Schepzel Pieter herauspreßten, war er in Japan auf Yokohama an⸗ ſäſſig, hatte ſich zur Wiederherſtellung ſeiner durch das Klima ge⸗ ſtörten Geſundheit nach Singapore— bekanntlich einer in dieſer Hinſicht bevorzugten Lage— begeben und daſelbſt mit dem Oſpray Angehörige aus Batavia erwartet. Schweigſam ſtand der Arme den ganzen Tag an der Brüſtung und blickte nach Südweſten; ſelbſt die freundlichſte Zuſprache des Commandeurs und der Officiere konnte ihn nur zeitweiſe aus ſeinem trüben Sinnen aufrütteln; die Matroſen thaten, was ſie ihm nur an den Augen abſehen konnten, denn ſie hatten ihm bald den befahrenen Mann abgeſehen und viele Beweiſe ſeiner Freigebigkeit erfahren, welche ſo ungezwungen kamen, daß ſie weit mehr Eindruck machten durch die Art, wie ſie vertheilt wurden, als durch ihren Werth an ſich. Mit einem Wort, unſer räthſelhafter Paſſagier war einer von jenen Männern, welche die Herzen für ſich einnehmen, auch wenn ſie ſelber ſich gar keine Mühe darum geben. Das Seeräuberweſen im indiſchen Archipel hatte in der Mitte der vierziger Jahre eine Höhe und eine Ausdehnung erlangt, wie noch niemals zuvor. Von jeher iſt daſſelbe eine Plage für die Han⸗ delsſchifffahrt geweſen. Es wird ungemein begünſtigt durch das zum Theil außerordentlich ſchwierige Fahrwaſſer mit ſeinen zahlloſen Klippen und Inſelgruppen, welche nicht allein den Piraten ſichere Zufluchtsſtätten gewähren, ſondern auch die Annäherung größerer Fahrzeuge gar nicht geſtatten. Selbſt die von den Holländern eigens zu dem Zweck der Küſtenwacht auf vielen Stationen unterhaltenen Kreuzerboote mit ihren achtpfündigen Kanonen haben viel zu viel Tiefgang, ſind allzu plump gebaut, um die windſchnellen, flachgehen⸗ den Schifflein der Eingeborenen energiſch verfolgen zu können. Dazu kommt, daß die letzteren, meiſtens noch dazu dem Opiumrauſch er⸗ geben, ihr Leben mit mohamedaniſchem Fatalismus gar nichts achten, es um den geringſten Gewinn, und ſei es nur der Schädel eines Feindes, in die Schanze ſchlagen und daher im Angriff mit einer ſo furchtbaren Heftigkeit voranſtürmen, daß ihnen ſchon dadurch in vielen Fällen der Sieg wird. Tritt ihnen aber die bewußte Kalt⸗ blütigkeit entgegen, die dem Europäer eigenthümlich iſt, werden ſie muthig empfangen und durch geregelte Kriegskunſt mit überlegenen Waffen zurückgeworfen, ſo verfliegt der Rauſch, ſo ſchnell, als er ge⸗ kommen, und die fanatiſche Tapferkeit wandelt ſich ſofort in die ſchimpflichſte Feigheit, freilich nicht nach ihren Begriffen. Daher greifen auch die Sulu⸗Piraten viel lieber chineſiſche, als europäiſche Schiffe an, letztere nur mit größter Vorſicht, wenn ſie ſicher zu ſein glauben, daß ſie harmloſe Kauffahrer vor ſich haben, und der Ueber⸗ macht gewiß ſind. Iſt ein Schiff in ihre Gewalt gefallen, ſo wird die geſammte Bemannung ohne Gnade niedergemetzelt, manchmal aber auch läßt man einzelne Perſonen von Rang am Leben und ſucht für die Aus⸗ lieferung derſelben ein Löſegeld zu erpreſſen. Es wird alsdann ein Bote an den nächſten europäiſchen Poſten geſandt und das Anerbieten mit der Forderung geſtellt; gewöhnlich wird eine kleine Inſel irgend einer Gruppe zu dem Austauſch vorgeſchlagen und dieſer pünktlich nach dem Vertrag vollzogen; wird aber Verrath befürchtet, der Bote zurückgehalten oder der Zeitpunkt verſäumt, dann fallen die unglück⸗ lichen Gefangenen unerbittlich dem Kris oder Klewang. Die Nord⸗ Nordweſt- und Nordoſtküſte von Borneo, der Sulu⸗Archipel, die Mangkaſſarſtraße und die Mindoro⸗See, ſeltener die Weſtküſte von Borneo, die Straße von Malakka, und die Javaſee ſind der Haupt⸗ ſchauplatz des Malayiſchen Piratenthums. Dieſes wird aber keines⸗ wegs blos von Malayen, den Orang⸗Malayn, welche hauptſächlich Java und Sumatra bewohnen, ausgeübt, ſondern eine Mehrzahl von Völkerſchaften Waſſerindiens nimmt daran mit gleichem Eifer und Geſchick Theil: Balineſen, Bugineſen, Suluaner, Sumatraner, Ma⸗ kaſſaren, Kayans von der Nordweſtküſte, Dajaks von der Nordküſte der Inſel Borneo, welche übrigens von den Einwohnern ſelbſt Kala⸗ mantan genannt wird. Alle dieſe zu gleichem Zweck ſich in großen Flotillen vereinigenden Räuberſtämme führen unter ſich den harm⸗ loſen gemeinſchaftlichen Namen Orang⸗Laut, d. h. Seeleute; von den Holländern werden ſie Lampongs genannt, vielleicht von der Reſident⸗ ſchaft gleicher Benennung auf Sumatra; die Briten bezeichnen ſie gewöhnlich als„Sulupiraten“. Sie waren, wie ſchon erwähnt, in den letzten Jahren beiſpiellos verwegen geweſen, trotz der Energie, welche der Radſchah Sir J. Brooke gegen ſie entwickelte; im vergan⸗
genen Jahre hatte eine engliſche Escadre in der Bai von Bruni eine Seeräuberflotille von über 100 Fahrzeugen größtentheils vernichtet
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Sog—
und zum Ueberfluß der Sultan von Bruni, Radſchah Muda Haſſim, allen ans Land Geflüchteten den Kopf abſchlagen laſſen, der ihm der Sage nach das Stück von Sir J. Brooke mit einer Guinee vergütet ward(was, beiläufig geſagt, in England viel böſes Blut und Mee⸗ tings veranlaßt hat, wovon zum Schluß berichtet werden ſoll)— allein das Uebel war ſichtbar durchaus nicht beſſer geworden. Im Gegentheil, die unter jenen Völkern geheiligte Sitte der Blutrache ſpornte ſie an zu noch viel tollkühneren Unternehmungen, als ſie je zuvor gewagt hatten. Dazu kam jene bekannte, unbegreifliche Be⸗ wegung, welche ſich zuweilen unter dem Volke der Dajaks kundgibt in einem unerſättlichen Bedürfniß nach— Menſchenſchädeln, und welche jetzt gerade wieder einmal in vollem Schwange war. Dann rudern ſie auf ihren kleinen, flachen, mit einem Maſt verſehenen Badongs(Küſtenfahrzeugen), trotzdem deren Palmbretter nur mit Rottang(Stuhlrohr) zuſammengebunden ſind— oft meilenweit hinaus in die See, und wehe dem armen, mit chineſiſchen Kulies be⸗ laſteten Auswandererſchiff, deſſen Bord ſie berühren! Die eigent⸗ lichen Lampongs bedienen ſich dagegen zu ihren Raubzügen der Prou⸗ wen oder Prauen, größerer Fahrzeuge mit zwei kurzen Maſten, an jedem ein Palmbaſtſegel, ohne Deck, aber mit Katjanmatten über⸗ dacht; ſie führen gewöhnlich leichte Kanonen, Lillas genannt, welche ein bis zwei Pfund Kugeln ſchießen; doch ſoll es auch chineſiſche Piraten⸗Dſchunken mit 6, ja ſogar mit 20 und mehr Achtzehnpfün⸗ dern geben. Heck und Bug der Prauen ſind erhöht, allein nicht ſo ungeſchickt wie bei den Dſchunken; dazwiſchen iſt der offene Bauch mit Ruderbänken garnirt, worauf 24 bis 60 Ruderer Platz finden, welche bei Windſtillen das Fahrzeug mit langen Pagayen(Riemen) ſehr ſchnell und kräftig fortbewegen. Jede Prau hat einen Befehls⸗ haber, den Nacoda. Die Bemannung iſt ſelten mit Flinten be⸗ waffnet, ſondern führt nur die Lanze und den malayiſchen Kris, einen gefährlichen Dolch mit geſchlängelter Klinge; die Dajaks aber handhaben den Klewang, das furchtbare, oben breite, mit Blei aus⸗ gegoſſene Schwert, womit ſie eine Eiſenſtange eines Hiebes durch⸗ hauen. Alle ſind, außer mit Turban, Gürtel und Schurz, un⸗ bekleidet, ihr Körper aber mit Cocosnußöl ſo reichlich eingerieben, daß ſie im Lichte weithin glänzen wie Geſtalten aus polirter Bronze.
Alle dieſe Auskünfte verdanke ic unſerm Dolmetſcher Foung⸗ Tſchi, mit welchem ich ſchnell beſondere Freundſchaft geſchloſſen hatte. Sonſt mag ich die Chineſen wenig leiden; es ſind meiſtens, ſelbſt die Vornehmen und Reichen, ſchmutzige Kerle, welche namentlich
die Geruchsorgane gebildeter Europäer auf das empfindlichſte
beleidigen. Dieſer aber machte eine Ausnahme; er war ein Gentle⸗ man durch und durch, ſtets ſehr anſtändig gekleidet und zwar, ohne ſeine Nationaltracht ganz aufzugeben, in möglichſt civiliſirter Weiſe; er ſprach das Engliſche vollkommen fertig, und zwar nicht das ſoge⸗ nannte Pitſchen⸗Engliſch, das die Chineſen ſonſt radbrechen, ſondern echtes, unverfälſchtes; außerdem Holländiſch, Malayiſch und die Sprache der Dajaks. Von den letzteren wußte er Schauerliches zu erzählen. Aus Canton war er vor Jahren nach Borneo übergeſie⸗ delt und hatte ſich in Sambas niedergelaſſen, woſelbſt die Chineſen unter dem Schutze des Sultans— natürlich gegen hohe Abgaben— ſehr einträgliche Goldwäſchereien betreiben. Foung⸗Tſchi ſchwang ſich bald durch ſein Talent zu einem angeſehenen Factor auf, der den Handel mit den Holländern und Briten vermittelte; er ſah ſchon das Ziel eines jeden ausgewanderten Chineſen— Rückkehr als wohl⸗ habender Mann ins Reich der Mitte— nahe vor ſich, als plötzlich ein entſetzliches Ereigniß ſein ganzes Glück mit einem Schlage ver⸗ nichtete. Eines ſchönen Tages war die chineſiſche Bevölkerung eines Dorfes ohne Namen am Fluſſe Sengie⸗Raija gerade in der beſten, dort höchſt nothwendigen Mittagsruhe begriffen, als plötzlich der Schreckensruf ertönte:„Die Dajaks von Sarebas!“ Und faſt gleich⸗ zeitig mit demſelben brach eine Horde dunkelhäutiger Teufel herein,
mit entſetzlichem Geſchrei, völlig nackt, nur das Haupt mit rothen⸗
Federkronen geſchmückt, aber den fürchterlichen Klewang in der Fauſt
oder das noch ſchrecklichere Blasrohr mit den vergifteten Bolzen, von
welchen jeder Ritz unrettbar tödtet. Eine Niedermetzelung begann, wie ſie unmöglich beſchrieben werden kann. Da half keine Gegen⸗ wehr, keine Flucht, kein Verſtecken. Mit nimmer fehlender Wucht ſauſte der Klewang herab und trennte die Köpfe mit einem Schnitt, raſch wurden ſie mit den Zöpfen oder Haaren an einander gebunden und über die Schulter geworfen; dann ſuchte der Mörder neue Opfer. Nicht Greiſe, nicht Kranke, nicht Weiber, nicht Kinder wur⸗
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