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jahren es wie ein Feſt anſahen,
legte das Commando meiner Freiſcharen nieder, die ich ganz außer⸗ ordentlich gut organiſirt hatte und die ſich wie Löwen ſchlugen, und ward dem Prinzen von Altenburg, der die bairiſche Diviſion führte, mit dem Range eines Oberſtlieutenants als Stabschef beigegeben.
Rang eines Generalſtabschefs an. Mein König, der meine außer⸗ ordentliche Sympathie für die Schleswig⸗Holſteinſche Sache kannte, entband mich meines Eides und erlaubte mir, aus der bairiſchen Armee zu ſcheiden unter der einzigen Bedingung, daß ich mich gleich wieder auf meinem Poſten einfinden ſolle, wenn Baiern Kriegsgefahr vrohe. Ich kann mich wahrlich kein Schoßkind der Kriegsgöttin nennen; im Gegentheil, ſie ſpielt mir arg mit. Dieſer kurze Feldzug könnte allen denen zur Lehre dienen, die da denken, daß Begeiſterung, Tapferkeit und Selbſtopferung genügen, um ein ſiegreiches Heer zu ſchaffen. Wir hatten die Blume Deutſchlands in unſeren Reihen— aus allen Gauen ſtrömten die intelligenteſten, befähigtſten jungen Leute uns zu und reihten ſich den freiwilligen Schleswig⸗Holſteinern an. Ich glaube, daß ich nie individuell tapferere Soldaten als dieſe ſehen werde— und dennoch wurden wir überall geſchlagen, obgleich Williſen den Ruf genoß, einer der tüchtigſten preußiſchen General⸗ ſtabsofficiere zu ſein und ich ſicherlich damals der beliebteſte Officier ganz Deutſchlands war.— Doch was half's?— Die Dänen waren nicht allein um ein Dritttheil ſtärker als wir, ſondern ſie hatten Soldaten, die es gelernt hatten in Reihe und Glied zu marſchiren, die zu manövriren verſtanden, ſelbſt im Kugelregen; und gegen dieſe Eigenſchaft— die vielen ſo ganz überflüſſig erſcheint— behaupte ich, daß ſich die brillanteſte Tapferkeit machtlos zerſchellt.— Nach der Affaire von Friedrichsſtadt trat der Fall ein, den König Max vorhergeſehen... Baiern rüſtete, und Jedermann glaubte, daß der Krieg ausbrechen würde. Ich mußte, meinem Verſprechen gemäß, die Herzogthümer verlaſſen und wurde wieder in die bairiſche Armee aufgenommen.— Sie wiſſen, wie die ganze Kriegsgefahr ſich bei Bronzell zerſchlug und Fürſt Taxis die bairiſche Armee wieder zurückführte.“
„Fürſt Taxis?“— unterbrach ich—„iſt das derſelbe, der...“
„Ja, der unſere Reſerve⸗Cavallerie im letztem Kriege führte... ich weiß ſchon, was Sie ſagen wollen... ich werde nachher auf dieſen merkwürdigen Unfall zurückkommen. Ich wurde nun Flügeladjutant des Königs,— wurde Generalmajor und verlebte die Friedensjahre
gegen Frankreich rüſteten und ich den Befehl über eine Brigade bekam. Da auch aus dieſem Kriege nichts ward, kehrte ich wieder in meine alte Carriere zurück, ward 1861 Generallieutenant und General⸗ adjutant des Königs— und blieb es bis zu ſeinem ſo unerwarteten Tode. Jetzt habe ich Ihnen in wenigen Worten mein ganzes Leben erzählt,— ein Leben voller Freud und Leid, wie ein jegliches andere unter der Sonne, das ſeine Glanzperiode im erſten Schleswig⸗Hol⸗ ſteiniſchen Feldzuge gehabt, und ſeitdem mit wechſelndem Glücke mich dem großem Endziele des Daſeins ziemlich ruhig zugeführt hatte!— Nie hätte ich es mir wohl träumen laſſen, daß ich einen kurzen krie⸗ geriſchen Ruhm ſo theuer werde bezahlen müſſen.— Wie es zum Kriege kam, weiß Jedermann, und einem Soldaten kömmt es nicht zu, ſich zum Richter der Politik aufzuwerfen. So wie das Wort „Krieg“ ausgeſprochen wird, muß der Soldat alles, was ihn an das bürgerliche Leben feſſelt, gewaltſam abſtreifen und nichts weiter als Soldat ſein;— und zu den Dingen, deren er ſich entledigen muß, gehören die politiſchen Meinungen in der erſten Reihe. War es klug oder unklug, die Partei Oeſtreichs gegen Preußen zu ergreifen— das will ich jetzt nicht entſcheiden— darüber durfte ich damals nicht discutiren. Kurz, als der heldenmüthige Prinz trotz ſeines hohen Alters noch ſeinem Lande einen letzten Beweis von Patriotismus geben wollte und das Ober⸗Commando annahm, wurde ich als Chef des Generalſtabes deſignirt.— Es war dies ſicherlich das größte Leid, das man mir anthun konnte. Ich hatte eine ſo ſchöne Diviſion — die 1. Infanterie⸗Diviſion— ich kannte ſie, hatte volles Ver⸗ trauen in ihre Leiſtungsfähigkeit, und nun ſollte ich ihr Commando niederlegen, um jenen ſo ſchwierigen, undankbaren Poſten eines Ge⸗ 1 wralſtabschefs anzunehmen. Sicherlich—
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1850 endlich, als die Herzogthümer ſich ſelbſt überlaſſen den Krieg gegen Dänemark fortſetzten und dem General v. Williſen den Ober⸗ befehl über ihre Truppen gaben, trug mir die Statthalterſchaft den
in dieſer Stellung, bis ich ſie 1859 verließ, im Augenblicke, wo wir.
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einmal Kugeln ſauſen zu hören. Im ich hätte rundweg ausgeſchlagen, aber der Miniſter, der Prinz, der nächſten Jahre kam auch die bairiſche Diviſion nach Holſtein, und ich
ee ich freie Wahl gehabt,
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König ſelbſt behaupteten, daß ich der allein befähigte meiner Kame⸗ raden für dieſe Stellung wäre— und ich mußte mich fügen; aber glauben Sie es mir ſicher... nicht ohne Herzleid, und von düſteren Vorahnungen erfüllt. Goeben hatte vollkommen Recht, als er Ihnen ſagte, daß der ſchönſte Poſten eines Generals an der Spitze einer Diviſion iſt, der man vertraut— der undankbarſte iſt ſicherlich der
eines Chefs des Generalſtabes— oder man müßte denn Erfolge er⸗ zielen, wie General von Moltke.— Kaum war meine Ernennung
beſtätigt, als ich ins Hauptquartier des Generals Benedek abging und mit ihm im Nameu der bairiſchen Regierung eine militäriſche Con⸗ vention abſchließen mußte, welche die Eventualitäten des zukünftigen Feldzuges ſtipulirte. Vereinigung mit dem Bundesheere vor— und hatte, ich muß es ein⸗ geſtehen, nur den für Oeſtreich ſo bedeutſamen Zweck, auf alle Fälle zu verhindern, daß diejenige Truppenmacht, über die Preußen ver⸗
fügen mußte, um den ſüddeutſchen Truppen Stich zu halten, nie nach
Böhmen detachiren könne. Der umgekehrte Fall— die preußiſche Armee zu verhindern, gegen Baiern zu detachiren, war nicht vorge⸗ ſehen.— Von der Zeit meiner Zurückkunft aus dem Hauptguartiere Benedeks datirt meine Unpopularität in Baiern. Ich hatte die öſtrei⸗ chiſche Armee geſehen, hatte ihr Stärkeverhältniß geprüft, und es war bei mir zur unerſchütterlichen Ueberzeugung geworden, daß die Oeſtreicher nicht zwei Feinden Stich halten könnten und dem mächtigeren unter⸗ liegen müßten. Dieſe Ueberzeugung hielt ich für meine Pflicht, meinen Vorgeſetzten offen darzulegen— ich weiß uicht, wie es ge⸗ ſchah, daß meine Worte ins Publicum drangen— von dort entſtellt durch die Preſſe in ganz Baiern verbreitet wurden; und von dem Tage an ward ich die Zielſcheibe von Schmähungen und Verleum⸗ dungen, wie ich nie geglaubt hätte, daß ſie in irgend einem Lande exiſtiren könnten.— Doch laſſen wir das— und zur Sache! Ich muß Ihnen von einigen Fehlern unſerer Armee ſprechen, denen ich einen großen Theil der Mißerfolge zuſchreibe, und da es nur ſach⸗ liche Fehler ſind, die wahrſcheinlich durch die neue Organiſation in kürzeſter Zeit beſeitigt werden, ſo kann ich dies ganz offen thun. Ich
glaube, daß gar viel daran lag, daß unſere Armee ſeit ſo langen
Jahren nie vollſtändig geweſen iſt, daß wir nie im großen manoeuvrirt haben, wie andere Nationen es thun— daß aus Erſparniß die Beur⸗ laubungen zu groß waren und endlich daß vom höchſten Officier bis zum Soldaten niemand einen rechten, feſten Begriff von. Ineinander⸗ greifen dieſer vielköpfigen Maſchine, die man eine Armee nennt, hatte. Denken Sie ſich— unſer letztes großes Feldmanoeuvre datirt von 1853; mehr noch— keiner unſerer Diviſionäre hatte je eine vollſtändige Diviſion geführt— kein Brigadegeneral eine Brigade; ja ſelbſt kein einziger Oberſt hatte ſein ganzes Regiment je zuſammen⸗ gehabt. Unſere Compagnien waren in Friedenszeiten häuſig bis auf 25 Mann reducirt— und daß man unter ſolchen Umſtänden nicht eine Armee bilden kann, die der preußiſchen ſich ebenbürtig ge⸗ genüber ſtellen könnte, liegt wohl klar auf der Hand. Was für dieſen Feldzug außerdem noch unendlich unheilbringend war, iſt der Umſtand, daß unſere großen Entlaſſungen am Ende des Monats April ſtatt⸗ gefunden hatten und daß die Bataillone, die im Monat Juni mit der kriegstüchtigen Diviſion Goeben kämpften, die ſchon den Krieg der Herzogthümer mitgemacht hatte, voll Rekruten, die erſt 6 Wochen Dienſtzeit hatten, geſpickt waren. gannen wir den Krieg...“
„Dürfte ich bitten, Excellenz, mir einiges über das numeriſche Verhältniß der bairiſchen Armee zu ſagen?“ unterbrach ich.
„Ja, es ſind darüber gar viele Unwahrheiten berichtet worden — oder vielleicht ſind es gar nur Irrthümer; man führte ſo und ſo
viel preußiſche Bataillone auf und ſtellte dann die Zahl der bairiſchen
Bataillone hin; nur vergaß man, daß die preußiſchen Bataillone
1001 Mann zählen, während die bairiſche Infanterie 850 Mann
per Bataillon hat und in den Jäger⸗Bataillonen nur 600. Mit einem Worte jedoch,— und da die Infanterie in dieſem Kriege am meiſten gezählt werden muß, ſo kann ich Ihnen mit Beſtimmtheit die Zahl der Gewehre auf 29,000 angeben.“
„Wie, Excellenz?“ rief ich, glaubend, falſch gehört zu haben 4
„nur.. „Ja,“ erwiderte er— ‚ich konnte nur über 29,000 Mann Infanterie beim Beginn des Kampfes disponiren, und ich glaube in dieſer Waffe ziemlil⸗——
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Dieſe Convention ſchrieb vor allen Dingen
Unter ſolchen Verhältniſſen be⸗


