VI. Milch und Molken.
In der Milch hat uns die Natur das mildeſte und in ſich aus⸗ reichendſte Nahrungsmittel geſpendet. Der Zuſammenſetzung nach weſentlich mit dem Blute übereinſtimmend, enthält ſie alle zur Fort⸗ führung des Stoffwechſels, alſo des Lebens nothwendigen Beſtand⸗ theile. Ihr Gehalt an Butter und Milchzucker liefert das ſtickſtoff⸗ freie, zur Fettbildung, Erwärmung und Athmung dienende, der Käſe⸗ ſtoff das ſtickſtoffhaltige, blutbildende, ernährende Element. Von ihren ſalzigen Theilen gibt namentlich die phosphorſaure Kalkerde das Material zum Aufbau des Knochengerüſtes her.
Doch nicht von der Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel wollen wir heute ſprechen, ſondern von ihrem unſchätzbaren Werth als Heilmittel. Sie bildet ja den Troſt ſo vieler Kranken, die mit Sehnſucht auf den Frühling harren, mit Freude jedes Gräschen ſproſſen ſehen, die von der Milchkur im Mai und Juni ihre Ge⸗ neſung erwarten. Eine Milchkur im Frühjahr— auf dieſen letzten Ankergrund ſtützt ſich ja die Hoffnung ſo vieler Leidenden⸗
Unterſuchen wir, was die Milch in verſchiedenen, und zwar zu⸗ nächſt in chroniſchen Krankheitszuſtänden zu leiſten vermag. Der Gebrauch der Milch als diätetiſches Kurmittel hängt mit ihren mild ernährenden, reizloſen, einhüllenden Eigenſchaften, und ihr Erfolg bei vielen Leiden, mit der durch die veränderte Ernährung bewirkten Umſtimmung der Säftemaſſe und Verbeſſerung der Blutbereitung zu⸗ ſammen. Wer an langwierigen, ſchwächenden, zumal mit Säftever⸗ luſt, z. B. Eiterungen, Auswurf, Blutungen u. ſ. w. verbundenen Krankheiten leidet, oder gelitten hat, dem liefert die Milch den natür⸗ lichſten Erſatz für das verlorene Material. Sie iſt bei allen Zehrkrankheiten mit danieder liegender Ernäh⸗ rung, aber nochnicht geſtörter Verdauung das Haupt⸗ mittel. Eines beſonderen und wohlverdienten Rufes erfreut ſich die Milch bei allen Lungenleidenden, möge die Krankheit im Or⸗ ganismus ſchon tiefe Verwüſtungen angerichtet haben, oder ihn erſt mit ſolchen bedrohen. Die Milch iſt das Labſal der Huſter, welche in der That dabei ſichtlich gedeihen und ihre Kraft und Körperfülle zunehmen, den quälenden Huſten und die nächtlichen Schweiße ab⸗ nehmen ſehen.
Aber nicht blos in Bruſtkrankheiten, ſondern auch in andern chro⸗ niſchen Krankheiten, z. B. hartnäckigen Ausſchlägen, Gemüths⸗ und Nervenleiden hat der methodiſche Gebrauch einer Milchkur oft glänzende Erfolge bewirkt und da geheilt, wo ſchon ganze Apotheken ohne Nutzen ausgebraucht waren. Bei chroniſchem Erbrechen, wo der Magen jede Speiſe verweigert, hat das Trinken einfacher Milch, theelöffelweiſe begonnen, ſchon Wunder gethan! Freilich verträgt ſie nicht jeder Magen, und bei entſchiedener Appetitloſigkeit und Verdauungsſchwäche, Hypochondrie, Neigung zu Verſtopfung, Durchfall, Blähungen, Magenſäure, oder wenn der Körper durch allzuſtarken Genuß geiſtiger Getränke geſchwächt iſt, da möchte von der Milchkur abzurathen ſein. Jedoch kommt es andererſeits oft nur auf Gewöhnung an, und da laſſe man ſich durch die landläufige Redensart:„Die Milch ſchleimt“ durchaus nicht von ihrem Gebrauch abhalten. Man verſuche es nur eine Zeitlang, und man wird das anfangs widerliche Getränk, be⸗ ſonders in guter(d. h. froher) Geſellſchaft und im Freien genoſſen, allmählich— wenigſtens nicht verabſcheuen lernen.
Soll die Kur ſo recht von Nutzen ſein, ſo wird ſie am beſten in den Frühlingsmonaten Mai und Juni unternommen, wo möglich auf dem Lande, jedenfalls in einem vor Wind und Zug geſchützten Garten und muß ungefähr ein Vierteljahr lang fortgeſetzt werden. Heiterer Umgang muß die hypochondriſchen Grillen vertreiben, mäßige Be⸗ wegung im Freien die Milch verdauen helfen. Man trinkt des Morgens nüchtern, Nachmittags und Abends einige Taſſen friſch ge⸗ molkener, noch warmer oder gekochter Milch, und ſteigt dann, wenn ſie der Magen verträgt, bis zu einem Quart und darüber. Ob rohe oder abgekochte, das richtet ſich nach der Beſchaffenheit des Magens; gekochte Milch verdaut ſich leichter als rohe.— Die Hauptſache bei der Milchkur beſteht in einer entſprechenden Diät. Wer die Kur gebraucht, muß dabei den Genuß aller ſauren, fetten, geſalzenen, ge⸗ würzten Speiſen, nicht minder alle geiſtigen Getränke, ſo wie den
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Meine kleine Hausapotheke. Von Dr. Dyrenfurth.
Kaffee ſorgfältig meiden. Von Fleiſchkoſt iſt nur weißes, alſo etwas Kalb⸗ und Hühnerfleiſch geſtattet. Auch Obſt und Gemüſe ſind dem Milchkurgebraucher verboten, er darf nur leichte Nahrung, wie Zwie⸗ back, weißes ungeſäuertes Brot, Gries, Sago und ähnliche Speiſen genießen.
Die Frage, von welchem Thier die Milch zu nehmen ſei, iſt keine gleichgültige, vielmehr eine ſehr wichtige. Im allgemeinen gilt hier der Satz: Je reicher an Butter und beſonders an Käſeſtoff, deſto nahrhafter, aber auch deſto ſchwerer verdaulich iſt die Milch. Am fetteſten und käſereichſten iſt die Ziegen⸗ und Schafmilch; beide eignen ſich daher nur bei guten Verdauungsorganen. Sehr arm an Käſe⸗ ſtoff, aber reich an Milchzucker(und deshalb von den Tartaren zur Bereitung eines berauſchenden Getränkes benutzt) iſt die Stutenmilch. Am häufigſten bedient man ſich zum Kurgebrauch der Kuhmilch, welche die ernährenden mit den Eigenſchaften einer mäßig leichten Verdaulichkeit vereinigt uns die Geſundheit wiedergeben ſoll, ſorgfältig unterſuchen zu laſſen, dieſe Thiere ſind gar nicht ſelten ſchwindſüchtig, und ſchwerlich wird die Milch eines bruſtkranken Thieres für einen bruſtkranken Menſchen taugen. Uebrigens thut, wer es haben kann, wohl, wenn er zu der ſehr milden und vortrefflich zu verdauenden Eſelinnenmilch ſeine Zu⸗ flucht nimmt.—
Was von den chroniſchen, gilt auch von vielen kürzer verlaufenden Krankheiten: auch hier leiſtet die Milch gar oft ſehr erſprießlichen Nutzen. Als reizmilderndes, beruhigendes, einhüllendes Getränk bei Bruſtkatarrhen wohlthätig, bei Blaſenbeſchwerden ganz unentbehrlich, wirkt ſiebei Vergiftungen durch ätzende Subſtanzen als Gegengift, und zerſetzt, auf friſcher That verabreicht, und in genügender Menge— alle zwei Minuten eine Taſſe voll— getrunken, mehrere höchſt ge⸗ fährliche Gifte, wie: Sublimat, ſalzſaures Zinn und Zinkvitriol in unſchädliche Verbindungen. Auch bei Vergiftungen durch Arſenik und Kupferſalze kann man, in Ermangelung anderer Mittel, ſich der Milch als erſter Hilfe mit Nutzen bedienen.
Bekannt iſt ferner die mediciniſche Anwendung der Milch zu mannichfachem äußeren Gebrauch z. B. als lauwarmes Klyſtier mit Zucker verſetzt bei Leibſchmerz und Wurmaffectionen der Kinder, wo auch eine Abkochung mit Knoblauch in ähnlicher Form gut thut; Bähungen mit lauer Milch erweichen Schorfe und Kruſten von zu⸗ ſammengeklebten Augenlidrändern. Bei dem ſogenannten Gerſten⸗ korn— hier und da auch Bernickel genannt— einem am Rande des Augenlides auftretenden Geſchwür, wobei das ganze Lid ſchmerzhaft anſchwillt, lindert eine Abkochung von Semmelkrume in Milch als erweichender Umſchlag gebraucht, die Schmerzen und befördert die Eiterung.—
Der nach dem Buttern der Milch übrigbleibende Rückſtand heißt Buttermilch. Ihr fehlt der Fettgehalt der Milch, während ſie den Käſeſtoff, den Milchzucker und die Salze derſelben noch beſitzt. Sie gewährt ein in vielen fieberhaften Krankheiten nützliches, ange⸗ nehmes, erfriſchendes, kühlendes, die Leibesöffnung bewirkendes Getränk.
Die gelblich grüne, nach dem Abbuttern und Gerinnen zurück⸗ bleibende Flüſſigkeit nennt man Molken oder Schotten— ein hochbeliebtes Frühlingsheilmittel, welches, in ſeiner Wirkungsweiſe der Milch ähnlich, in mancher Beziehung ſich doch von derſelben unterſcheidet. Schon ihre abweichende Zuſammenſetzung macht die andere Wirkung der Molken deutlich. Molken ſind Milch ohne Butter und Käſeſtoff. Es fehlen ihnen alſo die ernährenden blut⸗ bildenden Theile der Milch, von der ſie nur noch die wäſſerigen, zuckerigen und ſalzigen Subſtanzen enthalten. Daraus ergeben ſich ihre milden temperirenden, auflöſenden, die Functionen des Darms, der Nieren und der Haut anregenden Eigenſchaften. Milch und Molken— beide äußern ihre Wirkſamkeit vornehmlich auf dem Gebiet chroniſcher Reſpirationskrankheiten und Leiden der Schleimhäute, allein wenn wir mit der erſteren beabſichtigen, zu ernähren, verloren gegangene Säfte zu erſetzen, ſo beſteht die Aufgabe der zweiten darin, den Stoff⸗ wechſel zu beſchleunigen, den Stickſtoffgehalt des Blutes zu vermindern. Beim Gebrauch der Milchkur ſetzen wir das Vorhandenſein einer normalen Verdauungsthätigkeit als unerläßliche Bedingung voraus; bei Anordnung der Molken richten wir unſere Aufmerkſamkeit gerade
Man verſäume nicht, die Kuh, deren Milch.
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