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um ſo heimiſch, deutſch und preußiſch anſprechen.— Behag⸗ lich iſt gewiß die Lage der Officiere nicht,— und gerade die Unklarheit der Situation dient nicht dazu, ſie behaglicher zu machen. Aber man freut ſich der ruhigen Sicherheit, ja des guten Humors, mit dem ſie ſich über das Unerquickliche der Lage hin weghelfen.
Den geſelligen Mittelpunkt bildet das Militärcaſino, preußi⸗ ſcher Beſitz ſeit 1828, mit einem hübſchen Saal, den die Königs⸗ bilder von Winterhalter ſchmücken, und einem Garten mit dem ſchönſten Ausblick auf Stadt und Thal und Felshöhen. An Sonn⸗ abenden ſchmettert abends rauſchende Militärmuſik in den oberen Räumen. An Geſprächsſtoff fehlt es nicht. Viele der verſammelten Officiere haben Düppel und Alſen, faſt alle den böhmiſchen oder Mainfeldzug erlebt. Was werden ſie noch erleben?— Der deutſche Wein öffnet Herz und Mund, und herüber hinüber geht das geflügelte Wort von den großen Dingen des vorigen Sommers, ſeinen Thaten und Leiden. Ja, auch den Leiden! Die Geſchichte en
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gros verzeichnet in der Regel nur die Thaten, erſt durch gehäufte Er⸗ zählungen gewinnt man einen Einblick in dieſe oft unglaublichen An⸗ ſtrengungen und Entbehrungen auf Märſchen, im Bivouac. Das ſind Zuge aus dem Kleinleben der Geſchichte, unbeachtet und unge⸗ kannt, aber es gehört zum Bilde preußiſcher Heldenkraft, daß oft mit hungerndem Magen und doch mit muthigſtem Herzen gekämpft werden mußte. Man freut ſich der ſchlichten, männlichen Art, mit der die Officiere ihre oft ganz ungewöhnlichen Erlebniſſe mittheilen, Lebens⸗ gefahren, Lebensrettungen, Verwundungen, heroiſche Leiſtungen, für welche gar manche Bruſt auch dort decorirt iſt, nirgends Renommage, überall ritterliche Achtung des Feindes. Es iſt nicht auszumeſſen wie ſehr die letzte Kriegszeit Geiſt und Leben der Armee geförden und geſteigert hat. die liebſte Erfahrung auf meiner Luxemburger Fahrt.
Unter Gedanken feſter Zuverſicht verließ ich den Kreis dieſer Tapferen, denen ich hier aus der Ferne und dem Vaterlande einen Gruß zurufe.
Meine kleine Hausapotheke. Von Dr. Dyrenfurth.
V. Das Klnyſtier.
Gleich ſo vielen anderen Wohlthätern des menſchlichen Ge⸗ ſchlechts iſt auch der Erfinder des Klyſtiers unbekannt geblieben. Es gibt wenige unter uns, die nicht einmal in ihrem Leben dieſem beliebteſten und wirkſamſten aller Hausmittel ihre Geſundheit zu danken gehabt hätten, aber niemand preiſt, niemand nennt den Namen ſeines Erfinders; er iſt völlig verſchollen.
Die Geſchichte der Medicin verzeichnet in ihren Jahrbüchern
eine Unzahl von Inſtrumenten: Meſſern, Haken, Zangen, Spritzen,
Nadeln u. ſ. w.; ſie erzählt uns gewiſſenhaft, wer ſie erfunden, und meldet treulich, wer dabei dieſe und jene, und ſei es die winzig⸗ ſte, Veränderung angebracht— Eintagsfliegen zum großen Theil, welche, kaum erzeugt, ſchon vermodern, und nur in gelehrten, ſtaubbe⸗ deckten Folianten beharrlich fortvegetiren. Von demjenigen, der zu⸗ erſt die geniale und ſegensreiche Idee hatte und ausführte, zu Heil⸗ zwecken eine Einſpritzung in den Maſtdarm zu machen, gibt ſie uns keine Kunde. Wir wiſſen nur, daß griechiſche Schriftſteller dieſe Er⸗ findung den alten Egyptern zuſchreiben. Dieſe hätten, in Folge ihrer ſitzenden Lebensweiſe arg von Hartleibigkeit geplagt, häufig zu dem eröffnenden Werkzeuge ihre Zuflucht genommen, wie ſie denn auch allerhand Abführmittel liebten, und es ihnen an ihrer Art Dau⸗ bitz, Mumienextract oder Pharaostrank nicht gefehlt haben wird. Jedenfalls gehört die Anwendung des Klyſtiers ſchon dem grauen Alterthum an, denn ſchon Hippokrates gedenkt ſeiner als eines bei Krankheiten ganz gewöhnlich in Gebrauch gezogenen Mittels.
Das Klyſtier iſt alſo ein ſolider, dauerhafter, und kein der wechſelnden Mode unterworfener Artikel. Man hat ſeine äußere Form verbeſſert, man hat es zierlicher und zweckmäßiger geſtaltet— ſein Weſen und ſeine Eigenthümlichkeit haben ihm gelaſſen werden müſſen. Und gewiß ſpricht es als beredtes Zeugniß für die innere Gediegenheit und Vorzüglichkeit dieſes Inſtruments, wenn wir es unter allen Wandlungen der mediciniſchen Anſichten und Theorien, von der Urzeit bis zur Gegenwart immerdar als getreuen Begleiter der Menſchheit, als unſern Wohlthäter von Kindesbeinen an bis zum Greiſenalter kennen lernen.
Daß es aber ſeine hervorragende Stelle in dem Heilſchatz ſo ſtandhaft behauptet hat, verdankt es ſeiner ganz beſonderen Wirkungs⸗ weiſe. Alle inneren Mittel nämlich, deren wir uns zur Hebung von Krankheiten bedienen, müſſen in der Regel erſt den weitläufigen Ver⸗ dauungsproceß mit durchmachen, bevor ſie ins Blut oder zu dem hauptſächlich leidenden Organ gelangen, auf welches zu wirken wir beabſichtigen. Unbedingt erfahren die Mittel auf dieſer langen Wanderſchaft ſchon in Folge der Vermiſchung mit dem Inhalte des Darmkanals eine Alteration, eine Abſchwächung ihrer Wirkung. Noch mehr! Wir erleben es leider tagtäglich, wie die Medicin ſo oft ſich vergebens anſtrengt, eine Krankheit zu heilen, und das einfach aus dem Grunde, weil ihr der urſprünglich ergriffene Theil, der Herd und Sitz des Leidens, gar nicht zugänglich iſt. Ein Geſchwür,
einen Bluterguß, eine Verdickung, die ſich an der Körperoberfläche
befinden, zu heilen, gelingt uns leicht; rathlos ſtehen wir nur zu häufig gegenüber einer Eiterung, Blutergießung, Anſchwellung von demſelben oder geringerem Umfange, wenn ſie in der Lunge, im Gehirn, im Herzen auftreten. Könnten wir uns zu den inneren ſ. g. organiſchen Uebeln directen Zutritt verſchaffen, unſere Kunſt wäre glücklicher, vielen Menſchenleben die Erhaltung gewiſſer. In dem Klyſtier aber beſitzen wir ein Mittel, welches ſo recht die Idee ver⸗ wirklicht, der Krankheit auf geradem Wege zu Leibe zu gehen.
Eine der unerläßlichſten Bedingungen zur Erhaltung der menſch lichen Geſundheit beſteht in dem regelmäßigen Vonſtattengehen der natürlichen Ausſcheidungen. Vor allem müſſen die ausſondernden Organe, zumal Lunge, Haut, Niere und Darmkanal ihre abgenutz⸗ ten Stoffe in normaler Weiſe von ſich geben, Einnahme und Ausgabe
im Verhältniß zum Alter und Nahrungsbedürfniß des Individuums
ſich decken, wenn der Organismus gedeihen ſoll. Allbekannd insbe⸗ ſondere iſt dieſe Nothwendigkeit einer richtigen Bilanz i in der Sphäre des Verdauungsproceſſes, und jeder weiß, wie genau unſer körper⸗ liches und geiſtiges Wohlbefinden von einem geordneten Zuſtande der Unterleibsthätigkeiten abhängt. Das große Wunderwerk der Ver⸗ dauung ſchafft die, ſo weit ſie feſt waren, zerkauten, mit Speichel vermiſchten und verſchluckten Nahrungsſtoffe in den Magen, welche ſie mit dem Magenſaft zum Speiſebrei verarbeitet, und denſelben mittelſt ſeiner wurmförmigen Bewegungen in den Dünndarm beför⸗ dert. der rohe Mageninhalt mit Hilfe verſchiedener Ingredienzien, Darm⸗ ſaft, Galle und Saft der Bauchſpeicheldrüſe zu dem milchartigen Speiſeſaft(Chylus) verflüſſigt und für die Saugadern genießbar
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Hier befindet ſich die eigentliche Küche des Organismus, wo
gemacht wird, um, nachdem er den Milchbruſtgang paſſirt, in Blut 1
verwandelt zu werden.
Auch dieſer Theil der Verdauungsarbeit
geht unter fortwährenden Bewegungen des Darms vor ſich, ſo daß
allmählich der Inhalt deſſelben in den Dickdarm vorrückt. Indeſſen hier angelangt, haben die Nahrungsſtoffe eine voll⸗ ſtändige Umwandlung erfahren.
Man hat es jetzt nur noch mit den
Reſten der Verdauung zu thun, da das für den thieriſchen Haus⸗ alge halt Brauchbare von den Saugadern bereits im Dünndarm aufgeſogen
war. Was in dem Dickdarm angekommen iſt, das iſt nur für die
Ausfuhr beſtimmt, und enthält die unlöslichen und unverdaulichen f Beſtandtheile der Nahrungsmittel, vermiſcht mit Schleim und zer⸗
ſetzter Galle.
Dieſe Subſtanzen ſind für den Bedarf des thieriſchen un
Lebens durchaus unbrauchbar, darum iſt ihres Bleibens auch nicht 0
nes Material entfernt werden. Körpers iſt ein unaufhörliches Kommen und Gehen, unnütze Gäſte ſind ſchädliche Schmarotzer. Stoffe.
Grade. ſagt, ſeine Auswurfsſtoffe, wenn ſie zurückgehalten werden, feindlich und zu Krankheitsſtoffen, durch die er ſich ſelbſt anſteckt. Dies iſt
im Dickdarm, ſie ſollen durch den Maſtdarm als fremdartig geworde⸗ Denn in der Oekonomie unſeres nſtl
Hier gilt kein Aufſtapeln überflüſſiger die Rede Die Verdauungsſchlacken gerathen bei längerem Verweilen men, im Darm in Zerſetzung und gefährden die Geſundheit in hohem Dem thieriſchen Organismus werden, wie Feuchtersleben 1


