Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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Perſigny bei ihm melden, bittet ihn um Auskunft über einige Ver⸗ hältniſſe in Algier, knüpft eine höchſt geiſtreiche Unterhaltung mit ihm über Politik an, in welcher der General nicht im geringſten ſeine antirepublikaniſchen Anſichten verhehlt, und nach Verlauf einer Stunde trennen ſich die beiden Männer, indem Herr von Perſigny beim Abſchiede ſagt:Ich wünſche Ihnen Glück, General! der Marſchallſtab kann Ihnen nicht entgehen! Dermaßen unbekannt mit den Verhältniſſen ſeiner Zeit iſt der General noch damals, daß er erſt am nächſten Tage erfährt, daß ſein ſo liebenswürdiger Beſucher der intimſte Vertraute der Gedanken des Prinzpräſidenten iſt!

Canrobert bewirkt bei ſeiner Brigade in Paris daſſelbe Wunder, wie bei ſeinem Bataillone und bei ſeinem Regimente. Nach 6 Mo⸗ naten hat der Name derBrigade Canrobert den beſten Klang bei der Armee von Paris, während der Name des Generals ſelbſt nicht allzu beliebt iſt, denn ohne Furcht und Hehl ſpricht er offen ſeine Meinung aus, daß die Republik die ſchlechteſte Regierungsform für Frankreich ſei, die es nur geben könne. Er iſt nicht beliebt das iſt wahr, jedoch die Schmähungen und Verleumdungen, welche die andern Generale, die ſolche Meinungen hegen, treffen, laſſen ihn faſt unberührt, da ſeine erbittertſten Gegner wohl wiſſen, daß dieſer Mann, welcher die Republik ſo offen angreift, ganz gewiß für die Republik fechten und ſterben würde, wenn ſie bedroht wäre.

Man kennt den Verlauf der Dinge in den Jahren 1850 und 1851; man weiß, daß der Staatsſtreich dem großen, ja größten Theil der franzöſiſchen Nation als eine wirkliche Rettung von einer emi⸗ nenten Gefahr erſchien. Am 30. November hatte der Kriegsminiſter General Leroy de St. Arnaud den General Canrobert in ſein Cabinet rufen laſſen und ihn um ſein Verhalten bei einem möglichen Staatsſtreich gefragt. Die Antwort des Generals war ebenſo be⸗ ſtimmt, wiemilitäriſch.

Die Brigade Canrobert, antwortete erſteht unter dem Befehl des Diviſionsgenerals Magnan. Ich kenne keinen Staats⸗ ſtreich, ich werde nur den Befehlen des General Magnan gehorchen!In allen Eventualitäten? fragte St. Arnaud.

Verſteht ſich von ſelbſt! war Canroberts lakoniſche Antwort.

Nun bot der Kriegsminiſter im Namen des Präſidenten dem General an, indeſſen Dienſte zu treten, wurde jedoch, wie man erzählt, ziemlich unſanft zurückgewieſen und ward von dieſem Augenblick an ſein Gegner.

Die Betheiligung Canroberts beim Staatsſtreiche iſt den Leſern bekannt. Ihm ward die fürchterlichſte Rolle dieſes blutigen Dramas zuertheilt er leitete die Kanonade der Boulevards, ſtrict den ihm gegebenen Befehlen gehorchend und dennoch.... es iſt ſchon vielen aufgefallen, haben die enttäuſchten und beſiegten Republikaner, die ſpäter ihrem Zorne in Pamphleten und Broſchüren Luft machten, den General Canrobert mit einer gewiſſen Schonung behandelt, die Erſtaunen erregt hat. Dieſe Schonung deſſen, der ihnen am ärgſten

nittggeſpielt hat, liegt wir können ee bezeugen in der unwill⸗

kürlichen Achtung, die ein ehrenhafter und auch ehrlicher Mann ſeinen Gegnern abzuzwingen weiß! Der Präſident ſoll, wie man ſagt, dies vorhergeſehen haben, und gerade deshalb für den blutigen Ehrennoſten den General auserſehen haben, der ſich am wenigſten darum bewarb und deſſen Privatleben am wenigſten Seiten zum Angriff bot. Wir können verſichern, daß der General Canrobert ſeit ſeiner erſten Audienz den Präſidenten nie anders als öffentlich geſehen und geſprochen hatte!

1852 wird Canrobert Diviſionsgeneral und Adjutant, erſt des neu⸗

erwählten Präſidenten, dann des Kaiſers Napoleon III., und erhält den Befehl über die erſte Diviſion der Armée d'Orient, welche unter St. Arnauds Oberbefehl ſich nach der Krim einſchiffte.

Dem deutſchen Leſer iſt es vielleicht unbekannt, daß Marſchall St. Arnaud faſt mit der Gewißheit ſeines baldigen Todes den Ober⸗ befehl über die Orientarmee dem Kaiſer abzwang. Der Zwang beſtand in der Drohung, die Befehle zu veröffentlichen, welche der Kaiſer wäh⸗ rend des Staatsſtreiches unterzeichnete, und die, wie es hieß, die Welt mit Schauder erfüllen würden. Der Kaiſer mit ſeiner bekannten kalten Energie, hatte manchmal verſucht, ſich dieſem immer drohenden Schwerte des Damokles zu entziehen, indem er die Drohung des Marſchalls zu ignoriren verſuchen wollte, doch ſtets hatte er den Bitten ſeiner Rathgeber, dem Flehen ſeiner Gemahlin nachgegeben, welche ihn zu überzeugen verſuchten, daß eine ſolche Veröffentlichung in jenem

Augenblicke dem jungen Kaiſerreich den Todesſtoß in der öffentlichen

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Achtung geben würde. Millionen von Franken hatte dem Kaiſer das Schweigen St. Arnauds gekoſtet, als ein Ereigniß, welches heute noch mit dem Schleier des Geheimniſſes bedeckt iſt, den Marſchall dem Kaiſer noch gefährlicher machte. Das einzig Poſitive, was man darüber weiß, iſt, daß der Marſchall St. Arnaud und der Diviſions⸗ General Cornemuſe in der Orangerie der Tuilerien blank zogen und im Beiſein von vier Soldaten der Wache und eines Kammerdieners, die ſie als Zeugen herbeigeholt ſich duellirten!

Der General Cornemuſe wurde auf der Stelle getödtet, und Marſchall St. Arnaud erhielt einen Stich im Unterleib, der anfangs tödtlich erachtet, dennoch ſcheinbar durch die Behandlung der Aerzte ſeine Gefahr verlor, obgleich der Patient ſeitdem immer mehr und mehr hinſiechte. Durch die Krankheit aufgerieben, und ſeinem miß⸗ trauiſchen und dominirenden Charakter folgend, hatten die Forde⸗ rungen St. Arnauds nun keine Grenzen mehr. Summen Geldes Titel Güter, alles zwang die ängſtliche Kaiſerin ihrem Ge⸗ mahle ab, und als endlich der orientaliſche Krieg ausbrach, forderte St. Arnaud den Oberbefehl über die vereinigte engliſch⸗franzöſiſche, die türkiſche und die ſardiniſche Armee; und wiederum war ſeine Forderung von der gewöhnlichen Drohung begleitet.

Der Kaiſer ernannte ihn zum Oberbefehlshaber, doch gab er ſeinem neuen Adjutanten, dem General Canrobert die gemeſſenſten Inſtructionen für den wahrſcheinlichen Fall des Ablebens des Mar⸗ ſchalls St. Arnaud während der Campagne. Man kennt den Ausgang der erſten Schlacht dieſes Feldzuges der Schlacht bei der Alma, wo die Energie und Umſicht des General Canrobert dem Fürſten Mentſchikoff einen Sieg abrang, der vielleicht einzig in der ganzen Kriegsgeſchichte daſteht. Vielleicht weiß man auch, daß der todesmatte St. Arnaud während des Kampfes ſich auf ein Pferd heben und von zwei Küraſſieren, die ihn umfaßten, in die vorderſten Tirailleurlinien führen ließ.

Keine Kugel wollte dem ſchaurigen Todesengel vorgreifen links und rechts von ihm fielen ganze Reihen von Soldaten; er als wenn er das Kainszeichen vor der Stirn hätte, blieb unver⸗ ſehrt inmitten des wüthendſten Kugelregens.

Doch kaum war der letzte Kanonenſchuß verhallt kaum hatten die Schiffe geflaggt, um den Sieg der Franzoſen zu begrüßen, als der ſiegreiche Feldherr zuſammenbrach und ſterbend an Bord der Fregatte desHenri IV gebracht wurde.

Am nächſtfolgenden Tage ſpielte in der Kajüte dieſes Schiffes eine Scene, die ſeitdem den Romanſchreibern vielfach gedient hat, um ihre grellſten Effecte hervorzurufen. Selbſtverſtändlich hat die Phan⸗ taſie des Dichters in der Beſchreibung dieſer Scene eine Hauptrolle geſpielt. Nur was mit Beſtimmtheit verbürgt werden kann, ſollen die Leſer des Daheim erfahren.

Der ſterbende St. Arnaud hatte ſo eben die heiligen Sacramente erhalten, als der General Canrobert am Bord des Schiffes erſchien und den Oberbefehlshaber zu ſehen begehrte.

Man antwortete ihm,

daß der Marſchall in den letzten Zügen liege, und daß es unmöglich

ſei, ihn zu ſprechen. General leiſe mit dem herbeigekommenen Arzte, dann bat er den Capitän, die Officiere zu verſammeln und, trotz des Widerſpruches

Einige Augenblicke unterhielt ſich nun der

des Arztes, trat er in das Todesgemach, deſſen Thür offen blieb.

Er ging auf das Bett zu und reichte dem Sterbenden die Hand, welche dieſer jedoch nicht nahm, ſondern ſich aufzurichten verſuchte und mit ziemlich deutlicher Stimme ſagte:

Ihre Intriguen ſind mir bekannt Sie werden dennoch nicht die Papiere bekommen wenn ich ſterbe, wird Lord Raglan den Oberbefehl und die Papiere erhalten.

Canrobert zog ein Papier aus der Taſche entfaltete es und hielt es dem Sterbenden vor die Augen.

Dieſer verſuchte mit trübem Blicke die Schrift zu leſen,.. doch plötzlich verzerrten ſich ſeine Züge, er richtete ſich mit einer letzten Kraftanſtrengung auf, fuhr mit der Hand unter ſein Kopfkiſſen und fiel zurück. Er war todt.

Canrobert folgte der Hand St. Arnauds und zog unter dem Kopfkiſſen des Marſchalls ein Packet Papiere hervor ging an den

Tiſch, legte dieſelben unter Couvert und verſiegelte ſie. Dann trat er mit dem immer noch entfalteten Papiere zur Cajüte hinaus und ſich mit kalter Stimme an die entſetzt daſtehenden Offſiciere wendend, ſagte er:Meine Herren, der Marſchall Leroy de St. Arnaud iſt ſ

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