Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
507
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en Verfiſungeent nen in die Arena rie Lentrung äin lleiue ſchaffer Haltung, als hätte. Den kleinen Daare, und die einge⸗ a ſwarzer Vollart, t. Wird dieſer Man ud ſeine unzweifl⸗ rungen vermögen? hene Stimme, daß man a, gebrechlichen Geſult s ganze Haus ſich dem ſtert Worke, daß ihnen ird Herrn Miguel ſeſes Hinderniß verleil und im übrigen ſprict ſo frih und marig, ſa allgemeine Urtheil über oorner Redner und an iſt mit ſeinem Herzblut oth zu Tage; jeder Sat Drang und unter ſich⸗ rrum trifft jeder Sa men, dort mit Murrn Heiterkeit, Murren und age Rede, die doch nicht ieſen Sturm don wider⸗ die Rechte jetzt klatſch ſtes im nächſten Augen⸗ te Schattirungen in den in jeder mag ſich ſeinn ein Auge in dunkler ie Stͤrne kraus and ld verjieht ſic ſein Ge bendige, doch maßvele

ſeigenden Gedanken, die

Herr Miguel iſt tris

in Schwärmer,

ebisher im dalſſiſdn 1 kürzer und ließ ſeine Reden voller austönen; man hörte ihn ſtets gern, er errang noch manchen Beifall, viele ſeiner Ausſprüche und

ine ſeiner - im

rif für das Abgeordnetenhaus war 1 Berlin. und ſeine Rede, die er, die Hände auf dem Rücken und dazu mit dem Kopfe leiſe nickend, friſch und lebendig entwickelt. ſchaftlichen Kenntniſſe haben den Ruf derNationalzeitung mitbe⸗

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Räihu ſchmächtige Weſtfale mit dem etwas bleichen Geſicht einer der ein⸗

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ſein müßte, nun, ſo haben wir Wehr und Waffen, um un⸗ ſer Recht und unſern Willen zur Geltung zu bringen. Herr Miquél, er zählt erſt 38 Jahre iſt der Repräſentant einer neuen Generation, die der Welt zeigen wird, daß die Deutſchen nicht mehr bloße Träumer und Phantaſten ſind, daß das deutſche Volk nun⸗ mehr auch begonnen hat, eine politiſche Nation zu werden.

Einen vielleicht noch begabkeren und auch in weitern Kreiſen ſchon bekannten Mann hatte das kleine Naſſau geliefert: den Hof⸗ gerichtsprocurator Dr. Braun aus Wiesbaden. Eine echt ſüd⸗ danſche Fäuc. ls rminelgreß, breit, vollrund, faſt ſchon beleibt, ſtrotzend⸗von Kraft, Geſundheit und Lebensluſt; eine wahre Rhein⸗ weinphyſiognomie mit dunkelm, krauſem Haar, braunen, ſchelmiſch blickenden Augen, drallen purpurfarbenen Wangen, Schnurr⸗ und Kinnbart; ein Geſicht voll Offenheit, Frohſinn und Laune. Und nun erſt auf der Tribüne! Dr. Braun hat eine ſchöne Tenorſtimme, und er weiß das, deshalb kokettirt er etwas mit ihr, z. B. läßt er ſie gern vibriren und zuweilen in jähe Tiefe hinabſtürzen. Seine natürliche Beredtſamkeit iſt noch größer als die Miquéls, ebenſo groß wie bei Vincke und wie bei dieſem von der ſaftigſten, farbigſten und ſchillerndſten Art. Seine Rede iſt oft wie eine Kette von Witzen, Wortſpielen, bunten Einfällen und launigen Anekdötchen; die ernſteſte und trockenſte Sache weiß er durch allerhand Ver⸗ gleichungen und Anſpielungen, durch intereſſante Abſchweifungen und Querſprünge zu würzen und zu illuſtriren. Dieſem neckiſchen tän⸗ delnden Spiel gibt er ſich manchmal aber zu ſehr hin, und bringt ſich dadurch ſelber um die Wirkung ſeiner Rede, und außerdem leidet er an einem gewiſſen Ueberfluß: dieſer Mann iſt mit Citaten voll⸗ geſtopft, die er nun bei jeder Gelegenheit und nicht ſelten auch, wenn ſolche gänzlich fehlt, zu Dutzenden von ſich gibt. Bevor er ſich der Jurisprudenz zuwandte, hat er ein Jahr lang Philologie ſtudirt, und das kann er leider nicht vergeſſen: Per varios casus, per tot discrimina rerum Tantae molis erat, Germanicam condere gentem mit dieſen und hundert andern Sentenzen ſpickt er jede Rede. Er debütirte mit noch größerem Glanze als Miquél, er ließ die Verſammlung nicht aus dem Lachen kommen; Abgeordnete und Publicum, Journaliſten und Bundescommiſſare lachten aus

(vollem Halſe und klatſchten ihm wüthend Beifall, aber dieſer über⸗ reiche Beifall verleitete ihn zu neuen Anſtrengungen und endlich zu

das Selſeiner inne weitläufigen Erörterungen, langen hiſtoriſchen Rückblicken; der Bei⸗

ſall erſchöpfte ſich, das Intereſſe wich einer ſichtlichen Abſpannung, und viele Mitglieder verließen den Saal; er bemerkte es, aber er konnte nicht plötzlich abbrechen, er drängte zum Schluſſe und ſchloß faſt matt. Für die Folge war er vorſichtiger und faßte ſich

Deductionen waren von blendendem Witze und packendem Humor,

tt aber er gewann doch nicht den Einfluß wie Miquél, ſondern trat ſihri allmählich hinter dieſen zurück.

Eine ſehr nützliche praktiſche Kraft für den Reichstag wie früher Redacteur Michaelis aus Schlicht und ſauber wie ſein Aeußeres iſt auch ſein Weſen

Seine volkswirth⸗

gründet, ſind ſelbſt im Auslande anerkannt und werden von der Regierung nicht ſelten zu Rathe gezogen. Trotzdem iſt dieſer

lte er Ltj nat er ſachſten und natürlichſten Menſchen, nichts an ihm gemacht oder

Titl.

Groj tre d gefund ürgern jit werden. ſtine Reden ſind ſehr ausgedehnt, weil er die Unart des Deutſchen ark gen hat, ſtets alles ſagen zu wollen; eine Unart, die immer von der

empfängt.

ezwungen, ſein Auftreten frei und unbefangen, ſein Verhalten in der

Reichst

Debatte ein maßvolles und immer ſachliches.

Dieſelbe liebenswürdige Einfachheit iſt bei dem Stadtgerichts⸗ tath Tweſten aus Berlin zu finden; nur die Ausſprache hat etwas Geziert⸗Tändelndes. Das Organ iſt ſanft und leiſe, man darf ſagen, wie ſein Auftreten beſcheiden, indes vermag es ohne Mühe durchzudringen, zumal den Redner gewöhnlich achtungsvolle Stille Der Vortrag fließt leicht und glatt dahin, leidet jedoch an Bläſſe und Einförmigkeit. Herr Tweſten ſpricht oft, faſt zu oft;

Gefahr begleitet iſt, langweilig zu werden. Wenn er dieſe Gefahr

uncſmeiſtens abzuwehren weiß, ſo geſchieht das mit Hilfe ſeiner gedie⸗

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genen Kenntniſſe, ſeines Scharfſinns, ſeines aufrichtigen Eifers für die Sache. Er iſt eein ernſter Geiſt, deshalb verſchmäht er Geſten und Phraſen und ſpeculirt nie aufHeiterkeit; er ſpricht ſo langſam und bedächtig, daß es den Anſchein hat, als ob er noch während des Redens an jedem ſeiner Worte die ſchärfſte Kritik übe; er ſpricht nüchtern und leidenſchaftslos, um ſo beſſer wirkt er, wenn er ſich dann und wann zu einer ſchwungvollen Aufforderung oder eindring⸗ lichen Mahnung erhebt. Weil er ſtets nur ſeiner Ueberzeugung, nie der jeweiligen Tagesſtrömung folgt, hat er ein paarmal ganz allein ge⸗ ſtanden, z. B. in der Frage zur Militärreorganiſation, wo er ſchon vor vier Jahren ein Compromiß für nöthig erklärte, damals aber unter ſeinen Parteigenoſſen heftigen Widerſpruch fand; hier wie anderwärts erfuhr er nun die Genugthuung, jene ihm nachkommen zu ſehen.

Auch Herr von Forckenbeck, Rechtsanwalt in Elbing, hatte ein ſolches Compromiß empfohlen, aber damit gleichfalls keinen Anklang gefunden. Erſt ſpät und nach mehreren vergeblichen Verſuchen gelangte er in den Reichstag, wo ihm dennoch eine bedeutende Rolle vorbehalten war. Nach ſeinen Anträgen wurden die Forderungen der Regierung in Betreff des Bundesheeres auf ein Proviſorium von vier Jahren eingeſchränkt, und die weitere Regelung der Friedens⸗ ſtärke der Armee und ihrer Unterhaltung dem künftigen Reichstage überlaſſen. Seine Perſönlichkeit eignet ſich nicht übel zu dieſem Ge⸗ ſchäft, wie er denn auch im Abgeordnetenhauſe als Berichterſtatter der Commiſſion für das Militärweſen fungirte. Auch ein geborner Weſtfale, iſt er eine gedrungene wohlproportionirte Figur; mit dem vollen, etwas ſommerſproſſigen Geſicht, dem ſtarken Schnauzbart, der primitiven Haarfriſur und der provinzialen Wäſche einem wohl⸗ habenden Gutsbeſitzer ähnelnd. Seine Haltung und ſein Weſen iſt determinirt, die Stimme tönt kräftig und concentrirt; unter der Rede beleben ſich ſeine Züge und es lagern ſich feine Falten um Augen⸗ und Naſenwinkel. Dann merkt man, daß der Präſident des Abgeord⸗ netenhauſes nicht nur ein klarer, praktiſcher, ſondern auch ein wirklich begabter und vielleicht auch diplomatiſcher Mann iſt.

Die Schlußberathung iſt vollendet, der Verfaſſungsentwurf abgeſchloſſen; Herr von Forckenbeck begibt ſich in die Präſidenten⸗ loge zu Dr. Simſon und verweilt hier ſo lange, bis der letzte Ab⸗ geordnete den Saal verlaſſen hat; als ob er dieſen noch zuguterletzt von hier aus ſtudiren wolle, von dem Platze, den, wäre er früher ins Haus gekommen, gar leicht er hätte einnehmen können, eine Be⸗ trachtung, die ſich vielleicht jetzt wehmüthig ihm aufdrängt. Beide Herren haben ſich viel zu erzählen; binnen wenigen Wochen werden ſie die Rollen gewechſelt haben, Herr von Forckenbeck auf dem Präſi⸗ dentenſtuhl des Abgeordnetenhauſes und Dr. Simſon wie jedes andere Mitglied beſcheiden zu ſeinen Füßen ſitzen.

Der Reichstag hat ſeine Aufgabe erfüllt; in kaum acht Wochen hat er vollbracht, was das ihm oft als unerreichbares Vorbild entgegen⸗ geſtellte Frankfurter Parlament nicht in Jahresfriſt zu Stande bringen konnte. Er hat dem Norddeutſchen Bunde eine Verfaſſung gegeben. Mit Stolz können die Männer, welche ſie berathen und abgeſchloſſen haben, auf ihr Werk zurückblicken, und ſie werden noch im hohen Alter mit Stolz davon ihren Kindern und Enkeln erzählen. Unter allen Parlamenten, welche Deutſchland bisher geſehen, iſt der Reichstag das bedeutendſte, denn er war das fruchtbarſte und wird das ſegens⸗ reichſte ſein. Mit ihm hat eineneue Aera für das deutſche Volk begonnen, die erlebt zu haben, ein jeder von uns ſich Glück wünſchen kann; denn mit dieſem Reichstag iſt ein großer Schritt zur Erreichung deſſen geſchehen, was uns ſo lange als ein unerreichbares Ideal vor⸗ geſchwebt hat und der größte Schritt zur deutſchen Einigung. Der nächſte und letzte Schritt iſt weit leichter und keine Macht der Erde kann ihn aufhalten. Eine mächtige Sehnſucht nach der vollſtändigen Einigung des großen Geſammtvaterlandes durchläuft Nord⸗ wie Süddeutſchland, und vielleicht wird ſie eher geſtillt werden, als man denkt. Was die freie Entſchließung begonnen, wird vielleicht ein Druck von außen her vollenden: die Habſucht und Mißgunſt des Erbfeindes der deutſchen Nation. Er wird die Brüder Nord und Süd einander in die Arme führen, und von allen deutſchen Lippen werden die Worte unſeres großen Dichters klingen:

Wir wollen ſein ein einig Volkvon Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr.