Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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weſen zu ſein, der außerdem fortwährende Verſtärkungen während ſeines Vormarſches, ſowohl von Preußen als von den mit Preußen verbündeten Contingenten erhielt, während Baiern, auf ſich ſelbſt augewieſen, mit der höchſten Kraftanſtrengung in der Dauer des Feldzuges nur 6000 Mann kampffähiger Soldaten als Erſatz ſeiner Armee zuweiſen konnte!

Excellenz vergeſſen, ſagte ich,daß General von Falckenſtein zwei Armeen gegen ſich hatte die Ihre und die ſogenannte Reichs⸗ armee.

Sie haben Recht! meinte der General ſeufzendich vergaß es, man muß es mir verzeihen, denn die Reichsarmee hat gar zu oft vergeſſen, daß wir Verbündete waren, deren Hauptaufgabe die Vereinigung ihrer beiderſeitigen Kräfte war! Kurz, ſo zogen wir ins Feld; am 16. Juni, am Tage, wo General Falckenſtein in Hannover einrückte, begann der ſtrategiſche Aufmarſch unſerer verſchiedenen Truppentheile, und am 21. war er vollendet. Wäre das 8. Bundesarmeecorps jetzt auch kampfbereit geweſen, ſo hätte eine gemeinſame Action gegen die Rheinprovinzen vorgenommen werden können doch ſo mußte ein Concentrationspunkt vor allem andren beſtimmt werden, und zu einem ſolchen eignete ſich Fulda am beſten, da wir hier die retirirenden Hannoveraner aufnehmen konnten. Unſer Abmarſch geſchah alſo in dieſer Richtung am 22., nachdem wir die Gewißheit erlangt hatten, daß ein preußiſcher Angriff von Hof aus nicht ſtattfinden würde! Nichts berechtigte uns zu der Vorausſetzung, daß wir zur Befreiung der Hannoveraner ernſte Kämpfe vorzunehmen brauchten im Gegentheil wir erachteten, daß jene früher als wir in Fulda ankommen würden. Wir erhielten am 23. Abends directe Nachricht, daß ſie ſich von Eſchwege nach Mul⸗ hauſen gewandt hätten und uns einen neuen Plan vorlegten zu einer Vereinigung auf der Linie Eiſenach⸗Gotha. Man wirft der bai⸗ riſchen Führung vor, die Hannoveraner im Stich gelaſſen zu haben man hätte mehr Recht ihr vorzuwerfen, ihren urſprünglichen Plan dem Hirngeſpinnſte König Georgs aufgeopfert zu haben. Prinz Karl hatte vollkommen Recht, als er einem Abgeſandten der Hanno⸗ veraner erwiderte, daß eine Armee von 18,000 Mann ſich überall durchſchlagen müßte aber wenn dieſe Armee ſich gar nicht durch⸗ zuſchlagen braucht, ſondern gemüthlich durchmarſchiren kann und es nicht thut, ſo kann man uns doch wahrhaftig keinen Vorwurf machen. Uebrigens, ich kann Ihnen nicht ſagen, wie ſchwer es uns ward, genaue Nachrichten uns zu verſchaffen und aus dem Chaos von Gerüchten die Wahrheit zu entwickeln. Herzog Bernhard von Mei⸗ ningen ließ uns am 24. anzeigen, daß die Hannoveraner capitulirt hätten, und am 25. erwies ſich dieſe Nachricht falſch; wir wußten gar nichts mehr, unſere eingelaufenen Berichte widerſprachen einan⸗ der fortwährend. Da ſandte ich die beſten Emiſſäre aus, die wir auftreiben konnten, und Prinz Karl verſprach aus ſeiner Privatcaſſe dem erſten, der ihm genaue Nachrichten brächte, eine Belohnung von 1000 Gulden und während deſſen marſchirten wir fortwährend nach Norden. Da erfuhren wir den Sieg der Hannoveraner bei Langenſalza, und am nächſten Morgen, den 28., erhielten wir zwei Depeſchen, die eine direct vom Kaiſer Franz Joſeph, die andere von der Bundescommiſſion aus Frankfurt, die uns dieſen Sieg anzeigten und beide mit der Bemerkung, König Georg habe gemeldet, er könne ſich noch 8 Tage halten und auf die bairiſche Hilfe warten. Wir ſetzten unſere Bewegungen trotzdem, daß unſer Operationsplan dadurch gänzlich vernichtet war, fort ſtanden am 30. in Waſungen, Suhl und Ilmenau und erfuhren, daß die Hannoveraner am vorher⸗ gehenden Tage ſchon capitulirt hätten! Das iſt die ganze Ge⸗ ſchichte des bairiſchen Verrathes gegen die Hannovergner! Richten Sie! Ich fürchte nichts; dies iſt ein Punkt, über den man uns bald Gerechtigkeit widerfahren laſſen wird; denn die Thatſachen liegen ſo klar und offen auf der Hand, daß nur Blinde... Blinde aus Tendenz ſie nicht ſehen! König Georg wollte ſein Land nicht ver⸗ laſſen wollte ſich dem Bundesbeſchluſſe nicht unterwerfen; das iſt die Auflöſung des ganzen Räthſels; er hätte geruht die bairiſche Hilfe anzunehmen, um die Preußen aus ſeinem Lande hinauszujagen, aber ſich und ſeine brave Armee dem Bundesfeldherrn unterzuordnen, das war ihm ein unerträglicher Gedanke! Doch man muß nicht zu ſtrenge richten; andere, die viel weniger dazu berechtigt waren,

haben es ebenſo gemacht. Ich muß Ihnen jetzt ein Geſtändniß ablegen, das, wenn es bekannt wird und ich bitte Sie, nicht zu

unterlaſſen, es bekannt zu machen mir die wenige Sympathie, die

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mir noch die bairiſche Preſſe zollt, vollſtändig verſcherzen wird. Es betrifft die Preſſe ſelbſt. Ich hatte verlangt, daß in Baiern, ſowie in allen civiliſirten Ländern, die Preſſe in Betreff der Veröffentlichung von Kriegsnachrichten und Betrachtungen über den Krieg einer Cenſur unterworfen ſein ſolle. In Preußen, in Oeſtreich, in Frankreich überall iſt es ſo! Höheren Orts wurde dies verweigert, und die Folgen ließen nicht lange auf ſich warten. ſich befugt, ſtrategiſche Pläne aufzuſtellen, Rathſchläge zu geben, be⸗ gangene Fehler nachzuweiſen u. ſ. w.; und dieſe Nachrichten gelaugten

dann wieder indirect zur Armee zurück und demoraliſirten dieſelbe⸗

und nicht allein dies, jetzt wußten die Unzufriedenen, die in jeder Armee zu finden ſind, eine Quelle, wo ſie Rache finden konnten und flugs waren Berichte geſchrieben, die nicht allein gehäſſig und falſch waren, ſondern das Reſultat hatten, daß die Oberleitung des Feldzuges in ganz Süddeutſchland das Vertrauen verlor, noch ehe ſie etwas gethan hatte. Die abſolute Folge davon war, daß das WortVerrath ſchon jetzt anfing ſeine Rolle zu ſpielen, die ſo traurige Reſultate erzielt hat. Ich werde Ihnen ſpäter noch mehr hiervon erzählen. Das Beſte, was wir nach der Capitulation der Hannoveraner nun hätten thun können das ſogar nur logiſch Vorgeſchriebene wäre geweſen, den urſprünglichen Plan wieder auf⸗ zunehmen und Fulda als Vereinigungspunkt mit dem 8. Armeecorps feſtzuſtellen, aber wir ſahen ein, daß wir bei der im Lande und in der Armee durch die Preſſe erzeugten Mißſtimmung, es nicht wagen durften, uns den Anſchein zu geben, als wichen wir den Preußen aus! Sie werden das nicht begreifen ich kann Ihnen

hierüber keine näheren Erklärungen geben; aber ſeien Sie überzeugt,

wir mußten einen Zuſammenſtoß mit den Preußen jetzt haben um jeden Preis.. es galt unſere Ehre und den Frieden des Landes! So entſtand das Gefecht, was Sie Dermbach nennen!

Der General hielt inne.Ermüde ich Sie auch nicht? ſagte er lächelndintereſſirt Sie dies alles für Ihr Werk? Ich möchte nicht gerne, daß man das, was ich Ihnen erzähle, als eine Ver⸗ theidigung anſähe ich ſagte es Ihnen ſchon geſtern: ich ver⸗ theidige mich nicht! Es iſt das nur eine Aufklärung ſonſt wäre es Ihnen ja ganz unmöglich, unſern Feldzug zu verſtehen!

Ich betheuerte dem General, daß je mehr Aufklärungen er mir gäbe, je lieber es mir wäre; ich fürchtete, daß er an dieſem Punkte angekommen, durch irgend einen Grund bewogen, ſeine Erzählung ab⸗ brechen würde jedoch ich täuſchte mich, er fuhr nach einigen Augenblicken Stillſchweigens fort:

Ich habe lange geſchwankt, welche Taktik dem Zündnadelgewehr gegenüber die beſte ſei, und da ich in der ganzen bairiſchen Armee

der einzige Chef war, der die Wirkung dieſer trefflichen Waffe beim

Sturm auf die Düppler Schanzen beobachtet hatte, ſo war hierin meine Meinung maßgebend. Obgleich ohne poſitive Nachrichten von den Gefechten in Böhmen und den Erfolgen der Benedekſchen Offen⸗ ſivtactik, ergriff ich dennoch die gerade entgegengeſetzte Idee. Nur defenſiv, glaube ich, kann man dem Zündnadelgewehr die Spitze bieten. Intereſſirt es Sie, wenn ich Ihnen meine Meinung ent⸗ wickle?

Beſtimmt ich bitte darum, Excellenz!

Es iſt ausgemacht, daß unſere Podewilsgewehre auf 6 800 Schritte doppelt ſo gut ſchießen als die Zündnadelgewehre, und wie Sie begreifen, kann ſich dieſer einzige Vortheil, den wir über die preußiſche Waffe haben, beim Angreifen nicht bewähren, unſere

Podewilsgewehre ſchießen durchſchnittlich 1 ½ Mal per Minute,

während die Zündnadeln leicht auf 6 Mal gebracht werden können.

Die nothwendige Folge hiervon iſt, daß wir im Gefecht, um eine gleiche Anzahl Schüſſe wie die Preußen zu erzielen, in drei Gliedern

kämpfen müſſen während ſie auf ein Glied in Schützencolonnen

ausſchwärmen können! Hieraus folgt ſchon, daß die Preußen uns dreimal ſo viel Leute kampfunfähig machen würden, wie wir ihnen,

ſelbſt wenn ſie wie wir nur Podewilsgewehre hätten! Das alles

hatte ich bei Düppel beobachtet und darauf meine Meinung gegründet,

daß die Defenſivtactik die einzige richtige dem Zündnadelgewehr gegenüber ſei. Königgrätz that er es, wie ich es ſeit dem Beginn des Feldzuges vor⸗

geſchrieben hatte, und am Morgen der Schlacht, wo er die guten

Erfolge dieſes Syſtems ſelbſt beobachtete, hat er bitter bereut, es

nicht gleich beim Beginn angenommen zu haben. Außerdem waren

wir an Artillerie dem General von Falckenſtein überlegen, und der

Jeder einzelne glaubte

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Benedek hat dies zu ſpät eingeſehen; erſt bei

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