Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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rung in jeder Menagerie das große Schlagwort, und damit ein jeder ſich überzeugen kann, daß dies kein Schwindel, werden die Fleiſch⸗ maſſen herausgeſchleppt, und der dicke Heinrich theilt vor aller Augen die Portionen ab. Der dicke Heinrich hat aber außer ſeiner ſtarken Fauſt auch eine gute Lunge und ein ſchmetterndes Organ, und ſtellt daher auch ſeinen Mann als Recommandeur. Wenn ihm dabei einige Thiernamen entſchlüpfen, deren Träger ſich gerade nicht mehr lebend in der Thierbude, ſondern höchſtens nur noch in der gedruckten Erklärung befinden, ſo iſt dies nicht ſo ſtreng zu nehmen, denn ſie waren eben dann vor kurzem noch in der Menagerie, oder könnten es doch geweſen ſein, und das kann leicht und ohne alle Abſicht ver⸗ wechſelt werden.

Affen und Papageien vor einer Thierbude als Lockvögel aufzu⸗ ſtellen, iſt zu alltäglich, an Haupttagen gilt es andere Truppen ins Gefecht zu bringen. So muß denn der kleine Elephant heraus, was ohnedies den Vortheil hat, daß er der Semmeln unzählige zu ver⸗ tilgen bekommt. Der kleine Kreutzberg ſitzt auf ſeinem Nacken, oder auch ein andermal auf dem Buckel des Kameels, wenn dieſes die Rolle des Elephanten zur Abwechſelung zu geben hat. Für den größten Effect wird aber die große Schlange aufgeſpart, natürlich Boa Conſtrictor; in nicht ganz dringenden Fällen nimmt ſie der Thierbändiger auf ſeine kräftigen Schultern, aber der Effect aller Effecte iſt es, wenn die ſchöne, ſeit langer Zeit 17jährige Schwedin den Stuhl beſteigt und von der in der Sonne glitzernden Schlange umwickelt, ſich dem Publicum zeigt. Solches Schauſpiel, ein junges Mädchen im blendenden Coſtüm und in der gefährlichen Situation zu ſehen, wie es von einer Boa Conſtrictor umwickelt, jeden Augenblick von derſelben erdrückt und gefreſſen werden kann, überbietet alles, das Publicum drängt ſich, ſtößt ſich, und ſelbſt die benachbarten Schaubudenbeſitzer ſchauen, eine Fauſt in der Taſche, ſchweigend zu, denn ihr Ausrufen würde ihnen jetzt doch nichts helfen.

Man ſollte, da für die Zahlenden doch noch einiges in der Bude bleiben muß, nach dem Geſchilderten kaum noch eine Steigerung für möglich halten, nnd doch kann ſie in außerordentlichen Fällen vorkommen. Ein ſolcher tritt z. B. ein, wenn zwei ſich gegenſeitig gewachſene Menagerien an einem Orte zugleich ſich aufhalten und in unmittelbarer Nähe zuſammen aufgeſtellt ſind. Irre ich nicht ganz, ſo iſt dies einmal in Köln mit Kreutzbergs und der Renzſchen Mena⸗ gerie vorgekommen, als dieſe noch blühte. Kreutzberg hat mir die Sache ſelbſt mit Lachen erzählt. Beide Concurrenten ſuchten natür⸗ lich nach Kräften einander aus dem Felde zu ſchlagen, und Renz kam plötzlich dadurch in großen Vortheil, daß er ſeinen ziemlich großen

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Elephanten an die Caſſe heraustreten ließ und alles hinrannte, um das Ungethüm gratis zu ſchauen. Was that Kreutzberg? Bei der Unmöglichkeit, mit ſeinem viel größeren Elephanten daſſelbe Expe⸗ riment zu machen, ließ er ſchnell durch ſeine ſämmtlichen Leute den Theil der Bretterwand, welcher den Elephanten den Blicken von außen entzog, wegreißen, ſo daß ein verehrungswürdiges Publieum ſich überzeugen mußte, daß Kreutzbergs Elephant der um vieles größere ſei, womit deſſen Sieg entſchieden war.

Es iſt übrigens keineswegs gleichgültig, welche Thierexemplare man außerhalb einer Thierbude als Lockvögel zur Schau ſtalt. Be artige oder nur langweilige dürfen es z. B. nicht ſein, denn erſtere führen, bei dem ſtets dringenden Bedürfniß des Publicums, ſich in directen Verkehr mit dieſer Thierwelt zu ſetzen, leicht zu unangenehmen Scenen, welche Menageriſten in ihrem eigenen Intereſſe vermeiden müſſen. Langweilige Thiere verfehlen aber ſelbſtverſtändlich ihren Zweck von ſelbſt. Daher ſind es unter den Affen gewöhnlich die jungen, noch lebensluſtigen Geſellen, welche die hier geſtellte Aufgabe zu löſen haben. Sie nehmen nicht ſo leicht eine Neckerei übel, erblicken die Welt noch im roſigen Lichte, mit ihnen iſt alſo gut umzugehen. Es gibt manchmal Exemplare darunter, die außer dieſen in der Jugend begründeten Eigenſchaften noch eine ſo große humoriſtiſche Anlage beſitzen, daß es rein unmöglich iſt, ihnen mit ernſthaftem Geſichte zu⸗ zuſehen, und ſolche ſind dann ihrem Beſitzer gar nicht feil.

Kehren wir nach Vorſtehendem zu dem Umſtand zurück, daß die Ausſicht geſchwunden iſt, die Kreutzbergſche Menagerie noch ferner als einen weſentlichen Beſtandtheil der reiſenden Sehenswürdigkeiten be⸗ trachten zu können, ſo iſt zwar einem Mann von dem Alter Kreutz⸗ bergs gewiß die Ruhe zu gönnen und ihm der beſte Erfolg zu ſeinem jetzigen Unternehmen zu wünſchen; gleichwohl liegt der Wunſch ſehr nahe, daß damit den großen Menagerien die Lebensfähigkeit nicht abgeſprochen ſei. Es iſt dies auch kaum zu fürchten. Schon im Alterthum gab es Menaggerien, theils als Liebhaberei der Großen,

'theils als Speculationen auf das Publicum, gerade wie heute. Eben

ſo ziehen ſie in Deutſchland bereits ſeit Jahrhunderten herum, und um ſo zahlreicher, je beſſer die Wege wurden. Dies bekundet, daß es ſich damit nicht um das Befriedigen einer vorübergehenden Mode handelt, ſondern daß ſie einem wirklichen Bedürfniß, welches allen ge⸗ bildeten Völkern von jeher innewohnte und das, wie geſagt, auch durch die zoologiſchen Gärten nicht ganz befriedigt wird, entgegen⸗ kommen. Möge deshalb die Lücke, welche durch Kreutzbergs Zurück⸗ ziehen entſteht, bald ausgefüllt werden durch einen ähnlichen Mann, ähnlich an Begabung für das Fach, ähnlich an Erfolg. Ie.

Die Feldherren des zweiten Kaiſerreiches.

Von unſerem Pariſer Correſpondenten.

II. Mac Mahon, Herzog von Magenta.

Um ein Jahr älter, als der Marſchall Canrobert, ſehen wir in dem Marſchall Mac Mahon, nach dem Urtheil der franzöſiſchen Armee, den bedeutendſten Feldherrn des zweiten Kaiſerreichs, und ſelten kann man wohl zwei feſter ausgeſprochene Gegenſätze zu beob⸗ achten Gelegenheit haben, als das Leben, Denken und Wirken dieſer beiden Stützen des immer noch wankenden Thrones des dritten Napoleon.

Die Geburt, die ſociale Stellung, die erſte Erziehung haben bei dieſen Männern gar ſonderbare und unerwartete Reſultate hervor⸗ gebracht. Canrobert, der Sohn des ſchlichten Landmanns, iſt in der Politik faſt ein Reactionär, Urfeind des Parlamentarismus, Sclave der Methode während Mac Mahon, aus einer uralten, hochadligen Familie ſtammend, faſt als ein liberaler Senator betrachtet wird und man ihm nachſagt, daß das vielredende Bürgerkönigthum der Orleans für ihn das Ideal aller Regierungsformen wäre und auch in ſeiner mili⸗ täriſchen Carriere der ſtricte Gehorſam des Soldaten nicht gerade ſeine Glanzſeite iſt. Auch im Aeußern der beiden Generale kenn⸗ zeichnen ſich dieſe einander widerſprechenden Gegenſätze deutlich. Größer, hagerer als Canrobert, hat Mac Mahon etwas durchaus ſtraff Militäriſches in ſeinem ganzen Weſen, das es ihm unmöglich machen würde, in welcher Lebensſtellung er ſich auch befände, den Soldaten zu verleugnen, während der andere, wie man weiß, in ſeinem

Aeußern der Odee, die man ſich von einem General macht, nicht im geringſten entſpricht.

Die Genealogen verfolgen den Stammbaum des Grafen Marie Edmund Patrik Moritz von Mac Mahon bis zum letzten un⸗ abhängigen König von Irland, und zur Zeit, als die franzöſiſch⸗eng⸗ liſche Allianz durch die Annexion von Nizza und Savoyen ſich be⸗ deutend gelockert hatte, und die erſten Zuckungen der feniſchen Partei in Irland ſich zeigten, war ſogar bei Dentu eine jener berühmten anonymen Broſchüren erſchienen, deren Verfaſſer, der Redacteur des Conſtitutionnel, Martin, den Sieger von Magenta als den recht⸗ mäßigen und zukünftigen König eines freien und unabhängigen Ir⸗ lands bezeichnete.

Die Mac Mahons finden ſich in Frankreich ſeit dem Sturze Jacobs II., wo der Oberſt Graf Patrik Mac Mahon, ſeinem ent⸗

thronten Gebieter folgend, treu bis zum Tode in St. Germain bei ihm verblieb. Der heutige Marſchall iſt der directe Nachkomme dieſes

Grafen und wurde am 13. Juni 1808 auf dem Familienſchloſſe Sully bei Autun geboren. Im Jahre 1825 bezog er die Kriegs⸗ ſchule von St. Cyr, wurde jedoch, nachdem er dieſelbe 1827 in Folge eines glänzenden Examens als Secondelieutenant verlaſſen, in die Generalſtabsſchule geſandt, welche er ſchon 1830 als Premierlieute⸗ nant verließ. Im Jahre 1832 war er Hauptmann im Generalſtabe und als ſolcher Adjutant des General Achard bei der Belagerung von Antwerpen.

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