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großen Maxime unſeres Jahrhunderts„Zeit iſt Geld“ geſehen, ſo ſchienen die Poſten dieſelbe um ſo mehr zu der ihrigen gemacht zu haben und alles Verſäumte wieder einbringen zu wollen.
Nachdem ein anfangs recht läſtiger Conflict zwiſchen unſeren Kiſten und Extremitäten durch eine glückliche Organiſation befriedi⸗ gend beigelegt war, kam bald eine nuntere, angeregte Unterhaltung in Fluß.„Ich muß geſtehen,“ bemerkte unter anderem meine Reiſe⸗ gefährtin,„was ich bis jetzt von Rußland geſehen habe, hat meine ſchlimmen Erwartungen durchaus nicht gerechtfertigt. Vergleiche ich z. B. mit der ſo eben überſtandenen Operation das Verfahren meiner Nachbaren, der öſterreichiſchen Grenzer, wie ſie bei aller geprieſenen Gemüthlichkeit die Sachen auf die ungemüthlichſte Weiſe aus den Koffern herausreißen, da will ich doch lieber mit den nordiſchen Bar⸗ baren zu thun haben.“
„Erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich Sie noch gleich zu einem andern Vergleich auffordere; er wird nicht minder günſtig für Ruß⸗ land ausfallen. Betrachten Sie dieſen Wald, der uns von beiden Seiten umgibt, und denken Sie dabei an die Wälder Ihrer Heimat, wo man nicht vom Wege abweichen und keine Cigarren rauchen darf bei 20 Neugroſchen Geld⸗ oder verhältnißmäßiger Gefängnißſtrafe, wo man Waſſerfälle für zwei gute Groſchen rauſchen hören kann, wofern nämlich der Junge, der dieſes hehre Naturſchauſpiel leitet, nicht im Pferdeſtalle oder anderweit nützlich beſchäftigt iſt.“
Trotz ihres ſehr prononcirten ſächſiſchen Patriotismus mußter mir die Dame zugeben, daß ſie eigentlich zum erſtenmal in ihrem Leben einen Wald ſehe, einen wirklichen deutſchen Wald, ſo ein Ding, wie es wohl dunkel ihrer Phantaſie vorgeſchwebt haben mochte, als ſie den Märchen vom Sneewittchen und den drei verzauberten Prin⸗ zeſſinnen lauſchte.
Unſere deutſchen Forſte mit ihren parademäßig in gehöriger Diſtanz aufgeſtellten Bäumen, alles reglementsmäßig zugeſtutzt und gereinigt, ſtumm und ſtramm des geſtrengen Herrn Reviſors harrend, ja das mag einen Nationalökonomen herzinniglich erfreuen, ich kann mir aber nicht helfen, meine Phantaſie wird unwillkührlich hölzern in einem ſolchen Gehölz, ich meine der Natur ferner zu ſein, als zwiſchen Häuſern und qualmenden Schornſteinen. Wie anders ſolch ein deutſcher Wald in Rußland!— In bunteſtem Gemiſch, wie es der Natur und ihren beſchwingten Säemännern, den Winden und Vögeln gefallen hat, ſtehen hier Fichten und Eichen, Birken und Espen, alle Generationen friedlich beieinander. Aechzend unter der Laſt der Jahre beugt hier eine ſilberweiße, langbärtige Birke ihren morſchen Stamm hinüber zu dem ehrwürdigen Eichbaum, der ſie mit ſtarkem Arm hält. Tändelnd und koſend umſpielen die jüngſten Sprößlinge ihren wan⸗ kenden Fuß; ihnen zur Seite am ſtillen Waſſerrande in träumeriſches Sinnen verloren ein faſt ſchon erwachſenes Kind, in dunklem voll⸗ ſaftigem Grün, die zarten Zweige gleich dem Lockenhaar eines blühenden Mädchens herabwallend. Keck ſtreckt ihr eine junge Eiche, ein unter⸗ ſetzter Junge, dem zu ſeinem herausfordernden Weſen der hellgrüne „Nock vortrefflich ſteht, ihre derben Aeſte entgegen. Die alten Ge⸗ vatterinnen, die Espen, die ſich immer etwas zu erzählen haben, ſie ſcheinen heute beſonders wichtige Dinge zu beſprechen; gilt es vielleicht den unbeſtatteten Opfern des letzten Sturmes, dieſer Kiefer, die ihre vielfach gewundenen Wurzeln zum Himmel emporſtreckt, oder jener ſchlanken Tanne, die mitten entzweigebrochen am Boden liegt? Oder ſehen ſie den Hütejungen, der ſorglos in dem Stamm einer hohlen Eiche ſein Feuer anzündet, und fürchten ſie von dem verderblichen Elemente Gefahr für ihr eigenes Leben?— Ernſt und melancholiſch ſchauen die Kiefern und Fichten in ihrem groben, rauhen Rocke drein, ſie ſind ja die Proletarier des Waldes, ihnen wird keine Ruhe gegönnt, Sommer und Winter müſſen ſie in voller Kleidung auf ihrem Poſten ſtehen, was Wunder, wenn oft ein dumpfes Grollen durch ihre Aeſte fährt? Und zu alledem dieſes vielſtimmige Vögeleoncert, dieſe Scharen von pfeifenden Staaren, girrenden Tauben, ſchnarrenden Nußhähern, den Papageien des Nordens, da iſt Leben, da iſt Natur, da ſchwillt die Bruſt von würzigem Waldesodem ungleich anders als unter den ſtummen Holzgötzen unſerer Forſte.— Leider beginnt auch hier die moderne Cultur ihre zerſtörenden Wirkungen zu zeigen. Tauſende von Bäumen wandern jährlich nach England und Holland, um dort zu Schiffen und Eiſenbahnſchwellen verbraucht zu werden. Die jungfräuliche Schönheit der Wälder hat dadurch zuweilen ſchon einen altjüngferlichen Anſtrich bekommen.—
Doch ſelbſt der ſchönſte Wald wird langweilig, zumal wenn es
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finſter wird und man Hunger hat. Dieſes war aber nach mehrſtün⸗ diger Fahrt genau unſer Fall. Die Forderungen des Magens wurden um ſo ungeſtümer, je mehr dieſelben unter der Fülle von neuen Eindrücken vernachläſſigt worden waren, und je weniger Ausſicht ſich zu ihrer Befriedigung zeigte. Bisher hatten wir noch kein Dorf paſſirt, nur einzelne, meiſt nicht ärmliche Hütten hatten uns das Daſein einer fühlenden Bruſt in dieſer Waldeinſamkeit verrathen, hie und da wohl auch ein Krug, ganz geeignet, um als Schauplatz einer aufregenden Criminal⸗ und Schauernovelle zu dienen. Die Noth beſiegte endlich unſer Widerſtreben, wir beſchloſſen, für die Nacht uns einem ſolchen Inſtitute anzuvertrauen. Neue Ueberraſchung!— Eine ſaubere, ſchmucke Wirthin, eine von jenen geſättigten, mit vertrauenerweckendem Embonpoint geſegneten Geſtalten, begrüßt uns in fremd⸗ jedoch wohl⸗ klingendem Deutſch, und führt uns in ein reinliches, gut möblirtes Zimmer. Zwei Stearinkerzen auf blankgeputzten Meſſingleuchtern beſtrahlen unſere freudig erſtaunten Geſichter. Das ſah gar nicht nach einem Lande aus, von dem uns die Reiſebeſchreiber immer er⸗ zählen, es ſei dort unglaublich finſter, weil die Einwohner alles Licht ſelbſt auffräßen, und durch den unendlichen Schmutz vermöge ſelbſt die barbariſche Kälte nicht durchzudringen. Ein lettiſches Mädchen in ihrer Nationaltracht— tiefausgeſchnittenes buntes Mieder, dar⸗ unter ein weißes, bis an den Hals hinaufreichendes, vorn mit thaler⸗ großen blanken Knöpfen geſchloſſenes Hemd, kurzer wollener Rock aus ſelbſtgewebtem, braun und roth geſtreiftem Zeuge, mit vielen feinen
Falten nicht weit über die Kniee herabfallend, ſehr dicke wollene Strümpfe, die den Füßen ein mörſerartiges Ausſehen geben, und Sandalen— dieſe Sylphide ſtampfte geſchäftig ab und zu, und bald bedeckte ſich der weißgedeckte Tiſch mit gebratenen Hühnchen, Pfann⸗ kuchen, Brot, Butter, Eiern— alles in vortrefflichem Zuſtande und dem landesüblichen, vergnüglich ſummenden Samovar(ruſſiſche Theemaſchine). Dieſes nationale Hausgeräth, welches durch das 1 ganze ruſſiſche Reich hin ungleich verbreiteter iſt, als bei den Deutſchen die Kaffeemaſchine, erwarb ſich bald meine volle Gunſt; weniger ſchnell gelang dieſes den landesüblichen Betten, die mit ihren harten Matratzen und leichten Decken einem durch weiche Federbetten verwöhnten Körper nicht ſonderlich behagen. Doch welches Ding hätte nicht auch ſeine gute Seite! Das Aufſtehen von einer ſolchen Ruheſtätte iſt um ſo leichter, als das Schlafen darauf ſchwer iſt; der auf den frühen Morgen beſtellte Wagen brauchte nicht erſt lange zu warten, bald lag das äußerlich ſo düſtere, innerlich ſo wohnliche Wirthshaus weit hinter uns,— Wald— ein Stückchen Feld Wald— ein graues Blockhaus— Wald— eine einſame Kirche— Wald— ein ſtattlicher Herrenſitz— Wald— eine kahle, ſandige Hügelkette— ein leiſes Ach! gleitet über die Lippen meiner Reiſege fährtin, ſie erblickt zum erſten Male das Meer in ſeiner erhabenen Schönheit. Von da an war ſie für mich verloren; ihre Augen konnten ſich nicht losreißen von dem dämoniſchen Spiel der raſtlos einander verſchlingenden Wogen, die zauberiſche, fieberhaft aufregende Gewalt der unaufhörlich bewegten, unendlich ausgedehnten Waſſer⸗ maſſe, die den darauf gerichteten Blick beſtändig reizt und weckt, und ſich ihm immer wieder entzieht, verfehlte ihre Wirkung um ſo weniger bei der zwiſchen Bergen aufgewachſenen Landbewohnerin, deren Blick nur enge, feſt umgrenzte Thäler zu umſpannen gewohnt war. Meine Nerven waren gegen dieſes Schauſpiel ſchon abgehärtet; die Strand⸗ reiter, welche den Schmuggel vom Meere her zu verhüten beſtimmt ſind, gewährten auch nur eine geringe Unterhaltung; ich begann mich zu langweilen— als ſich mir ein Anblick bot, ſo ſchön, ſo feenhaft, daß ich zu träumen glaubte. In feuchtem Schimmer erglänzend ſteigt aus den Fluten das Bild einer Stadt empor, ein verkörpertes Märchen ſchweben die weißen Häuſer überwölbt von dunklem Grün in den bläulichen Duft, neckiſch lächeln ſie die weite Sand⸗ und Waſſerwüſte an, ich fürchte, von einer Fata Morgana geblendet z. ſein—„das iſt Libau,“ ruft mir mein Roſſelenker mit einer die Brandung laut übertönenden Stimme zu—„See⸗ und Handelsſtadt mit 10,000 Einwohnern, meiſt evangeliſcher Confeſſion, drei Kirchen
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und einem Gymnaſium,“ ergänze ich unwillkürlich aus dem jüngſt
repetirten Geographiecurſus. Die Benennung„Seeſtadt“ fand ich vollkommen gerech* 6 fertigt, die Handelsſtadt wollte mir nicht gleich klar werden Weder zwiſchen den kleinen Holzhäuſern, die ich zuerſt paſſirte, auf der ſchönen, breiten, von ſtattlichen Gebäuden umſchloſſenen Haupt ſtraße begegnet mir etwas von Handelsthätigkeit; ich gelange zu
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