Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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bleiben, er beſchließt ſich um den Oberſten und ſein Thun und Laſſen nicht mehr zu kümmern. Uebrigens iſt das Regiment bei den Revuen das ſchmuckſte, manövrirt meiſterhaft und wenn ihm ein Auftrag

gegen den Feind gegeben wird, weiß der Oberſt denſelben auf ſolche

Weiſe auszuführen, daß monatelang in der ganzen Colonie von niemand als den Montaubanſchen Reitern die Rede iſt und mit Verdruß und Murren Peliſſier ſich verpflichtet ſieht, Decorationen und Beförderungen für das ihm verhaßte Corps zu fordern.

Die Officiere haben ein raſendes Avancement im 2. Chaſſeurs d'Afrique... nur der Oberſt bleibt unbegreiflicher Weiſe zurück; jedoch er ſcheint ſich wenig zu grämen, einer der älteſten Oberſten der Armee zu ſein; er iſt immer noch ſo eifriger Bonapartiſt wie früher und iſt nebenbei ein reicher Mann geworden, denn ſein ‚immenſes Gut gedeiht trefflich, da er über eine Arbeitskraft von hunderten von Armen faſt gratis verfügt, und ſogar angeklagt wird, ſich der Pferde des Regimentes zum Ackerbau für ſeine Privatzwecke zu bedienen.

Endlich bricht der Staatsſtreich aus der Mann als deſſen Parteigänger Montauban ſich mit nicht genug anzuerkennender Frei⸗ müthigkeit in den ſchlimmſten Zeiten erklärt, wird allmächtig in Frankreich und wiederum wird der Schwamm des Vergeſſens über einigeUnregelmäßigkeiten in der Führung des Oberſten Montauban gewiſcht. Interimiſtiſch als älteſter Oberſt commandirt er die Subdiviſion Oran und führt als ſolcher im Jahre 1852 eine Brigade gegen den aufſtändiſchen Stamm der Beni⸗Senaſſen.

Dieſe Expedition wird als eine der ſchönſten betrachtet, welche die franzöſiſche Armee, ſeitdem ſie in Afrika iſt, ausgeführt hat. Von einer ſechsfachen Uebermacht faſt eingeſchloſſen in einem Land⸗ ſtriche, wo jedes Element ſich im Aufruhr gegen die Franzoſen befindet, vernichtet Montauban in wenigen Wochen mit ſeiner unvoll⸗ ſtändigen Brigade den Feind, und unterwirft das ganze Land be⸗ dingungslos. Bei einer Affäre chargirt er ſelbſt an der Spitze ſeiner Chaſſeurs, indem er zum erſten Male in der Schlacht den ſeit ſiebenunddreißig Jahren verhallten Ruf:Vive l'empereur! ausſtößt.

Er wird Brigadegeneral. Der öffentlichen Meinung iſt Ge⸗ nugthuung geſchehen; der Mann, der ſich in ſeinem Privatleben der Achtung nicht zu erfreuen hatte, iſt in ſeinem Avancement zurückge⸗ blieben, und nur ein glücklicher Feldzug eine Heldenthat ver⸗ wandelte die Oberſtepaulette in die eines Generals. Er bleibt in Oran, und als der Kaiſer den Krimfeldzug organiſirt, ſtößt er bei allen Generalen auf ſo energiſchen Widerſtand, als er dem General Montauban ein Commando in der Arméed Orient ertheilen will, daß er nachgibt und ihn in Oran läßt;... die böſen Zungen ſagen zur großen Freude Montaubans, der als interimiſtiſcher Kommandant der Provinz die ganzen disponiblen Truppen zu ſeiner Verfügung hat... und damit ſein Gut weſentlich verbeſſert.

Jedoch man bemerkt bald in Paris, daß die Diviſion ſich in ganz anderen Händen wie früher befindet; alles iſt und bleibt ruhig, obgleich es erwieſen iſt, daß ruſſiſche Agenten alles verſuchen, um die Stämme des Kabylenlandes aufzuwiegeln; die Verwaltung erzielt günſtige Reſultate wie noch nie; die Araber wagen nichts zu unternehmen, und die Coloniſation gedeiht merkwürdig; doch das Klagen über Montauban nimmt kein Ende. Er achtet weder Befehle noch Geſetze handelt wie ein wahrer Despot; aber mit ſolcher Intelligenz und ſo überraſchendem Erfolge, daß ſelbſt die Leute, welche über ſein Thun mißwilligend den Kopf ſchütteln, es als eine wohl berechtigte Auszeichnung ſeiner Verdienſte um die Colonie betrachten, als er im Jahre 1855 zum Diviſionsgeneral ernannt wird.

Das Jahr 1857 war für ihn das verhängißvolle Jahr, wo endlich der langgehegte Zorn gegen ihn zum Ausbruch kam und das bei einer Gelegenheit, die er ſelbſt geſucht zu haben ſcheint. Ein Capitän Donay, Chef eines Bureau arabe, war angeklagt, einen Scheik, welcher ſchon zwei Mal ſein Wort gebrochen und gegen Frank⸗

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reich rebellirt hatte, von ſeinen Spahis ermorden und berauben ge⸗

laſſen zu haben. Der Fall machte ungeheures Aufſehen, und da die Gewaltthat auf einem Territorium, welches ſchon als Civilterritorium betrachtet wurde, begangen, auch eine Civilklage eingereicht war, ſo kam der Angeklagte vor das Geſchwornengericht... und Herr Jules Favre, der Chef der Oppoſition gegen das Kaiſerthum, reiſte expreß

Militärgewalt zu führen. So hieß es wenigſtens, das eigentliche Motiv, das man für Paris ſich nicht die geringſte Mühe gab zu ver⸗ leugnen, war das der kaiſerlichen Regierung eine Niederlage in der Frage der Verwaltung Algeriens beizubringen. Dieſer Proceß iſt eine cause célèbre geworden durch das oratoriſche Turnier Jules Favres und Lachauds, des Vertheidigers des Hauptmanns durch das Todesurtheil, welches über letzteren gefällt wurde, und durch die Ausſage des Generals Montauban, welcher im letzten Augenblicke freiwillig als Entlaſtungszeuge auftrat.

Mit unerſchrockener Offenheit die ſeine Gegner Cynismus nannten ſagte er, daß der Krieg gegen Beduinen und Kabylen keine Schule für Philanthropie und Humanität wäre; daß wenn dieHerren Bürger(dieſer ironiſche Ausdruck erregte den meiſten Unwillen) in dieſem Augenblicke ruhig und ſich vielleicht in ihrer hohen richter⸗ lichen Miſſion überſchätzend, da ſäßen, um einen verdienſtvollen und tapferen Officier zu richten, und keine Kabylenkugeln in die Fenſter des Gerichtsſals ſchlügen, ſo hätten ſie das der Aufopferung einer Armee zu danken, die ſeit einem Vierteljahrhundert mit ihrem Blute den afrikaniſchen Boden tränkte, daß Soldaten das Neu⸗Frank⸗ reich gegründet hätten und trotz aller Geſetze die einzig Berufenen ſein müßten die einzig Ebenbürtigen, die einen der Ihren zu richten zuſammenkommen dürften daß das Advokatengeſchwätz...

Hier entzog der Präſident des Gerichtshofes dem General, welcher die Provinz kommandirte, das Wort. Aber man mag ſich vorſtellen, welch Ungewitter ſich über dem Haupte des Generals zu⸗ ſammenzog, der ſo etwas gewagt hatte. Sein Auftreten ward auch dem Angeklagten fatal, der trotz ſeines ſtandhaften Leugnens, wie oben geſagt, zum Tode verurtheilt jedoch gleich darauf begnadigt und nach einjähriger Feſtungshaft in Frankreich gänzlich in Freiheit ge⸗ ſetzt wurde.

Von allen Seiten wurde in den Kaiſer gedrungen, Montauban zu penſioniren, da es vollſtändig unmöglich wäre, daß dieſer Mann an der Spitze der Provinz bliebe, zumal da eine gehäſſige Verſion curſirte, nach welcher der Hauptmann nur derjenige geweſen ſein ſollte, der die Befehle ſeines Generals ausgeführt. Der Kaiſer gab nur halb nach, entfernte Montauban aus Afrika und gab ihm das Kommando der 21. Diviſion in Limoges.

Man ſchreit man polemiſirt, man bedauert die arme franzöſiſche Provinz, die einen ſolchen Kommandanten hat, man macht ſich auf die in kürzeſter Zeit ſicherlich entſtehenden Conflicte ge⸗ faßt, man freut ſich auf die Verlegenheit, die die Regierung ſich ſelbſt bereitet... und man täuſcht ſich gründlich. Mit einem Male iſt der General, der jetztC. de Montauban zeichnet, ein neuer Menſch geworden. Freundlich, liebenswürdig gegen alle zeigt er, daß er ſo gut und beſſer als irgend ein anderer General ein Kommando in Frankreich führen kann und gewinnt bald die allgemeine Achtung... nein, wir täuſchen uns die allgemeine Anerkennung ſeiner treff⸗ lichen Dienſte. Im italieniſchen Kriege erwacht von neuem die alte Rivalität der Generale gegen ihn, und wiederum erhält er kein Commando. Jedoch ſchon im nächſten Jahre will der Kaiſer dem Lande zeigen, daß er ſeine Protection keinem Unwürdigen angedeihen läßt und ernennt den General Montauban zum General en chef des gegen 12,000 Mann ſtarken Expeditionscorps nach China.

Es iſt unſere Aufgabe nicht, die Leiſtungen dieſes Generals in China und die der Armee unter ſeinem Oberbefehl zu beurtheilen; aber daß er den Engländern, die in Verbindung mit den Franzoſen das Reich der Mitte zu civiliſiren, oder beſſer geſagt, dem europäiſchen Handel zu öffnen verſuchten, ein gar unbequemer Alliirter war, ſteht feſt. Mit ſicherem Scharfblicke verfügte er ſtets ſelbſtſtändig und mehr als einmal machte er die unverantwortlichſten Maßregeln des engliſchen Obergenerals durch den Elan und die Tapferkeit ſeiner Truppen wieder gut. Es war dieſer Feldzug eine zweite Ausgabe des Krimfeldzuges die mit Frankreich in Gemeinſchaft errungenen Siege erbitterten England gegen Frankreich; der Grund liegt auf der Hand. England ſuchte ſeinem ſchlechten Humor dadurch Luft zu machen, daß es die Plünderung des Sommerpalais des Kaiſers bei Peking durch franzöſiſche Truppen im ſchwärzeſten Lichte aus⸗ malte. Sicherlich wird es keinem ehrlichen Menſchen einfallen, dieſe Schreckensmaßregel, welche Montauban anbefohlen, zu rechtfertigen aber ein jeder wird England, welches in Indien ganz andere Greuel verübt, das Recht abſprechen, ſolche moraliſche Entrüſtung an

nach Oran, um die Sache der Wittwe des Ermordeten gegen die den Tag zu legen, ohne ſich lächerlich zu machen.

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