Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
471
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Die Feuerprobe alſo beſtanden dieſe Männer und das Heer, ja der Kurfürſt ſelbſt in dem ſchwediſch⸗polniſchen Kriege der Jahre 1655 1660.

Schweden hat im 17. Jahrhundert drei große Heerkönige auf⸗ geſtellt: Guſtav Adolf, Karl Guſtav, Karl XII. Nur an die Perſönlichkeit dieſer drei nordiſchen Heldengeſtalten war die Größe

des Landes geknüpft, dem alle natürlichen Bedingungen abgingen,

um ſich dauernd auf dieſer Höhe zu halten. Es iſt ein ephemerer Glanz, wie ein raſch verſchwindendes Nordlicht. Aber damals galt die nordiſche Macht als die erſte Militärmacht Europas. Und ge⸗ einigt in der ſtarken Hand des kühnen Pfälzers Karl Guſtav, Chriſtinas Nachfolger, fiel ſie über das durch ariſtokratiſche Anarchie zerrüttete Polen her. Einer andern Macht des Nordens, Rußland, blieb es in neuerer Zeit vorbehalten, das lebensunfähige Polen zu verſchlin⸗ gen; damals hätte es ſchon Schweden gerne gethan. Brandenburg befand ſich zwiſchen zwei Feuern. Schweden, der übermüthige und übermächtige, tödtlich gehaßte Feind zur Rechten; Polen, deſſen Vaſall der Kurfürſt war, zur Linken; beide warben um des Branden⸗ burgers Gunſt, beide wollten in Wahrheit ſeine Demüthigung.

Es iſt nun ein höchſt intereſſantes Schauſpiel, die Windungen und Schachzüge zu verfolgen, mit denen der Kurfürſt beide Gegner überliſtet, bald dem einen, bald dem andern ſich nähert, ſich mit ihnen wechſelsweiſe verbündet, immer aber ſeinen eigenen Weg, d. h. den Weg der Intereſſen ſeines Hauſes und Landes geht. Erſt ganz neuerdings haben ſich die Staatsarchive geöffnet, und wir haben von Droyſens Hand, der dem Leſer als Biograph Yorks wohlbekannt ſein wird, eine authentiſche Darſtellung dieſer Vorgänge erhalten.

Ich darf hier dieſen Unterhandlungen nicht folgen. Ehrlich und treu waren die Wege des Kurfürſten keineswegs immer. Aber wo gab es damals in der Politik der Cabinete Ehrlichkeit und Treue? Zuerſt mit Schweden, dann mit Polen im Bunde, gelang es dem Kurfürſten ſchließlich, die Souverainetät des Herzogthums Preußen als Kampfpreis zu erringen.

Nur eine Epiſode aus jenem Kriege führe ich hier vor. Es iſt die dreitägige Schlacht bei Warſchau in den Julitagen des Jahres 1656, von den Schweden und Brandenburgern gegen die Polen geſchlagen und gewonnen. Die jungen brandenburgiſchen Truppen neben ſchwediſchen, den kriegsgeübteſten der damaligen Welt! Das vereinigte Heer zählte noch nicht 18,000 Mann; beide Ver⸗ bündeten faſt gleich ſtark. Der Schwedenkönig und der Kurfürſt führten ihre Truppen in Perſon, entwarfen den Schlachtplan, ritten oft im dichteſten Kugelregen. Die Uebermacht der Polen und Tar⸗ taren, ihrer Helfer, war eine ſechsfache, die Mehrzahl Reiterei, alle Vortheile des Terrains auf ihrer Seite, auch waren ſie gut geführt!

Wenn der Sieg nach dreitägigem heißem Ringen ſchließlich den Alliirten zufiel, ſo war das vor allem die Frucht des unwiderſtehlichen Ungeſtüms der Brandenburger. Schon am zweiten Schlachttag hatten ſie die entſcheidende Poſition, einen Hügel hinter ſumpfigem Terrain erſtürmt, die feindlichen Geſchütze genommen.

Am dritten Schlachttag es war ein Sonntag mußte der Feind geworfen werden, weil die Alliirten nur noch für dieſen Tag mit Lebensmitteln verſehen waren.

Es galt die feindliche Hauptſtellung zu nehmen, es koſte was es wolle. Vor derſelben lag der Wald von Praga, im Innern ver⸗ hauen, mit Truppen beſetzt. Hinter dem Holz lag eine zweite Höhe, mit Kanonen und Soldaten bedeckt. Auf beiden Flanken ſtanden die Tartaren und polniſches Kriegsvolk in gedeckter Stellung. Während der Schwedenkönig den rechten, der Kurfürſt den linken feindlichen Flügel feſthielt, brach Feldmarſchall Sparr mit den brandenburgiſchen Brigaden im Centrum vor, nahm den Wald von Praga mit 1000 commandirten Musketieren, ließ die Sturmcolonnen auf die dahinter⸗ liegende Höhe vorgehen, und ſie war in ſeinen Händen. In wilder Flucht löſten ſich die dichten Colonnen nach der Weichſel hin auf. Gleichzeitig ſtellt ſich der Kurfürſt an die Spitze von 6 Schwadronen und wirft die feindliche Reiterei des linken Flügels.

Es war ein großartiger Sieg der Verbündeten. Dem Kurfürſten überreichte der Magiſtrat von Warſchau die Schlüſſel der Stadt; er hielt mit dem König ſeinen feierlichen Einzug.

Es war in der That die Feuerprobe des neu organiſirten bran⸗ zenburgiſchen Heeres, das ſich in Tapferkeit, Kriegsgeſchick, Disciplin

und Führung dem ſchwediſchen vollauf ebenbürtig erwieſen hatte.

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Kaum mag das Staunen Europas über den jüngſten Sieg bei König⸗ grätz größer geweſen ſein als damals über den erſten Waffenerfolg der jungen Armee. Dieſer Schlachttag iſt der Geburtstag von Preußens Kriegsruhm. Der Apdler hatte kräftig ſeine Schwingen geregt. Man fühlte, es war in die Reihe der Kriegsmächte Europas eine neue eingetreten.

Ja der große Kurfürſt hatte den Polen dergeſtalt imponirt, daß ſie zweimal den Verſuch machten, ihn auf ihren Thron zu ſetzen. Aber auch dieſe Verſuchung, der ſpäter Kurſachſen zu ſeinem Schaden nicht entging, lockte den Kurfürſten ſo wenig wie die ſchwediſche Krone. An die Bedingung des Uebertrittes zur katholiſchen Kirche war die Wahl geknüpft. Wenn er auch nur ein⸗ oder zweimal im Jahre die Meſſe beſuche, das genüge. Er ſagte:Nimmer begehre ich das Zeit⸗ liche für das Ewige.

VI.

Der Kampfpreis, ſagten wir, war der ſouveräne Beſitz Preu⸗ ßens. Friedrich Wilhelm hatte freilich noch mehr zu erringen ge⸗ hofft, aber ſchon dieſe Errungenſchaft war eine große und folgen⸗ reiche!

Preußen iſt unſer Augapfel und das Herz unſeres Staates, ſchrieb ſchon 1654 der intimſte Rathgeber des Kurfürſten, Otto von Schwerin. Und dies alte deutſche Ordensland, der Vorpoſten ger⸗ maniſcher Cultur und chriſtlichen Lebens gen Oſten, das Land, das dem ganzen Staate den Namen geben ſollte, von dem in dieſem Jahrhundert die Befreiung von der Fremdherrſchaft ausging beſaß nun Friedrich Wilhelm unabhängig von jedem Oberherrn. Aber gerade hier koſtete es noch einen gewaltigen Kampf. Die Stände behaupteten, ohne ihre Einwilligung habe die Krone Polen Land und Leute gar nicht verſchenken können. Hier in Preußen wurde die Frage entſchieden, ob die altſtändiſchen Rechte und Freiheiten unbe⸗ ſchränkt fortleben oder die Staatsform des Jahrhunderts, die abſolute Fürſtengewalt, zur Herrſchaft kommen ſolle. Adel und Städte, in der Oppoſition gegen die Anſprüche und Forderungen des Kurfürſten eins, ſchielten fortwährend nach Polen hinüber, unterhielten Verbin⸗ dungen mit dem dortigen Hofe, wehrten ſich bis aufs Blut gegen die Opfer an Geld und Gut, die ihnen der Kurfürſt zumuthete.

Die Motive, die in dem Kampfe der Stände gegen den Kur⸗ fürſten mitwirkten, waren ſehr verſchiedener Art. Bei den edelſten bäumte ſich ein Rechts⸗ und Freiheitsgefühl auf gegen den Verſuch, ſie, wie es einer der Führer ausdrückte,wie Birnen und Aepfel wegzuſchenken; bei andern und hierin ging die Geiſtlichkeit vor⸗ an war es die Abneigung des ſtrengen Lutherthums gegen das reformirte Fürſtenhaus; aber die zuverläſſigſten Unterſuchungen haben es feſtgeſtellt, daß auch die allergemeinſten Motive, nämlich der Eigen⸗ nutz und das böſe Gewiſſen derer, durch deren Hände der Ertrag der fürſtlichen Domänen verſchleudert oder veruntreut worden, im Spiele waren.

Und in Königsberg erhob ſich die allerbedenklichſte Oppoſition. Jede Volksbewegung muß ein Haupt, einen Führer haben, um zu Kraft und Leben zu kommen. Hier übernahm die Leitung der Schöp⸗ penmeiſter Hieronymus Roth, eine Demagogennatur, wie es wenige in der deutſchen Geſchichte gibt; ein ſchon älterer Mann, in ſeinen Vermögensverhältniſſen herabgekommen und daher ver⸗ ſtimmt, gereizt, ganz Herr der Menge, ein furchtloſer und kraftvoller Freiheitsmann. Er ſtand mit Polen in der engſten Verbindung, knüpfte mit den eiferſüchtigen und ſchadenfrohen Schweden an, ſteckte mit den Jeſuiten unter einer Decke, dachte an Bewaffnung des Pöbels gegen die brandenburgiſche Beſatzung. Man denke ſich die Lage des Kurfürſten. Er ſelbſt fern am entgegengeſetzten Ende ſeiner Lande, in Cleve. Sein ausgezeichneter Statthalter Fürſt Racziwill und der ihm beigeordnete Miniſter Otto von Schwerin ſchreiben und kla⸗ gen, ſie wüßten die Gährung nicht zu dämpfen. Der Volksführer Roth hatte Schwerin ins Geſicht geſagt:Am Königsberger Rath⸗

haus ſtehe geſch hrieben, es wäre kein Fürſt ſo fromm, er trage doch

einen T eraeden in ſeiner Bruſt; der Kurfürſt habe ſie zu armen Leuten gemacht und wolle ſie zu Sclaven machen. Schweden lauert und rüſtet, Polen rührt ſich. Die Wahl eines franzöſiſchen Prinzen zum König ſteht in Polen vor der Thür. Dann wäre Frankreichs Einfluß im Weſten und Oſten des Reiches, vollends mit Schweden im Bunde, erdrückend geworden. Es ſtand alles auf dem Spiel. Der Knoten in Preußen mußte durchhauen werden.