Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
572
Einzelbild herunterladen

ͦ

*

Werk doch dazu dienen, denen, welche Freunde der Miſſion ſind, zu zeigen, daß wir ihrer Freundſchaft würdig waren. ſchaft wird unſerem Werke danken. Dr. Petermann legt hohen Werth auf die Mittheilungen, welche mir die Miſſionare ſenden, und ich glaube, daß unſer Unternehmen auch hierin günſtig wirken wird. Sehen Sie, da habe ich heute morgen einen Brief aus der Südſee erhalten er war 10 Monate unterwegs. Ein Miſſionar hat monate⸗ lang die verſchiedenen Temperaturen ſeiner Inſel aufgezeichnet und ſchickt mir dieſe Notizen. Es ſcheint Ihnen dies vielleicht eine Kleinigkeit: ja aber wenn erſt ein tüchtiges Centrum dieſer Mittheilungen organiſirt ſein wird, werden die Reſultate wohl nicht ausbleiben, und ich freue mich herzlich, daß das in Deutſchland geſchehen iſt und unter einer Oberleitung wie die des Dr. Petermann.

Und doch würde unſer Werk in Deutſchland wohl ſcheitern, ſagte Herr Beſſer, der ſo eben eintrat,wenn wir nicht zu gleicher Zeit eine engliſche Ausgabe unſeres Miſſionsatlas publicirten.

Das iſt möglich, erwiderte Dr. Grundemann;aber daraus iſt nicht zu ſchließen, daß in Deutſchland das Gute weniger mächtig auf den Geiſt einwirkt, als in England. England hat das Chriſten⸗ thum mehr populariſirt, wenn ich mich ſo ausdrücken kann als Deutſchland; aber ich komme auf meine ſtete Behauptung zurück, Deutſchland wird die Miſſion ganz anders begünſtigen, als es bis jetzt thut, wenn es ſie erſt kennen wird, und dazu iſt unſer Atlas der erſte Schritt.

Ich verabſchiedete mich von Dr. Grundemann, welcher mein Intereſſe im hohem Grade durch ſein Unternehmen erregt hatte.

** *

Und nun, mein lieber Gaſt, ſagte Herr Beſſer zu mir, nachdem er mich noch zu Herrn Dr. Berghaus geführt, welcher den ſchönen Triumph vor einigen Monaten erlebt, daß die von ihm gezeichnete Weltkarte in England dem auf ſeine geographiſchen Leiſtungen ſo eiferſüchtigen England ein wahres Furore gemacht und Auflage auf Auflage erſcheintnun ſollen Sie noch den letzten Zweig der Unternehmungen von Juſtus Perthes kennen lernen bewaffnen Sie ſich mit einer heiligen Scheu! in das Gemach, das Sie jetzt betreten werden, gehen alle Große der Erde aus und ein; von hier aus wird ihre Geburt bis in die entlegenſten Weltwinkel hin bekannt gemacht; und hier leben ſie ſelbſt nach ihrem Tode noch fort hier iſt der: Almanach de Gotha!

Wahrhaſtig! rief ichich hätte nicht daran gedacht, daß ich mich an der Stätte befinde, wo die menſchliche Eitelkeit ſich ihr glänzendes Monument geſetzt hat. Mit Freuden werde ich meine Neugierde befriedigen! Sagen Sie mir nun aber, wie es Ihnen ge⸗ lingt, die jährlichen Veränderungen in tauſenden von Familien, welche über den ganzen Erdboden zerſtreut ſind, zu erfahren!

Ja, das iſt eine harte Arbeit und erfordert einen Aufwand von

Kräften, von dem man ſich wohl keinen Begriff macht! Wir ſchicken Schemata an alle Familienhäupter, die ein Recht haben, im Almanach

de Gotha aufgenommen zu werden, und wenn dieſe Schemate uns nicht bis zu einer gewiſſen Epoche zurückgeſandt ſind mit der Anzeige on etwaigen Geburten und Todesfällen,

Auch die Wiſſen⸗

Scheidungen, ſo wird der vorige Jahrgang copirt. Jedoch iſt es ſehr ſelten, daß in einer ausgebreiteten Familie Jahre vergehen, ohne daß irgend eine Veränderung in ihnen vorgeht! Viel häufiger kommt es vor, daß die Herrſchaften es vernachläſſigen, die Schemata zur rechten Zeit zurückzuſenden, und daß uns ſolch eine Veränderung zukommt im Augenblicke des Druckes! Glauben Sie wohl, daß dieſer Almanach von Juli bis December drei Redacteure, ich möchte ſagen Tag und Nacht, beſchäftigt?

Sie waren wohl in großer Verlegenbeit im vorigen re, um den politiſchen Veränderungen Deutſchlands eine nicht anſtößige Form zu geben? fragte ichin gewiſſe eiſen, beſonders im Auslande ſah man mit einer Art von Spaltnung Ihrer, Veröffent⸗ lichung entgegen man wollte wiſſen, ob der Almanach die An⸗ nexionen anerkenne oder nicht!

Sehen Sie, wie wir diplomatiſch verfahren ſind ſagte der Chef⸗Redacteur des Almanachs, zu dem wir getreten waren, indem er den neueſten Band ergriff und mir zeigte:Nicht regierende Linie des Hauſes Braunſchweig⸗Hannover: Georg V. ꝛc. ꝛc.

Bravo! rief ich,das war diplomatiſch fein und dennoch tact⸗ voll ſchonend!

Und wir hatten nicht zu befürchten, daß heute wie 1808 der Almanach conſiscirt würde! Das iſt ein wenig gekanntes Beiſpiel der napoleoniſchen Willkührlichkeit in Deutſchland. 1808 ließ er den Almanach confisciren, weil die Ausgabe immer noch die Namen derjenigen Fürſten enthielt, die er im vorhergehenden entthront hatte.

.... Das etwas düſtere Zimmer mit ſeinen mehr als hundert Jahrgängen des Almanachs hatte für mich keinen Reiz mehr, nachdem die oberflächliche Neugierde einmal befriedigt war, und ich verließ es, um noch einen letzten Blick auf die ſchöne Anſtalt zu werfen, deren Beſuch mich ſo ausnehmend intereſſirt hatte.

Das iſt ein deutſches Werk, ſagte ich zu Herrn Beſſer, und jeder von uns, der es beſucht, kann ſtolz darauf ſein. Sie haben von keiner andern Nation hier etwas genommen! Deutſches Wiſſen und deutſche Energie haben hier alles geſchaffen und geleitet und Sie...

Nicht uns gebührt die Ehre, unterbrach mich Herr Beſſer unſere Vorgänger, mein Großonkel Wilhelm Perthes, der Sohn von Juſtus und der Enkel von Mathias Claudius hat das Fundament zu all dieſem gelegt, und ſein Sohn Bernhard Perthes war der, welcher die Idee eines ſo umfaſſenden geographiſchen Inſtitutes in ſeiner ganzen Großartigkeit erfaßte. Wir haben nichts weiter ge⸗ than, als auf der gegebenen Bahn mit der großen Erleichterung der wiſſenſchaftlichen Fortſchritte fortzuſchreiten, indem wir jedoch nie das

Ziel unſerer Vorgänger aus den Augen ließen. Gott hat uns ſeinen

reichlichen Segen zu all unſeren Unternehmungen gegeben, und der Name Juſtus Perthes wird wohl in Deutſchland ſobald nicht ver⸗ geſſen werden!

Nie! erwiderte ich;denn er iſt ein Abglanz des deutſchen Weſens, das ſich auf Religion, Sitte und Wiſſen baſirt! Wir haben im deutſchen Buchhandel viele Namen, auf die wir ſtolz ſein können;

doch der Name Perthes iſt einer der beſten, wo nicht der beſte!

eanden= 4M ee

2ſ ee

II. Die Küſtung Kaiſer Carls V.

Als nun der Morgen angebrochen, ſahe man die hiſpaniſchen Hakenſchützen an denen Ufern umherlauffen, worauff ſie ſich ſämmtlich in den Fluß geſtürtzet, mit Vernelden ſchreiend: Hiſpania! Hiſpania! iſt balde darauff erſchienen Seine kaiſerliche Majeſtät Carolus V. ſo in einem Harnaſch von Stahl mit verguldeten Orten(Kanten, Enden) einem milaniſchen helm auff dem haubte angethan geweſen. Hatten Se. kaiſerliche Majeſtät eine Lanzen in der hand ſo zum Geſtech ge⸗ dienet, gleich als wollete dieſer hohe Kriegesfürſt ſeinen Völkern vor⸗ angehen, welches denn auch geſchehen, obgleich der Dux de Alba und Kurfürſt Moritz von Sachſen ſolches zu verhindern geſuchet. Und

*) Siehe II. Jahrgang S. 500 ff.

AN

Reliquien und Curioſa.) Von Georg Hiltl.

haben kaiſerliche Majeſtät in den Fluß geſätzet, dabei denn ein Bauer das Pferd am Zügel geführet, und hat man weithin Seine Majeſtät

Perſohn in dero blinckendem Harnaſch wahrzunehmen vermocht.

So ſchildert eine alte Chronik den Uebergang Kaiſer Carls V. über die Elbe am Tage der unglücklichen und bedeutungsvollen Schlacht bei Mühlberg den 24. April 1547. Der große Kaiſer hatte, wie allgemein berichtet wird, einen blitzenden Stahlharniſch an. Es war bei Carl nicht eine Art von Koketterie, ein Prunken mit den Waffen. Wenn die Schlacht begann, dann wallte ſein kriegeriſches Blut hoch auf, und mit Mühe hielt ſeine Umgebung ihn vom Angriff der Feinde zurück. Freilich war dieſe kriegeriſche Stimmung nicht immer vor⸗ herrſchend bei dem Kaiſer. Man gedenke des unglücklichen Tages, als der große Sieger vor Moritz von Sachſen aus Innsbruck flüchten mußte, und zwar ſo eilig, daß er ſein Schwert vergaß und nur das

Wehrg Waffe lich) Als d Kloſte und A ſein E ſich

gekom antwo ein gie hättet vol füh ich fie ſagte de wäre ei für w zählte Umriſ geſchie tig wo Knabe Ganze Seh nete d eins

nicht Und Daß Mori aus entkle Ich aufrie Ich Wider