Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
443
Einzelbild herunterladen

ange⸗ Leiche ahren

mir es zu umer nach dooke, Er ſchätz⸗ treffen Kriſen nal in reaux. te, be⸗ in inigen akunft

aſt von verſtehe ren ge⸗ Cerna

jenem

lärun

Ladung ſeinem lins

Weiber, die an den nagelneuen Bergkanonen ein Vergnügen empfan⸗ den, wie eine deutſche Dame beim Anblick eines Pelzmantels am Weihnachtsabend. Ein Junge, welcher neben mir herging und ein Knabe, welcher mit dem pulverbeladenen Maulthier an Krſtſchka Woda ausſchnaufte, behaupteten beide, ſie würdendas nächſte Mal das KreuzZa Chrabrost(für Tapferkeit) erhalten. Das Herauf⸗ bringen erforderte anderthalb Tage Zeit. Da man den Geſchenken der freundlichen Brüder die Ehre eines feierlichen Empfanges erwei⸗ ſen wollte, mußten die erſten Träger und Maulthiere beiden Hütten von Njeguſch übernachten und warten, bis die letzten zu ihnen ge⸗

43

ſtoßen waren.

Eben als ich aus der Branntweinſchenke auf die Gaſſe ſchaute, nahte der feſtliche Zug. Der Fürſt mit ſeinen jungen Söhnen ſchritt neben bärtigen Popen voran. Bei ſeiner Wohnung wirbelte der Rauch aus Feuerſchlünden auf, welche ihren zukünftigen Kampf⸗ genoſſen begrüßten. Abermals dröhnte laut der Donner durch die Felswände der Cerna Gora. Leichten Ganges ſchritten die athleti⸗ ſchen Männer neben den Geſchützen her, und als ich mich am Abend wieder auf die ſchwarzen Dielen meines feuchten Gemaches nieder⸗ legte, ſchlief ich mit dem Bewußtſein ein, heute mehr über das Ver⸗ hängniß der thraciſchen Halbinſel gelernt zu haben, als aus Dutzen⸗ den von Bänden weiſer Politiker. Noé.

Reichstagsbilder aus der Vogelſchau.

Von Otto Glagau.

V.

Die Debatten gewinnen von Tag zu Tag an Intereſſe und Be⸗ deutung, deshalb ſind die Zuhörerräume faſt immer dicht angefüllt Auch in der Hofloge erſcheinen oft erlauchte Gäſte, am häufigſten der Kronprinz von Preußen, Prinz Wilhelm von Baden und Prinz Ni⸗ colaus von Naſſau. Dieſer iſt eine elegante, zierliche Erſcheinung, wie Prinz Wilhelm von Baden ſtets im Civilanzug, der bei ihm mit einer blauen Cravatte abſchließt. Der Kronprinz und Prinz Wilhelm, beides ſchlanke und doch kräftige Geſtalten von durchaus regelmäßi⸗ gen, einnehmenden Zügen und üppigen blonden Bärten, ſind ein jeder das Muſterbild eines blühend hübſchen und ſtattlichen Mannes. Der Kronprinz, immer in edler Haltung, folgt, den roth eingebundenen Parlaments⸗Almanach in der Hand und das Tableau des Sitzungs⸗ ſaales mit den Namen der Abgeordneten vor ſich ausgebreitet, den Verhandlungen mit faſt regungsloſer Aufmerkſamkeit und ganz un⸗ beweglichen und undurchdringlichen Mienen. Mag ein Mitglied der Linken gegen die Regierung noch ſo heftig declamiren, ſeine Züge werden deshalb nicht um einen Ton dunkler; mag das ganze Haus, Miniſter und Bundescommiſſare mit inbegriffen, ſich der ſtürmiſch⸗ ſten Heiterkeit hingeben, ſeinen Lippen entſchlüpft nie ein Lächeln.

Die Herren Bundescommiſſare hatten bisher noch wenig Ge⸗ legenheit, ſich vernehmen zu laſſen, und das ſtets ungeduldige Publi⸗ cum witzelte ſchon, daß ſie ſichtodtſchweigen würden; bis ſie in den letzten Tagen dieſes Stillſchweigen brachen und ſich namentlich drei hervorthaten: Herr von Savigny, der Geheime Legations⸗ rath Hofmann und Herr von Oheimb.

Herr von Savigny, ein Sohn des erſt 1861 verſtorbenen großen Juriſten und preußiſchen Staatsminiſters, gilt nach ſeinem Collegen und Freund, dem Grafen von Bismarck, für einen der ge⸗ ſchickteſten unter den jetzigen europäiſchen Diplomaten und wurde in den letzten Jahren mit mancher ſchwierigen Miſſion betraut, die er ſtets glücklich ausgeführt haben ſoll. Er fungirte als preußiſcher Ge⸗ ſandter am ehemaligen Bundestage zu Frankfurt a. M., wo er in der verhängnißvollen Sitzung am 14. Juni v. J. ſeinen Austritt er⸗ klärte und damit den alten Bund ſprengte; er iſt neben Bismarck der Begründer des neuen norddeutſchen Bundes und präſidirte dem in Berlin zuſammengetretenen Congreß von Geſandten der norddeut⸗ ſchen Staaten, aus welchem Congreß der jetzt dem Reichstag zur Be⸗ rathung vorliegende Verfaſſungsentwurf hervorging; er iſt endlich einer der preußiſchen Bundescommiſſare bei dieſem Reichstag und gewiſſermaßen ad latus des Grafen Bismarck, neben dem er auch öfters ſitzt und mit dem er häufig conferirt.

Sein Aeußeres erinnert an die franzöſiſche Abſtammung ſeiner Voreltern. Obgleich vermuthlich kaum 50 Jahre über ſeinem Haupte hingezogen ſind, iſt der Schädel doch ſchon kahl und nur an den Schläfen von einem Kranz dunkler Haare umgeben. Dunkel iſt auch das Backen⸗, Schnurr⸗ und Kinnbärtchen, dunkel und glänzend die ſcharfen Augen, das ganze Geſicht ein fein geſchnittenes und vor⸗ nehm intelligentes.

Zum erſtenmal erhob ſich Herr von Savigny, um gegen die Worte des Abgeordneten für den 8. ſchleswig⸗holſteiniſchen Wahl⸗ kreis Proteſt einzulegen. Dieſer, Herr Schleiden, Dr. jur. utr. und hanſeatiſcher Miniſterreſident a. D., ein Mann mit ganz kahlem, glattpolirtem Schädel und von vorzeitig greiſenhaftem Ausſehen, er⸗

eiferte ſich mit einer monotonen Grabesſtimme unter ſteigender Un⸗

ruhe des Hauſes und vor immer leerer werdenden Bänken gegen die Erſchütterung des monarchiſchen Princips im vorigen Jahre und ſeitens der preußiſchen Regierung. Heftiger Widerſpruch wurde unter den muthig zurückgebliebenen Zuhörern laut, doch der Präſident erklärte, den Redner nicht unterbrechen zu wollen, in der Erwartung, daß man auf jene Aeußerung hinterher und gebührender Maßen ant⸗ worten werde. Solche Antwort übernahm Herr von Savigny, in⸗ dem er ſich eben auf eine ganz allgemein gehaltene Zurückweiſung des Vorredners beſchränkte, die nur aus drei Sätzen beſtand, die er aber trotzdem wörtlich vom Blatte ablas. In ſpäteren Sitzungen hat er allerdings auch frei geſprochen, namentlich Erklärungen zu einigen Artikeln des Verfaſſungsentwurfs und thatſächliche Entgegnungen abgegeben, aber auch dann weder beſonderen Redefluß noch kunſtvolle Dialektik enthüllt; was jedoch nichts weiter beweiſt, als daß ein fei⸗ ner Kopf nicht immer zugleich ein beredter Mund iſt.

An geläufiger und angenehmer Redeweiſe ſteht Herr von Sa⸗ vigny entſchieden dem außerordentlichen Geſandten und bevollmäch⸗ tigten Miniſter des Großherzogthums Heſſen und bei Rhein, Ge⸗ heimen Legationsrath Hofmann nach, der unter den Bundescommiſſa⸗ ren bisher am häufigſten und beſten geſprochen; mag er nun das Wort im Sonderintereſſe ſeiner Regierung ergreifen, um den Bun⸗ desſtaat gegen die Verfechter des Einheitsſtaates zu vertheidigen, oder als Commiſſar des ganzen Bundesraths die Motive darlegen, welche dieſen bei der Redaction der einzelnen Artikel des Verfaſſungs⸗ entwurfs geleitet haben. Er kann mit Herrn von Savigny in demſelben Alter ſtehen und hat wie dieſer nur noch wenig Haare auf⸗ zuweiſen, iſt aber nicht brünett, ſondern hellblond. Eine dreieckige Platte zieht ſich von der hohen vortretenden Stirn ſpitz zulaufend bis zum Wirbel und iſt von dünnem, graublondem Haar eingefaßt. Der nach dem Kinn zu anſchwellende Backenbart ſchillert etwas ins Roth⸗ blonde und das bleiche, zarte Geſicht hat ein weiches, mattes Gepräge. Seine Stimme iſt ſanft, aber wohltönend und deutlich, ſeine Worte und ſein ganzes Weſen unbefangen und ſicher, aber höflich und ver⸗ bindlich, faſt beſcheiden. Er räumt ein, daß der Entwurf Lücken haben und nicht immer präcis genug gefaßt ſein möge, aber er macht darauf aufmerkſam, daß dem durch die ſpätere Bundesgeſetzgebung nachgeholfen werden könne, und bittet namentlich um unveränderte Annahme des Artikel 3, welcher für alle Angehörigen des norddeut⸗ ſchen Bundes ein gemeinſames Indigenat ausſpricht und damit der Zug⸗ und Verkehrsfreiheit die bisher beſtandenen zwanzig und einige Schranken wegräumt. Aber Herr Hofmann kann auch witzig und launig werden, einen Vorredner geſchickt abfertigen oder ihn mit deſſen eigenen Worten ſchlagen. Nur dem Abgeordneten Braun aus Wiesbaden gegenüber machte er ſich eines kleinen parlamentariſchen Vergehens ſchuldig, indem er die Möglichkeit hinſtellte, daß dieſer, um ſich den Boden für ſeine humoriſtiſchen Bemerkungen zu bereiten, ein Mißverſtändniß fingirt habe.Herr Präſident! ruft Dr. Braun, der ſich vielleicht wirklich getroffen fühlt, und ſpringt kirſch⸗ roth auf. Der Präſident Dr. Simſon kommt ihm zu Hilfe:Die Bemerkung, daß die Behauptung eines Mitgliedes, der eine That⸗ ſache anführt, vielleicht fingirt ſei, kann wohl nicht als zuläſſig an⸗ geſehen werden, meint er, mit höflichem Lächeln ſich gegen Herrn Hofmann wendend. Allerdings eine diplomatiſch feine, aber diesmal doch etwas nebulöſe und eigentlich vorbeiſchießende Kritik, denn das unrichtige Wiedergeben der Worte eines Redners oder die ſchiefe Aus⸗