burg, Halberſtadt, Minden, Camin entſchädigt;— trotz der größeren Ländermaſſe für Friedrich Wilhelm, der vor allem nach Seemacht und Seehandel ſtrebte, keineswegs ein Erſatz.
Aber auch hier, in dem was Rivalen und Feinde böſe zu machen gedachten, erkennen wir jetzt eine Fügung. Für den Augenblick mochte Brandenburg geſchwächt erſcheinen, aber es wurde durch die neuen Erwerbungen im Herzen Deutſchlands ungleich inniger ver⸗ flochten mit den Geſchicken des gemeinſamen Vaterlandes, als durch eine feſtere Poſition an der fernen Oſtſee. Und ein Stachel blieb in der Seele des Fürſten zurück gegen den fremden Eindringling, gegen das rechtsverachtende, überall brutal auftretende Schweden.
Schweden hatte ſich durch ſeine Erwerbungen im Frieden tief eingebohrt in das deutſche Reich. Es beherrſchte die Mündungen der drei Hauptſtröme— Weſer, Elbe, Oder— und damit die deut⸗ ſchen Meere;?s drückte vor allem mit erſtickendem Uebergewicht auf den ſchwächeren brandenburgiſchen Nachbar, chicanirte und tyranni⸗ ſirte ihn. Was Wunder, daß alles Sinnen und Trachten des Kur⸗ fürſten auf die Einſchränkung und als Schlußziel auf die Vertreibung ddeer Schweden gerichtet war, daß er in ihnen ſeinen allergefährlichſten V Feind ſah. Er konnte ſich bei dieſem Streben auf den im⸗Reiche
ſehr regen Schwedenhaß ſtützen, der, ähnlich wie der Franzoſen⸗ V haß vor 50 und 60 Jahren, zum erſtenmal ein Nationalgefühl imm deutſchen Volke entwickeln half.
Der Gedanke, in Norddeutſchland gebühre ihm die erſte Stelle, fängt an, den Kurfürſten zu beherrſchen— der Keim aller politiſchen Weiterentwicklung des Staates— im allgemeinſten Umriß ſchon die Idee eines norddeutſchen Bundes.
Aber auch dem Kaiſer und Reich gegenüber ſteht Friedrich Wil⸗ helm ſeit dem weſtfäliſchen Kriege in ganz anderer Selbſtändigkeit da, als ſeine Vorfahren. Dieſe hatten ſich mit Vorliebe ihrer„ange⸗ ſtammten Unterthänigkeit“ gegen das Haus Habsburg berühmt, aber damit eben nur den ſprichwörtlichen„Dank vom Hauſe Oeſterreich“ geerntet. Schon aus dem Jahre 1609 exiſtirt ein Gutachten des kaiſerlichen geheimen Rathes, in dem es heißt, man müſſe„das bran⸗ ddenburgiſche Weſen,“ auf deſſen Erhebung„alles ketzeriſche Geſchmeiß in dem Reich“ rechne, niederbrechen, ſo lange es noch nicht er⸗ ſtarkt ſei.
Der große Kurfürſt, mit allen Reichsfürſten im Frieden ſouve⸗
rain geworden, war zwar nicht gewillt, das Band mit Kaiſer und Meich zu zerreißen, das er nicht entbehren konnte, aber welch eine bſtſtändigkeit weiß er zu behaupten! Freilich trug er allen Neid, Haß, die volle Iſolirung eines kühnen Emporkömmlings, der Schwingen frei zu regen beginnt und etwas mehr ſein will als Mitfürſten. Kurſachſen vor allen, von Haus aus die evange⸗ Schutzmacht im Reiche, ſah, daß nun ein Stärkerer dieſe ling einnehme und ſuchte ihm dieſe nach Kräften zu erſchweren. kam die Zeit, wo des Kurfürſten Mitſtände ganz wie in un⸗ Tagen, lieber die Schweden und Franzoſen im Vaterlande do⸗ en ſahen, als den jugendlich emporſtrebenden Zollern. Endlich erringt Friedrich Wilhelm im Friedensſchluß mit großer Rühe eine Gleichſtellung beider evangeliſchen Confeſſionen, der lutheriſchen und reformirten, die Anfänge ſchon des Unionswerkes der Hohenzollern und der confeſſionellen Friedensgedanken einer däteren Zeit.
Noch einmal: Preußens Grundlagen ruhen auf dem weſtfäliſchen rieden, des Reiches Trümmer dienen zum Aufbau dieſes Staates d ſomit eines Deutſchlands der Zukunft.
3 V.
Sieben Jahre waren ſeit den Friedenstagen von Osnabrück ad Münſter verſtrichen. Für die meiſten Reichsſtände, von kleinen Reibungen abgeſehen, Jahre der Erholung nach allen Drangſalen; für Brandenburg ein friedloſer Friede, ein Waffenſtillſtand nur, in dem aufs neue gerüſtet, Pläne geſchmiedet, die Kräfte des tief er⸗ ſchöpften Landes bis zum äußerſten angeſpannt wurden. Kein ſchla⸗ zenderer Contraſt als dieſer! Die andern Fürſten ſclafen, der sdenburger ſteht auf der Wacht, und nach Verlauf dieſer ſieben eſtrengten Friedensjahre greift er zum Schwert, um es in dem Schwedens und Polens in die Wagſchale zu werfen;— ein der allergrößten Bedeutung für den preußiſchen Staat, für ſche Heer.
as Heer, ſage ich, denn in dieſem Kampf hat das reor⸗
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ganiſirte Heer ſein erſtes Probeſtück abgelegt, das zugleich ein Meiſterſtück war.
Wir ſagten vorhin, in dem Wachsthum der Hauptſtadt ſpiegele ſich das Wachsthum des ganzen Staates. Auch in der Entwickelung des Heeres ſpiegelt es ſich. Ich gehöre zwar nicht zu denen, die Preußen einen einſeitigen Militärſtaat zu nennen lieben; ein Franzoſe war gerechter, der es das Land der Caſernen und der Schulen nannte;— auch kann man von dem großen Kurfürſten, der in einem Staate von der Volkszahl Heſſens drei, ſage drei Univerſitäten beſaß und ſich mit der Idee einer großartig anzulegenden vierten trug, man darf auch von ihm nicht ſagen, daß er alles auf die Spitze des Schwertes geſtellt hätte, aber viel ſtellte er darauf und mußte er darauf ſtellen, wollte er anders ſeine hohen Ziele erreichen. Die Grundſäulen ſeines politiſchen Syſtems— und ſie ſind es fortan geblieben— waren einheitliches Regiment, geordnete Finanzen, ein ſchlagfertiges Heer.— Der große Kurfürſt iſt der Schöpfer der preußiſchen Armee. Er hatte gleich nach ſeinem Regierungsantritt die verwilderte Soldateska, die er vorfand, aufgelöſt. Im Jahre 1641 begann er die Reorganiſation mit der Errichtung von drei Regimentern, einem Regiment Leibgarde und 150 Reitern; zuſammen wenig über 3000 Mann, aber der Kern und Grundſtock der preußi⸗ ſchen Kriegsmacht. Noch nicht alle waren mit Musketen bewaffnet, ein Drittel nur mit Piken. Schon damals galt der ſtrengſte Dienſt, ſchon damals das„Drillen“,— ein Ausdruck aus jener Zeit, wenn auch nicht ſpecifiſch brandenburgiſch;— 32 Griffe mit der Pike, 40 mit der Muskete waren zu lernen. Auch die Artikel des„Kriegs⸗ rechtes“ entſtanden in jener Zeit, 1664 wurden ſie bekannt gemacht.
Das ſtehende Heer mehrte ſich; beim Beginn des ſchwediſch⸗ polniſchen Krieges konnte der Kurfürſt ſchon 26,000 Mann mit 72 Geſchützen aufſtellen. Nicht immer behielt er die ganze Truppe zuſammen, aber ſeit Anfang der fünfziger Jahre findet ſich neben der regulären Truppe auch eine Art Landmiliz, ein Volksaufgebot.
Zwei rauhe Kriegergeſtalten treten uns da entgegen als die ge⸗ treuen und unvergeßlichen Mithelfer in der Bildung und Schulung der Armee.
Unvergeßlich ſage ich, aber doch meiſt vergeſſen. Kein Denkmal redet in der Königsſtadt von den Verdienſten des alten Derfflinger und des Freiherrn Otto Chriſtoph v. Sparr, und doch haben ſie vollen Anſpruch auf eine Ehrenſtelle neben dem alten Deſſauer, neben der militäriſchen Tafelrunde des großen Königs und den Feldherren der Freiheitskriege. Die Verhältniſſe freilich, in denen ſie wirken, ſind ungleich kleiner und dunkler, der Spielraum zu Thaten und Ruhm war enger, und doch— es ſind die unſterblichen Anfänger, und der Anfang war auch hier das ſchwerſte Stück Arbeit.
Derfflinger und Sparr waren ſo rechte Kinder ihrer Zeit, des gewaltigen Krieges, der wie jede Revolution das Unterſte zu oberſt kehrte; wo das Spiel der Fortuna regierte, wie es Schiller in ſo glücklichen Zügen in Wallenſteins Lager zeichnet. Klingt es nicht wie Ironie, daß uns Oeſterreich den Hauptmitarbeiter an der Heeres⸗ bildung, den Georg Freiherr von Derfflinger ſchicken mußte? Ein evangeliſcher Bauernſohn aus dem Erzherzogthum, wandernder Schneidergeſelle, dann Soldat— denn das Kriegshandwerk hatte damals allein goldenen Boden— in böhmiſchen, in ſächſiſchen, ſchwediſchen Dienſten, je nach ſeiner und des Krieges Laune, aber doch ſtets nur für die evangeliſche Sache kämpfend, ſchon mit 29 Jahren Obriſtlieutenant, in allen Hauptſchlachten des Krieges activ. Seine Heirath mit einem brandenburgiſchen Edelfräulein bringt ihn in die Dienſte des Kurfürſten, der damit den beſten Griff that. Theoretiſch war er wenig gebildet und hätte ſchwerlich das Officiersexamen be⸗ ſtanden. Ueber dem Berichte eines Rittmeiſters findet er einſt das Wort Raptim— er ſucht lange nach einem Orte des Namens und ärgert ſich, als er hört, es hieße„in Eile.“ Nun Blücher war auch kein Gelehrter und verſtand doch zu ſchlagen und zu ſiegen. Noch beſitzen wir ein gleichzeitiges Porträt des merkwürdigen Kriegs⸗ mannes,— ein recht verwittertes Soldatengeſicht!
Derfflinger iſt der Organiſator beſonders der Reiterei, Sparr des Geſchützweſens und Feſtungsbaues. Auch er, obwol in der Mark geboren, machte ſeine Schule im Ausland. Als kaiſerlicher Obriſt ſchlug er die Lützower Schlacht mit, als Generalmajor verließ er den kaiſerlichen Dienſt und trat zu den brandenburgiſchen Fahnenz — ſeit 1651 Oberbefehlshaber der Armee. Beide Männer führten
Drohſe
iſt die dr. Jahres Polen g6 Truppen Das ver bündeten führten oft im taren, il alle Vo geführt! I Alliirten Ungeſtän ſie die en erſtürmt,
zuletzt den Titel General⸗Feldmarſchall.


