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Auf das engſte greifen zu dieſem hohen Ziele ineinander des großen Kurfürſten auswärtige Politik in Krieg und Frieden und alles was er zur Heilung und Hebung des inneren Staatslebens geleiſtet.
IV.
Noch tobte der gewaltige europäiſche Kampf, noch war Branden⸗ burg in ſeine Leiden verſtrickt. Seit dem Tode des Schweden⸗ königs war der Krieg jeder idealen Richtung auf die Rettung der höchſten Lebensgüter bar und ledig, ein wüſter Eroberungszug fremder Völker gegen deutſche Lande, das katholiſche Frankreich im Bunde mit dem lutheriſchen Schweden, Oeſterreich ohne Sorge für das Reich, nur von ſeinem Hausintereſſe geleitet.
Dem Kurfürſten ſchien zwiſchen den ſich zerreibenden Gegen⸗ ſätzen keine Wahl zu bleiben, als kaiſerlich oder ſchwediſch zu werden. Oder gab es ein drittes? Er wählte ſofort den dritten, ungleich ehrenvolleren, aber auch ungleich ſchwierigeren Weg, zwiſchen den ſtreitenden Großmächten das Staatsſchiff hindurchzuſteuern, ſeine Neu⸗ tralität zu wahren, ſeine Lande erſtarken zu laſſen und auf eigene Füße zu ſtellen, um dann nach allen Seiten mit eignem Willen, nach eignem Intereſſe in die Ereigniſſe eingreifen zu können.
Daher von vorn herein dieſer Wechſel von klugem Zuwarten und energiſchem Durchgreifen, zwiſchen den Künſten des Diplomaten und dem Dreinſchlagen des Soldaten; dieſe Schlangenwindungen ſeiner Politik und wieder der alleroffenſte Kriegsmuth. Schon damals die Politik der freien Hand!
Zur guten Stunde ſtarb der allmächtige Schwarzenberg, man kann ſagen, an der Ungnade ſeines Herrn, der nun ſelbſt das Steuer mit ſicherer und nervigter Hand faßte. Friedrich Wilhelm ſchloß nun mit Schweden Waffenſtillſtand, ohne mit dem Kaiſer zu brechen, und ſuchte aus allen Kräften den allgemeinen Frieden herbeizu⸗ führen. Kein deutſcher Reichsfürſt hat ſo viel für den Frieden, um den volle 5 Jahre in Osnabrück und Münſter gemarktet wurde, ge⸗ arbeitet, als der Brandenburger.
Eng verflochten mit den Friedensverhandlungen war für ihn
Kuguſt Neanders
die Frage, ob er mit der Erbin von Schweden, der geiſtvollen Königin Chriſtina, ein Ehebündniß eingehen ſolle; ein Plan, den, wie wir
ſahen, ſchon Guſtav Adolf bewegt hatte. Geſandte gingen hin und her, das Für und Wider wurde reiflich von den Höfen erwogen. Der Glanz einer Königskrone mochte den kühnſtrebenden Kurfürſten reizen, aber in der elften Stunde fand er den rechten Weg, er fand ſich ſelbſt wieder.
Auch das ein providentieller Zug! Zunächſt wohl hinderten perſönliche Motive den Bund mit der Königin; der Zweifel bei ihm und andern, ob er mit ihr werde glücklich werden; die Verſchie⸗ denheit der Confeſſionen. Vielleicht die begabteſte Fürſtin ihrer Zeit, von männlichem Geiſte und männlicher Bildung, von königlichem Selbſtgefühl, aber überreizt und überſättigt von ſo viel Glorie, nach dem Ungewöhnlichen lüſtern, unſchön und cyniſch in ihrer äußeren Erſcheinung, ein unweiblicher Sonderling. Zwei ſo ſelbſtſtändig ausgeprägte Charaktere,— ſchon der große ſchwediſche Staatsmann Oxenſtjerna fand ihre Verbindung mißlich. Friedrich Wilhelm war zu ſtolz,„nur der Mann einer Königin“ zu ſein und Chriſtina im Grunde jeder Ehe abgeneigt; bekannt iſt, daß ſie ſchließlich ab⸗ dankt und katholiſch wird.
Aber man denke ſich die Folgen aus, wenn damals der große Kurfürſt, der Schöpfer unſeres Staates, Schweden und ſeine deut⸗ ſchen Lande nebſt dem Herzogthum Preußen vereinigt hätte! Ohne Frage: das Haus Brandenburg wäre durch dieſe Union dem Vater⸗ lande ebenſo entfremdet worden, wie es das habsburg⸗burgundiſche ſchon längſt war, wie es am Ende des Jahrhunderts Kurſachſen durch die polniſche Krone wurde. Der Schwerpunkt der Hohenzoller⸗ ſchen Macht und des evangeliſchen Deutſchlands wäre nach Norden, nach Schweden verlegt, der Landesfürſt am Mälarſee heimiſcher, als an Spree und Havel geworden. Die ganze preußiſche und mit ihr die deutſche Geſchichte hätte einen andern und traurigeren Verlauf genommen. Ob Friedrich Wilhelm damals alle dieſe politiſchen Er⸗ wägungen anſtellte, iſt zweifelhaft; aber es war eben wieder ſein glücklicher Inſtinet oder eine höhere Hand, die ihn und das Land vor dem Irrweg bewahrte.
(Schluß folgt.)
letzter Geburtstag.
Von Arnold Wellmer.
Das Morgendunkel des 16. Januar 1850 liegt noch grau und ſchwer über Berlin. Es iſt kaum 6 Uhr. Die Laternen ſind er⸗ loſchen und die beſchneiten Straßen öde und ſtill. Nur wenige Fen⸗ ſter ſind ſchon erleuchtet. So zwei Fenſter der dritten Etage eines etwas düſteren vierſtöckigen Hauſes in der Markgrafenſtraße, das noch der ſoliden alten Zeit angehört. Es führt die Nummer 51, im gewöhnlichen Leben aber den Namen„das Ungerſche Haus.“ Schon ſeit vielen Jahren befindet ſich in demſelben die bekannte Hofbuch⸗ druckerei von Unger.
Aus dieſen beiden matt erhellten Fenſtern leuchtet das Studir⸗ lämpchen eines der größten Gelehrten ſeiner Zeit— eines Gelehrten, der bei ſeiner ſeltenen reichen Büchergelehrſamkeit doch vor allem „zum Himmel gelehrt“ war.
Die kleine altmodiſche Lampe mit grünem Blechſchirm erhellt das große Zimmer nur ſpärlich: es iſt das Ideal einer deutſchen Studirſtube. Hohe Büchergeſtelle mit meiſt uralten, ſehr einfach ge⸗ bundenen Büchern ziehen ſich an allen Wänden entlang bis an die Decke hinauf. Für die ſchweinsledernen Gelehrten der höchſten Regionen lehnt eine kleine Leiter an den Bücherbrettern. Bücher und Manunſcripte liegen auf Tiſchen und Stühlen— unter Tiſchen und Stühlen; Bücher und Manuſcripte liegen auf dem altmodiſchen Sopha und auf Fenſterbrettern, alte dicke Folianten thürmen ſich überall auf dem Fußboden. Ein eigenthümlicher, nur für Gelehrtennaſen ange⸗ nehmer Duft von Pergament und Bücherſtaub erfüllt den Raum. Auf den Fenſterbrettern ſtehen einige Käſige mit Kanarienvögeln; die kleinen Sänger ſind noch ſtumm.
Die Hände wie zum Gebet gefaltet, geht zwiſchen den Bücher⸗ ſtößen des Fußbodens gebückt und unſicher ein alter Mann im grauen Hausrock langſam auf und ab. Er iſt mittelgroß und von eckigem, gedrungenem Gliederbau. Der Körper iſt aber wie gebrochen und
Lußt die Spuren eines langjährigen Leidens. Die bräunliche
Hautfarbe, die ſtarken Lippen, die ſcharf gebogene Naſe, die tieflie⸗ genden dunklen Augen unter den kühnen Bogen buſchiger ſchwarzer Augenbrauen, das glänzende ſchwarze Haar, in vollen Büſcheln über die hohe Stirn niederhängend, geben dem Geſicht einen ſtark ausge⸗ prägten jüdiſchen Typus. Ein einziger Blick des ſtrahlenden Auges läßt aber die harten unſchönen Züge ganz vergeſſen,— in dieſem ſinnenden Auge leuchtet ein Himmel voll unendlicher Liebe, voll auf⸗ opfernder Menſchenfreundlichkeit und Herzensgüte— eine tiefe Sehn⸗ ſucht nach dem ewigen Schauen und Lieben!
Dies iſt Auguſt Neander: der jüngſte Kirchenvater— der geliebteſte Lehrer der ſtudirenden theologiſchen Jugend— trotz der Hinfälligkeit des müden Leibes, doch eine der feſteſten Säulen der evangeliſchen Kirche— die reinſte Johannesſeele voll heiliger Milde und heiligem Zorne!
Und heute geht Neander ſeinem zweiundſechszigſten Geburtstage entgegen... o, mit welchem kindlichen Danke läßt er in dieſer ſtillen
Morgenſtunde die vergangenen Jahre an ſeinem Geiſte vorüberziehn! CEr kehrt in dem ärmlichen Hauſe des wucheriſchen jüdiſchen Handels⸗
mannes Emanuel Mendel in Göttingen ein— ſeinem Vaterhauſe!
Dann folgt er, der kleine David Mendel, ſeiner frommen und liebes⸗ ſtarken Mutter Eſther, geb. Gottſchalk, mit den fünf älteren Ge⸗ ſchwiſtern nach Hamburg. Die treue Liebe zu ihren Kindern hat der Mutter die Kraft gegeben, das unwürdige Haus des Gatten zu ver⸗ laſſen und, unterſtützt von angeſehenen Verwandten, wie Moſes V Mendelsſohn, ganz der Erziehung ihrer Kinder zu leben. Dankend folgt Auguſt Neander dem wunderſeligen Laufe jenes Kindes— V David Mendel!
Karl Sieveking lauſcht er im Johanneum zu
lichen Philologen Gurlitt, der ein väterliches Wohlwollen für
Mit ſeinem theuren und reichbegabten Freunde Hamburg dem gründ⸗ b
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