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bei hohem Schnee ſelbſt am Tage auf Feldern oder Haiden Mauſende
oder an dem anſtehenden Schützen zu weit Vorbeipaſſirende häufig „reizen“, indem der hinter einem Raine oder im Walde verborgene Jäger die Stimme eines ſterbenden oder geängſteten Haſen, eines Vogels oder einer Maus nachahmt. Bei täuſchender Nachabmung, gutem Winde und hauptſächlich dann, wenn den Schlauen der Hunger drängt und treibt, iſt gewöhnlich die Wirkung einſchlagend. Wie der Wind fährt der Rege beim Reizen herum, ſichert entweder einen Augen⸗ blick und mabt beim nächſten Locken heran, oder er ſetzt ſich ſofort auf den vernommenen Reizton mit geſchwungener Ruthe in Galopp, ſchnurſtracks auf die Stelle des anſtehenden Schützen zu.
Bewundernswerth weiß das ſcharfſinnige Thier jedesmal genau Richtung und Entfernung des Ortes zu bemeſſen, und gewöhnlich bleibt es ſichernd knapp über oder in Schußweite vor der verführe⸗ riſchen Stelle ſtehen. Beſonders ergiebig waren meine derartigen Jagden auf den Fuchs in den Bezirken, wo das verderbliche Draht⸗ ſchlingenlegen in den Walddickichten zur Gewohnheit geworden und das aufmerkſame Raubthier oft Gelegenheit hatte, der in ſolchen Schlingen ſich fangenden und ſofort erbärmlich ſchreienden Haſen ſich zu bemächtigen. Manchmal geräth der Spitzbube über dem Traben auf dem Haſenpfädchen ſelbſt in die Schlinge, von der er ſich freilich durch gewaltiges Zerren und Beißen regelmäßig befreit und vor deren tödtliche Folgen ihn ſeine ungemeine Zählebigkeit nicht ſelten bewahrt.
Ich ſelbſt habe drei Füchſe erlegt, von denen zwei, wie der An⸗ blick zeigte, zwar die Drahtſchlinge, in die ſie gerathen, wohl vom Halſe, nicht aber vom Leibe geſtreift hatten. Die Schlingen ſaßen ihnen in den Weichtheilen kurz vor den Hüften, und die armen Räuber waren an dieſen Stellen dermaßen zuſammengeſchnürt, daß es faſt unbegreiflich ſchien, wie ſie in ſolchem Zuſtande noch ihr Leben friſten konnten. Die Bälge zerfielen beim Abſtreifen auf der Ein⸗ ſchnittfläche der Meſſingdrähte in zwei Hälften, und die Leiber waren, wie die Section zeigte, bis auf einen nur fauſtdicken Raum— einer wahren Weſpentaille— unter dem Zwange der Schlinge zuſammen⸗ geſchnürt. Gewiß bekunden beide Fälle die unverwüſtliche Natur unſeres merkwürdigen Thieres. Der dritte Fuchs, ein ſehr ſtarker alter Degen, war eine Beute auf einem Baue in der beweglichen Fuchszeit, dem Februar, in welchem überhaupt die alten erſahrenen Käuze unter der Macht der allgewaltigen Verzauberung Amors am erſten zu ertoppen ſind. Dieſer, vor meinem„Bergmann“ echt waid⸗ männiſchen Angedenkens beim Herausfahren aus dem Bau erlegt, hatte das verhängnißvolle meſſingene Band noch am Halſe, daſſelbe
Aus dem weiten Rußland. II. Eine Bärenjagd.*)
Die beiden Ufer der Wolga bilden in Bezug auf Bodenformation an vielen Punkten einen merkwürdigen Contraſt. Während dort, wo die Tſchuwaſchen wohnen, luftige romantiſche Höhenzüge die rechte Seite des Stromes einfaſſen und prachtvolle Eichenwaldungen ſie bekränzen, dehnen ſich an der linken Seite nur unabſehbare, öde Sandebenen aus, deren einzige Unterbrechung in düſtern Fichtenwäldern oder ausgebreiteten Sümpfen mit niederem Geſträuch beſteht. Im Sommer ſind dieſe traurigen Strecken faſt von jedem lebenden Weſen gemieden. Dumpfe, ſchwüle Luft lagert über ihnen und giftige Dünſte ſteigen aus ihnen auf. Nur Milliarden von Mücken ſchweben in wolkenartigen Schwärmen umher. Im Winter dagegen herrſcht dort ein reges Thierleben. Warme Quellen in den Sümpfen ver⸗ breiten eine mildere Temperatur und das Wild ſtrömt zuſammen, um Schutz gegen die ſtrenge Kälte und Nahrung zu finden. Elennthiere lagern herden⸗ weiſe an den wärmeren Stellen der Sümpfe, Gefieder jeglicher Art ſchlägt ſeinen Wohnſitz in den benachbarten Wäldern auf, und die Bären ſuchen hier paſſende Höhlen, um ihren Winterſchlaf abzuhalten.
Am weſtlichen Rande dieſer ur wirthlichen Gegenden wohnen die Tſche⸗ remiſſen, ein den Tſchuwaſchen nahe verwandter Volksſtamm. Sie ſind kühne Jäger und wiſſen ebenſo geſchickt das Elenn zu beſchleichen, als den Bären in ſeiner Höhle aufzuſuchen und Auge in Auge mit ihm zu kämpfen.
Wähend meines dortigen Aufenthaltes vor ca. fünf Jahren, lernte ich
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Am Jamilientiſche.
war aber nach näherer Unterſuchung— offenbar durch das Zerren auf eine des Gefangenen vom Stamm ab gegen ſich zu— hauptſächlich in eies S den ſtarken Nackenmuskeln eingegraben, weniger an den unteren Par⸗ genannt. tien des Halſes bei Kehle und Schlund, wodurch es den ſich Befreien⸗ gewiſſen den allein möglich war, dem Henkertode vorerſt zu entgehen und über⸗ keineswe haupt auch noch weiter zu leben. Kopf und Geſicht hingegen trugen Di die Spuren der Verengerung des Halſes, denn der Kopf war ſichtlich den wiede angelaufen und die Augen etwas vorgetreten. Trotz alledem Sanmelpl mußte der alte Räuber weder am Erjagen und„Reißen“ des Wildes, angbal, noch an deſſen Verzehren, noch endlich an der allgemeinen Lebensluſt der Schlitt eines regen, beweglichen Fuchsdaſeins behindert geweſen ſein, denn nich ſelten er war bei gutem Leibe und Balge, und der Aufenthalt bei einer Straßen ſi Gefährtin im Baue, die nach Erlegung ihres Adonis gegraben wurde, nich er d bewies hinlänglich, daß ſein Lebensmuth und die ſanfteren Regungen nider zum in ſeiner Raubritterſeele noch Platz greifen konnten. 1 Sammelpla
Viel gefährlicher, als die eben beſchriebenen Zierrathen, mit Thiere.— welchen unſer raſtloſer Wilderer zuweilen und wohl mehr zufällig ſich der Bewohr ziert, iſt hingegen der eiſerne Schmuck, welcher ihm der ſogenannte lauf. Auf
Schwanenhals oder das Berliner Eiſen an den Hals oder die übrigen Gliedmaßen ſeines Körpers zaubert. Dieſe Falle liegt mit verlocken⸗ dem„Köder“ oder„Stellbrocken“, gut mit Heuſamen, Spreu und Häckſel„eingefüttert“ und mit darauf geſiebtem Schnee verdeckt,„fän⸗ giſch geſtellt“ auf dem ſ. g. Lagerplatz im freien Felde oder auf einer Wüſtung. Auf dieſem Lagerplatz iſt unſer Fuchs, bevor das Eiſen gelegt wird, mittels eines Geſchlepps, ſodann mit fetten Lockbröckchen
Stübchen ſch Poſthorn or Aber im So beginnt die Sonne erſtſ Segen der( und manchem
„angekörnt“ oder lüſtern gemacht worden. Selten weiß der Vor⸗ Diet ſichtige, ſonſt ſo Kluge dieſer Lockung zu widerſtehen, denn die Kör⸗ ds dem Klei nung iſt für den lüſternen Gaumen und die Diebsnatur unſeres den Eandge Fuchſes berechnet. Beide, die unbändige Lüſternheit und der unzer⸗ Anger ud g
ſtörliche Diebsfinn verbinden ſich aber gewöhnlich auf dieſer Stätte zu einer gewaltigen Macht, welche die Erfahrung, Klugheit und Schlauheit unſeres Helden gewöhnlich aus dem Felde ſchlagen und ihn in die Falle bringen. Wenn er ſich nicht etwa an einem Laufe fängt, und dieſes Glied, das ihn ärgert, im Heldenmuthe abbeißt, um ſo, klüger als je zuvor, ſeiner Diebsburg zuzuhinken— wenn ihm nicht durch dieſe Weiſe das traurige Invalidenſchickſal wird, dann iſt
ſchiedenen Hd Kuhhirte ſan alsbald die Rind hervor, durch die Str eiligen Schrit Ausloſſe der
mit ſeinem ſonſtigen Fange in dem Eiſen das Endh einer Lebens⸗ dhier den ge laufbahn bereitet. Der Lagerplatz des Eiſens wird hier zur Wahl⸗ urſhe em Hi ſtätte unſeres Helden, wo ſeine hervorragendſten Seelenthätigkeiten Ui und mit der rohen Gewalt der thieriſchen Lüſte den großen Kampf be⸗ das Zat ſeinig ſtehen und worin gewöhnlich alle Glorie der Ueberlegenheit des feinen urſſd je. Meiſters Reineke vor dem groben Materialismus des Thieres Fuchs⸗ ſpäter men ihr Ende findet.. Aaler der S ſf dhſſee erſchen —— beitſch mit n abveichende 7 G 5 der anderg 11 † zugleih, die hehen. treuen Wolfshunde Belka und Morka ſuchte er die Bären in ihren Höhlen Farbe Da iſt auf und erlegte ſie jedesmal, bisweilen 10— 12 in einem Jahre. Vor kurzem 6 1 und S hatte er ein Bärenlager entdeckt, es Tages zuvor ſeinem 12jährigen Sohne ng jedes ein Iwan gezeigt und die Abſicht ausgeſprochen, den Bewohner deſſelben ſich ·. Doch 1 den nächſten Tagen zu holen. Jetzt wollte er jedoch das Thier mir überlaſſen Sciiderun gen und mein Führer ſein. Wir verabredeten, andern Morgens bei ſeiner Hütte dden d ng vo zuſammenzutreffen und von dort mit ſeinem Schlitten die Jagd zu unter⸗ an d e aug nehmen.. ſe nohh; Der Gedanke an die Jagd ließ mich kaum ſchlafen, und der angebrochene ſier, an 1 et Tag fand mich ſchon auf dem Wege zu dem Rendezvous. Da ich nicht die niige den Ia kühne Abſicht hegte, dem Bären à la Tſcheremiſſe mit dem Jagdſpieß zu d in der Leibe zu gehen, hatte ich mich mit meiner guten Doppelbüchſe verſehen, deren Sele, ſtern. ich bis auf 500 Schritt ſicher war.— de allelu Bei meiner Ankunft traf ich den Bärenjäger ſchon außerhalb ſeiner lären R ui Hütte mit dem Beſpannen des Schlittens beſchäftigt, fand ihn aber in faſt fänt un ether fieberhafter Aufregung. Er war ſehr früh aufgeſtanden, um noch⸗Holz zu de jun Niſte fällen und ſo eben heimgekehrt, um mich zu erwarten. Als er aber ſein Ble Griſ Jagdgeräth ſuchte, war es verſchwunden, ebenſo ſein Sohn und die beiden uttetlun Hunde. Die Frau wußte nichts über den Verbleib des Knaben, ſie hatte ihn nd Schnee ru nicht fortgehen ſehen. Eine ſchreckliche Ahnung war in ihm aufgeſtiegen und rüth ſ gläte zur Gewißheit geworden, als er den Spuren nachging. Sie führten in der d ich ein Richtung zum Bärenlager— der verwegene Knabe war mit den Hunden t de er Nach dorthin.. den 8. Als der angſterfüllte Mann mir dies mit haſtigen Worten erzählt hatten dünlihe dh warfen wir uns in den Schlitten, und fort ging es in ſtürmiſchem Galopy i die 5, Vugen nach der Höhle. Der arme Vater ſprach kein Wort unterwegs, aber groß fer ülle der! Schweißtropfen rieſelten ihm von der Stirn und er peitſchte das Pferd zu ſanmel immer raſenderem Laufe. la Af der 1 Näher und näher kamen wir zu der verhängnißvollen Stelle.„Do 1 Feuer da ſind die Hunde,“ ſagte der Tſcheremiſſe mit gepreßter Stimme, und Todten⸗un di de d er de
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4 Weinen dieſer Tſcheremiſſen näher kennen, der ſich als Bärentödter einen großen p Taulen gemacht hatte. Mit Beil und Jagdſpieß, deſſen zwölfzöllige Klinge 17 6 is ein eiſernes Querſtück trägt und mit Hilfe ſeiner beiden — zerſia in daß—— II Walderte zutroöur. NA 1 vor dem er oft vom erhöhten Standpunne——
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