Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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n wollte ich den auf dieſe Herren

3 bei ſeinen eigenen Freunden dieſe cyniſche Undankbarkeit ein Gefühl zu Gunſten des

von Antipathie hervorrufen würde, welches doch ſicherlich zu erregen nicht ſein Zweck war. Dieſen Scharfſinn bewies er einige Zeit,

ie Worte Rehört, nachdem er das Caffeehaus verlaſſen, aufs glänzendſte; denn er be⸗

8 nn Hern griff, daß er nur durch die äußerſte Tapferkeit und die größten Be⸗ it er Major weiſe von perſönlichem Muthe den üblen Eindruck, den er auf en des Schlach⸗ den Fürſten Cibo und ſeine Cameraden gemacht, zu verlöſchen fähig dene Moͤaill af ſein würde.

ſchwervernundet

Schon ungefähr eine Viertelſtunde nach ſeiner Entfernung er⸗ ſchienen zwei Herren im Moſaikſalon des Café della Concordia und näherten ſich unſerer Gruppe denn auf ausdrückliches Bitten der Officiere hatten wir, ſowohl Camillo als auch ich, an ihrem Tiſche Platz nehmen müſſen und überbrachten uns beiden ſeine Heraus⸗ forderung. Er ſtellte als einzige Bedingung, daß wir uns am nächſten Morgen ſchon ſchlagen ſollten, da nöthige Geſchäfte ihn nach Turin zurückriefen. Der Major und ich, wir zogen uns zurück und überließen es den Officieren, die Details des Duells mit den Secun⸗ danten des Cavaliere zu arrangiren.

Dieſes währte nicht lange, und es wurde uns angezeigt, daß man übereingekommen wäre, der Cavaliere ſolle ſich vorerſt mit dem Major ſchießen, und wenn erſterer nach dem Reſultate noch fähig wäre, den Kampf fortzuſetzen, ſolle er ſich mit mir auf Degen ſchlagen. Wir gaben unſere Zuſtimmung zu allem, was dieſe Herren beſtimmt

hatten, und es war wohl noch keine halbe Stunde ſeit der Kataſtrophe verfloſſen, als dieſelbe in ihren ganzen ernſten Folgen vor unſeren Augen ſtand. Bald darauf verließen uns auch die wirklich liebens⸗ würdigen Officiere, und Camillo und ich, wir begaben uns nach dem Hotel Feder, in welchem er für die kurze Zeit ſeines Aufenthaltes in Genua logirte und wo ich, da ich obdachlos war, für dieſe Nacht gleichfalls mir ein Zimmer geben ließ.

Sind Sie müde? fragte mich der Major, indem wir die Treppen hinaufſtiegen.

Ich nicht im geringſten..

Nun, ſo laſſen wir uns Sorbete oder Thee auf mein Zimmer bringen und plaudern wir noch ein halbes Stündchen, wenn es Ihnen beliebt.

Sie können mir nichts Angenehmeres vorſchlagen, denn ich denke mir, daß wir beide erſt vollſtändig unſeren Geiſt beruhigen müſſen, ehe wir die nöthi en Schritte für morgen vorbereiten.

Von welchen Schritten ſprechen Sie? Fürſt Cibo wird ja die Waffen mitbringen.

Gewiß.... aber haben Sie denn. Briefe zu ſchreiben?

hen die Viſite des genen Arzt ſandte, rkeit, von der der daben Sie gehört, gejagten Officiere

en all drängten ztgegen! 1 aten gedauert, und men, ebenſowenig ha, auf das ich ihn

n der allgemeinn) Signore, ſagte lle Erzbiſchofs von Piacenza und llier ſich nur geehrt Camillo Ginozzi zu

dane Salviati ſeie ic die we igen Buts⸗ aſt ruhiger Stimme

in einer Viertel⸗ ndanten ſchicken! it dem Finger auf anfangen ſoll. Er iger Zett in Italien, t muß ert genauere

ie geführt und aanz entziehen. Eüpe von Mailand ber⸗

... für alle Fälle keine

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und Aufopferung zu bezwingen, aber leider ſtarb ſie kurze Zeit nach meiner Geburt!

O, warum bin ich Soldat geworden, fügte er nach einer kurzen Pauſe hinzu,in jedem anderen Stande hätte ich die väterliche Züch⸗ tigung ohne Schande empfangen können ſo aber mußte ich han⸗ deln wie ich gethan.

Er ſchwieg wiederum einige Augenblicke.

Vielleicht werden Sie ſagen, fuhr er dann fort,ich hätte dieſe Züchtigung nicht verdienen, dieſen Conflict nicht herbeiführen ſollen! Ich bereue nicht, gehandelt zu haben, wie ich es gethan, und wenn ich auch alle Conſequenzen meiner Handlung voraus wüßte, würde ich heute noch einmal ſo handeln, wie ich es damals gethan, wenn ich heute wüßte, was ich damals nur ahnte, daß ein Weib wie das meine ein wahres Gnadengeſchenk Gottes ſei. Weder mein Vater, noch der Kriegsminiſter hätte mir die Einwilligung zu meiner Heirath mit der Tochter eines Mannes gegeben, der im Rufe ſtand, im Jahre 1848 den öſterreichiſchen Dienſt dem ſeines Vater⸗ landes vorgezogen zu haben. Er hat ſeine Wahl mit dem Leben gebüßt und ſeinen Namen der Verachtung und der Schande preisge⸗ geben ich liebte ſeine Tochter, bevor er jene unglückſelige Handlung vollbrachte! Konnte ich im Augenblicke, wo die verlaſſene Waiſe ihre Erbſchaft von Elend und Verachtung antrat, konnte ich mich da auch, wie alle Welt von ihr zurückziehen? Nein wahr⸗ haftig nicht, ich habe gehandelt, wie ich mußte und mein Vater wird einſt zur Beſinnung kommen und mir Recht geben.

Auch auf Salviati wollte ich die Rede bringen, doch er unter⸗ brach mich lächelnd. 1

Man darf von dem Menſchen nichts Schlechtes ſagen, mit dem man ſich am nächſten Morgen ſchlägt!

Nie werde ich dieſe Nacht vergeſſen. Es war eine der be⸗ deutungsvollſten meines ganzen Lebens. Spät nach Mitternacht trennten wir uns, und jeder von uns bereitete, bevor wir Ruhe 1

ſuchten, noch ein Lebewohl vor an alle die, welche ihm auf Erden theuer waren.

Güte meiner Mutter gelungen, dieſen ſtarren Charakter durch Liebe

Als Fürſt Cibo uns am andern Morgen, ſchon vor Sonnen⸗ aufgang abholte, fand er mich, ſeit langer Zeit auf ihn wartend, denn ich hatte nur ein Paar Stunden und das ſehr unruhig ge⸗ 3 ſchlafen.

Den Major mußte man mehrere Male wecken, und warteten wir eine ganze Zeit lang, ehe er uns nachkam. Ich drückte ihm wie einem alten Freunde die Hand, als er mir einen freundlichen guten Morgen wünſchte und mir die ſeine reichte. In der Via nuoviſſima fanden wir die Equipage des Fürſten da, wie man weiß, die alten Straßen Genuas und in einer derſelben liegt das Hotel

dan en Tag, unWir haben ja noch die ganze Nacht Zeit, ſagte er Tag z reiſendenkommen Sie! Es hat ſich eine ſeltſame Verwandtſchaft zwiſchen , in jedem uns gebildet. Wie merkwürdig doch das Schickſal die Menſchen zu⸗ en zu ſehe e ſammenführt! Vor einer Stunde noch waren wir einander voll⸗ hig antwo Giurßi ſtändig fremd, und morgen werden wir vielleicht für dieſelbe Sache es Obriſten s macht ſterben! Wie ſeltſam ſind die Wege Gottes! Klaren! De ch s Wir traten in ſein⸗Zimmer, wohin wir uns Sorbete und Limo⸗ leic, mit ven dfi nade bringen ließen und uns bald rauchend und plaudernd in die Marquis 9 Turin Sophaecke lehnten. 3 s Obriſten A Dieſe Nacht wird mir unvergeßlich bleiben ich lernte in der⸗ Marqui ſelben einen Menſchen kennen, welcher in den wenigen Stunden, die Name des alr ich mit ihm verkehrte, mir theurer ward, als der älteſte bewährteſte den Salon ver e, meiner Freunde. Faßt nie habe ich ſo viel Biederkeit, Ehrenhaftig⸗ fam und hören/ eeit und Energie in einer ſo weichen, poetiſchen Seele vereint gefun⸗ den. Er war der wahre veredelte Typus der Piemonteſen, jenes

e e. and V Miſchlingsvolkes, welches ſeinen Geiſt vo

h rüske Energie von den Schweizern und Kunſt und der Poeſie von ſeinem Stan

1 nen hut 4 3n belebender Rede, mit Worten voll Feuer und Begeiſterung ſprach er zu mir von ſeinem ehelichen Glücke, von ſeinen Zukunfts⸗ . len länen, von ſeinem Kinde, von allem, was ſeine Seele mit Freude Soa nd Hoffnung erfüllte. Sein Blick umflorte ſich, wenn er von edrſt inem Vater und ſeinem unglücklichen Verhältniß zu dieſem ſprach. ObriMein Vater, ſagte er,iſt ein edler, biederer und gutherziger enſch, ſeine elternlos verlebte Jugend iſt an ſeinem und meinem nglücke Schuld. Seit ſeinem erſten Lallen faſt, möchte ich ſagen, zu efehlen gewöhnt, hat er keinen Begriff von einer anderen Eigen⸗ A chtigkeit in ſeinem Hauſe wie die ſeine. Vielleicht wäre es der

i Frankreich, ſeine etwas den belebenden Hauch der umlande Italien enom⸗

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den

Feder dermaßen eng ſind, daß kein Wagen darin paſſiren kann und ſchlugen, nachdem wir das Thor paſſirt, die Landſtraße nach Oneglia ein. Eine halbe Stunde vor der Stadt beſaß einer un⸗ ſerer Secundanten, der Marquis Palla Caſotti, eine Villa, und der am Fuße der Berge gelegene Olivenhain dieſes Beſitzthumes war als Ort unſeres Rencontre bezeichnet worden.*

Wir hatten noch keine fünf Minuten gewartet, als ein anderer 88 Wagen vor dem Thore hielt, der Cavaliere in Begleitung zweier 1 Herren aus demſelben ſtieg und von dem Diener des Marquis in das Wäldchen, wo wir Pe warkäden geführt wurde.

Die Vorbereitungen des doppelten Zweikampfes, welcher ſtatt: finden ſollte, waren in wenigen Minuten beendet, und ſchon war der Major von dem Baumiſtamme, auf den er ſich geſetzt, aufgeſtanden, als Fürſt Cibo einen Vermittlungsverſuche ſeiner Secundantenpflicht gemäß verſuchte, welcher jedoch augenblicklich an der ſchroffen Antwort des Cavaliereer müſſe Blut ſehen ſcheiterte.

A su commodo! erwidette Cibo, kalt grüßend und ſich 6 von ihm entfernend.

Die Bedingungen des Duells waren die in Italien bei einem riscontro serio gebräuchlichen. Man ſtellte die Gegner auf vier⸗ zig Schritte Diſtanz, einen vom andern auf; ſie mußten einer auf d den andern zugehen, und nachdem ein jeder von ihnen zehn Schritte 1

gethan, gab man ihnen ein Zeichen, daß ſie nun ad libitum feuern könnten. 5 8

Bevor Camillo vom Marquis Caſſotti auf ſeinen Platz ge⸗ führt wurde, winkte er mich zu ſich herau und reichte mir die Hanz

ſi

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