Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
603
Einzelbild herunterladen

en das barm⸗

Bruders und Iſt Hannch⸗

1von a. das i

ie Erfahrun ſor allein in

t ſie es ris⸗ zur be Angſt war⸗ warengaus⸗ ollte ſchon di Thür, und Ne⸗ Gedanken war Weg zu achten. r befand ſich in chte er, ſich zu- hedanke! eine .Die Droſchke 1 ſchon wieder im ſcht eben freund⸗ eigentlich?

znen Sie denn? te, lieber Mann,

raße und welche

geoßzte Mühe, ſich vergebens.... da

zeimiſche, ſchlichte Benennung Fuhrwerk zu gut gedeucht haben würde. 3 A la bonne heure, das iſt ja eine wirkliche, leibhaftige Bi⸗ bliothek! Sie finden da nur wiſſenſchaftliche Sachen, hier iſt der Ka⸗ log dazu. Sie werden ſich vielleicht wundern, daß manches noch

nicht aufgeſchnitten iſt. Ich bin durchaus kein Bücherwurm,

aber da für uns öffentliche Bibliotheken ſo gut wie unerreichbar ſind und wir bei unſeren Buchhändlern oft ein Vierteljahr lang auf die Beſorgung eines Buches zu warten haben, ſo iſt es nothwendig, mehr anzuſchaffen, als man augenblicklich braucht. Wenn Sie lieber unterhaltende Lectüre wünſchen, ſo ſteht Ihnen noch die Biblio⸗ thefk meiner Frau zu Dienſten, da ſind ſo ziemlich die wichtigeren, neueren Erſcheinungen aus der deutſchen, franzöſiſchen und engliſchen Literatur beiſammen.

Meine dankende Verbeugung war ſicher ſehr reſpectvoll, denn der Baron ſagte mit feinem Lächeln:Wie alle Ausländer ſcheinen auch Sie überraſcht davon zu ſein, uns in einigem Rapport mit den geiſtigen Bewegungen der großen Welt zu treffen, vielleicht mehr, als Sie es bei den deutſchen Grundbeſitzern bemerkt haben. Für uns iſt es aber auch viel nothwendiger; denn dort weht doch ab und zu ein friſcher Luftzug hin, der ſie aus ihrer Ruhe aufſtört; wenn wir dagegen nicht beſtändig künſtliche Reizmittel anwendeten, ſo Natur und die deutſche Bildung, die wir erhalten haben, doch mächtig ſträubt.

Mit einigen Büchern verſehen, ging ich langſam durch die Be⸗ ſuchszimmer nach meiner Stube hin. Die großen Säle waren alle leer; dumpf hallten meine Schritte von dem glatten Parquet wieder; die Sonne hatte ſich hinter dichte Wolken zurückgezogen, die ſchwer⸗ fälligen, tiefen Fenſterwölbungen dämpften noch das matt herein⸗

ner annimmt.

t dem Bruder ge⸗ Sie redet dem Geſundheit wegen. i der Uhr in der große Kiſten wit d. In Städten, aecaſtet. 85 iſt 6 geger ol dhre

liotheken ſene inde ein neues Kleid angezogen, wie reizend ihr das Weiß ja meine dd eht. r Roman ſind der Es war dies mein guter Genius, der mich daran mahnte, daß hrer luſtigen Waj es die höchſte Zeit ſei, mich zu der feierlichen Action des Mittageſſens mer zu Nentdi unzukleiden. Schm ein Viertel vor fünf, und um fünf Uhr wird ge⸗ ie Hanncen geſſen. Das Wirt Unmöglichkeit iſt aus meinem Wörterbuche ge⸗ net Bouedhun ſtrichen, ſagte der goße Napoleon und verlor die Schlacht bei Belle⸗ München. alliance; ich ſagte zar nichts und war rechtzeitig wieder in den Salons unter der gepntzten, plaudernden Geſellſchaft. Eben war dieſe in Begriff, in den bereits einladend geöffneten Ehſakon einzutreten, dawird das Rollen eines Wagens gehört. Die lungen Damen laufen neugierig nach den Fenſtern,General Saſs, General Saſs¹ hinaus und den General im Triumph hineinescortiren war die That eines Augenblicks. Ich ſehe einen 5 alten/ großen Herrn in nkrrſce Haltung eintreten, der mit ſeinen nach einem 9 llebhaften Augen, dem igen weißen Schnauzbart und den adler⸗ hn abwärts i 4 artigen ſcharfen Zügen etwis an den alten Blücher erinnert. zuge ſärtcei Ben Mir fiel es mit einem Male wie Schuppen von den Augen, ich 5 dlug 69 erkannte nun deutlich, was die kuriſchen Barone von den unſeren diche 7 anterſcheidet. Keine Spur vi ſoldatiſchem Anſtrich, der ſo charak⸗ die Zähl eriſtiſch namentlich für die preußiſche Ariſtokratie iſt, Degen und nun igudt ge 1 niformen ſind ihnen augenſchonlich ganz fremde Dinge, das trat ſo un dn aler 4 fecht hervor, als ich ſie mit einen Militär zuſammenſchaute. Harnhzuſe bune un e mit in bftbu Thal 6 gan ch 1 8 8 4 bos dUſern ſin 2 3 18 glatten un N 4uu 1 2 1

dringende Licht, ſeltſam feierlich ſchauten die großen Oelbilder aus deen breiten Goldrahmen auf mich herunter, aus den dicken, jahr⸗ G hundertealten Mauern wehte mir ein wunderbarer Duft entgegen, ich warf mich in einen Lehnſeſſel und verſank in Träumereien, und nach einiger Zeit kam es mir vor, als befände ich mich in einem Theater, und man ſpiele ein großes, hiſtoriſches Drama mit höfiſchen Cavalieren in buntgeſchlitzten Wämmſen und ſtolzen Frauen in ſchleppenden Atlasgewändern; das Herz erbebt vor dem Walten eines maächtigen, gewaltigen Schickſals, die Bruſt iſt voll und gepreßt, furchtſam ſehnſüchtig ſchaut das Auge nach dem Vorhange, der uns das Schratliche für einen Moment verbirgt er rauſcht in die Höhe eine holde Stimme flüſtert:Die Liebhaberin hat ſchon

603

würden wir ſehr ſchnell völlig verſumpfen, wogegen ſich unſere deutſche

Der Name des General Saſs wird den älteren meiner Leſer zum Theil ſchon bekannt ſein; diejenigen wenigſtens, welche das muthige Ringen der kaukaſiſchen Bergvölker gegen den übergroßen ruſſiſchen Rieſen mit Intereſſe verfolgt haben, werden ſich dabei auch des General Saſs erinnern; dieſen Völkern ſelbſt tönte er ſchrecklich genug in die Ohren.

Wer ſollte das der alten Excellenz anſehen, die ſo ſchalkiſch mit den Mädchen ſcherzt, und ſich beinahe ausſchütten will vor Lachen bei der Erinnerung daran, wie er einmal die ganze Stadt und Umgegend von Goldingen in den April geſchickt hat, indem er allen Einladungen zuſchickte, ſo aber, daß alle Eingeladenen ihre angeblichen Gaſtgeber entweder gar nicht zu Deufelnden oder auf dem Punkte, aus⸗ zufahren.

Die Tiſchunterhaltung war voll von ſolchen Schnurren und Schwänken; der alte Herr wußte ſie mit einem prächtigen Humor vorzutragen, dem es gar keinen Eintrag that, daß er die deutſche Sprache zuweilen ebenſo gewaltſam und willkürlich behandelte, wie ſeine Tſcherkeſſen.

Aber ſo ſehr mich das auch amüfirte, es kam noch immer nicht das eigentliche Thema, welches ich gern hören wollte; die weißbehand⸗ ſchuhten Diener reichten bereits das Deſſert herum, und noch immer kein Wort vom Kaukaſus; auch das Deſſert wurde abgetragen, Excel⸗ lenz war noch in Kurland.

Ich benutzte einen Moment nach aufgehobener Tafel, um der Frau vom Hauſe zuzuflüſtern, ob es denn nicht möglich ſei, das Ge⸗ ſpräch auf den Kaukaſus zu bringen.

Der General ſcheint es müde zu ſein, von ſeinen dortigen Hel⸗ denthaten zu ſprechen, am wenigſten darf er die Abſicht merken, daß man ihn darauf bringen will, aber gedulden Sie ſich nur, es wird ſich ſchon zufällig machen.

Und dieſer Zufall kam. Die Geſellſchaft hatte ſich in kleinere Gruppen aufgelöſt, einige ſpielten Schach, andere Triktrak, General Saſs hatte ſich eine lange türkiſche Pfeife angezündet und ſaß bequem auf einem Divan und converſirte ernſthaft über landwirthſchaftliche Angelegenheiten. Mochten ſeine Gedanken durch den türkiſchen Tabak eine orientaliſche Tendenz erhalten haben, als ein Herr ganz unſchuldig erzählte, er habe ſich neulich aus Preußen Guano kommen laſſen, da fuhr er plötzlich heraus:Ja, das macht einem nun hier ſo viele Mühe und Koſten, wenn ich nur die Hälfte von dem Dünger hätte, den ich am Kaukaſus habe in den Kuban werfen laſſen, ſo könnte ich das ganze Kurland damit düngen.

Wie iſt das zugegangen, Excellenz? fragte ich haſtig. Der Haken ſaß.

Sehen Sie, dieſe Schmutzfinken dort ſtapeln allen Dünger vor ihren Häuſern auf, da die Felder fruchtbar genug auch ohne⸗ dem ſind, und das gibt einen ſo peſtilenzialiſchen Geruch, daß es nicht zum Aushalten iſt, und ich es von meinen Soldaten habe in den Fluß werfen laſſen. Und nun ging's los, von dem Dünger zu den uralten römiſchen Thürmen und von da zu den Spitzbübereien der

V

kaukaſiſchen Banditen, und dann wieder zu den merkwürdigen Reſten griechiſcher und chriſtlicher Cultur, die ſich dort finden, weiter dann zu den wilden Menſchenjagden, die dort abgehalten werden wie doch bei ſolchen Geſchichten die Zeit vergeht der General befand ſich gerade bei der luſtigen Erzählung, wie man ein Dutzend ſolcher Rackers wie die Krähen von den Bäumen heruntergeſchoſſen habe, da wurde ſchon zum Thee gerufen; und der braune Trank goß neues Leben in ſeine Glieder und er fuhr fort zu ſingen und zu ſagen wun⸗ derbare Mären von dem großen Schamyl und romantiſchen Ritten durch das rauhe Gebirge, umſauſt von den Kugeln tückiſcher Feinde, da hatte die redefertige Gouvernante, die ſo ſtreng auf den guten Ton hielt, den Einfall zu fragen:Hat Excellenz noch andere Feld⸗ züge mitgemacht? Böſe Erinnerungen von voreiligen Dummheiten und Ungnade des Kaiſers mochten dabei in der Bruſt des alten Ge⸗ nerals wach werden, denn mit zuſammengezogenen Brauen erwiderte er kurz und barſch:Ja, in Ungarn! und ſetzte ebenſo hinzu: Doch ich glaube, es iſt Zeit zum Schlafengehen, gute Nacht!

*