Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
419
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hatte ich, meinen Träumereien nachgehend, mich ein wenig verſpätet

Ich bitte meiner Zudringlichkeit halber um Verzeihung, Ma⸗ dame; aber ich glaube Sie vorhin von der Billetausgabe unbefriedigt fortgehen geſehen zu haben, und dies gibt mir den Muth, Sie um eine große Gefälligkeit zu bitten.

Ich verſtehe Sie nicht, mein Herr...

Zwei Bekannte aus hieſigem Orte wollten mit mir die Reiſe Rach Turin machen und baten mich, ihre Billets mit dem meinen zu löſen. Es gelang mir ein Coupé zu erhaſchen, und ich erwartete meine Freunde hier, als.... als ſie mir vor wenigen Augenblicken die Nachricht ſandten, daß... daß ihre Geſchäfte vor Abend nicht beendet ſein würden und mich baten, auch meine Reiſe bis zum nächſten Zuge aufzuſchieben....

Nun, mein Herr?... inwiefern kann ich Ihnen dienen?

Ei! Madame!... wenn Sie vielleicht von den drei Coupé⸗ plätzen Gebrauch machen könnten, würde ich Ihnen ſehr dankbar ſein!

Ich weiß nicht, was die alte Dame mir geantwortet haben würde, nur ſah ich ganz deutlich, daß Fräulein Paula ziemlich un⸗ willig mein unbefugtes Eindringen aufnahm; aber noch ehe eine der Damen Zeit hatte, mir Antwort zu geben, ertönte die rufende Stimme des Conducteurs.

En voiture, Messieurs et Dames! einſteigen!

Meine Plätze waren gerade in dieſem Wagen ich gab der alten Dame ſchnell das Billet, welches ich ſchon in der Hand hielt und welches ſie mir auch abnahm.

Beeilen Sie ſich, Madame! ſagte ich... ſteigt ſchon ein!

Les passagers du coupé! rief der Conducteur.

Hier, dieſe Damen! ſagte ich, indem ich zurücktrat und ſie dem Conducteur zeigte....

Schnell ſchnell! Mesdames! gleich ab!

Ich bin überzeugt, daß die drei Damen nicht gewußt haben, wie ſie in den Wagen gekommen ſind, denn meine höflichen Einla⸗ dungen vermiſchten ſich dermaßen mit den dringenden Worten des Conducteurs, daß ſie faſt nicht zur Beſinnung kamen. Nur Clelia hatte mir einen wunderbaren Blick ihrer ſchönen Augen zugeworfen, ich fühlte ihn mehr, als ich ihn ſah, und ich zog mich ſchnell an meinen Pfeiler zurück. Als ich jedoch wiederum einen zufälligen Blick auf die Diligence warf, ſah ich, wie ihr Auge noch immer auf mir haftete; ſie hatte ihr halbgeöffnetes Reiſeſäckchen auf den Schoß gelegt, und ich ſah, daß ſie einen Kranz von Immortellen, wie man ſie im Süden gewöhnlich auf Gräber am Sterbetage einer theuern Perſon niederlegt, in der Hand hielt, ich ſah, wie ſie eine der Trauerknospen aus dem Kranze zog, da ſetzte ſich die Diligence in Bewegung Clelia ſah mich ſanft lächelnd an, ihre Hand ſtreckte ſich zum Wagenfenſter hinaus, die Immortelle entfiel ihrer Hand, und fort brauſte der ſchwere Wagen auf dem Pflaſter des Städtchens.

Daß die Immortelle mein Eigenthum ſein ſollte, unterlag keinem Zweifel! Das junge Mädchen hatte gewiß errathen, daß ich ihre Unterhaltung belauſcht, und dies war ihr Dank dafür, daß ich ihr den Troſt verſchafft hatte, auf dem Grabe ihres Vaters an deſſen Sterbetage ihr Gebet gen Himmel zu ſenden.

Schon war die letzte Diligence aus dem Hofe der Station von St. Jean de Maurienne, und noch immer ſtand ich ſinnend an dem Pfeiler des Perrons.

Ich will dem Leſer die traurige Erzählung der neun Stunden, die ich in St. Jean de Maurienne verbnacht habe, erſparen; ich glaube nicht, daß ich mich in meinem Leben mehr gelangweilt habe; meine einzige Zerſtreuung war die, meine Brieftaſche hervorzuziehen und nachzuſehen, ob ich die Immortelle auch ſo verwahrt hätte, daß ein Verlieren derſelben unmöglich ſein würde.

Gegen Abend, kurze Zeit vor dem Abgange der neuen Dili⸗ gencen, kam ich auf dem Perron wieder an..., unglücklicherweiſe

Wagen Nro. 1

Sehen Sie, man

ſagte dieſer,wir fahren

und konnte nur mit der allergrößten Mühe den einzig noch übrig bleibenden Platz oben auf der Impériale erhaſchen.

Hatte ich Unrecht, lieber Leſer, als ich Dir am Anfang dieſer Erzählung ſagte: daß ich das Reiſen gründlich verſtände; daß ich ein Meiſter der Reiſekunſt wäre? Du ſiehſt die Früchte meines Wiſſens: in einer eiskalten Nacht, ziemlich leicht angezogen, ſollte ich ſechs

meine Vermittlungsmiſſion iſt noch nicht beendet, es bleibt mir

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bis acht Stunden oben auf einer Diligence zwiſchen einem Vieh⸗ händler aus Annecy und einem Gaſtwirthe aus Montmeillon verbringen, und dieſer Ehrenplatz koſtete mich ſiebenzig Franken lich rechne nicht die telegraphiſche Depeſche von Chambery), denn die Damen in der Eile hatten ganz vergeſſen, mir den Betrag der Plätze des Coupés wieder zu erſtatten!! Es iſt ein herrliches Ding, wenn man das Reiſen ſo gründlich V wie ich verſteht, wenn man alle Zufälle beinahe vorherſieht, telegra⸗

dem Kranze, den eine fromme Tochter am nächſten Tage betend und das Grab ihres Vaters niederlegen würde!!'

II.

Ich hatte Turin ſeit einigen Jahren nicht geſehen und fand es in jeder Beziehung verändert; freilich war es ſeitdem die Hauptſtadt eines großen Königreiches geworden und glaubte ohne Zweifel, es auch noch lange zu bleiben. Nachdem ich mich den ganzen Tag von meiner nächtlichen Fahrt ausgeruht, begann ich den Geſchäften nach⸗ zugehen, welche mich damals nach Italien riefen.

Es waren dies Angelegenheiten ſehr unangenehmer Art, und ich wäre gern davon entbunden geweſen, doch unglücklicherweiſe hatte ſich das Ganze ſo geſtaltet, daß es eine Art von Ehrenſache geworden 8 war, und obgleich ungern mußte ich mich in alle Anſprüche und Nothwendigkeiten derſelben fügen! In wenigen Worten will ich dem Leſer dieſe Angelegenheit erklären, und wenn er vielleicht ge⸗ glaubt hat, daß ich eine Vergnügungsreiſe nach Italien unternommen habe, wird er bald ſeine Täuſchung einſehen.

Vor ungefähr 12 Jahren war ich als junger Mann nach Italien gekommen und hatte einen längeren Beſuch bei einem Freunde 3 meines damals noch lebenden Vaters, dem Baron Ginozzi in Turin gemacht. 3

Der Baron, ein ehemaliger Obriſt, war ein ſehr mürriſcher Herr und ließ ſeinen ganzen Hausſtand dieſelbe eiſerne Disciplin wie ehemals ſein Regiment fühlen. Er war ein finſterer, halss⸗ ſtarriger Mann, der, wie er es ſelbſt ſagte, alles zerbrach, was ſich nicht biegen wollte. An ſeinem einzigen Sohne hatte er die traurige 5 Erfahrung gemacht, daß dieſe Herzenshärte, die er Willenskraft und Princip der väterlichen Autorität nannte, oft die ſchrecklichſten Folgen haben konnte!..

Dieſer Sohn, welcher den Namen Camillo trug, war Haupt⸗ mann im Regimente der Berſaglieri und hatte ſich dermaßen ſowohl die Achtung ſeiner Vorgeſetzten, als auch ſeiner Cameraden durch Tapferkeit und ſtrenge Ausübung ſeiner Pflicht zu erwerben gewußt, daß ſeine Beförderung zum Major, obgleich er kaum einige dreißig Jahre alt war, nicht den geringſten Neid erregte. Eines Tages ließ der Herzog von Genua, jener edle, leider zu früh dahingeſchie⸗ dene Bruder des Königs Victor Emanuel den alten Obriſten zu ſich rufen.

Baron! redete er ihn an,ich habe Ihnen zu gleicher Zeit a eine unangenehme und eine angenehme Nachricht mitzutheilen. Der 5 Major, Ihr Sohn, hat einen argen Verſtoß gegen die militäriſche Disciplin begangen, ein Vergehen, durch das ihm ſicherlich ſeine militäriſche Carriere verloren gegangen wäre; glücklicherweiſe hat er 5 ſich zur Zeit entſonnen, daß wir in der Militärſchule zu Aſti gute Freunde waren, hat ſich mir anvertraut, und Se. Majeſtät hat auff meine Bitten verſprochen, die Sache ſelbſt mit dem Kriegsminiſter abzumachen.

Wenn es nicht den Reſpekt verletzend wäre, den ich Ew. königl. Hoheit ſchulde, erwiderte der alte Obriſt mit mürriſchem Geſichte, ſo würde ich ſagen, daß Sie ſehr Unrecht gehabt haben! Der Kriegs⸗ miniſter iſt der oberſte und alleinige Wächter der Disciplin im Heere, und alle Einmiſchungen...

Nun, nun! ſagte der Herzog lachend,machen Sie das mit Sr. Majeſtät aus; kurz, die Sache iſt abgemacht, und Ihr Sohn

bleibt nach wie vor eine der Zierden unſerer jungen Armee. Dochh

noch hre Vergebung zu erlangen. Hoheit? ich verſtehe nicht ich bin und militäriſche Vergehen....

übrig, Ihrem Sohne auch J Meine Vergebung, ſchon lange penſionirt,