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Wehrgehänge überwarf. Mit Bezug auf dieſes Zurücklaſſen der Waffe ſei hier einer Anecdote erwähnt, welche der ſpäter ſo unglück⸗ liche Prinz Don Carlos, der Enkel des Kaiſers, als Knabe lieferte. Als der Kaiſer nach ſeiner Abdankung gen Palencia zog, wo das Kloſter St. Juſt gelegen war, empfingen ihn zu Valladolid die Bürger und Adligen der Stadt. Unter ihnen befand ſich auch Don Carlos, ſein Enkel. Der Kaiſer rief in der Nachmittagsſtunde das Kind zu ſich.„Es iſt ſchön, mein Enkel!“ ſagte er,„daß Ihr mir entgegen⸗ gekommen ſeid.“—„Seid Ihr nicht mein Kaiſer und Großvater?“ antwortete das Kind.„Auch hat man mir immer geſagt, Ihr wäret ein großer Kaiſer und hättet berühmte Dinge vollführt.“—„Soll ich ſie Euch erzählen?“ ſagte der Kaiſer.„Das wäre eine große Freude für mich.“ Carl er⸗ zählte nun in flüchtigem Umriſſe ſeine Lebens⸗ geſchichte. Als er fer— tig war, fragte er den Knaben, wie ihm das Ganze gefallen habe? „Sehr gut!“ entgeg⸗ nete der Prinz.„Nur eins kann ich Euch nicht verzeihen.“— „Und welches?“— „Daß Ihr vor dem Moritz geflohen ſeid aus Innsbruck, halb entkleidet, ohne Waffe.“ „Ich erzähle immer aufrichtig!“ ſagte Carl. „Ich konnte keinen Widerſtand leiſten!“ —„Ja, ich wäre aber nicht geflohen!“— „Er überfiel mich.“— „Ja, ich wäre nicht ge— flohen.“—„Alſo, ich hätte mich ſollen fan⸗ gen laſſen?“—„Thut nichts! Ich wäre nicht geflohen.“ Dabei blieb denn der Prinz hartnäckig zum größ⸗ ten Verdruſſe ſeines Ahnen, der endlich die Stirn runzelte, den Gouverneur des Prin⸗ zen rief und ihm ſagte: „Mein Herr, führen Sie meinen Enkel hinweg. Ich danke Ihnen für ſeine Erziehung. Fährt er ſo fort, dann wird er der größte Krieger in unſerer Familie werden.“
Die Relation von der Mühlberger Schlacht beweiſt, daß der Kaiſer, der eigentlich fein und elegant gebaut war, dennoch gern in ritterlichem Schmucke erſchien. Schöne und ſeltene Waffen waren ſein Steckenpferd. Er ſchätzte deutſche Arbeiten dieſes für ſeine Zeit ſo wichtigen Induſtriezweiges ſehr hoch. Der ritterliche Sinn war dem Kaiſer angeboren. Seine vielen Kriege in Afrika, Italien, Deutſchland ꝛc. hatten dieſe Leidenſchaft genährt, und gewiß iſt es hoch anzurechnen, daß der Staatsmann nicht durch den Krieger in den Hintergrund gedrängt ward.
Einen beſonders ſchlagenden Beweis für die Neigung des Kaiſers zur Romantik liefert wohl das berühmte Binzerturnier, auf welchem Carl die Gebräuche einer entſchwundenen Zeit mit der Glut eines poetiſch begeiſterten Jünglings wieder hergeſtellt wiſſen wollte. Dieſe Liebe zum Ritterthum und ſomit zu deſſen Wahrzeichen, dem Harniſch, welche dem Kaiſer ſtets eigen blieb, führt uns auf die Betrachtung einer der herrlichſten Reliquien, die, von dem großen Herrſcher ſtammend, auf unſere Zeiten glücklich erhalten gekommen iſt. Unſere Illu⸗
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Die Rüſtung Kaiſer Carls V. (Aus der Waffenhalle des Prinzen Carl von Preußen.)
ſtration zeigt den Prunkharniſch Kaiſer Carls V. Dieſes unſchätz⸗ bare Stück bildet eine der ſchönſten Zierden der berühmten, an herr⸗ lichen und ſeltenen Waffen ſo reichen Sammlung des Prinzen Carl von Preußen. Der Harniſch iſt im Jahre 1840 für die Sammlung erworben worden. Abgeſehen von den Documenten, welche ſeine hohe, einſtige Beſtimmung beſtätigen, iſt das Eiſenkleid ſelbſt von ſo ausgezeichnet ſchöner Arbeit, daß es nur einem großen Krieger, einem Mächtigen dieſer Erde angehört haben kann. Es weiſen nun aber
außerdem die Verzierungen, welche theils in geätzter, theils in ge⸗
triebener Arbeit auf dem Harniſche ſichtbar ſind, auf den berühmten Beſitzer hin, und die Form der Rüſtung, die Feinheit der Beine, der Armſchienen, der ganze Bau der Schultern ſtimmen ebenſo wie die Größe mit den Berich⸗ ten und Schilderungen von der feinen Perſön⸗ lichkeit des Kaiſers überein. Eine Ver⸗ gleichung mit dem in Madrid befindlichen Harniſche des Kaiſers hat Längen⸗ und Brei⸗ tenmaße vollkommen gleich erſcheinen laſſen.
Sehr intereſſant ſind die auf dem Har⸗ niſche befindlichen Em⸗ bleme. Sie ſind die Wahrzeichen Kaiſer Carls V. Zunächſt erblickt man in getrie⸗ bener Arbeit auf den Armbeugen(in der
Waffenkunde„Meu⸗ ſel“, franzöſiſch„Cu⸗ bitiéres“ genannt) das„burgundiſche Feuereiſen.“ Das Symbol ſtellt einen
Feuerſtahl dar, aus welchem nach beiden Seiten hin Flammen ſprühen. Philipp der
Gute, Herzog von Bur⸗ gund, nahm aus dem alten burgundiſchen Wappen den Kieſelſtein und ſetzte ihn, in der
lateiniſchen B nicht unähnlich, mit einem Feuerſtahle zuſammen. So iſt dieſes Zeichen von Philipp, bei Stiftung des Ordens vom goldnen Vließe (1430), unter die Inſignien aufgenommen, und man erblickt es in der Kette des Ordens. Nach Philipps Tode ward es Familienzeichen; ſeine Nachfolger in der Herrſchaft der Niederlande erbten es von Geſchlecht zu Geſchlecht. So nahe dieſes Symbol auch dem Orden des Vließes ſteht, darf es dennoch nur von königlichen Perſonen geführt werden. So führt z. B. der„große Baſtard“ Anton von Burgund, dieſes Zeichen nicht, dagegen iſt es ſichtbar in den Wappen und Harniſchen Philipps des Guten, Carls des Kühnen und Philipps des Schönen. Der Harniſch, deſſen Abbildung wir vor uns ſehen, zeigt nun dieſes hohe Symbol und muß daher einem gekrönten Haupte angehört haben. Daß die Niederlande ein Beſitzthum Kaiſer Carls V. waren, bedarf keiner weiteren Erwähnung, und es iſt wieder ſelbſtverſtändlich, daß der Kaiſer das Familienzeichen annahm, welches die Beſitzer jener Länder ſich zugelegt hatten. Wir finden aber auf dem Harniſche noch untrüglichere Zeichen, daß der Kaiſer dieſes ſchöne Eiſenkleid für ſeinen perſönlichen Gebrauch beſtimmte. Auf den ſogenannten „Schooßen“, den Eiſenſchienen, welche die Lenden decken, ſind in er⸗ habener(getriebener) Arbeit ein Greif und zwei Säulen abgebildet.
äußeren Form einem„
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