugniß.

Nach beendigtem Concerte brachte man dem Künſtler eine große Schüſſel, die bis zum Rande mit gelbem Staube gefüllt war.

Was bedeutet das? rief Herz aus.

Das iſt Ihre Einnahme, mein Herr.

Die Schüſſel enthielt einen Werth von mehr alszehntauſend Franken

P. A. F.

Auflöſung der Räthſel in Nr. 36. I. Palme. Alm.(P. Alm. e). II. Edom. Mode.

Briefkaſten.

Der Wunſch, ſich gedruckt zu ſehen, ja nur ſeine Schrift(ganz unabhängig vom In⸗ halt) durch die Preſſe reproducirt zu erblicken, wird bei vielen Menſchen zur vollſtändigen Manie. So ſchickt uns ein Anonymus P..... aus Rußland eine Anekdote zur Ver öffentlichung zu, die bereits aus den ſpäteren Auflagen des berühmten Meidinger als ver altet weggelaſſen worden iſt. Mit dieſer Manie geht meiſtentheils noch die nalve Dreiſtig keit Hand in Hand, uns dergleichen Schreibübungen als ob wir dadurch ganz ungewöhn lich beglückt werden müßten unfrankirt zuzuſenden. Wir werden künftig um ſo ſtrenger alle unfrankirten Briefe zurückweiſen. Hrn. W. M. in M. Gladbach. DieGelehrten des Daheim haben, auf Ihre Anfrage, folgendes Votum abgegeben, und wird ſich danach wohl Ihre Wette entſcheiden laſſen: Der Höhenrauch iſt zwar lange Zeit lebhafte Streitfrage geweſen, von manchen als ſogenannte aufgelöſte Gewitter ange ſehen, in letzteren Zeiten aber ziemlich allgemein als Rauch von Moor⸗ und Gras⸗ bränden betrachtet, mehrfach auch mit Sicherheit in Bezug auf dieſe Entſtehungsart ver⸗ folgt worden; u. a. auch im Innern Afrikas bei Jakoba(am Benue) nachgewieſen als Folge von Grasbränden. Uns iſt kein Fall bekannt, wo die Unrichtigleit dieſer Annahme nachge⸗ wieſen worden wäre. Wenn man aus Beſcheidenheit noch die Möglichkeit anderer Ent⸗ ſtehungsweiſen zuläßt, ſo iſt doch keine derſelben wirklich erwieſen, außer dem Torſ⸗ brennen. J. L. in N. a. d H. Dankend abgelehnt, da Ueberſetzungen von dem Programme unſeres Blattes nach wie vor ausgeſchloſſen bleiben. Hrn. E. in D. Von ganz authentiſcher Seite war uns die Notiz über die Johanniterritter in Nr. 33 zugegangen. Seit⸗ dem haben wir erfahren, daß allerdings mehrere aus ihrer Mitte doch mit Orden eeſchmückt worden ſind. Unverwendbar ſind die Einſendunzen von X. in J. V. G. in R. u. P. in Kl. N. O. B. E. A. in B. Hrn. Dr. A. in T. Außer der in Nr. 34 von Dr. Kögel erwähnten Rappſchen Ueberſetzung der Auguſtinſchen Bekenntniſſe gibt es noch eine unlängſt(bei Heider und Zimmer) erſchienene von Dr. Friedrich Merſch⸗ mann, die als tüchtig gerühmt wird. Hrn. D..n in O. Sie haben recht, es iſt ein Druckfehler in Nr. 34 S. 539 Sp. 2 in einem Theile unſerer Auflage ſtehen geblieben der dort erwähnte Caſſirer kann in einer Stunde nur 7 bis 8000 Thlr., alſo in einem zu acht Arbeitsſtunden gerechneten Tage circa 60,000 Thlr. zählen. Hrn. G. und Freunden in K. Ihr Wunſch ſoll unftuch in Erwägung gezogen werden. Fr. v. D. in L. Eine Fortſetzung vonAus vielen Meeren wird bereits in der nächſten Nummer erſcheinen; auch ein neuesSeebild iſt uns von dem erſt kürzlich wieder heimgekehrten Corvetten⸗ capitän(jetzt Oberwerftdirektor) Werner ſo eben zugegangen und wird bald Aufnahme finden. Hrn. Paſt. V. in B. Die uns zugeſandte Gabe(2 Thlr. 7 Sgr. 9 Pf.) für den Sergeanten Weber iſt nach Wittenberg weiter befördert worden.

Inhalt: Die Frau des berühmten Mannes.(Schluß.) Novelle von E. Junker. Der Lebenslauf unſeres Fuchſes. Von A. Müller. Mit Illuſtr. von C. F. Deiker. Die Feldherren des zweiten Kaiſerreiches. III. Mon⸗ tauban, Graf von Palikao. Skizzen aus den ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen. Von E. S. II. Meine kleine Hausapotheke. VII. Von Dr. Dyrenfurth. Am Famillientiſche.

des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 16.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher a Wittig in Leipzig.

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