Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
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Hundert.

den Teller und ſteckt den andern Morgen zur Freude des das Ufer Abgehenden in den Bügeln. Wie Meiſter Reinecke, ſo verfällt wenn er nicht an der Falle im Waſſer bereits erſoffen der fauchende, biſſige Frevler dem unwiderruflichen Richterſpruche des Waidmanns. Er lautet unbedingt vom Leben zum Tod.

Der Winter hält an. Er ſchickt eine friſche Schneelage über Nacht, einNeues, dem wahren Waidmanne ſo hochwillkommen zumAbſpüren. Das Verborgene und Geheimnißvolle reizt mehr wie je das Jägergemüth, und dies findet ſeine romantiſche Nahrung in hohem Grade in demAusgehen einesBaummarders, des ſchlauen, ſanguiniſchen Vetters unſeres Fiſchotters. Dieſes Aus⸗ gehen iſt dem Laien und Sonntagsjäger ebenſo fremd, als ermüdend für ihn; aber dem echten Waidmann eine wahre Freude. Unermüd⸗ lich und ſinnewach folgt er dem Ariadnefaden der Marderſpur, hier auf den Boden, wo er, in ihr gehend, ſie zur Controle austritt, dort ſie mit ſcharfen Blicken an Stamm, Aſt und Gezweig durch herab⸗ getretene Schnee⸗ und Moosbällchen oder Rindenſtückchen verfolgend zum luftigen Bereiche der Baumkrone, in denen der Waldräuber⸗ hauptmann oft geraume Streckenfortbaumt oderfortholzt. Endlich begrüßt er denWidergang oder die Abdrücke, welche der Schlaue macht, indem er eine Strecke in ſeiner vorherigen Spur zurückgeht, um mit einemmale durch einen Rieſenſatz(Abſprung) von neuem zu baumen und ſo ſchließlich an verborgener Stelle auf ſein Lager in einem Spechtloche oder in einem alten Raben⸗ und Falkenhorſte oder Eichhornneſte zu ſchlüpfen. pocht man den Schurkenaus, d. h. man treibt ihn durch Schla⸗ gen an den betreffenden Stamm aus ſeinem Lager und ſchießt den Herausfahrenden dann herunter. Aber oft macht er alle Kunſt und Ausdauer des Jägers zu Schanden. Wie häufig ſteht der ihm Stunden lang Gefolgte in der Spur ſtille, die in weiten abziehenden Faden direct über die Jagdgrenze führt. Aber ſein Herz iſt deshalb nicht bitter verdroſſen, denn er hält gute collegialiſche Nachbarſchaft und gönnt nach ſich unter dieſen Umſtänden auch dem Angrenzer das Ausgehen des Walddiebes. der laut untrüglichenEinkreiſens(Umgehung des Diſtricts) in einem jungen Nadelholz⸗Dickichte, wo er zwar, häufig im Lager auf

der Erde durch Dächſel gefunden, ſich auch jagen läßt, ſo daß er den

anſtehenden Schützen wie Fuchs und Haſeanläuft, eben ſo oft aber auch ſich zu ſalviren weiß und dem Jäger nach langem Gange das Nachſehen, aber nicht ſowohl ſeinen prächtigen Winterbalg läßt. Mancher Gang wenig Fangl! klingt's auch hier mit einem leiſen Stoßſeufzer im Jägergemüth auf; aber beim nächſtenNeuen zieht

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der Unverdroſſene, gehoben wie zuvor, wieder zu Holz, um das be⸗ liebte Ausgehen abermals zu verſuchen.

Der Unverdroſſenheit des echten Jägergemüthes geſellt ſich im Winter auch die ebenbürtige Schweſter, die Fürſorge für das Wild. Bei hohem Schnee bedarf daſſelbe vom eingeparkten Roth⸗ und Schwarzwild abwärts bis zum Geflügel in Faſanengärten und im Freien derFütterung oder desFutterns, um es zu erhalten und zu ernähren. Hier werden unterFütterungsſchuppen Heu und Hafergarben aufHeuraufen oder beſſer mit Winden feſt zuſammen⸗ gebundene Heubüſchel und Futterlaubwellen unter roh zugerichteten ſogenannten Pultdächern auf eingerammte mehrgabelige Pfähle ge⸗ ſpießt, auch auf trockenen Plätzen oder in Brettertrögen Hafer, Eicheln, Wildobſt, Roßkaſtanien, Kartoffeln, Rüben und Kohl dem Rothwilde vorgegeben; dort auf denSchuttplätzen den Sauen in Sau⸗ gärten dieKörnung oder der Fraß, in der für Rothwild ange⸗ gebenen harten Fütterung beſtehend, fleißiger, wie im Herbſte und Sommer bei derErdmaſt, vorgeſchüttet; da wieder erhält man Faſanen in den Faſanen⸗ oder Thiergärten unter beſonderenKör⸗ nungsſchuppen mit allerlei Feldkörnerfrüchten, und ebenſo füttert man im Freien in Remiſen oder auf Futterplätzen die Feldhühner mit Wicken, Hafer und anderer Körnerfrucht unter dem Schutz von übergelegten Dörnern, um den Raben den Zutritt zu verwehren. Ein ſo beſorgter Jagdfreund hat den ſchönen Lohn, das hungernde Wild

in ſtrengen Wintern vor demEingehen(Verhungern) zu ſchützen

und denWildſtand im einzelnen, wie dieWildbahn im ganzen gut zu erhalten.

Bei ſehr ſtarkem Schneefall endlich gewährt es ein beſonderes Vergnügen, auf dem Felde den im Lager eingeſchneiten Haſenauf⸗ zuthun oderaufzuſtoßen. In der Nähe der Winterſaatfluren

ſucht man mit dem Hühnerhunde die Gewannenunter dem Winde,

quer über die Achſel hin⸗ und herlavirend, ab. Hier und da fährt HerrLampe dann oft hart vor unſeren Füßen und in komiſchen

Sitzen aus ſeinem kleinen Schneepalaſt heraus und ſchlägt, vom Oder ein andermal ſteckt der Mar⸗

ſicheren Rohre vorn getroffen, die ſchönſten Räder. Hat man Feld und Wald gehegt, ſo bringt uns hier entgegen unſerem Motto ein Gang viel und leichten Fang, ſo daß die Stange des Trägers nach einigen Stunden Suche im Schneegeſtöber von der Beute ſich beugt.

Und unter der lebhaften Erinnerung an ſolche fröhlichen Winter⸗ jagden ſchließe ich mit einem herzlichenWaidmannsheil an alle echten rechten Jagdfreunde hiermit unſer kleines Panorama der Win⸗ terjagd des deutſchen Jägers!

Der ſchwarze Tod des Thierreiches.

Von Reg. und Medicinalrath Dr. Wald.

Seit der Völkerwanderung bereits iſt die furchtbare Seuche der Rinderpeſt bekannt, welche damals, zu Ende des 4. Jahrhunderts, im Gefolge der barbariſchen, aus dem Südoſten Europas hervor⸗ brechenden Horden, ſich über unſern ganzen Welttheil verbreitete und den größten Theil des damaligen Hornviehſtandes vernichtete. Danach trat ſie zuerſt wieder zur Zeit Karls des Großen auf, deſſen Kriegs⸗ züge zu ihrer weiteren Verbreitung viel beitrugen; und ſeitdem hat es kaum einen größeren und länger dauernden Krieg in Europa ge⸗ geben, deſſen Drangſale nicht in empfindlichſter Weiſe auch durch ſie vermehrt worden wären. In der Natur dieſer Peſt trifft alles zu⸗ ſammen, was ſie nur zu einer der furchtbarſten Geißeln machen kann. Ihre Anſteckungsfähigkeit iſt beiſpiellos ihre Tödtlichkeit faſt abſolut, und Heilmittel gegen ſie ſind unbekannt. Bricht ſie in einem Lande, welches längere Zeit von ihr frei geweſen, aus, ſo pflegen von 100 Kranken 99 zu erliegen, und erſt wenn ſie längere Zeit geherrſcht hat, wächſt die Zahl der ſich durchſeuchenden Thiere auf 15 bis 20 vom Da nun auch heutzutage dieſe Peſt nichts von ihrer Bös⸗ artigkeit verloren hat, und da ſie ſich der viehreichen Weſtgrenze unſers Vaterlandes in bedrohlicher Weiſe nähert, ſo wird es gut ſein, die öffentliche Aufmerkſamkeit auf ſie zu richten; denn nur durch allge⸗ meine Betheiligung der Einwohner des bedrohten Landes können die vom Staate ergriffenen Schutzmaßregeln einen durchgreifenden Erfolg gewinnen.

In Nachfolgendem ſoll daher dasjenige, was über die Natur

dieſer Seuche ſicher ermittelt iſt, mit Uebergehung alles deſſen, worüber noch Streitigkeiten obwalten, kurz dargeſtellt werden. Es wird ſich hieraus ergeben, welch ungeheure Verluſte ein Irrthum darüber ver⸗ urſachen muß.

Die Rinderpeſt iſt alſo eine anſteckende Seuche des Hornviehs, welche ihre Heimat im Südoſten Europas und in den angrenzenden aſiatiſchen Steppen hat, d. h. in den Wolga⸗, Don⸗, Dnieſtr⸗ und Dnieprländern. Sie entſteht aus noch unbekannten Urſachen unter dem ſogenannten Steppenvieh, und wird durch dieſes nach den übrigen Ländern Europas verſchleppt. Es iſt nunmehr allſeitig anerkannt, daß dieſe Seuche außerhalb ihres Urſprungsortes nirgends von ſelbſt entſteht, daß daher ihr Vorkommen in Mittel⸗, Weſt⸗ und Süd⸗Europa immer auf Einſchleppung zurückgeführt werden kann. Alle europäiſchen Rindviehracen haben eine beiſpielloſe Em⸗ pfänglichkeit für ſie, eine größere, als das Steppenvieh ſelbſt; auch verläuft ſie bei ihnen mörderiſcher, als unter dem letzteren. Sie kann auch auf andere Wiederkäuer, Schafe und Ziegen, übertragen werden, doch haben dieſe viel weniger Empfänglichkeit dafür, als das Rind. Allen übrigen Thieren, wie auch dem Menſchen, iſt ſie voll⸗ ſtändig ungefährlich. Von höchſter Wichtigkeit iſt es, zu wiſſen, daß es bis jetzt ſchlechterdings kein Heilmittel gegen dieſe Peſt gibt. Keines der vielen dagegen angeprieſenen Mittel, auch nicht die neuerdings in England vielfach empfohlene Schwitzkur, hat ſich bewährt. Dagegen iſt es ausgemacht, daß die Behandlungs⸗