Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
534
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zur offenen Empörung, wie die übrigen niederländiſchen Provinzen, trieb es Luxemburg nicht.

Abber die Tage der habsburgiſchen Herrſchaft waren gezählt. Die belgiſchen Wirren ſind ſchon die Vorboten und Sturmvögel der großen Revolution, die nun laut und gewaltig an die Thore auch un⸗ ſers Ländchens anklopft.

Man muß es ſagen, gerade heute doppelt ſagen: das Land hat ſich in jenen Verſuchungen und Kämpfen ritterlich bewährt. Möchten die Enkel in dem Spiegel dieſer Vorgänge ihr eigenes Angeſicht beſchauen!

Das vielgeſtaltige und vielſprachige Oeſterreich war zwar nicht im Stande, dem zerfahrenen und abgelegenen Grenzlande ein volles national⸗deutſches Gepräge aufzudrücken, aber eine Anlehnung an die angeſtammte Nationalität mit ihrer Sprache und Sitte war es doch. Der nächſte Erfolg zeigt, daß das Band nicht vergebens war geſchlungen worden.

Die Campagne gegen das revolutionäre Frankreich, der wir Goethes oben citirte Dicta über die Feſtung danken, wälzte ſich auch über Luxemburg. Am 15. Auguſt 1792 traf der Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. in der Hauptſtadt ein. Aber zwei Monate ſpäter, nach der unglücklichen Kanonade von Valmy, flutete der Strom wieder rückwärts. Jetzt rücken die Franzoſen vor. Die zwanzigjährige Kriegszeit, wo unter Wetter und Sturm eine neue Aera geboren wird, hebt an. Luxemburg mußte bei ſeiner Lage ein leichter Spielball dieſer Rieſenkämpfe werden. Aber es hat, wie be⸗ merkt, mannhaft ſeine Treue gegen das Kaiſerhaus, gegen ſein Volks⸗ thum bewährt. Ja, zeitweiſe war das kleine Bergland eine deutſche Vendée. Als Belgien den Siegen der Revolutionsarmee zujubelte, und die dreifarbige Kokarde mit dem Freiheitsbaum und der rothen Mütze allenthalben das Signal der neuen Zeit geworden war, griff der lützelburger Bauer Waffen und wehrte ſich nach Kräften gegen das moderne Barbaren⸗ thum der ſengenden, plündernden, mordenden Sansculottenhorden. Eine ungeahnte, opfervolle Energie ergriff das friedliche Volk. Die Bluttaufe blieb nicht aus.

Das Dorf Düdelingen(Dudelange), hart an der franzöſi⸗ ſchen Grenze, verlor am 17. Mai 1794 faſt ſeine ganze männliche Bevölkerung. Ein Zug aus jenen Schreckenstagen. Die Bauern von Düdelingen hatten ſich verbarrikadirt. Hoch oben auf dem Kirch⸗ thurm ſitzt der Küſter Lambert, ein Greis von 75 Jahren, und läutet aus Leibeskräften Sturm. Seine Tochter mit drei kleinen Kindern ſitzt bei ihm. Durch eine Dachluke ſieht ſie den Feind in das Dorf dringen. Sie liegt ihrem Vater an, ſich zu retten. Der Alte erwidert, hier ſei er ſo ſicher wie auf der Place d'Armes in Luxemburg. Die Tochter verläßt eilends den Thurm. Franzoſen ſtürmen die Treppen herauf. Der alte taube Küſter hört nichts, ſieht nichts, läutet immer fort. Da wird er von den Freiheitshelden ge⸗ packt und durch die offene Luke auf das Pflaſter geworfen.

Der Sieg bei Fleurus(26. Juni 1794) unterwarf die ganzen Niederlande der jungen Republik. Die Feſte Luxemburg ſtand noch aufrecht wie ein einſamer Fels in der rings brandenden See. Aber die Wetter zogen ſich enger und dichter um ſie zuſammen. Es beginnt die ſechsmonatliche(vom 12. November 1794 bis 7. Juni 1795) Belagerung Luxemburgs durch die mehr als dreifach überlegenen Franzoſen. Es iſt eine Belagerung wie manche andere auch. Nur mit der Ortsanſchauung oder mit einem guten Plan in der Hand würde ſich die Darſtellung zu klaren Bildern beleben. Wir weilen bei den Einzelheiten nicht.

Aber das intereſſirt uns hier, daß die luxemburgiſche Bürger⸗ ſchaft, ähnlich wie Anno 1684, auch diesmal eifrigſt an der Ver⸗ theidigung mithilft. Ein Jägercorps von 400 Mann, meiſt Mit⸗ glieder der alten Schützengilde, ſtellte ſich dem Gouverneur, dem ur⸗ alten Feldmarſchall von Bender, zur Verfügung. Auf Vorpoſten wie vor dem Feinde thaten ſich dieſe Bürger⸗Schützen hervor. Sie hatten ſchließlich 51 Todte und Verwundete, im Verhältniß mehr als die öſterreichiſche Beſatzung.

Der Hunger überwand den ſtarken Platz. Entſatz war nicht zu hoffen.

So wurde aus dem alten Herzogthum, der deutſchen Kaiſer⸗ wiege, einDépartement des foréts. Der National⸗Convent beſchloß die Einverleibung am 1. October 1795(le 9 jour de ven-

démiaire, l'an IV. de la république française une et indivisible),

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die ſog. Klöppelarmee zu den

Unterhaltung oder gar Erweiterung der

die Friedensſchlüſſe von Campo⸗Formio und Lüneville gaben ihr 1 Form des Vertrags. Auch Luxemburg erhielt ſeinen Freiheitsbaum. Auf dem Parade⸗ platz wurde er aufgepflanzt, nachdem man den alten Doppeladler von der Hauptwache abgeriſſen. Der tolle Faſching des Revolutions⸗ ſchwindels beginnt überall. Im Namen der liberté wurde die alte Sitte gehöhnt, im Namen der égalité die höheren Stände verfolgt, ein Ausfluß der fraternité war u. a. die Ueberſchwemmung mit werthloſen Aſſignaten. Alle die Volksbeglückungen, die jetzt wie ein wüſter Traum klingen, den ganzen Apparat der Sansculottenwirthſchaft goſſen jene Jahre auch über das luxemburgiſche Land. Die Kirchen ſtanden geſchloſſen, alles Schmucks beraubt, Klöſter und Refugien wurden um ein Spottgeld verkauft, die Geiſtlichkeit mußte in den Dienſt der Vernunftreligion treten und der Republil den Treueid ſchwören, oder Vermögensconfiscation, Kerker, Exil war ihr Loos. Die meiſten wählten das Kreuz ſtatz des Abfalls. Manche fanden in Wäldern ihr Refugium und predigten in Scheunen und bei verſchloſſenen Thüren. Die Mehrzahl der Luxemburger

blieben ihrer Kirche treu und ſahen mit Gleichgültigkeit oder Zorn 1 an den hohen Feſten der Republik das Bild der Vernunftgöttin

oder einen Stein der Baſtille in Proceſſion umherführen. Aber ohne Spuren, ja ohne tiefe Furchen und Narben blieb dieſe Zeit nicht. Das deutſche Nationalgefühl mußte leiden. Der Hexenkeſſel der Revolution hat die widerſtrebenden Elemente zuſammengebraut, und vollends, als Bonaparte an ſeinen Streit⸗ und Siegeswagen auch dies Völkchen feſſelte, da blendete der übergroße Zauber die Augen, und die Luxemburger wurdendons citoyens desempire français. Die Conſcription, anfangs ſo drückend und verhaßt, führte das Volk zur Theilnahme an dem glänzenden Kriegsruhm, führte in die National⸗ ſprache ein, die nun auch Gerichts⸗, Verwaltungs⸗ und Schulſprache wurde. Was Wunder, daß der Verſchmelzungsproceß und die Uni⸗ formität Rieſenfortſchritte machten. m Auch ſchaffte ſchon der erſte Conſul den Hauptſtein des Anſtoßes, den Wahnſinn der Vernunftreligion aus dem Wege. In den Jahren

1803 und 1804 öffneten ſich in Luxemburg die Kirchen wieder dei

Gottesdienſt. Am 9. October 1804 ſah die Feſtung den neuen

Kaiſer in ihren Mauern.

Es iſt im Jahre des Heils 1813. Die broße Vollerſchlacht, die

Neujahrsnacht von 1814 wälzen ſich die ſiegreichen Heere über der Das ſchwachbeſetzte Luxemburg wird cernirt. Für di Fortificationen hatte dit achtzehnjährige Franzoſenherrſchaft faſt nichts gethan. Trotzdem ſcheiterte ein nächtlicher Ueberrumpelungsverſuch der Heſſen untet General Dörnberg voellſtändig. Schon hatten ſie in einet dunkeln Februarnacht(1814) das äußere Mansfelderthor erſtiegen ſchon ſtand ein Theil der Truppen auf den Sturmleitern zur zweiten Mauer, da fiel ein räthſelhafter Musketenſchuß. Die Heſſen glauben an Verrath und fliehen in wilder Haſt. In der Feſtung wird General⸗ marſch geſchlagen, aber kein Heſſe ließ ſich bei dem Ausfall mehr blicken. Am andere: Morgen fand man die ganze Strecke mit Waffen, Trommeln, auch mit den Leichen Verunglückter überſäeett. Erſt die Uebergabe von Paris brachte Luxemburg in die Hände der Alliirten. Am 13. Mai zogen die Franzoſen nach Metz ab, dit harrenden Heſſen ielten ihren Einzug. l Leider w. man in den Friedensſchlüſſen dem Lande eine ſchwankende Zwitterſtellung an, die den Charakter eines Proviſoriums und vamit die Keime künftiger Wirren und Schwierigkeiten von vornherein in ich trug. Gewiß, die Sorgen von heute ſind nut die aufbrecheuden Wunden der Begehungs⸗ und Unterlaſſungsfünden von 1815. Hätte man damals das noch warme Eiſen geſchmiede und nicht, um einer momentanen Verlegenheit zu entrinnen, die Quelle fürauz andere Verlegenheiten der Zukunft eröffnet gewiß, man hätte Luxemburg dem Vaterlande dauernd retten und ſichern können. Daß Preußen anfangs, im feiſhe Siegesgefühl an eine Einverleibung gedacht, iſt zweifellos. Luxem⸗ burg wurde am 14. März 1814 mit der Provinz Mittelrhein ver einigt und unter den trefflichen Generalgouverneur Juſtus Grune getit. Kein beſſerer Mann für die ſchwere aber ſegensvolle Miſſion, ein an ſeiner Nationalität irre gewordenes Land in die Bahnen der Natur und Geſchichte zurückzuleiten. Gruners erſtes, Werk war es, die deutſche Sprache wieder in ihre alten Recht,

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bataille des géants, wie die Franzoſen ſagen, iſt geſchlagen. In 1

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