Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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Den Holzhandel habe ich mit meinem Bruder zuſammen; bei ihm lagert das Holz, eine Probe davon können Sie hier ſehen. Dabei reichte er mir einige kleine, platte Holzſtückchen, hellgelb und bräunlich. Die Holzfaſer zeigte auf der ebenen Fläche eine wunder⸗ ſchöne Zeichnung, geflammt, gewellt oder ſchnurgerade liniirt.Dieſes Holz wird zu Inſtrumenten gebraucht; aus dem geradlinig geſtreiften Tannenholz werden Violin⸗ oder Violoncelldeckel gemacht, dies ge⸗ flammte gibt den Steg für dieſelben Inſtrumente und hier das ge⸗ wellte Ahornholz gibt die Böden und Seitenwände. Die Bäume, welche dieſes Holz liefern, hole ich ſelbſt mit dem Bruder oben aus den Bergen; ſie ſind ſelten und ſchwer zu finden, denn nicht jeder Bergahorn zeigt die ſchöne Faſerung, die ſo geſchätzt wird. Das im Thal gewachſene Holz iſt zu locker und für den Ton des Inſtrumentes nicht günſtig, es muß leicht und feſt ſein wie es nur dort in der Höhe wächſt, in der Kälte und im Winde. Es iſt ein mühſames und ſchweres Geſchäft, ſowohl das Aufſuchen wie das Herunter⸗ ſchaffen der Bäume, das erſtere iſt eine ganz beſondere Wiſſenſchaft. Der Bau der Inſtrumente ſo wie die Laune der Liebhaber ſtellen ſo viele Bedingungen, daß es außerordentlich ſchwer iſt, fortwährend ſolches Holz herbeizuſchaffen, wie es hin und wieder in großer Voll⸗ kommenheit vorkommt. Wenn Sie heute Nachmittag mich zum Bruder begleiten, werde ich Ihnen Blöcke zeigen, die jeden Inſtrumenten⸗ macher in Entzücken verſetzen würden.

Bei ſo viel Neuem und Intereſſantem, wie Sie mir da erzählen und zeigen, hätte ich bald vergeſſen, nach Ihrem Sohne zu fragen; zeichnet er noch immer?

Ja, er zeichnet und modellirt, ſehen Sie doch ſeine Mappen einmal durch und ſagen mir dann Ihre Meinung. Ich wollte, daß ich ihn bald hinausſchicken könnte, ich glaube, es ſteckt ein Bildhauer in ihm..

So fand ich den Fiſcher und Drechsler. 4

Wollte ich nun eben ſo ausführlich meinen Beſuch und die Unterhaltung bei Anton Aufdermaur, dem Uhrmacher, ſchildern, den ich bald als eifrigen Sammler von Alterthümern kennen lernte, ſo würde die Länge dieſes Berichtes das Maß des Erlaubten weit über⸗ ſchreiten, und der verſprochene Forellenfang, auf welchen der ſtand⸗ hafte Leſer vielleicht noch eine gewiſſe Hoffnung geſetzt hat, immer mehr verkümmert werden. Ich muß mich alſo damit begnügen, zu ſagen, daß Anton, Aufdermaur eine Sammlung von alten Waffen, Verſteinerungen und höchſt merkwürdigen Porzellanſachen in ſeiner Wohnung zuſammengetragen hat, die wohl nicht jeden Beſucher der⸗ geſtalt intereſſiren kann, daß er das Sammeln dieſer Gegenſtände zu ſeiner ausſchließlichen Liebhaberei erheben möchte, aber doch in dem Maße, daß er die Zeit, welche zum Betrachten derſelben gehört, mehr und mehr verlängert, ohne daß ſie ihm dabei lang wird.

Am folgenden Morgen war das Wetter zum Fiſchen nicht günſtiger; wir gingen alſo auf die Jagd, und Caspar bewies mir, daß der Vogel in der Luft vor ihm nicht ſicherer iſt, wie der Fiſch im Waſſer.

Endlich fuhren wir hinaus auf den See, ſpät Abends bei Mondſchein.Dieſes Boot iſt auch wohl Ihr Werk, nicht wahr, Sie bauten es ſelber?Ja, dieſes und ein zweites, das andere haben Sie geſtern vor der Wohnung des Bruders liegen ſehen; ſie ſind mehr für meine eigene Bequemlichkeit eingerichtet wie die anderen Böte auf dem See und gehen auch ſchneller. Wollen Sie ſich da hinten ſetzen und das kleine Handnetz nehmen; wenn die Fiſche einmal beißen, iſt jede Hilfe willkommen; Casparle rudert vorn, ich bleibe in der Mitte. Wir fahren ſchräg hinüber nach dem Mythenſteine und dann bis zum Grütli am Ufer entlang.Was zünden Sie denn dort an in der Pfanne?Getrocknete Arvenwurzeln, die brennen wie Pech. Der helle Schein lockt die Fiſche herbei, und etwas leuchtet er auch in das Boot; der Mond wird ſich wohl mitunter verſtecken, über dem Seelisberg liegen ſchon Wolken. Casparle, langſam! ſpar Deine Kräfte. Während der Fiſcher ſo ſprach, hatte er eine etwa 12 Fuß lange Stange an einer Seite des Bootes auf⸗ gerichtet. Durch eine oben befindliche Rolle lief eine lange Schnur und an dieſer waren in gleichmäßigen Zwiſchenräumen dünne Schnüre befeſtigt, fünfzehn im ganzen, jede mit einem künſtlichen Fiſche be⸗ ſchwert. Er ordnete ſorgſam den ganzen Apparat, und jeder Perl⸗ mutterfiſch mit ſeinem Angelhaken wurde noch einer letzten Prüfung unterworfen.

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Was haben Sie denn da als Köder genommen, einen ſilbernen Theelöffel?Nein, einen kupfernen, ohne Stiel, mit Angelhaken vorn und hinten; ſehen Sie, nur die eine Seite iſt verſilbert, der thut im Mondlicht dieſelben Dienſte, ich habe ſchon manche Forelle damit gefangen. Endlich war alles in Ordnung, und Caspar ſchickte ſich eben an, ein etwa fußlanges, ſonderbares Geräth, das am äußer⸗ ſten Ende der Hauptſchnur befeſtigt war, über Bord zu werfen, als ich ihn wieder aufhielt:Iſt das auch ein künſtlicher Fiſch? der iſt ſehr groß und glänzt nicht beſonders!Nein, das iſt kein Köder, aber das wichtigſte Stück bei der ganzen Einrichtung. Die Leute, die mich vom Ufer aus zuerſt damit fiſchen ſahen, nannten es den Hund, weil es im Waſſer ausſieht, wie ein ſchwimmender Hund, der das Schiff begleitet. Dieſen Namen hat es behalten, ich nenne es ſelbſt nicht anders. Der Hund ſchwimmt an dem einem Ende der 120 Fuß langen Schnur und zieht ſie über das Waſſer vorwärts, das andere an der Stange befeſtigte Ende wird vom Boote gezogen. Das iſt mir nur halb verſtändlich. Wenn ein Boot ein Stück Holz an einer langen Schnur nachſchleift, ſo muß doch das Holz zu⸗ rückbleiben im Kielwaſſer des Bootes, wie kann es nebenherſchwimmen eben ſo ſchnell wie das Boot?Das iſt eben das Geheimniß, und liegt lediglich an der Form, die ich ihm gegeben habe. Der Hund iſt ein Stück Blech wie eine Dachrinne gebogen, an einer Seite ent⸗ lang läuft ein breiter Korkſtreifen und vorn, der gebogene Schnabel, welcher das Waſſer theilt, iſt von Holz. Die Hauptſchnur läuft in zwei Enden aus von ungleicher Länge, die gehen durch das Blech. Zuerſt war mein Hund ſehr unvollkommen und blieb weit hinter dem Boote zurück, damals fing ich wenig damit, denn in unſerem Kiel⸗ waſſer und in der Nähe deſſelben verſcheucht das Boot die Fiſche. Nach und nach habe ich die Form verbeſſert, und wie es jetzt geht, werden Sie gleich ſehen. Damit warf er den Hund über Bord. Nach einigen kräftigen Ruderſchlägen von Seiten des Fiſchers warf der Hund eine kleine Welle auf und begann den ganzen Apparat von Schnüren hinauszuziehen, bis die Hauptſchnur von der Spitze der Stange bis auf die Oberfläche des Waſſers ſtraff gezogen war, dann ſchwamm er ſtetig weiter, immer parallel mit dem Boote. Die Angel⸗ ſchnüre waren mit Rückſicht auf die Senkung der Hauptſchnur all⸗ mählich verkürzt, je näher ſie dem Ende derſelben, wo der Hund ſchwamm, angebracht waren. Das Boot durchſchnitt jetzt in be⸗ ſchleunigter Fahrt die Fläche. Alle künſtlichen Fiſche hingen genau in der Waſſerlinie, und es gewährte einen reizenden Anblick, ſie dahin⸗ eilen zu ſehen, bald fliegend und bald ſchwimmend, im Mondesſtrahl perlenſprühend. Jedesmal, wenn die Schar ſich über das Waſſer erhob, ſpringend die kräuſelnden Wellen durchſchnitt und wieder ver⸗ ſchwand, glaubte man lebende Fiſche zu ſehen. Kein Wunder, daß die Forelle ſich überliſten läßt und dem blitzenden Blendwerk nach⸗ ſpringt, die Täuſchung iſt ganz überraſchend. Und jetzt biſſen ſie wirklich. Da! da wieder eine! und dort an der vierten Schnur, die hat ſich am kupfernen Löffel gefangen! Schnell die Schnur an⸗ gezogen, die Fiſche ins Boot und weiter.

Weiter beſchreiben will ich es nicht, die kurze Freude des Fan⸗ gens iſt nur für die Betheiligten eine, der Leſer hat wenig davon.

Zwei Tage blieb ich noch in Brunnen, ſiſchend und zeichnend, zeichnete auch denHund im Hauſe des Fiſchers. Endlich dachte ich doch an Flüelen und Weiterreiſen.

Noch ein Wort, Freund Aufdermaur! Erſchrecken Sie nur nicht, wenn Sie im nächſten Jahre zufällig etwas leſen ſollten über Forellenfang und Fiſcherei auf dem Vierwaldſtätterſee, und Ihr Name kommt darin vor. Nicht wahr, Sie würden es mir nicht nachtragen? Ich bin gewiß, wenn auch jemand alle Ihre Geheimniſſe ausplaudert, es könnte doch keiner fiſchen wie Sie.Das wäre noch die Frage, und was den Hund betrifft meinte Caspar,ich habe Jahre lang daran ſtudirt und möchte ihn wohl für mich allein be⸗ halten. Beſchreiben können Sie ihn gern, ſo genau Sie wollen, es macht ihn deshalb noch niemand nach, aber Sie haben ihn in Ihr Skizzenbuch gezeichnet, und dieſe Zeichnung möchte ich nicht gern als Abbildung vervielfältigt wiederſehen, denn da wäre es gar zu leicht für Jedermann, behalten Sie die für ſich.

Gut, das ſei hiermit verſprochen, derHund wird nicht be⸗ ſonders abgebildet, obgleich es ſehr intereſſant wäre. So werde ich denn die Zeichnung nur anſehen, wenn ich einmal in den Fall kommen ſollte, ihn beſchreiben zu müſſen, es macht ihn ja deshalb noch nie⸗ mand nach. A. Mosengel.

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