Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
537
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audet Auguſtin die Erzählung von ſeiner Bekehrung,die dies hören, mäſſen ausrufen: Gebenedeiet ſei der Herr im Himmel und auf Erden, goß und wunderbar iſt Sein Name. Nur ein Schmerz iſt ihm ge⸗ hieben,ich habe ſpät dich geliebt, du Schönheit, ſo uralt und ſo nu, ich habe ſpät dich geliebt. Und ſiehe, du warſt im Innern, aber war draußen und ſuchte dich dort. Und in deine ſchöne Schöpfung ſürzte ich mich in meiner Häßlichkeit, denn du warſt mit mir, ich gier nicht in dir. Fern von dir hielt mich die Außenwelt und wäre dch nicht, wenn ſie nicht wäre in dir. Du riefeſt laut und durch⸗ bacheſt meine Taubheit, du ſchimmerteſt ſtrahlend und ſchlugſt meine Kindheit, du wehteſt, und ich kam zu Odem und Leben und athmete in dir. Herr, Du berührteſt mich, und ich flammte auf in Deinem Fieden!

Hat Rouſſeau in ſeinen Confeſſionen einen ſolchen über ſein guzes übriges Leben gebietenden Mittelpunkt aufzuweiſen? Sein Ubertritt zum Katholicismus geſchah um des Brotes willen, ſein Ricktritt zum Proteſtantismus zur Wiedergewinnung des Genfer Aürgerrechts. Doch hat Rouſſeau tiefere Fragen, wirkliche Bedürf⸗ uſſe des Herzens, große Aengſte des Gewiſſens gekannt. Einſt war a krank in Chambery. Der Arzt gab ihm nur noch einige Monate z leben. Die Furcht vor der Verdammniß ließ den Kranken nicht lss, janſeniſtiſche Schriften erfüllten ihn mit dem Ernſt der Ewigkeit. Aer Frau von Warrens, die ſittenloſeſte Perſon, deren Führung er ſih anvertraute, redete ihm alle Bedenken aus;ſie war zu gut, ſazt er,um ſich einen verdammenden, einen rächenden und zornigen Gott denken zu können. Nur die Boshaften, nur die Heuchler denken ſih ihren Gott ſo. Ein Erſtaunen, von dem ich mich immer noch nihht erholen kann, war die Entdeckung, daß auch ein Fenelon an eine Verdammniß glaubt, aber ich hoffe, daß er damals log. Frau wen Warrens hatte nur den ſonderbaren Einfall, daß ſie ein Fege⸗ ſtrer annahm, gewiß, weil ſie die Böſen doch nicht verdammen wollte, aer auch nicht zu den Guten geſellen, bevor ſie nicht gut geworden wiren und in der That, ſetzt er hinzu,muß man bekennen, ſo⸗ wehl in dieſer als in jener Welt ſind die Böſen immer eine ſehr ver⸗ wrrende Erſcheinung! Man müſſe, ſo ließ er ſich weiter von jenem elnden Weibe belehren, die Schrift nur nicht zu ſtreng und zu buch⸗ ſtäblich nehmen. Es iſt ein ſchlagender Beweis für die Verlogenheit der Sünde, für die Abſichtlichkeit ihres Selbſtbetrugs, daß Rouſſeau diſe ganze Weisheit wenigſtens ſpäter nicht höchſt verdächtig fand, als Fau von Warrens ſelbſt in ſeinen Augen und das will viel ſagen! ſehr gemein daſtand. Außerdem waren ein Paar Jeſuiten bei der Hand, die ihm die reuigen Eindrücke des Janſenismus mit ihrer Poral auswiſchten. Was noch von Bangigkeit übrig blieb, deſſen atledigte er ſich auf folgende Weiſe:Eines Tages übte ich mich, mechaniſch Steine gegen Baumſtämme zu werfen, meiſtens ging es urbei. Mitten in dieſer Uebung nehme ich mir vor, eine Art von Prognoſtikon zur Beruhigung meiner Seele zu verſuchen. Ich ſagte u mir: treff' ich den gegenüberſtehenden Baum mit dieſem Stein, ſo ſis mir ein Zeichen der Rettung; wenn nicht, ein Zeichen der Ver⸗ zammniß. Unter ſchrecklichem Herzklopfen, mit zitternder Hand werfe ich, und ſiehe, ich treffe den Baum in der Mitte. Seitdem habe ih nicht mehr an meinem Heile gezweifelt.(K. von Raumer

ſagt mit Recht:kein Wunder, daß er traf.)Ich weiß nicht, ſo

nitiſirt ſich Rouſſeau ſelbſt,wenn ich an jenen Vorgang denke, ſoll ich lachen oder weinen über mich ſelbſt. Ihr andern großen Leute, die ihr ſicher lacht, beglückwünſcht euch, aber ſpottet nicht meines Elends, denn ich fühle es wohl.

Aber wenn es um Rouſſeau ſo ſteht, vor wem bekennt er denn, warum und nach welchem Maßſtab? Um zu bekennen, muß man dor allen Dingen ein heiliges Du ſich gegenüber haben, man muß die ewige Norm der Wahrheit kennen, an der man ſein Leben mißt und richtet. ImEmil nennt er das Gewiſſen einmalden zöttlichen Inſtinct, den ſicheren Führer des Menſchen, den Vorzug der menſchlichen Natur, den Richter über gut und böſe, der den Menſchen Gott ähnlich mache, es treibe zur Liebe des Guten, eingeſchläfert werde es furchtſam u. ſ. f. Die Widerſprüche liegen auf der Hand. Iſt das Gewiſſen der ſichere Führer des Menſchen, wie kann es ein⸗ geſchüchtert werden? wieder, macht es Gott ähnlich, wie kann es vor Gott furchtſam ſein? Sobald man Gottes Offenbarung verſchmäht, ſobald man wie Rouſſeau die Bibel fünf und auch ſechsmal durchlieſt, iher ohne ſich daran zu ſpiegeln, ohne ſich dieſer objectiven Wahrheit zu unterwerfen, laßt uns zuſehen, bis wie weit dann dieſer ſogenannte

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göttliche Inſtinct ſich verdunkeln läßt. Nur einmal ſpricht er mit wirklichem Schmerz und Entrüſtung über ſich, als er ſeiner Schänd⸗ lichkeit gedenkt, einen Diebſtahl, den er begangen, auf einen Unſchul⸗ digen geſchoben und dieſen vielleicht zeitlebens unglücklich gemacht zu haben. Von anderen Diebſtählen in ſeiner Kindheit ſpricht er ſogar mit Humor.Ich hatte Fehler als Kind, ich war gefräßig, naſch⸗ haft, ich log, aber ich war nicht böſe. Und gleich hinterdrein heißt es:ich hatte trotz der beſten Erziehung einen Hang, auszu⸗ arten, das machte ſich ſchnell und ohne die geringſte Mühe. Er ſei ſpäter einmal geizig geweſen, ja! aber aus edlen Motiven. Den Gott, der geſagt hat:Du ſollſt nicht ehebrechen, kannte Rouſſeau nicht. Nie begegnet ihm hierüber der leiſeſte Vorwurf ſeines, des Rouſſeauſchen, Gewiſſens, des nach Rouſſeaus Ausſageſicherſten Führers des Menſchen. In einem Briefe ſagt er:Ich fühle mich als eine Seele, die ſich zeigen kann. Während ein Paulus demüthig fühlt und bekennt, er ſei der vornehmſte unter den Sündern, erklärt Rouſſeau:ich habe mich immer für den beſten Menſchen gehalten, und thue es noch. Es gab nie ein beſſeres, ein zärtlicheres, ge⸗ rechteres Herz, als das meinige, weder Haß noch Bosheit wohnte darin. Er nannte ſich den Vertheidiger der Sache Gottes, der Ge⸗ ſetze, der Tugend. Er, der ſeine Feinde grimmig zu haſſen wußte, und in dieſen Confeſſionen als Schurken vor der ganzen Welt zu brandmarken beſtrebt war, hat die Stirn zu behaupten:Man pre⸗ digt uns viel, Beleidigungen zu vergeben; das iſt jedenfalls eine ſehr ſchöne Tugend, aber das Vergeben, ich bedarf es gar nicht erſt. Ob mein Herz ſeinen Haß würde bemeiſtern können, ich weiß es nicht, denn ich habe niemals Haß gefühlt. Ich denke überhaupt zu wenig an meine Feinde, um das Verdienſt zu haben, ihnen zu vergeben. Er will ſie mit Verachtung ſtrafen, und das nennt er, der Aufforde⸗ rung zur Verſöhnlichkeit erſt gar nicht zu bedürfen.

Das Schrecklichſte ſeiner Leiſtung von Selbſtverblendung iſt jedenfalls die weitberüchtigte Vorrede ſeiner Confeſſionen:Ich unter⸗ nehme etwas Beiſpielloſes, deſſen Ausführung keinen Nachahmer haben wird. Ich will meinem Geſchlechte einen Menſchen in der ganzen Wahrheit der Natur zeigen, und dieſer Menſch bin ich ſelbſt. Ich allein. Ich fühle mein Herz und kenne die Menſchen. Ich bin nicht geſchaffen, wie irgend einer von denen, welche ich geſehen; ich wage es zu glauben, anders beſchaffen zu ſein, als irgend einer auf der Erde. Bin ich nicht beſſer als andre, ſo bin ich wenigſtens anders. Ob die Natur gut oder bös daran gethan, die Form zu zerbrechen, in welcher ſie mich gebildet, darüber kann man nur urtheilen, nachdem man mich geleſen hat. Mag die Poſaune des jüngſten Gerichts erſchallen, wann es auch ſei! Ich werde kommen und, mein Buch in der Hand, mich vor den höchſten Richter ſtellen. Laut werde ich ſagen: Siehe, das habe ich gethan, das habe ich gedacht, das war ich. Mit derſelben Freimüthigkeit habe ich Gutes wie Böſes von mir ausgeſagt. Ich habe nichts Böſes verſchwiegen, nichts Gutes hinzu⸗ gefügt, und wenn ich etwa irgend eine unbedeutende Ausſchmückung anbrachte, ſo geſchah es nur, eine Gedächtnißlücke auszufüllen ich konnte wohl irrig einmal etwas als wahr annehmen, wenn ich wußte, daß es wirklich wahr ſein konnte, nie etwas, wovon ich wußte, es ſei falſch. Ich habe mich ganz ſo gezeigt, wie ich war, verächtlich und niederträchtig, wenn ich es war; gut, edeldenkend, erhaben, wenn ich es war. Ich habe mein Inneres enthüllt, ſo wie Du es ſelbſt ge⸗ ſehen haſt. Ewiges Weſen, verſammle um mich die zahlloſe Menge meiner Mitmenſchen, ſie mögen meine Bekenntniſſe hören, ſie mögen ſeufzen über meine Unwürdigkeit, ſie mögen erröthen über meine Elendigkeiten. Möchte jeder von ihnen ſeinerſeits zu den Füßen deines Thrones mit derſelben Aufrichtigkeit ſein Herz aufdecken, und dann ſoll auch nur ein einziger, wenn er es wagt, zu Dir ſprechen: ich war beſſer, als dieſer Menſch.

Nicht wahr, das iſt zum Erſchrecken? Auguſtin:

Wer die Wahrheit thut, kommt an das Licht. Ich will ſie be⸗ kennend vor Dir in meinem Herzen thun, in meiner Schrift aber vor vielen Zeugen. Und Dir zwar, o Herr, vor deſſen Augen der Ab⸗ grund des menſchlichen Gewiſſens aufgedeckt iſt, was könnte Dir in mir verborgen ſein, wollte ich Dir's auch nicht bekennen? Ich würde wohl Dich vor mir, nicht aber mich vor Dir verbergen. Welche Frucht nun wird es bringen, o, mein Herr, dem mein Ge⸗ wiſſen täglich beichtet, wenn ich vor Deinem Angeſicht auch den Men⸗ ſchen durch dieſe Schrift bekenne, wie ich gegenwärtig ſei? ein neu⸗ 34

Wie anders ein