b— 604— 1 f b L Der Lebenslauf unſeres Juchſes. G Von Oberförſter Adolf Müller. V 1 II. Hinterläufen ſitzt, um den Umkreis vor dem Weiterſchreiten auszu-⸗ 4 Gehen wir der Spur unſeres fortgeſchlichenen Meiſters im kuͤndſchaften und den Plan ſeiner nächtlichen Ueberfälle zu entwerfen. b Schnee nach. Der Ausſpruch:„Der Stil iſt der Menſch“, möchte Gleich dem Raubmörder unter den Menſchen weiß er aus Erfahrung ſhiier gewiſſermaßen für die hinterlaſſene Schrift der Körperabdrücke die Zeit, wo die meiſten Hofhunde am tiefſten ſchlafen. Das ſind V 1 unſeres Fuchſes anzuwenden ſein. Wohl ſind ſie eine Schrift, eine die Stunden nach Mitternacht. Aber ſo ſorgfältig er auch mit hoch Zeichenſprache, die zu dem Eingeweitgen deutlich und lebendig ſpricht. gehaltener Naſe und vorgerecktem Gehöre in den Garten und um das VPerfolgen wir ſie und leſen wir aus ihn des Thieres Thun und Gehöft ſchleicht, ſo genau er ſich die Lücke in der Umzäunung oder J V Treiben weiter. Mauer noch vom Sommer her gemerkt hat, ſo lüſtern und blutdürſtig Schon in ihrer Regelmäßigkeit, bei welcher eine Pfote vor die er ſich wohl ſchon nach dem ſchlecht verwahrten Hühnerhauſe oder 44* I andere geſetzt erſcheint, was man waidmänniſch das„Schüren“ gar dem unverſchloſſenen Gänſeſtall wenden will— alles verdirbt naennt, bekundet ſich das Auftreten eines ſicher und entſchieden Handeln⸗ im entſcheidenden Momente der ewig wachſame Pommer des Hofes, ddeen auf der freien Bühne der Natur. Er ſteht ſo recht eigentlich auf der auf den Räuber laut und wüthend einſtürmt und ihn zum Walde 1 ſeinen eigenen Beinen, der Dahintrabende, und wahrlich! er gebraucht treibt. Da mag der Vertriebene, Enttäuſchte, wohl ſitzen, Aerger in ſſii unermüdlich im Dienſte der Jagd und des Raubes: denn der Räuberſeele über die nicht zu hintergehende Wachſamkeit des ver⸗— V ſtundenlang in die Kreuz und Quer zieht ſich der ſcharfe Faden haßten Bauernhundes: doch nimmermehr entmuthigt und verzagend b 1 ſeiner abenteuerlichen Wanderſchaft dahin. Hier geht ſie einem Rain wie eine ſchwache Seele. Daß der liederliche Bauer oder die nach⸗ 14 MWentlang— richtig hatte der Praktikus das Geſträuche darauf im läſſige Bäuerin den Federviehſtall nicht verwahrt, das hat er ſich — Winde abgeſucht, und hier aus dieſem Schwarzdornbuſche ſeinen wohl gemerkt und wird, ſo gewiß als er eine unerſchütterliche, zähe Zehnten an ſchlafenden Goldammern geholt, dort auch jenen Wild⸗ Diebesnatur iſt, wiederkommen und einen erneuten Ueberfall auf die 1 ſöbirnbaum auf einſamem Felde nicht zu beſuchen vergeſſen, um glück⸗ Gänſe⸗ und Hühnerſtälle wagen. Wehe dann dem gefiederten Volke, 4 lich wie er heute iſt, aus der niederen Höhle einen Feldſperling zu wenn ſein Behälter nicht tüchtig verwahrt und der treue Hüter ziehen. Das ſpricht deutlich die Zeichenſprache der Sprünge im des Hofes allfällig mit ſeinem Herrn über Feld iſt! So lange 4 4 Schnee, und noch deutlicher verrathen die Federnreſte den Fraß des die letzte Gans athmet und ſchnattert, oder noch ein Huhn faattert, Haſchenden.— Weiter geht's immer im Schritte oder bisweilen im wird er dort morden und von allen erwürgten ſo viel fortſchleppen Trabe, wie das Thier gerade ſeine Launen und Sinne leiten. Hier und verſcharren, als nur irgend gehen will. 4 woeendet ſich die Spur zu Thal, in die Wieſen an den Bach, der längs Doch, wie geſagt, gar häufig iſt er nicht ſo glücklich in gut ver⸗ ſeines Ufers nach Fröſchen durchſpürt wurde. Nun iſt er bergan wahrten und bewachten Hofraithen und begnügt ſich dann mit dem 9 geſtiegen einem Vorholze zu. Hier ſtand er ſtill— er hat geſichert, Aufſuchen von Knochen und ſonſtigen dürftigen Abfällen aus Küche 3. gewiß nach jener Erdhütte am Schindanger hin, wo das Luder liegt und Stall. Von Natur ſchon ein ziemlicher Allesfreſſer, macht ihh 8 und vielleicht der Jäger auf dem Anſtande in der Schießhütte den der Hunger wahrhaft dazu. Alles iſt ihm recht, von den vergrabenen 1 Räuberhauptmann erwartet hat. Aber dieſer, in der Schule der Er⸗ Rüben bis zum Stück alten Leders, das er benagt. Gar oft mag erer fahrung gewitzigt, umgeht klug Hütte und Luder in einem weiten ſich auf ſolchen Hunger⸗ und Kummertouren brim betteleeren Rück⸗ I Bogen und richtig! ſeine Vorſicht war nicht grundlos;— das Herum⸗ zuge aus dem Dorfe des im Herbſt verſchmähten Vogel⸗, Elz⸗ und 82 fahren und Flüchtigwerden nach dem Walde, das wir in der Zeichen⸗ Mehlbeeren⸗Segens mit Sehnſucht erinnern, nunmehr froh, wenn er ſchrift der Spur gewahren, zeigt deutlich, daß die ſcharfe Naſe unſeres hin und wieder unter den Bäumen an den Wegen noch eine vertrocke N — Nachtwandlers den anſtehenden Schützen in der Hütte wohl„ver⸗ nete Dolde dieſer Früchte findet, wenn die Amſeln ihm noch eine 1 N 4 1 merkt“ und ihm den Rücken gekehrt hat. Mehl⸗ oder Faulbeere am Strauche gelaſſen. Und nit welcher ge N Erſt oben auf einem Waldkopfe ſehen wir, daß der Graukopf ſteigerten Sehnſucht mag er in ſolchen Augenblicken der ſüßen Diebe- S „ zu Bau gegangen iſt. Aber nicht etwa in eine ſekbſtgegrabene Burg reien auf den Dohnenſteigen oder den Vogelſchneiſen gedenken, aus (— nein! dazu iſt der alte Landſtreicher viel zu bequem, ja ſelbſt zu denen er dem Jäger manchen„Ganz⸗ und Halbvogel“ mit dem Tages 7132 faul, um ſich einen kleineren Nothbau anzufertigen. Das überläßt grauen aus den„Schleifen“ geholt. Wie einſt dem Volke Jsrael 4— er meiſt den jüngeren Brüdern oder den Füchſinnen ſeiner ſauberen die Erinnerung an die guten Tage und die Fleiſcht’pfe Egyptens, dſo Sippſchaft. Er hat die echte Fuchspraktikus⸗Maxime, auf Koſten mag ihm die ergiebige Jagd auf das ſaftige Droſſlwildpret lebendig 1 fremder Mühewaltung ſich's bequem zu machen. Den Dachs, der ſüß vorſchweben; doppelt todt und bitter aber ihn die nackte, beute⸗ 1
zwar dreiviertel ſeines Lebens verſchläft, der nichtsdeſtoweniger aber in Anbetracht ſeiner Körperpflege und Winterruhe ein überaus fleißiger Gräber iſt, läßt er ſeine Burg, für ihn ein Palaſt, im Schweiße ſeiner dicken Schwarte bereiten, und niſtet ſich in den
loſe Wirklichkeit beim Erwachen aus ſolchen Erirnerungen erſcheinen. So wendet er ſich verdroſſen, mit dem plagendn Gaſte im Magen, dem Holze zu, in dieſem und jenem Schlage noch die Stellen ver⸗ laſſener Holzhauerfeuer nach Abfällen gebrctener Kartoffeln oder
oberen Stockwerken des vollendeten Baues ein, den Schläfer drunten glücklichen Falls nach einer Wurſtſchale ode Speckſchwarte. durch⸗ in der Tiefe des Keſſels unbehelligt ſeinen Träumen überlaſſend. ſuchend und zuletzt mit der Ergebung in die uugenblicklich zwingende— Beide gehen ihre ganz verſchiedenen Wege; beiden fällt es nicht ein, Noth ſeinem Bau oder einer Nadelholzdickuig zuſchlendernd. Hier 1 ſich einander zu ſtören. Meiſter Reineke iſt zu klug, um mit dem brütet er, zuſammengeringelt bei dürftigem Schlafe, der den Hungern⸗ 1 grimmen, ihm doppelt überlegenen Kobold irgendwie anzubinden, den flieht, über neuen Plänen, ſich durchs krge Winterleben mit allen und Herr Grimmbart ſeinerſeits iſt viel zu bequem und hängt viel Fuchsſtreichen durchzuſchlagen. In ſolcken Momenten wird denn 5 1 zu ſehnan Ort und Gewohnheit, als daß er ſich durch den Schmarotzer auch nicht ſelten der Plan zum Auswandern von hohen, rauhen 11 Fuchs im geringſten in ſeiner Behauſung ſtören ließe. Hier in dieſen Gebirgen herab in die Vorberge und Nioerungen, oder von Norden 54 Bau hat ſich unſer Held gegen Morgen„geſteckt“, wie der Jäger das nach dem freundlicheren Süden entworfe und über Nacht ausgeführt. Einkriechen benennt. Hier ruht er auf den Lorbeeren ſeiner meiſter⸗ Von dort her mag ſich mancher alte, Fang und Jagd entgangene 1 lich ausgeführten Jagden und ſinnt, nach gepflogener Ruhe, auf neue Schlaukopf wohl beſſerer Zeiten erinurn, wie des fetten Fangs in Gaunerſtreiche, das Regiſter ſeiner verwogenen, abenteuerlichen mäuſereichen Jahren, wofür ihm abr die undankbare Welt lange Räuberlaufbahn zu vervollſtändigen. nicht Dank genug zollt; dort hat e wohl manchmal den Faſanen⸗ 1 I Aber unſerem Meiſter ergeht es nicht immer, wie am durchlebten und Rebhühnerſtand auf Fütterungplätzen weidlich gezehntet; dort 1,1 Abende und der geſchilderten Nacht. Er hat ungleich ſchlimmere Le⸗ iſt ihm die Jagd auf Lampe, den geſuchten Braten, in den haſen bensepochen. Da trabt er oft nächtelang vergeblich nach Beute, ſo geſegneten Ebenen noch im lebhaftſten Angedenken, die Capitaljagd, ͤ daß er oft hungriger und ſchlotternder wie zuvor ſeinem einſamen die er einſt mit einem intimen Gſinnungsgenoſſen ausgeführt, wie V — E Walderte zutrollt. Was hilft ihm all ſein Umſchleichen des Dorfes, wir ſie in unſerem heutigen Bil verherrlicht finden. Ja, das war den 1 I vor deut er oft vom erhöhten Standpunkte aus auf untergeſchobenen] eine Waidmannsluſt, wo zwei glechgeſinnte Seelen, er, der alte Prak⸗ Sae 3 6 765— 4 4
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