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und Staaten die Kindheitsgeſchichte einen ganz beſonderen Reiz. Dann— wie nahe liegt der Vergleich des Einſt und Jetzt;— 1667 und 1867! Ja freilich, die Kluft iſt unermeßlich, und wir ſpüren etwas von jenen„Mirakeln der preußiſchen Geſchichte,“ von denen Friedrich der Große einmal ſpricht, wenn wir dieſe Kluft über⸗ blicken. Und doch iſt das nicht das Wunderbarſte, daß wir bei ſolchem Rückblick des Abſtandes und des Gegenſatzes inne wer⸗ den; noch feſſelnder iſt die Beobachtung, daß ſchon Anno 1667 die Zukunftsgedanken des preußiſchen Staates erkennbar ſind, alſo das Gleichartige und Verwandte zwiſchen dem Damals und Heute. Ja es wird uns einleuchtend werden, daß alles Große, alles Charak⸗ teriſtiſche, die Lebensimpulſe Preußens und ſein politiſches Programm in den erſten Grundlinien bereits vor 200 Jahren feſtſtehen. Es i*ſt eine Geſchichte aus einem Guß, die ſicher und klar auf ihr Ziel losſteuert.
Wir machen Halt in dem Jahre 1667.— Es iſt die längere Hälfte der Regierungsgeſchichte des großen Kurfürſten, die längere, nicht die glänzendere. Mehr ins Auge fallen die Thaten der zweiten Hälfte; es genügt, aus dieſer an den Ehrentag von Fehrbellin und an die Kämpfe der Brandenburger gegen Ludwigs XIV. erdrückende Uebermacht zu erinnern;— ein Kranz von immergrünen Ruhmes⸗ blättern. Die erſte Hälfte iſt die minder glänzende, aber doch die entſcheidende. Fehrbellin und der Franzoſenkrieg ſind nur die Ernte der Ausſaat, der heißen Arbeit und Kämpfe der Jahre 1640— 1667.
J.
Aus dem Chaos, ja aus dem Nichts heraus hatte Friedrich Wilhelm der große Kurfürſt, ſeinen Staat zu ſchaffen. Es war im Jahre 1640, im letzten Drittel jenes 30 jährigen Vertilgungskrieges, der unſerem Vaterlande tiefere Wunden geſchlagen als irgend einer der zahlloſen deutſchen Waffenkämpfe, der die Länder zu Wüſten, die Fürſten zu Bettlern, die Völker zu Sclaven gemacht hat.
Es iſt die deutſche Revolution, der politiſche Bankerott, das Grab des alten Reiches. Ich entrolle nicht das Nachtſtück der all⸗ gemeinen vaterländiſchen Noth. Wie oft iſt es geſchildert worden, wie tief hat es ſich allen denen eingeprägt, die es nicht blos in der poetiſchen Verhüllung der großen Tragödie kennen, die von einem der Hauptführer des gewaltigen Kampfes den Namen trägt.
Aber wie ſah es mit Brandenburg aus, als der junge Fürſt den Thron ſeiner Väter beſtieg? Schwerlich iſt irgend ein deutſches Land härter, grauſamer von dem wilden Heere der Schweden wie von der kaiſerlichen Soldateska, von Mord, Brand, Raub, Seuchen, Kriegsgreueln aller Art heimgeſucht worden, als gerade die Marken, ohnehin von Natur ein armes, karges Sandland. Die„ausgemarkte Mark“ war ein perzweifeltes Witzwort, das in jenen Zeiten aufkam. Ich gehe von der Hauptſtadt aus, die damals noch in die Nachbar⸗ ſtädte Berlin und Cölln getrennt war. Zahlen entſcheiden! Beide Städte zuſammen, vor dem Kriege von 20,000 Menſchen bewohnt, zählten nach dem Kriege kaum 6000 Seelen. Die Häuſer, etwa 1200 noch, aber zum Theil leer, verfallen; das kurfürſtliche Schloß kaum weniger verwahrloſt als die Privatwohnungen. Die Schweine trieben ſich auf den Straßen der Reſidenz herum; überall ein Bild traurigſter Verkommenheit!
Der Contraſt iſt ſchlagend und prägt ſich ein: Vor 200 Jahren 6000, jetzt 600,000 Bewohner! Sehen wir hier nicht wie in einem Brennpunkte die Fortſchritte des ganzen Staates? Welche Jahre des Wachſens, der Kämpfe und Siege thaten noth, um ein ſolches Reſultat zu erreichen!
Und gehen wir von der Stadt aufs platte Land. Nicht beſſer, ungleich troſtloſer ſah es hier aus, wo keine Mauern, nicht Wall und Graben vor den beuteluſtigen Banden ſchützten. So zählte das Städtchen Mittenwalde von 300 Bürgern noch 22; im Bezirk Teltow waren ſeit 1624 von 1175 Bauernſtellen 841 wüſte ge⸗ worden!
Es gibt eine ſchöne Sage von verſunkenen Städten der Oſtſee, von Vineta und Julin; im 30 jährigen Kriege war es mehr als Sage, daß tauſende deutſcher Flecken und Dörfer wie verſunken, bis auf die Namen vom Erdboden verſchwunden ſind. Eine beſonders große Anzahl auch in der Mark. Entblößt von Menſchen und Nutz⸗ vieh, ruhte in weiten Strecken aller Anbau. Noch 20 Jahre ſpäter trieben ſich Scharen von Wölfen in den märkiſchen Föhrenwäldern umher, die in der Kriegszeit auf der Stelle blühender Ackerfluren
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gewuchert waren.
Die verlaſſenen Bauernfelder fielen dem Guts⸗ herrn zu. Es iſt die Entſtehungszeit der großen Güter des Adels.
Und doch trifft dies wüſte Bild nur die Außenſeite. Häuſer kann man aufbauen, Felder erneuern, Verkehr und Handel erwachen wieder mit dem Frieden. Aber ſchmerzlicher brannten die inneren Wunden, die der Krieg dem großen Vaterland wie den Marken ſchlug. Und ſie waren ſchwerer zu heilen. Ein großer Geſchichtsſchreiber des Alterthums ſchildert einmal in ergreifenden Zügen, wie ſolche Heim⸗ ſuchungen— bei ihm iſt es die Schilderung einer furchtbaren Peſt — ſo leicht das Schlimmſte der Menſchennatur zu Tage treiben. Keine Gottesfurcht, klagt er, und kein Menſchengeſetz hielt von jeder Art von Schlechtigkeit zurück, denn man ſah ja doch alle ohne Unterſchied ſchutz⸗ und rettungslos umkommen. Faſt ſo in jenen ſchweren Zeiten! Die Religion ſchien über die meiſten Herzen die
Macht verloren zu haben; ſittliche Stumpfheit und Dumpfheit über⸗
all im Volke; das Gefühl für Ehre und Freiheit verloren, verküm⸗ mert; Verwilderung der Sitten von Palaſt zur Hütte, geiſtiges Elend oder ſchamloſe Corruption; in Kunſt und Literatur— wenn wir den tiefen Nothruf des evangeliſchen Kirchenliedes ausnehmen— das unfruchtbarſte Jahrhundert unſerer Geſchichte;— Treuloſigkeit im Privatleben und im Wechſelverkehr der Staaten— das waren die Brandmale, die lange, lange nachbrannten.
So der dunkle Hintergrund, von dem ſich das Wirken des großen Kurfürſten abhebt.
II.
Wenn der Dichter ſagt, das Talent bedürfe der Stille, der Charakter zu ſeiner Bildung des Weltgeräuſches, ſo kann ich das nicht ganz nachſprechen. Große Charaktere bedürfen in der Zeit des Reifens, der Geſtaltung auch der Stille und Verborgenheit, des Alleinſeins und der Sammlung, um tiefe Wurzeln ſchlagen zu kön⸗ nen. Es war eine ſchöne Fügung, daß Friedrich Wilhelm als Knabe nicht am vielgefährdeten Hofe von Berlin groß wurde, daß er fern vom Geräuſch der Welt, in der Waldeinſamkeit des Letzlinger Jagd⸗ reviers, hinter den Mauern von Küſtrin, in dem Stillleben von Wolgaſt ſo manches Jugendjahr verbrachte. Wie anders konnte der groß angelegte Geiſt ſeine Schwingen entfalten fern von der An⸗ ſteckung der tief geſunkenen Zeit! Zugleich lernte er Perſonen und Zuſtände am Hofe, im Staate und im Reich aus der Ferne viel unbefangener, viel ſchärfer beobachten und beurtheilen. Als Er⸗ zieher ſtanden ihm tüchtige Männer zur Seite, darunter Johann von der Borch. Seine frühere Jugendbildung war freilich lückenhaft. Der Krieg ſtand einer ruhigen Ausbildung im Wege, aber man arg⸗ wöhnte doch ſchon damals, feindſelige Einflüſſe hätten den kühn auf⸗ ſtrebenden Geiſt durch Unwiſſenheit niederhalten wollen. Später verſtand der Kurprinz Latein, ſprach holländiſch und franzöſiſch und war in der neueren Staatengeſchichte wie in den Kriegswiſſenſchaften wohl zu Hauſe.
Aber dem Leben mehr als den Büchern ſollte er das Beſte ſeiner Bildung verdanken. Stark an Leib und Seele trat er aus den Knabenjahren heraus. Noch hängt im königlichen Schloſſe zu Berlin des ſechsjährigen Prinzen Bild. Langwallendes Haar, wie man es damals trug, Degen und Federhut, der geſtickte Kragen aus der Schwedenzeit, Sporen an hohen Reiterſtiefeln. Die Hauptſache aber: eine Geſtalt friſcheſter Kraft und ſchon ganz kennbar die bedeutenden Züge des Mannes. Mit Wohlgefallen mochte das Auge des großen Schwedenkönigs, ſeines Oheims, auf dem vielverſprechenden Knaben ruhen, als er ihn im Jahre 1631— alſo im eilften Lebens⸗ jahre des Prinzen— in Berlin ſah. Ja ſchon damals, ſo heißt es, dachte Guſtav Adolf an ein dereinſtiges Ehebündniß des Prinzen mit ſeiner einzigen Tochter Chriſtina;— ein Plan von der größten Tragweite, auf den wir zurückkommen müſſen. Zwei Jahre ſpäter ſah Friedrich Wilhelm in Wolgaſt die Leiche des bei Lützen gefalle⸗ nen Königs.
Es iſt eine alte Wahrheit: an großen geſchichtlichen Perſönlich⸗ keiten laſſen ſich zwei Seiten unterſcheiden: eine urſprüngliche Geiſtes⸗ Mitgift, das Neue, was ſie in die Geſchichte hineinzutragen berufen ſind, und das, was ihnen Ort und Zeit, Verhältniſſe und Lebens⸗ führungen anbilden. An welchen Fäden und Fädchen hängen oft
die Geſchicke von Einzelnen und Völkern! Der Entſchluß des Ku⸗
fürſten Georg Wilhelm, ſeinen 14jährigen Sohn nach den Nieder⸗ landen zu ſchicken, iſt nicht bloß für dieſen, er iſt für die Geſchichte
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an. Krieg von geher, aber fa ger Wo lebendi burtsy teſten wo 3h or achte ſchäpfen, Lertehr als aus Gelernte M Arnhein wo die Eliſa unglüch Fürſtin des Ha Llänyend Schloß? auſge


