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kleinen Judenknaben gewinnt. Die Neckereien der Mitſchüler über die körperliche Unbeholfenheit und eckige Unſchönheit Davids ver⸗ ſtummen bald vor der Achtung und Beſchämung, die ſeine ſeltenen Geiſtesgaben und ſein faſt verzehrender Fleiß, noch mehr aber ſein liebevolles Herz, ſeine Freundlichkeit und Gefälligkeit, ſein ganzes lauteres Weſen ihnen unwillkürlich aufzwingen. Heiß durchglüht den ſechszehnjährigen Jüngling die reinſte Freundſchaft, da er bei ſeinem Uebergange zum akademiſchen Gymnaſium durch zwei bedeu⸗ tende Jünglinge: Auguſt Varnhagen von Enſe und Wil⸗ helm Neumann in den von ihnen gegründeten Freundſchaftsbund „Nordſtern“ aufgenommen und auch bald mit dem edlen Dichter Adalbert von Chamiſſo aufs innigſte befreundet wird. Ein Hauch reinſter Begeiſterung für die höchſten idealen Intereſſen: Re⸗ ligion, Philoſophie, Poeſie und klaſſiſches Studium durchweht den Nordſtern. Plato iſt das Idol der jungen Freunde— für David Mendel wird er,„der vorchriſtliche Chriſt,“ zum Propheten des Chriſtenthums. Die junge Seele voll Sehnſucht ahnt, daß ſie nur in der chriſtlichen Wahrheit den wahren Frieden finden kann. Das Studium Schellings und Schleiermachers klären dieſe Ahnung zum felſenfeſten Glauben. Am 25. Februar 1806 wird David Mendel im Hauſe des Paſtors Boſſau getauft. Die Taufzeugeu des jungen Chriſten ſind ſein alter Lehrer Johann Gurlitt, ſeine Freunde Auguſt Varnhagen von Enſe und Wilhelm Neumann. Der Täuf⸗ ling nimmt von jedem Pathen einen Vornamen an und von Neu⸗ mann den ins Griechiſche überſetzten Hauptnamen: Neander— ein„neuer Mann“ iſt David Mendel ja geworden.
Um Oſtern zieht„der herrliche Schleiermacher“ den jungen Studenten Neander nach Halle und zum Studium der Theologie. Als im November 1806 die Univerſität Halle von Napoleon auf⸗ gehoben wird, wandert er mit den Freunden Neumann, Strauß und Noodt ſchweren Herzens und gar leichten Beutels nach Göttingen — ſeiner traurigen Vaterſtadt. Noodt nimmt den Mittelloſen und von Kindheit an in allen äußeren Dingen Hilfsbedürftigen bei ſich auf und ſorgt mit rührender Liebe für das große Kind— faſt wie eine Mutter. Mit aufreibendem Fleiße ſetzt Neander ſeine Studien fort; ein jugendlich begeiſterter Freundeskreis entſchädigt ihn für das im Vergleich zu ſeinem unvergeßlichen Halle nüchterne Leben der „Philiſtropolis“ Göttingen, wie er einen Brief unterſchreibt. Auf einer Ferienreiſe lernt er in Hamburg den frommen Wandsbecker Boten Mathias Claudius kennen und verehren. Die milde, kind⸗ lich innige Gläubigkeit dieſes Mannes führt ihn zum eifrigſten Stu⸗ dium der Schrift. Auf Claudius Wunſch hält er ſeine erſte Predigt in Wandsbeck. Die Beſchäftigung mit dem neuen Teſtamente und den Kirchenvätern, und Schleiermachers noch immer nachwirkender Einfluß begeiſtern den jungen Studenten zu dem Herzenswunſche, dem Studium der Kirchengeſchichte ſein Leben widmen zu dürfen. Dies Ziel behält auch der Candidat Neander feſt im Auge, als er ſich in Hamburg durch Stundengeben und Aushilfe im Predigen er⸗ nährt. Das innige Gemüth und die kindliche Einfalt des jungen Kanzelredners gewinnen ihm, trotz der ungewöhnlichen Länge der Predigten und ſeines wenig beſtechenden Vortrags, viele treue Zu⸗ hörer. Und wieder ſammelt ſich ein jugendfriſcher edler Freundes⸗ kreis um Neander: Noodt, Julius, Aſſing, die ſchwäbiſchen Sänger Juſtinus Kerner, Guſtav Schwab und Karl Mayer!
Innig dankend gedenkt er jetzt der ſchweren Stunde, die vor 40 Jahren den jungen einundzwanzigjährigen Licentiaten Neander den durch Marheinekes und de Wettes Abgang nach Berlin ver⸗ waiſten Lehrſtuhl in Heidelberg zum erſten Male beſteigen ſieht. Die Heidelberger Burſchenſchaft iſt ja in großer Aufregung, daß ein über⸗ getretener Jude es wagt, vor ihr als Lehrer der Theologie auftreten zu wollen. An der Spitze der Bewegung ſtehen die Burſchenſchafter Fallenſtein und Baumgarten,— genährt wird ſie im Hauſe des Profeſſors Gervinus. Das Auditorium iſt überfüllt,— es gilt ja, „den frechen Juden“ auszutrommeln! Verlegen, unbeholfen ſchreitet der junge Licentiat dem Katheder zu; aus der feindlichen Menge trifft den„Juden“ manch häßliches, verletzendes Wort. Gleich dem jung⸗ fräulichen, von Liebe durchglühten Apoſtel Johannes, ſteht Neander auf dem Katheder— das bleiche Geſicht ſtrahlt verklärt— ein glänzender Blick der Liebe fliegt über die Verſammlung— er hört das drohende Fußſcharren ſchon nicht mehr... mit anfangs ſtocken⸗ der, dann immer kräftiger und ſeelenvoller tönender Stimme beginnt er ſeinen Vortrag.... der quillt ihm ſo lebendig und urſprünglich
III. Jahrgang.
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friſch aus dem tiefinnerſten und lauterſten Herzen hervor.... es wird ſtiller und ſtiller im Auditorium— geſpannt, gefeſſelt, gerührt, erröthend lauſchen die Studenten... eine innere Stimme ruft ihnen unaufhörlich zu: dem Juden dort iſt das Chriſtenthum die theuerſte Herzenswahrheit!— Ein jugendlich friſches Herz nach dem andern fliegt dem jungen Redner zu— des„frechen Juden“ erbittertſte Feinde werden Auguſt Neanders wärmſte Freunde!
Und wie in Heidelberg dem jungen Licentiaten, ſo fliegen in Berlin dem dreiundzwanzigjährigen Profeſſor die Herzen der theolo⸗ giſchen Jugend zu. Ums Jahr 1813, wo von Berlin aus die glü⸗ hendſte Begeiſterung für die Erhebung Deutſchlands auflodert, wo aber in der Kirche noch die Lauheit und der Rationalismus faulend wuchern, betritt Neander neben Schleiermacher, de Wette, Marheineke das Katheder.... Der Wahlſpruch ſeines Mundes, ſeines Herzens, jeder Stunde ſeines Lebens iſt: Pectus quod facit theologum— das Herz macht den Theologen! In der evangeliſchen Kirche bricht eine ſtrahlende Morgenröthe an.
Pectus quod facit theologum. 38 lange, wunderreiche Jahre iſt es Neander bis jetzt vergönnt geweſen, nach dieſem Le⸗ bensmotto im Dienſte ſeines Herrn zu arbeiten, tauſenden von jun⸗ gen Reben ein liebender Gärtner zu ſein und ſie zum reichen Frucht⸗ bringen heranzuziehen.... o, wie warm dankt der alte Neander jetzt bei der Rückſchau am Geburtstagsmorgen in der Stille ſeiner Studirſtube Gott dafür!
... Neander ſitzt in ſeinem Lederſeſſel, die Hand ſchattend über die nun ſchon ſeit drei Jahren halb erblindeten ſchmerzenden Augen gelegt— in tiefe Gedanken verſunken..... Da klopft es leiſe auf ſeine Schulter.... Mit der Hand die buſchigen Locken aus der Stirn ſtreichend und den Kopf ein wenig aufrichtend,— ſagt Neander freundlich:„Herein!“
„Auguſt, unverbeſſerliches Kind, ſchon ſo früh am Morgen zu träumen...“—„Du biſt es, Hannchen?— ich dachte, der Fa⸗ mulus klopfte an die Thür!“
„Da hat die luſtige Welt ja wieder ein hübſches Geſchichtchen von meinem gelehrten, zerſtreuten Bruder, der ſchon als Student, da ſein treues Camiſol Noodt ihm durchaus das flotte Rauchen bei⸗ bringen will, das kleine Verſehn begeht und ganz ſchmucklos den Finger des Camiſols anſtatt ſeines eigenen nimmt und ſich damit gemüthlich ein Pfeifchen ſtopft— der einmal auf dem Katheder ſtatt ſeines Collegienheftes ſeine Kleiderbürſte aus der Taſche zieht und gar einen Haarbeſen unter dem Arm als Parapluie durch die Straßen ſpazieren führt— der neben ſeinem Famulus durch die Straße geht, aber perpetuirlich mit einem Fuß im Rinnſtein und dann endlich, ſelber verwundert über den einen kurzen Fuß, mit leiſem Entſetzen ausruft: Ulenhuth— ich hinke ja!... der...“
„Laß gut ſein, mein Strafmütterchen— ich will mich ja beſ⸗ ſern, wenn das einem ſo alten Holze noch möglich iſt!“ ſagt Neander mit mildem Lächeln und ſchaut der Schweſter herzlich ins Auge.
„O Kind, verſteh doch Spaß! Du biſt mir und all Deinen vielen Freunden und Schülern ja gerade ſo recht, wie Du nun ein⸗ mal biſt. Und nun, Gottes Segen zu Deinem Geburtstage!“
„Danke, Hannchen! Der liebe Gott hat mich bis hierher ſo überreich geſegnet,— mit meinem verklärten jungen Freunde Her⸗ mann Roſſel darf auch ich jetzt am Abende danken:
Was innen blühte— ſcheidend darf ich's ſagen: Es war ein hohes, ſel'ges Wunderleben!
— es überblüht reich alle Krankheit und Gebrechlichkeit des oft recht
erdenmüden Leibes!“
„Weißt Du, Auguſt, warum ich den lieben Gott heut morgen für Dich gebeten habe?— er möge das alte Hannchen nicht früher abrufen, als ihr hilfloſes großes Kind!“
Herzlich drückt Auguſt Neander der Schweſter die Hand.
In dieſem dankbaren Händedruck— in Hannchens letzten rüh⸗ renden Worten liegt das ganze innige Verhältniß des ſeltenen Ge⸗ ſchwiſterpaares, das der Berliner Volksmund ſchon ſeit Jahren in ſeiner gemüthlichen Weiſe„die Neanderskinder“ nennt.
Man kann ſich das eine Neanderkind ohne das andere kaum denken, obgleich ſie im Grunde ſo unendlich verſchieden ſind. Hier berühren ſich die Extreme in der gegenſeitigen herzlichen Liebe. Das kleine, trotz ihrer 73 Jahre noch wunderbar bewegliche, praktiſche, lebensfröhliche, witzig übermüthige Hannchen iſt der luſtig gebundene 29


