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meinen Kopf wieder auf die Kiſſen, bat, beſchwor mich, zu ſchweigen, und meine Hand in der ſeinen, ſchlief ich von neuem wieder ein.
Wiederum erwachte ich und fühlte mich ſtärker als je, und als ich ſah, begriff, daß es nicht ein Traum war, der mich getäuſcht, ſon⸗ dern daß wirklich mein Vater vor meinem Bette ſaß und mich mit einem Blick voll unbeſchreiblicher Wonne und Glück anſah, kann ſich der Leſer wohl denken, mit welcher Unzahl von Fragen ich ihn be⸗ ſtürmte.
Er erzählte mir, daß man nach dem Duell mich nach dem Hotel geſchafft, wo der berühmte Chirurg, Profeſſor Zanetti, meine Wunde unterſucht und ſie für nicht lebensgefährlich befunden, da der Degen des Cavaliers längs einer Rippe geglitten und ſo der Stoß an Kraft ver⸗ loren und keins der edleren Organe verletzt war, daß er aber ein langes Wundfieber und eine ſehr langſame Geneſung bei außerordentlicher Pflege vorausgeſagt. Der Fürſt Cibo habe, erzählte mein Vater weiter, den Brief, den ich ihm in der letzten Nacht geſchrieben, in meiner Taſche gefunden und daraus die Adreſſe meines Vaters erſehen,— er habe ihm gleich von meinem Unfalle Nachricht gegeben, worauf dieſer am ſelben Tage von Hauſe abgereiſt und nach Genua gekom⸗ men wäre...
„Aber wie lange liege ich denn ſchon hier?“— fragte ich er⸗ ſtaunt,—„das Duell war ja erſt geſtern.“
„Armer Junge!“ erwiderte mein Vater,„morgen iſt der fünf⸗ zehnte Tag, und ſeit acht Tagen bin ich bei Dir.“
Ich will den Leſer nicht mit den Phaſen meiner Geneſung er⸗ müden— ſie ging ſehr langſam vor ſich— und ich konnte es einer Pflege verdanken, wie nur ein liebender Vater ſeinem einzigen Kinde ſie angedeihen laſſen kann, daß ich nach zwei Monaten endlich mich als geheilt betrachten konnte.
Fürſt Cibo hatte mich in Begleitung des Marquis Palla Caſ⸗ ſotti einmal, aber nur flüchtig beſucht, da ihr Regiment nach der Krim eingeſchifft wurde, und mir erzählt, daß die Baroneſſe Ginozzi ſelbſt nach Genua gekommen wäre, um den Leichnam ihres Gemahls nach Ponte Decimo zu bringen. Sie hatten ſie kaum geſehen, und wie ſich leicht denken läßt, eine vor Schmerz faſt wahnſinnige Frau ge⸗ funden. Salviati ſei abgereiſt, und hatten ſie weiter nichts von ihm gehört. Vielleicht hätten ſie mir noch einige Details, einige nähere Erklärungen gegeben, aber ſie waren, wie geſagt, im Begriffe, ſich einzuſchiffen und hatten kaum eine Viertelſtunde Zeit.
Wir ſagten uns Lebewohl, und mein Vater ſtattete ihnen meinen Dank ab für all die Freundlichkeiten, welche ſie mir bewieſen hatten.
Als ich ſo weit geneſen war, daß der Arzt keinen Rückfall für mich fürchtete, brannte Italien unter den Sohlen meines Vaters, und der glücklichſte Tag ſeiner Reiſe war der, an dem wir uns nach Mar⸗ ſeille einſchifften— ich täuſchte mich, der glücklichſte war der, an dem er den vom Tode erretteten Sohn in das Wohnhaus unſrer lieben Stadt wieder einführte,— in jenes Wohnzimmer, in dem alles ſo freundlich, ſo gemüthlich, ſo heimatlich uns anſchaute, in dem der Geiſt meiner verklärten Mutter noch zu ſchweben ſchien, während das liebevolle Lächeln ihres großen Oelgemäldes an der Wand dem theuren Gatten zu danken ſchien, der das Schmerzenskind aus fernem Lande in die ſichere Heimat zurückgeführt hatte!!
Jahre waren vergangen, und ich war wiederum von einer langen Reiſe zurückgekehrt, die ich eines Tages unternommen hatte, als das öde Haus mir unerträglich geworden war, nachdem der, welcher es mit ſeiner Liebe für mich belebt, der geliebten Mutter in die Ewigkeit gefolgt war!
Ich hatte die Welt, das Leben kennen gelernt, und es hielt mich nicht lange im engen Vaterlande! Reich, unabhängig, ſeit meinen erſten Jünglingsjahren ſchon für jene ſonnigen Gegenden jenſeits der Berge und Meere ſchwärmend, hatte ich die epiſodenreiche Exiſtenz des Reiſenden, die ſo viele Nordländer verführt, dem trauten Still⸗ leben und dem ernſten Wirken des Bürgers im Vaterlande vorgezogen. Raſtlos trieb es mich Jahre lang von einem Orte zum andern, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Welttheil zu Welttheil; ich ſah die Mannichfaltigkeit der göttlichen Schöpfung und wiederum deren Einheit— ich ſah Gegenden und Gegenden, und keine ſah der andern gleich, ich ſah tauſende von Menſchen von allen Racen, von allen Geſtalten, von allen Farben, und alle ähnelten ſich in ihrem Handeln, Trachten und Sehnen,— und ich— ich ähnelte ihnen allen!
Reich an Erinnerungen, an Erfahrungen, und auch geiſtig ſo⸗
451 wohl als körperlich ermüdet, kehrte ich endlich nach Hauſe zurück und
mußte beginnen, mich ins deutſche Leben einzuleben, wie ich es in Smyrna und in Buenos Ayres gethan.
Oft, ſehr oft, beſonders in jenen langen Stunden, die man auf der See verlebt, in denen die ewig ſich gleichbleibende Geſellſchaft der Paſſagiere ermüdend wirkt, hatte ich mich jener blutigen Epiſode meiner Jugend entſonnen, jenes ſchaudervollen Morgens im Oliven⸗ hain, der Villa des Marquis Palla Caſſotti, welcher jener Nacht ge⸗ folgt war, in welchem ich die Bekanntſchaft eines Mannes gemacht hatte, der ſicherlich mein Freund fürs ganze Leben geworden wäre, wenn Gottes Hand uns nicht ſo gewaltſam getrennt hätte, indem ſie ihn zu ſich emporzog und mich in das wogende Meer des Lebens von den Pforten des Todes zurückſchleuderte. Oft war mir das ganze⸗ Drama, welches ſich im Zeitraume von kaum zehn Minuten vor meinen Augen entrollt und in dem ich eine Hauptperſon geſpielt hatte, wie ein Traum erſchienen, und nur die Narbe auf meiner Bruſt überzeugte mich, daß es wirklich einen Cavalier Carlo Salviati ge⸗ geben hatte,— einen ſicheren Schützen mit dämoniſchem Lächeln, einen trefflichen Fechter mit finſter ſtrahlendem Blicke.
Endlich war ich, wie geſagt, nach Hauſe zurückgekehrt mit dem Entſchluſſe, mein Vaterland nicht mehr zu verlaſſen, mit dem Wunſche, daſelbſt Wurzel zu faſſen und jenen langen Weg, der zum unver⸗ meidlichen Endziele führte, in Ruhe und mich dem Wohle derer, die mich umgaben, weihend, zurückzulegen.
Eine ganze Zeit lang, ungefähr ein Jahr, fiel in meinem Leben nichts vor, das meinen Vorſatz hätte ſchwankend machen können, bis endlich ein unvorhergeſehener Zufall das ganze Gerüſt von Luft⸗ ſchlöſern eines ruhigen Lebens von neuem wieder umriß, und ich mich, wie der Leſer geſehen, eines ſchönen Morgens auf der Reiſe nach Italien befand.
Als ich nämlich eines Tages, eines Proceſſes halber, in einem Bunde alter Papiere kramte, fiel mir eine Brieftaſche, die meinem Vater angehört haben mußte, in die Hände.
Ich öffnete dieſelbe und fand einen Reiſepaß nach Italien aus jener Epoche datirt, wo er dem verwundeten Sohn ſo ſchnell nach Genua zu Hilfe geeilt war. Auch den Brief, den ihm der Fürſt Cibo damals geſchrieben, fand ich, und mein Geiſt verſetzte ſich von neuem in jene Zeit meines Lebens und durchträumte jene Epiſode, die der Leſer kennt, in wenigen Augenblicken. Ich blätterte weiter in der Brieftaſche, fand einige unbedeutende Papiere, Gaſthofsrechnun⸗ gen und Viſitenkarten u. ſ. w. und war im Begriff, das Buch wieder zu den anderen Papieren zu legen, als ein alter vergilbter Brief, der zwiſchen zwei Seiten des Portefeuilles, ſo zu ſagen, angeklebt war, mir zwiſchen die Finger gerieth.— Ich betrachtete die Aufſchrift, da er noch zuſammengelegt war, und man denke ſich mein Erſtaunen, als ich meinen und nicht— meines Vaters Namen auf der Adreſſe las und, den Brief umdrehend, ihn noch uneröffnet fand. Eine ganze Zeit lang ſtrengte ich mein Gedächtniß vergeblich an, um den Zu⸗ ſammenhang zu errathen; als mir jedoch dieſes nicht gelang, öffnete ich ihn und warf einen Blick auf die Unterſchrift.
Ich ſtieß einen Ruf des Erſtaunens aus, als ich dieſelbe ent⸗ zifferte..“
„Camillo Ginozzi“ las ich.
Man wird begreifen, mit welcher Aufregung ich dieſen Brief durchflog.— Ich will ihn hier niederſchreiben— und der Leſer wird leicht faſſen, mit welcher Macht die Rückerinnerung ſich meinem Geiſte aufdrängte.
„Sie haben mich vor einer Stunde verlaſſen, mein lieber junger Mann, den ich bald meinen Freund nennen möchte, wenn es Gott ſo gefällt,— und ſeitdem habe ich mich mit meinen Lieben unterhalten, habe ihnen geſchrieben, ihnen Lebewohl,— nein,„auf Wiederſehen“— geſagt.— Wäre ich im Dienſte ge⸗ blieben, hätte das ja täglich geſchehen können, und meine Frau— iſt die Frau eines Soldaten!— Wie Gott will!—— Auch an meinen Vater habe ich geſchrieben und habe ihn um Verzeihung gebeten, habe ihn im Namen meiner Mutter um Schutz für mein Kind angefleht, wenn mir ein Unglück paſſiren ſollte! Und jetzt ſchreibe ich Ihnen!— Warum?— Das will ich Ihnen ſagen: Obgleich ich das innigſte Gefühl habe, meine Pflicht gethan zu haben, ſo wird mir das Scheiden vom Leben gar ſchwer— ich bin, mit Ausnahme des Verhältniſſes zu meinem Vater, ein glücklicher Menſch! O, Sie werden das einſt begreifen, wenn Sie am Arme


