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Bei ſeiner Rückkehr erhielt Montauban den Titel eines Grafen von Palikao und ein Armeecorps. Die Dotation, welche der Kaiſer ihm geben wollte, wurde von der Kammer dermaßen kühl aufgenom⸗ men, daß auf Montaubans Bitte die Geſetzvorlage zurückgezogen wurde. Bei dieſer Gelegenheit ſchrieb der Kaiſer jene bedeutungs⸗ vollen Worte, die im Herzen ſo mancher Franzoſen einen ſchmerzlichen Anklang fanden:
„Il n'y a que des nations en décadence qui marchan- dent la gloire de leurs grands hommes!“*)
Durch dieſe Zeilen war der Ruhm Montaubans begründet, wir möchten ſagen, urkundlich begründet, und die grande nation bekam von der Hand ihres Kaiſers einen moraliſchen Schlag, wie ſie noch nie einen ähnlichen erhalten.
Seit vier Jahren commandirt der General Graf Palikao das Armeecorps von Lyon, und es iſt ſomit die zweite Stadt des Kaiſer⸗ reiches ſeiner Obhut anvertraut. Aeußerlich iſt er immer noch der afrikaniſche Reitergeneral,— hat etwas Strenges und zu gleicher Zeit Burſchikoſes an ſich, das ſeine ganze Vergangenheit kennzeichnet. Er und ſeine Familie ſind begeiſterte Anhänger Napoleons... und doch wollen die alten Stimmen nicht ſchweigen, welche ſeit einem Viertel⸗ jahrhundert behaupten, daß Hippolyt Couſin aus einem Blute
*) Nur die Nationen, welche dem Verfalle nahe ſind, feilſchen um den Ruhm ihrer großen Männer.
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ſtamme, welches den Bonapartes von allen... am ſchärfſten gegen⸗ überſtand. * 5*
Dieſer Mann war beſtimmt, wie wir aus beſter Quelle erfahren haben, eine der hervorragendſten Stellungen, wenn nicht die her⸗ vorragendſte, in einem Kriege mit Deutſchland einzunehmen.
Die hohen Officiere zucken dazu mit den Schultern— meinen, der Kaiſer ſei blind, ſein Vertrauen einem ſolchen Manne zu ſchenken, jedoch gibt es andere, die die Kriegstüchtigkeit Montaubans viel höher als die Mac Mahons ſtellen. Wir ſind nicht competent, hierüber zu urtheilen; jedoch den Befürchtungen der Vergangenheit Montaubans gegenüber können wir ihre Berechtigung nicht in Abrede ſtellen.— Es wäre ein grenzenloſes Unglück für ein deutſches Land, den Grafen von Palikao als Sieger zu ſehen. Er beſitzt ein Talent, ein Land aus⸗ zuſaugen, wie wohl kein zweiter franzöſiſcher Feldherr. Es mag ein tüchtiger, der tüchtigſte franzöſiſche General ſein, aber er und ſeine Kriegsmoral gehören nicht mehr unſerer Zeit an.
Wir wagen nicht, zu entſcheiden, welcher von den drei Feldherren, deren Leben wir ſkizzirt, und die in einem Kriege gegen Deutſchland hätten commandiren ſollen, der bedeutendſte iſt— jedoch auf der Stufenleiter der Menſchlichkeit, des höheren Geiſtes, des edlen Cha⸗ rakters folgen ſie in der Reihenfolge, in der wir ſie hier dargeſtellt.
Dem wird Jedermann zuſtimmen, der ihr Leben ſtudirt und der ihre Perſonen kennt.
Skizzen aus den ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen. Von E. S.
II. Ein Tag auf einem knriſchen Edelhofe.
„Großen Dank, Herr Baron!“ Mit dieſen Worten begleitete mein Kutſcher den Empfang ſeines Trinkgeldes. Ich unterließ die Proteſtation gegen den mir durchaus widerrechtlich octroyirten frei⸗ herrlichen Titel; ich hatte bereits gemerkt, daß dieſer Titel in Kurland freigebig jedem geſpendet wird, der deutſch ſpricht und einen anſtän⸗ digen Rock trägt; und in den meiſten Fällen irren ſich die Leute nicht, deutſche Barone und lettiſche Bauern, ausländiſches Tuch und ſelbſt⸗ gewebter Want, das ſind die beiden großen Kategorien, unter die ſich die Bevölkerung ordnet, alles übrige hat nur ſubſidiäre Bedeutung.
Wir halten vor einem alten, ſtolzen Schloſſe, ein ehrwürdiges Denkmal einer kriegeriſchen, rauhen Zeit, wo jedes Haus auch eine wehrhafte Burg ſein mußte. Noch ragen auf einzelnen Bergen die Zeugen jener Zeit empor, ſie melden uns von mannhaften Recken, welche der Thatendrang nicht ruhen ließ in ihrer Heimat, welche keck und trotzig deutſche Art und deutſchen Glauben in die Wildniſſe der fernen Oſtſeegeſtade pflanzten.
Dahin ſind die mächtigen Feſten; treiben die Winde ihr muthwilliges Spiel, jagen heulend und pfeifend durch die leeren Fenſterhöhlen; der unbändige Lehnsmann ward zum gehorſamen Unterthan, der kampfesmuthige Ritter zum friedlichen Ackerbauer, offene, anmuthige Häuſer krönen die Hügel. Nur durch wunderliche Conceſſionen hat ſich ab und zu eines der ſtolzen, mittel⸗ alterlichen Bauwerke bis heute in wohnlichem Zuſtande erhalten können. So unſer Schloß. Mit ſtillem Ingrimme mochten die ernſten, gewichtigen Mauern ſehen, wie ſich der alte Turnierplatz vor ihnen mit Tulpen, Roſen, Hyacinthen und anderem leichtſinnigen Tand bedeckten, wie die ſchmale Ausfallpforte in dem dicken, unter⸗ ſetzten Thurm an der Ecke der Eingang zu einem luftigen, windigen Glashauſe wurde, wie ſich neben ihnen ganz unzünftiges, modernes Gebäu für Fräulein, Zofen und Köche erhob und wie man ihnen ſchließlich noch ein Paar elegante eiſerne Balkone aufſetzte, damit ſie ſich vor dem neunzehnten Jahrhundert mit Anſtand präſentiren könnten.
Schon der Diener, der uns an dem niedrigen, ſpitzgewölbten Portale empfängt, kündigt uns an, daß wir in ſehr diſtinguirte Kreiſe einzutreten im Begriff ſind. Der ariſtocratiſche Faltenwurf ſeines mächtigen Geſichtes, die ſteife Grandezza ſeines Ganges, ſeine vornehme zurückhaltende Einſilbigkeit harmonireu vortrefflich mit dem Schloßpark, auf deſſen mächtige Eichen und Ulmen wir noch
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um morſche Trümmer
Meublement der blank parquetirten Säle, durch welche uns der Altte führt.
In dem geräumigen Eßſaale finden wir eine große Geſellſchaft mit dem Frühſtück beſchäftigt.— Meine Augen ſuchten unwillkürlich den blumenbekränzten Kuchen in der Mitte und die obligate Gratulations⸗ miene in eines jeglichen Angeſicht; doch vergeblich; es war ein ganz gewöhnlicher Tag; es iſt bei den Kurländern eben noch ein Ding im ſchönſten Flor, das uns meiſt nur noch in der Dichtung erfreut,— die Gaſtfreiheit. Dieſe edle Pflanze ſcheint am beſten in der Wüſte zu gedeihen, am leichteſten in dem bewegten Treiben der Menſchen zu erſticken. Die Gaſtfreiheit der arabiſchen Wüſten⸗ bewohner iſt ſprichwörtlich, in unſeren Städten kennt man wenig mehr als ihr Surrogat— das Gaſthaus. Die Kurländer wohnen noch gerade weit genug von einander, um einige Schwierigkeiten überwin⸗ den zu müſſen, wenn ſie einander ſehen wollen; die Sehnſucht danach wird dadurch nur größer. Vorſorglich iſt in jedem anſehnlichen Hauſe eine lange Reihe von Zimmern für Fremde bereitet, und auf⸗ richtige Freude herrſcht bei ihrem Empfange.
In kurzem fand ich mich als integrirenden Beſtandtheil der eſſenden und trinkenden Geſellſchaft. Die Damen waren neugierig, zu erfahren, welchen Eindruck ihr Land auf mich gemacht habe, und ich begann unbefangen meine Bemerkungen auszukramen.—„Pfui!“ tönt es mir da plötzlich von verſchiedenen ſchönen Lippen entgegen; ich bin entſetzt über dieſes Zeichen tiefſter ſittlicher Entrüſtung; ich ſuche ver⸗ gebens in meinen Worten einen Anlaß dazu. Etwas unſicher nehme ich die Converſation wieder auf— da wieder dieſes ominöſe„Pfui!“ Schon ganz ſchüchtern windet ſich aus meinen Zähnen die Frage her⸗ vor:„Werden die Damen Nachmittags eine Ausfahrt machen?“— „Pfui!“ erwidert mir lächelnd eine der älteren Damen,„mögen ſie lieber gehen, das wird ihnen geſunder ſein!“— Ich hatte mich vor einem Schatten gefürchtet, dieſes gemüthliche, langgezogene„Pfu⸗. i“ iſt kaum der Schatten unſeres kurzen, energiſchen„Pfui!!“ es iſt die Lieblingsinterjection des Kurländers, und wechſelt höchſtens einmal mit„Wai!“ einer gewaltſamen Annexion aus dem jüdiſchen Patois, die ſie ſobald als möglich ihren rechtmäßigen Eigenthümern wieder⸗ geben ſollten.
Räthſel zu rathen aufgegeben. Ich bemerkte auf den erſten Blick, die Benehmens— ganz ſo, vielleicht beſſer, als bei uns;— ſelbſt⸗ bewußte Würde fehlte durchaus nicht,— feingeſchnittene, marmor⸗
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einen ſchnellen Blick werfen, ad mit dem aſtſeiatiſch eiantej. kalte Seihter oder behäige, uene Orundbellt⸗ Phyſicgnomien
Die Herren hatten mir gleich anfangs durch ihre Geſtalten ein—
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ſehen anders aus, als unſere Ariſtocraten. Verbindliche Eleganz des
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