ſengrabens. Die Jagd währte ſchon eine gute Zeit, der Pater diri⸗ girte ſich gegen die Georgenvorſtadt zu. Allmählich ward die Ent⸗ fernung kürzer zwiſchen den beiden, ſo ſehr ſich der Verfolgte auch anſtrengte, die Kräfte ſeines Feindes waren jugendlicher, elaſtiſcher. Oelven hatte ſich vorgenommen, das Aeußerſte zu wagen— er ſtützte ſich auf Danckelmann, was konnte ihm geſchehen? wenn der Pater entlarvt war, durfte er ſich nicht länger in Berlin aufhalten.— Wolff keuchte bereits, der Schweiß lief von ſeinen Schläfen hernieder, er ſah den Verfolger näher kommen, der nicht von ſeiner Beute ab⸗ laſſen wollte, ſollte er einen Kampf wagen? der muthige Pater fürchtete ihn nicht— nur die Entdeckung ſeiner Perſon machte ihn bangen. Schon tauchen die Bäume des Gehölzes vor ihm auf, welches nicht weit von dem einſamen Hauſe ſich befindet, er kann deutlich die Tritte des Verfolgers vernehmen— wenige Schritte noch, und der kecke Spion hat ihn erreicht, da tritt ein Mann aus dem Gebüſche.— „Perbom,“ ruft der ächzende Pater.—„Ich bin's,“ antwortet der Invalide,„ich hatte Sorge um Euch. Ihr bleibt lange.“—„Hilf mir— Verfolger da— dort kommt er,“ ſtöhnte der Pater.— „Rechts in den Buſch,“ rief Perbom„und dann durch die Wieſen in das Haus. Ich halte den Burſchen.“ Mit letzter Kraftanſtrengung warf der Pater ſich in den Buſch— Oelven ſtürzte herbei, und ſeine Hände griffen in die Luft, es ſchien ihm, als ſei der Geſuchte dicht in ſeiner Nähe— da verſperrte plötzlich die breitſchultrige Geſtalt eines Mannes den Weg. Ein kurzer Degen blitzte vor des Secretärs Augen und eine tiefe Stimme ſagte:„Keinen Schritt weiter, Herr Nachtvogel, oder ich renne ihm vier Zoll Eiſen in den Leib.“ Der Secretär ſtand unbeweglich, aber ſein Rappier war ſchnell blank. Obwohl noch zitternd von der Anſtrengung des Laufes, machte er doch Anſtalt, ſich zu vertheidigen. Der nächtliche Gegner ſchien aber keine Luſt zu haben, den Streit aufzunehmen.„Steckt ruhig ein, Freund,“ ſagte er.„Wenn ich meine Pfeife anſetze, kommen zehn Leute herbei, die Euch windelweich ſchlagen. Geht nach Haus, und beläſtigt nicht harmloſe Spaziergänger, ſonſt wird man mit einer Ladung Schrot aufwarten.“ Ehe noch Oelven etwas zu erwidern vermochte, hatte der Mann die Büſche getheilt, war hinter denſelben verſchwunden und ſchien in den Wieſengraben getaucht zu ſein. Der verblüffte Secretär blieb auf der einſamen Stelle wie feſtgewurzelt
ſtehen.
Eine Entdeckung.
Das kleine Arbeitszimmer Joachim Ringwalds lag im Hinter⸗ gebäude ſeines Hauſes. Es war beſcheiden ausgeſtattet. Alte, faſt wurmſtichige Spinden, mit bedruckten Papieren und Bücherproben gefüllt, ſtanden umher, einige zuſammengeſchnürte Ballen zeigten ſich in den Winkeln. Das Schreibpult des Buchdruckers war mit kleinen Zetteln und Briefen bedeckt. Ein mächtiges, aus Holz gedrehtes Tintenfaß, welches eine breite Feder überragte, krönte den oberen Rand, und vor dieſem Tiſche ſaß Herr Ringwald, mit dem Leſen einer noch halbnaſſen Druckprobe beſchäftigt, die ihm ſo eben aus der Officin gebracht worden war. Die Dämmerung begann ſchon einzutreten und hatte einen Theil des Gemaches in Dunkelheit begraben. Ring⸗ wald machte eine Bewegung, um den Strang der Glocke zu ergreifen, der über dem Pulte von der Decke herabhing, dann fiel ſein Blick wieder auf die Druckprobe, und er fuhr fort, eifrig weiter zu leſen, der zunehmenden Dunkelheit nicht achtend. In dieſe Beſchäftigung ver⸗ tieft, begannen die Buchſtaben vor ſeinen Augen ineinander zu laufen und verſchwimmende Linien zu bilden. Der Alte legte das Papier bei Seite und verfiel in eine nachdenkliche Stimmung. Er wollte ſeine Gedanken über das ſo eben Geleſene recht zuſammenfaſſen, als ein Geräuſch, aus dem dunklen Theile des Zimmers kommend, ihn erſchreckte.
Der Buchdrucker drehte ſich ſchnell um. Seine vom Leſen matten Augen richteten ſich auf die Stelle, von welcher das Geräuſch ausging, und er glaubte, in der ungewiſſen Beleuchtung die Geſtalt eines Mannes zu erkennen.„Biſt Du es, Henning?“ fragte er, von dem Seſſel ſich erhebend. Die Geſtalt blieb unbeweglich.„Wer iſt da?“ rief der Alte, ein eiſernes Lineal vom Schreibpulte nehmend, um ſich nöthigenfalls vertheidigen zu können. Die Geſtalt trat aus dem Halbdunkel auf ihn zu.—„Fürchtet nichts,“ ſagte ſie mit ſanfter Stimme.„Ich bin es— Euer Retter, der Doctor Seeberger.“
—
—— ———
3531
Ringwald legte das Lineal auf das Pult und reichte dem Fremden die Hand.„Seid mir willkommen,“ ſagte er.„Aber verzeiht, wenn ich betroffen über den ſeltſamen Eintritt bin. Woher kommet Ihr in dieſes Zimmer? wer ließ Euch ein? Ihr müßt die kleine Hinter⸗ ſtiege benutzt haben, und die kennen nur meine Hausgenoſſen.“— „Fragt nicht lange danach,“ entgegnete der Pater—„die Hauptſache iſt— ich bin hier und muß mit Euch reden. Sorgt, daß wir allein bleiben.“ Ringwald ſchob den Riegel vor beide Thüren, welche in das Zimmer führten, dann zog er einen Seſſel herbei und nöthigte den Pater, Platz zu nehmen.—„Herr Ringwald,“ begann der Pater nach einer Pauſe.„Ihr erinnert Euch wohl des Verſprechens, welches Ihr mir gegeben, als meine Hand Euch aus den Klauen der Strolche rettete?“—„Gewiß, und ich werde es halten.“—„Deſto beſſer. Ihr ſollt aber dieſes Verſprechen nicht erfüllen, ohne Euch ſelbſt durch die Erfüllung einen weſentlichen Dienſt zu leiſten. Ihr habt mir geſtanden, daß ein wichtiges, Aufſehen erregendes Werk Euch zu großem 1 Ruhme verhelfen, Eure Mitbewerber, den Rüdiger und andere in den Hintergrund drängen könne und zugleich einen Gewinn für Euch abwerfen werde. Wollt Ihr ein ſolches Werk zu drucken unter⸗ nehmen?“ Ringwald ſah den Pater einen Augenblick fragend an, dann fuhr er ſich leicht mit der Hand in die Haare.„Es käme dar⸗ auf an, was für ein Werk darunter zu verſtehen ſein möchte, Herr 1 Doctor. Zauberei könnte ich nicht in die Welt ſenden, Salamonis Schlüſſel oder die Wünſchelruthe wären verbotene Waare.“— Der Pater lachte.—„Sehe ich einem Zauberer oder Hexenmeiſter gleich?“ —„Hm— Ihr ſeid mir räthſelhaft, ich läugne es nicht.“—„Ich bin ein Menſch mit Fleiſch und Bein, mit lebhaften Wünſchen, aber ein Menſch, der im Beſitze wichtiger Dinge iſt, die ich gern veröffent licht ſehen möchte— kurz und gut, wollt Ihr einen Namen in der Welt haben und Geld verdienen?“ Der Pater zog bei dieſen Worten eine ſchwere, mit Gold gefüllte Börſe und legte ſie auf den nächſten Tiſch. Ein feiner, ſpitzer Strahl der untergehenden Sonne ſtahl ſich durch das Fenſter und ſpielte auf den Maſchen der Börſe, er blieb haften daran, und unter ſeiner Einwirkung glänzten die Goldſtücke in dem ſeidnen Käfige wie kleine Feuerchen. Ringwald machte einen langen Hals, ſeine Augen wurden größer.„Das ſcheint mir aller⸗ dings ein hohes Gebot, Herr,“ ſagte er.—„Das iſt nur der Anfang. Ihr ſollt ſpäter noch mehr erhalten— wir einigen uns über den Preis. Nun zur Sache. Hier leſt dieſes. Der Pater reichte dem Alten ein Papier.—„Verzeiht,“ ſagte Ringwald,„ich ſchlage erſt Licht— die Dämmerung iſt ſchon hereingebrochen, meine Augen ſind 8 ſchwach.“ Er zündete eine Kerze an und entfaltete das Papier mit zitternden Händen. Seine Blicke fielen ſogleich auf die Worte, welche die Ueberſchrift bildeten, ſie lauteten:„Genaue und wahrhaftige 1 Copia des ſchönen und heilvollen letzten Willens, den der durchlauch⸗ tigſte Herr und Kurfürſt, Herr Friedericus Wilhelmus, der Große zu⸗ benannt, zum Beſten der heiligen katholiſchen Kirche auf ſeinem Sterbebette, dem nunmehro regierenden Kurprinzen, Herrn Friedrich III. übergeben und zu halten anbefohlen.“— Ringwald ſtutzte. Er ließ das Papier ſinken und wendete ſein Haupt zu dem Pater. Der falſche Doctor Seeberger hatte ſich in das Dunkel halb zurückgezogen. Seine ſchwarze Geſtalt war kaum noch ſichtbar, ſo verſchwammen die Umriſſe derſelben mit den Schatten der Dämmerung, nur ſein bleiches Antlitz, von dem Kerzenlicht ſcharf getroffen, ſchien wie in der Luft zu ſchweben.„Was iſt das für ein Ding?“ fragte der Buchdrucker zitternd.„Leſt weiter— leſt weiter, Freund,“ ſagte Wolff. Je weiter der Alte las, deſto finſterer wurden ſeine Züge. Es war ein Befehl, eine dringende Mahnung des verſtorbenen Herrn an ſeine Kinder, die heilige katholiſche Lehre auszubreiten in den brandenbur⸗ giſchen Landen, die Lehre Luthers ward als eine unſichere hingeſtellt, die kurfürſtliche Familie wurde ermahnt, dem Papſte anzugehören und ihn als einen Freund und Vater zu verehren. Ringwald durchſchaute ſogleich, daß er hier ein gefährliches, ein verderbliches Schriftſtück Händen habe.„Herr,“ rief er.„Wer ſeid Ihr? Ihr ſeid kein Doctor der Rechte— Ihr ſeid etwas anderes. Ihr kommt, um für Euren Dienſt, den Ihr mir erwieſen, einen Gegendienſt zu verlangen den ich nicht leiſten kann. Heute erſchiene das Blatt in meiner Officin gedruckt, und morgen ſchon befände ich mich auf dem Wege nach oder Spandau. Nehmt es zurück, Herr— nehmt es zurück.“ reichte dem Pater das Papier. Wolff machte eine abwehrende wegung.„Ich habe Anſpruch auf Eure Dankbarkeit,“ ſagte „Ihr weigert mir einen Dienſt, den ich Euch noch obenein
— — — — ½
ſagte der ſeinem IAnſehen Euch der icr wollen — führe iü
dort ſol „ nießet,
fährlich .„Mit G Herrn w ſich bei endet t Nla d dern?“ ſtücke k Willen ich esg nicht ei⸗ nehmen wohl ge Bachſdr dem ic der P verlan Papie ſeid m ver Jh ſcicken. ſollt a Komm Ihr w Es iſt mmirm hunder wohl
die R Buch 1 plaud oder ohe iſt jet ſchnel
der J
beid ihm züg und mu
Au ſei


