Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
585
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lich hervorheben ſollen, denn in Algerien, wo der General den größten Theil ſeiner Grade ſich errungen, meint man, man brauche blos den Code Militaire zur Hand nehmen, ad libitum einen Paragraphen auszuwählen, und man könne ſicher ſein, daß General Montauban ihn in ſeiner militäriſchen Carriere wenigſtens einmal übertreten habe. Gewöhnlich, wenn ein Mann auf ſolcher Stufe in der öffentlichen Meinung ſteht und eine ſolche hervorragende Stel⸗ lung im Leben einnimmt, hat er auch Freunde, die es am geſcheuteſten finden, alle Gerüchte, die über ihren Beſchützer curſiren, rundweg abzuleugnen und ſie als böswillige Erfindungen zu brandmarken. Die Freunde des Grafen von Palikao geben ſich dieſe Mühe nicht einmal ſie zucken lächelnd die Schultern und meinen:man ver⸗ ſtehe einen Mann wie Montauban nicht.

Was ihm vor allen Dingen vorgeworfen wird, iſt ſeine Miß⸗ achtung des ſtricten Gehorſams, den ein jeglicher Officier ſeinen Vor⸗ geſetzten ſchuldet, und den er ſelbſt von ſeinen Untergebenen unbe⸗ dingt fordert. Ferner zieht man für ſeine Privatgeſinnungen eine nicht ſehr ſchmeichelhafte Parallele zwiſchen ihm einerſeits und den Marſchällen Maſſéna und Davouſt auf der andern... eine Parallele, welche die Römer und die Hamburger wohl am beſten zu würdigen wiſſen.

Jedoch wird es dem Leſer gewiß ſelbſtverſtändlich ſein, daß der Mann, dem man ungeſtraft ſo etwas nachſagen kann, auch Eigen⸗ ſchaften beſitzen muß, die dermaßen hell leuchten, daß all dieſe Schat⸗ tenſeiten verſchwinden. Und ſo iſt es auch! Er wäre ſicherlich der allgemeinen Entrüſtung erlegen, wenn es nicht außer allem Zweifel feſtſtände, daß er ein durch und durch tüchtiger vielleicht der tüch tigſte Officier der ganzen Armee iſt.

Es iſt äußerſt ſchwer, ein richtiges Lebensbild dieſes Mannes zu entwerfen, denn eigentlich fangen die wirklichen Notizen, die man über ihn hat, erſt mit dem Jahre 1840 an. Von da an rückwärts iſt alles dunkel, verwirrt faſt Sage; ſein Leben und Wirken, ſein Name ja ſeine Geburt.

Derétat de service enthält die Jahreszahl 1794 als die ſeiner Geburt; jedoch könnte man höchſtens ausgelacht werden, wenn man behaupten wollte, daß der Graf von Palikao heute dreiundſiebzig Jahre alt wäre. Von ziemlich hoher Statur zeigt ſein mageres und ſonnverbranntes Geſicht ſolch ein Gemiſch von eiſerner Feſtigkeit und jugendlicher Energie, daß ſelbſt der Gedanke fern liegen würde einen Greis in dieſem Körper zu ſuchen, wo alles Kraft und Lebens⸗ fülle zu ſein ſcheint. Man behauptet, daß er ſeinem état de ser- vice zum Trotze erſt in dieſem Jahrhundert geboren ſei.

Man glaubt ziemlich genau zu wiſſen, daß er Hippolyt Fran⸗ cois Athala Sebaſtian Couſin heiße und in Verneuil geboren ſei doch auch dies wird tretz aller officiellen Documente, die es beſtätigen, vielfach beſtritten. Wie er ſeine Jugend verbracht.. man weiß es nicht, und es wäre wirklich zu langweilig, all die Geſchichten, die dar⸗ über curſiren, aufzuzeichnen. Die einen geben ihm eine ſehr hohe Abſtammung die andern eine mehr als niedrige. Daß er die Kriegsſchule beſucht, ſollte doch keinem Zweifel unterliegen, da die ſtricteſten Regiſter in dieſem Inſtitute geführt werden und dennoch will es niemand glauben. Woher der ſo ariſtokratiſch klingende Name Montauban? man weiß es nicht; aber man ent⸗ ſinnt ſich, daß es um das Jahr 1829 herum einen Theaterdirector einer kleinen Geſellſchaft dieſes Namens gegeben habe, der ein ſchroffes, faſt militäriſches Auftreten hatte und der mit einemmale ſpurlos ver⸗ ſchwand. Ueber alles dies und über ſeine überſeeiſchen Kriegs⸗ dienſte ſchwebt, wir wiederholen es, ein tiefes Dunkel; nur weiß man mit Beſtimmtheit, daß in den dreißiger Jahren ein königliches

Decret denfrüheren höheren Columbiſchen Officier Hippolyt Couſin

genannt(dit) Montauban in die franzöſiſche Armee einrangirte, und daß dieſer ſelbe Hauptmann Couſin als compromittirt bei der Landung des Prinzen Louis Napoleon in Boulogne zur Strafe nach Afrika verſetzt wurde, nachdem er einige Zeit im Gefängniß ver⸗ bracht. Und wiederum geht das Gerücht, der König Louis Philipp habe ihm dieſe Strafe erlaſſen, unter der Bedingung, während ihrer Dauer incognito im Auslande zu verweilen. Was an alle dem wahr iſt, kännen wir nicht beſtimmen vielleicht jeder Buchſtabe, vielleicht auch keine Silbe.

Schreiber dieſes hörte einſt den Herzog von Aumale, den Sohn Louis Philipps, welcher damals gerade General⸗Gouverneur von Algerien war, zu dem General Gudin(einem Magdeburger) ſagen:

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Das intereſſanteſte Buch, das man leſen könnte, wäre wohl die Lebensſchilderung Montaubans. Er iſt ein wirklicher Abenteurer! Erſt 1846 alſo officiell in ſeinem zweiundfünfzigſten Jahre, tritt ſein Leben dermaßen in die Oeffentlichkeit, daß man es faſt Tag für Tag verfolgen kann. Er iſt Oberſt geworden und com⸗ mandirt das zweite Regiment der Chaſſeurs d Afrique in der Garniſon von Oran. Wie heute bei den Zuaven war es damals wir möchten faſt ſagen Mode, daß ruinirte und verſchuldete Familienſöhne, ſo wie andere, deren Carriere verfehlt oder verdorben war, einen Strich unter ihr früheres Leben machten und in die Chaſſeurs d'Afrique traten. Noch andere, die das Sybaritenleben in Paris zu ekeln anfing, die von irgend einem inneren Weh gedrängt Vergeſſen ſuchten, fanden keinen beſſeren Ausweg als die blaue Uniform anzuziehen, und da das freiwillige Engagement in einem Corps auf die Dauer von nur zwei Jahren abgeſchloſſen werden konnte, ſo beſtand ſchon, im Augenblicke, wo Montauban das Regiment übernahm, dasſelbe aus mehr als einem Drittheil ſogenannter Familienſöhne. Daß dieſes Drittheil von gebildeten jungen Leuten, von denen einige ſogar ein nicht unbedeutendes und ſelbſtändiges Vermögen beſaßen, einen entſchiedenen Einfluß auf die übrigen zwei Drittheile ausübte, wird dem Leſer begreiflich ſein. Montauban auf jeden Fall begriff dies zuerſt, und auch, daß der Einfluß der Freiwilligen auf das Regiment dieſem einen abenteuerlichen Geiſt gäbe, der es zu allem fähig machen würde. Und dieſen Geiſt, der von Tag zu Tag ſich mehr in ſeinem Regimente entwickelte, wußte der Oberſt ſo trefflich auszubeuten, daß bald das 2. Regiment der Chaſſeurs d'Afrique das bekannteſte und berühmteſte des ganzen Expeditionscorps geworden war. Freilich wurde die ſtrikte militäriſche Disciplin ſehr loſe gehandhabt, wie die hohen Generale behaupteten, die den Herzog von Aumale mit Klagen gegen Montauban beſtürmten; jedoch bei der Gefangennahme Abdel⸗ kaders im December 1847 that ſich dieſes Regiment vor allen andern ſo ſehr hervor, trug in ſolchem Maße zum Erfolge des verwegenen Zuges Lamoricières bei, daß alle Stimmen der Anklage ſchweigen mußten und Montauban das Commandeurkreuz der Ehrenlegion erhielt. Es war dies die letzte Kriegsthat des jungen fürſtlichen Ober⸗ Generals zwei Monate ſpäter war ſein Degen für Frankreich, wie der Thron ſeines Vaters für immer verloren...... und Oberſt Couſin Montauban ſchrie mit begeiſterter Stimme: Vive la République! und rückte am 29. Februar mit ſchmetternden Trompeten beim Klange der Marſeillaiſe in Oran ein! Er kann ſich Glück wünſchen, hieß eshätte die Monarchie noch einen Monat gedauert, ſo wäre die Unterſuchung über ihn und die Adminiſtration des Regimentes eröffnet worden! Jetzt wird unſer Oberſt mit einem Male eifriger Bonaxpartiſt; er rühmt ſich offenkundig ſeiner Theilnahme an der Boulogner Affäre, behauptet, daß nur ein Napoleon Frankreich würdig regieren könne und macht, trotz ſeiner Vorgeſetzten, die nicht im geringſten dieſe Meinung theilten, eine ſo eifrige Propaganda für den Prinzen Louis Napoleon, daß Peliſſier auf Befehl des Dictators Cavaignac ihm Arreſt ertheilt und das Kriegsgericht zuſammenberufen wird, um zu erklären, ob die politiſchen Agitationen des Oberſten mit ſeiner Stellung als Regimentschef, der der Republik einen Eid geleiſtet hat, nicht collidiren. Der nächſte Dampfer bringt das Reſultat des Plebiscits: ſechs Millionen Franzoſen haben den Bürger Louis Bonaparte zum Präſidenten der Republik ernannt.... und die Trompeter des zweiten Regiments der Chaſſeurs d'Afrique blaſen am nächſten Morgen ein damals noch unbekanntes Lied, welches ſeitdem aber die Marſeillaiſe verdrängt hat das:Partant pour la Syrie! Von dieſem Tage an zeichnet Oberſt Montauban ſeinen Namen Couſin de Montauban! Man hat ſich gewundert, daß der Prinz während ſeiner drei⸗ jährigen Präſidentſchaft ſeinen alten Bekannten faſt zu vergeſſen ſcheint Montauban bleibt ruhig Oberſt ſeines Regiments und während eine Anzahl jüngerer Officiere ihn überſpringen, lebt er in Oran, wo er trotz ſeines Grades ſich als Anſiedler bedeutende Terrains hat geben laſſen, welche er ungeachtet aller Reclamationen und Zeitungsartikel von den Soldaten ſeines Regiments bearbeiten läßt. Peliſſier iſt es müde, Rapporte über Rapporte nach Frankreich ſenden da ſie vom Miniſterium des Präſidenten unberügke

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