unmöglich geworden durch die Gewalt des Eiſens oder Bleies— das zerſchmetterte Glied durch kühnen Schnitt mit ſcharfen Inſtru⸗ menten von dem Körper gelöſt werden kann.
Zurück rollen die Wagen mit den Verwundeten. Dieſe Wagen ſind mit rothen Kreuzen geziert. Während des Gefechtes eilen ſie hin und her, ihre koſtbare und zugleich ſo ſchreckliche Bürde aufnehmend, und dann, wieder auf dem Verbandplatze angekommen, entleert man ſie von den wimmernden Paſſagieren, die ſofort in die Hände der Aerzte abgeliefert werden.
Hier gilt es, den erſten leichten Verband anzulegen, dann wird der alſo Geſicherte an die Station abgeliefert. Luftige Gebäude, Fabriken, Klöſter und Schulen— das ſind die Orte, wo die Zer⸗ ſchoſſenen, Zerhauenen und Durchſtochenen ihr Unterkommen finden. Da iſt ein buntes Gemiſch von Freund und Feind, da blickt kaum einer dem andern in die matten Augen, während ſie noch vor wenig Minuten ſich wuthſprühende Blicke zuſchleuderten und der nunbleiche, im Fieber zitternde Mund den gellenden Schlachtruf ausſtieß, da hört man beten in allerlei Sprachen, und gleich daneben rollt der Fluch von den Lippen eines Ungeduldigen. Es iſt unmöglich, jeder Bitte, jeder flehenden Forderung gleich gerecht zu werden. Wie viele ſind hier aufgeſtapelt? wie viele erwarten zähneklappernd ihr Schickſal? denn es geht ſich tauſend Mal leichteren Muthes auf die verderbenſpeiende Batterie los. Das verhängnißvolle Kommandowort:„Marſch! marſch!“ wird nicht ungeduldiger erwartet, als der Ausſpruch des Arztes, der die Bleſſirten der Reihe nach beſichtigt und dann mit kurzen, beſtimm⸗ ten Worten anzeigt, was mit ihnen begonnen werden ſoll. Dieſe Erwartung iſt ſchrecklich— die Augenblicke der Unterſuchung werden zu halben Stunden— welch ein Urtheil wird der Arzt fällen? wird der vor ihm Liegende ein Krüppel werden müſſen, oder vermag die helfende Hand des Operateurs den blutenden Theil ſo zu bear⸗ beiten, daß der Leidende mindeſtens als ein halber Invalide umher⸗ hinken kann?
Dieſes Ausſpruchs harren die im Lazarethe, in der Station be⸗ findlichen Bleſſirten ſehnſüchtig. Jeder denkt allein Anſpruch auf Hilfe machen zu können, obgleich er ſieht, wie man fortwährend neue Unglücksgefährten herbeiſchleppt, wie die Plätze ſich füllen, die noch vor wenig Augenblicken leer waren. Die Seufzer tönen rückhalts⸗ loſer, denn die Fahrt hat den Schmerz erhöht, und jetzt bedarf es nicht mehr des Zwanges, hier ſind lauter Gleichberechtigte, Gleichbedauerns⸗ werthe, alſo können die Klagen auch ohne Zwang ſich Luft machen, Die Zahl der Aerzte ſteht in keinem Verhältniß zu der Maſſe, welche
nach den Tagen von Gitſchin, Trautenau und Königgrätz als Ver⸗
wundete herbeigeſchleppt worden, und dennoch arbeiten dieſe Männer, buchſtäblich von blutigem Schweiß triefend, wie Helden— was ſie erblicken, was ſich ihnen um Hilfe flehend, wimmernd naht, die von der Wuth des Schmerzes verzerrten Geſichtszüge mit den zornig und doch ſo wehmüthig dreinſchauenden Augen, die krampfhaften Griffe, welche die Hand des Bleſſirten in den Arm des Helfers thut— dies alles zu ſchauen, zu hören, zu beſchwichtigen, zu fühlen und dabei dennoch kaltblütig zu bleiben, eingedenk der ſchweren Pflicht— das ſind Heldenthaten, würdig denen ſich anreihend, welche draußen im Getümmel des Kampfes mit dem Säbel oder Bajonette erfoch⸗ ten werden.
Eine Fahne gilt es zu nehmen, aus dem Haufen der Feinde heraus, welche das Zeichen mit Muth und Gewandtheit vertheidigen. — An der Station, an der Verbandſtelle gilt es ein Menſchenleben zu erhalten, durch die zuckenden, zerriſſenen Muskeln, durch die zer⸗ ſplitterten Knochen zu dringen mit dem Inſtrumente in feſter, nicht zitternder Hand, geübten Blickes, kalten Blutes, mit dem Bewußtſein, daß von dem richtig geführten Stahle, von der ſicheren Handhabung der feinen Säge oder Zange das Leben eines verwundeten Helden ab⸗ hängt, der ohnmächtig in die rettenden Hände des Arztes geliefert wird— welches von beiden iſt eine größere That?——
Wenn der Getroffene darniederſinkt und der brennende Schmerz, das rinnende Blut, die Wuth des Fiebers ihn belehren, daß er nutzlos geworden iſt für die Entſcheidung des Tages, dann zieht ein zwie⸗ faches Weh durch ſeine Seele, die Trauer über die Gewißheit, daß ein erbärmliches Stück Blei, ein elendes Klümpchen Eiſen ihn ver⸗ hindert, den glücklicheren Waffenbrüdern auf der Siegesbahn folgen zu können, der marternde Gedanke,— daß er vielleicht als ein Krüppel
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aus der Station in die Heimat entlaſſen werde, und zuſammenſchauernd lispelt er:„Warum nicht todt?“ 3
Aber das Leben hat doch einen gewaltigen Reiz. Kann man nicht— ehrenvoll mit einem Arme oder Beine aus dem Felde zurück⸗ kehrend dennoch ſeinem Vaterlande dienen?— ja— gewiß.— Alle dieſe zerſchoſſenen Männer ſind ja ein Vermächtniß für die Nation, um deretwillen ſie ihr Blut verſpritzt, deren Rechte ihr König an der Spitze ſeines Heeres vertheidigt— König und Volk werden dieſe Männer hochhalten— alſo leben! leben!— 1
Da faſſen den halb Bewußtloſen zwei kraftvolle Arme, und das getroffene Bein wird kunſtgerecht emporgehoben, der ganze Körper
ſchwebt in die Höhe— die Sinne ſchwinden. Ein traumartiger Zu⸗ ſtand umfängt den Verwundeten— als er erwacht iſt, wirft er die Blicke umher. Es iſt nicht mehr das weite, mit Gefallenen überſäete Feld, auf welchem er noch wenige Minuten vorher ruhte— es iſt eine geräumige Stube mit rohem Balkenwerk an der Decke durchzogen, ein plumper Ofen thürmt ſich empor, an den halbnackten Wänden kleben Heiligenbilder; der Verwundete fühlt ſich gehalten. Ein prächtiger vierſchrötiger Burſche hat ihn bei den Schultern gefaßt, ein Kerl mit ſtumpfer Naſe und gutmüthigen, blauen Augen, deſſen ſchmutzbedeckte Uniform und Stiefeln von der harten Arbeit zeugen, die er heute ſchon unausgeſetzt verrichtet hat. Unter ſich fühlt der Bleſſirte die Platte eines Tiſches. Sein durchſchoſſenes Bein ſchmerzt gewaltig, aber die umflorten Verband— Rettung iſt ihm geworden, er wird ſich nicht verbluten. Leicht wendet er das Haupt, da trifft ſein Blick auf eine Geſtalt in Uniform eines hohen Arztes. Dieſe Geſtalt neigt ſich zu ihm in leichtgebückter Haltung, ein ſcharfgeſchnittenes, geiſtvolles Geſicht, durchdringende, klare und theilnahmsvoll prüfend ſchauende Augen heften ſich auf ihn, den Hilfsbedürftigen— aber länger vermag er nicht zu ſehen, die Ermattung bewältigt ihn, die Augen umfloren ſich leicht, doch bleibt der Gedanke noch klar, und als er das Haupt matt gegen die Bruſt des Krankenwärters zurücklehnt, flüſtert er leiſe, in⸗ dem ein hoffnungsvolles Lächeln um die bläulichen Lippen ſpielt: „Langenbeck.“. Wohl kann ſich die Hoffnung bei dem Anblicke dieſes Mannes, dieſes Meiſters beleben, denn wenn ſelbſt die Kugel das Gebein ge⸗ troffen, der Meiſter vermag, wenn irgend noch menſchliches Wiſſen, menſchliche Macht ausreichen, das zerſtörte Glied zu erhalten, durch das anſtaunenswerthe Verfahren der Reſection. Er vermag nicht nur die kunſtgeübte Hand zur Lostrennung des zerriſſenen Gliedes vom Körper zu gebrauchen, ſeine tiefe Kenntniß vom Baue des menſch⸗
lichen Leibes und deſſen Gerüſtes, ſeine genialen und zugleich ſo
ſicheren Operationen machen häufig die Knochenſäge unnütz. Die
heilbringende Hand ſchneidet die Splitter mit bewunderungswürdigem
Geſchick heraus, ſchiebt zuſammen, ergänzt— und ſchafft gewiſſer⸗ maßen ein neues Stück in dem wunderbaren, verletzten Baue, deſſen Windungen, Schnörkel und Gänge, Röhren und Knorpel, Faſern und Adern, in alle ihre Theilchen zerlegt vor dem geiſtigen Auge des großen Arztes ſich öffnen und entwirren.
Langenbeck hat aus der Quelle blutiger Erfahrungen thätigen, für die leidende Menſchheit ſegensreichen Kenntniſſe geſchöpft. Schon im erſten holſteiniſchen Kriege bewährte ſich ſein von ihm neugeſchaffenes Verfahren in wahrhaft glänzender Weiſe. Der aus⸗ gezeichnete Mann blieb aber dabei nicht ſtehen. Zahlreiche Verſuche,
genaue Prüfungen und Vergleiche ſetzten ihn in den Stand, ſeinen erhabenen Beruf auf den höchſten Grad der Vollkommenheit zu bringen.
Damit gingen ſeine Schriften Hand in Hand:„Die Bemerkungen 1 zu Hunters Abhandlungen von den Schußwunden“, die verſchiedenſten Erläuterungen ſeines großartigen Syſtems.—
Sein Name iſt heute ſchon ein gefeierter und von jedem Leidenden
ſehnſüchtig ausgeſprochener, und deshalb richtet ſich der umſchleierte Blick eines Verwundeten voll von Hoffnung auf die Geſtalt des Mannes, den wir in unſerer Illuſtration als Mittelfigur er⸗ blicken. Im dumpfen Geſumme, welches ihn umſchwirrt, das aus Wimmern, Bitten und jenem Geräuſch zuſammengeſetzt iſt, welches die verſchiedenen Vorbereitungen zu ſchnellen Operationen begleitet, ſteht er ruhig, prüfenden Blickes vor dem Verwundeten, der ſo glücklich iſt, durch ſeine Hand die Linderung der Schmerzen, die Entfernung der tückiſchen Kugel zu erlangen. Es bedarf für den Helfer keines bequemen Gemaches oder Polſters, keine ſchwellenden Decken dämpfen den Tritt. Ein armſeliges Zimmer, ein roher Tiſch, blutiges, feuchtes
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