Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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ſammtverluſt in den ergriffenen Ländern von 1711 1713 wurde auf 1 ½ Millionen Rinder berechnet. Sodann herrſchte die Peſt in der Mark 1723 und 1724, machte 1728 einen neuen Rundzug durch Europa, wüthete namentlich in Preußen und Sachſen, und war 1739 wieder bis nach Italien gelangt. Schon im folgenden Jahre vernichtete ſie abermals den Viehſtand in den ruſſiſchen Oſtſeepro⸗ vinzen, Oſtpreußen, Dänemark, Holland, England und Mitteldeutſch⸗ land; 1745, 46 und 50 erſchien ſie wieder in Oſtpreußen und Dä⸗ nemark und richtete dort ungeheuren Schaden an. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts ging es faſt in gleicher Weiſe fort, und man kann ſagen, daß durch den ſo oft wiederholten Verluſt des Viehes der Nationalwohlſtand nicht ſowohl bloß durch den Geldverluſt des⸗ ſelben, ſondern mehr noch durch den Druck gelitten hat, welchen der allge⸗ meine Viehmangel auf die Landwirthſchaft und die dadurch verur⸗ ſachte Langſamkeit der Volksvermehrung ausübte.

Erſt nach dem Erlaß des Viehſeuchepatents vom 2. April 1803 und namentlich nach Beendigung der Kriegsjahre trat ein beſſerer Zuſtand ein. Allerdings blieben die Einbrüche der Peſt vom Nachbarlande aus immer noch ebenſo häufig, als im vorigen Jahr⸗ hundert; ſo ſind allein im Regierungsbezirk Oppeln von 1829 bis

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und der entſtandene Schaden, der directe wie der indirect durch Ver⸗ theuerung des Fleiſches, Düngerverluſt ꝛc. entſtandene, wird bereits V auf die ungeheure Summe von 25 Millionen Pfund Sterling oder 150 Millionen Thaler geſchätzt. Da auch dort immer noch gequack⸗ ſalbert wird, ſo hatte man reichliche Gelegenheit, die Tödtlichkeit der Peſt zu beobachten. An einigen Orten ſtarben von 100 Kranken 80, an andern aber 94 Stück. Leeider ſind nun auch ſchon in der Rheinprovinz ſelbſt in einigen Orten Peſtausbrüche erfolgt, deren Entſtehung höchſt lehrreich iſt. Auf einem Hofe im Kreiſe Rees brach die Peſt in dem 31 Stück ſtarken Viehſtande aus. Veranlaſſung war, daß ſich einige Eiſen⸗ bahnarbeiter, deren Kleider auf einem inficirten Viehwagen Gift empfangen hatten, auf dem Gute Trinkwaſſer zu holen pflegten. Knechte einer Wittwe Pelmter hatten ſich die kranken Thiere

der Windberg angeſehen, und wenige Tage darauf erkrankte auch das Vieh der Pelmter.. Der Sohn eines benachbarten Bauern war mehrmals mit dem Sohn der Windberg und Knechten der Pelmter im Wirthshauſe zu⸗

1846 nicht weniger als 17 Einſchleppungen der Peſt vorgekommen;

aber keine einzige hat nennenswerthe Verluſte herbeigeführt, da die Tilgung der Peſt und ſomit Verhinderung ihrer Verbreitung immer vollkommen gelang. ganz Preußen 11 Peſteinbrüche ſtattgefunden, in Folge deren 3233 Stück Vieh getödtet werden mußten. Die Koſten, welche zur Tilgung all dieſer Einbrüche aufgewendet werden mußten, haben im ganzen 94,000 Thaler betragen, und Preußen hat nicht allein dadurch ſein eigenes Land geſchützt, ſondern iſt auch gleichzeitig der ſchützende Damm für das ganze weſtliche Europa geworden.

Dagegen hat das benachbarte Holland, welches den einzig rich⸗ tigen Grundſatz der ſofortigen Tilgung der Seuche nicht angenommen

In den zehn Jahren 1855 1864 haben in

ſitzern der Rath ertheilt worden, die Thiere in den Ställen fort⸗

mit Chlorkalkwaſſer zu beſprengen.

hat, ſondern das Quackſalbern vorzieht, durch den einzigen Ein⸗

bruch der Peſt, den es 1865 erlitten, bereits einen Verluſt an Vieh zu beklagen, der auf 12 Millionen Thaler veranſchlagt wird, und iſt wegen der allgemeinen Verbreitung der Peſt eine höchſt gefährliche In England, wo⸗

Nachbarſchaft für unſere Grenzländer geworden. hin 1865 die Peſt durch einen Viehtransport aus Reval eingebrochen war, hat man ſich zwar endlich, wiewohl zu ſpät, zur Ergreifung ähnlicher Maßregeln, wie ſie in Preußen beſtehen, entſchließen müſſen, jedoch hat das Land bereits einen Viehverluſt erlitten, der allein in⸗ nerhalb eines Jahres 250,000 Stück betrug. Während des Win⸗

ters von 1865 bis 66 fielen in manchen Wochen je 10,000 Stück,

J.

Hat es ſchon zehn geſchlagen? Ja wohl, Herr Stadtgerichtsrath, antwortet der Bote im blauen Rock mit blanken Knöpfen.

Nun, ſo rufen Sie die Zehn⸗Uhr⸗Sachen auf.

Hein, der Bote, verläßt das Zimmer und ruft laut, daß die Wände ſchallen, eine Reihe von Namen aus, die er von einem langen Zettel ablieſt.

Einen Augenblick ſchart ſich die auf den finſtern Gängen un⸗ geduldig harrende Menge um ihn. Aber bald theilt ſich das Intereſſe. Denn in allen Theilen des Gebäudes erwachſen Concurrenten, überall beginnen Heroldſtimmen eine ähnliche Litanei, und die geladenen Perſonen drängen ſich in die Terminszimmer. Wir folgen einem Schwarme in ein großes, hellgrau getünchtes Gemach mit hohen Fenſtern, nach dem Hofe heraus. Es iſt der Länge nach durch eine Barriere getheilt. Hinter derſelben ſitzen an einem langen grünen Tiſch außer dem ältern, wohlbeleibten Herrn, der vorhin geſprochen, noch ſechs Perſonen, im Alter von 20 26 Jahren. Einige ſchreiben emſig, ohne aufzuſehn, andere blättern nachdenklich in den Acten. Ein elegant gekleideter, älterer Herr von lebhaftem Geſichtsausdruck lehnt an einem Stehpult und ſtudirt eifrig die Börſenzeitung.

Hier iſt der Zettel, Herr College, ſagt der Rath. Der jüngſte der Tiſchgenoſſen erhebt ſich, tritt mit verächtlichem

Blick an die Schranke und ruft nochmals die Namen der Parteien III. Jahrgang. 5

Studien aus den Berliner Gerichtsſälen. Commiſſion 10 für Bagatellſachen.

heit athemlos flüſternd bereits ausführlich mitgetheilt hat.

anwalt Immerfertig hat ſich bereits für den Verklagten gemeldet. Der lebhafte Herr am Stehpult faltet ſeine Zeitung zuſammen und tritt zu Herrn Jagdmann, deſſen Geſicht ſehr lang wird. Bedauernd

ſammengetroffen, und dies genügte, die Peſt auch in den Stall ſeines Vaters zu verſchleppen..

Es bleibt nun noch die Erwägung der wichtigen Frage übrig: ob es, wenn auch keine Heilmittel, doch nicht wenigſtens Vor⸗ bauungs mittel, Präſervative gegen die heranziehende Rinderpeſt gebe? Hierüber ſind die Erfahrungen noch nicht abgeſchloſſen, jedoch⸗ iſt dasjenige, was bisher darüber bekannt geworden, wohl ermuthi⸗ gend. Schon bei der Peſt des Jahres 1845 war auf den Rath des berühmten Thierarztes Dr. Spinola in Berlin polniſchen Gutsbe⸗

während in einer mit Chlor geſchwängerten Luft zu erhalten; wo aber der Weidegang unvermeidlich, ſie wenigſtens vor dem Austreiben

Von den alſo behandelten Thieren iſt keines erkrankt. In neueſter Zeit wird aus Holland berichtet, daß daſſelbe Mittel auch dort ſich bewährt habe, indem in einem Stalle mit nahe an 200 Stück Vieh, durch anhaltende Chlorräucherungen das Vieh vollkom⸗ men frei geblieben ſei, wiewohl in nächſter Umgegend die Peſt wüthete. Täglich einmal wurde auf den Boden des Stalles, und zwar an vier

tellen, vor den Köpfen der Thiere, eine Theetaſſe voll der nach⸗ ſtehenden Flüſſigkeit ausgegoſſen, und nach verſchloſſenen Fenſtern und Thüren, angezündet: Liquor. cupri perchlorati concentr. Uncias 2; Chloroform Unciam 1; Spiritus vini Uncias 24.

Immer aber bleibt die peinlichſte Beobachtung der Sperrmaß⸗ regeln die Hauptſache!

auf. Mitleidig ſchaut der Bote Hein ihn an, denn in der That kann der junge Mann ſich an Kraft der Stimme nicht entfernt mit ihm meſſen. Dennoch erzielt er einen größeren Effect. Mit lebhaftem Hier! wird geantwortet. Ja, eine kleine Frau mit einem großen Korbe am Arm bahnt ſich ſofort mit ihrem freien Ellenbogen einen Weg durch ihre Leidensgefährten und ſtellt ſich kampfbereit ihrem Gegner zur Seite.

Nur ruhig Blut, Frauchen, die Exmiſſion läuft Ihnen nicht weg, meint ein alter, wohlmeinender Herr, dem ſie ihre Angelegen⸗

Jagdmann wider Uebeldran!

Hier! meldet ſich ein ſehr ungeduldiger Mann.Der Ver⸗ klagte iſt nicht erſchienen, fügt er triumphirend hinzu.Ich bitte um Contumacialerkenntniß. Ich werde ſofort unterſchreiben, denn ich muß gleich fort.

Einer der jungen Herren mit ungemein fröhlichem Geſicht ſtürzt mit einem Formular herbei, um den Ungeduldigen abzufertigen.

Thut mir leid, tönt es vom Tiſch herüber.Herr Rechts⸗

zieht der Auscultator die hingehaltene Feder zurück, doch ſein Geſicht hellt ſich wieder auf, als Herr Jagdmann ſeine Klage zurücknimmt. 27