Dr. Salomo wühlt in den Eingeweiden nach Entozoen, und der alte Schramm ſchneidet ſich die dreieckige Rückenfloſſe ab, um ſie auf den Klüverbaum zu nageln. Das bringt Glück und gibt eine ſchnelle Reiſe.
Als alle ihren Theil vom Fange erhalten, naht ſich noch Vogels Adjunct. Mit Kennermiene prüft er den Reſt der zuckenden Fleiſch⸗ maſſe. Ein Blick überzeugt ihn, daß er unbeobachtet iſt und ſich namentlich kein Cadett in der Nähe befindet. Dann blitzt unter der weißen Schürze ein Meſſer hervor, ein kühner Schnitt— und fünf⸗ zehn Pfund Hai ſind vor dem Ueberbordwerfen gerettet, um einem edleren Zwecke zu dienen.
Drei Tage darauf, als von dem Haifang nicht mehr die Rede iſt, erſcheint im„Salon“ zum Frühſtück ein neues Gericht, filet d'agneau aux truffes. Zwar haben die Trüffeln eine verdächtige Aehnlichkeit mit grauen Erbſen, und für einen Lammbraten iſt das Fleiſch etwas zähe, doch Vogel meint, das dürfe man nicht ſo genau nehmen, der Braten habe ſich ſeit Teneriffa nur in Eſſig conſerviren laſſen und ſei davon etwas hart geworden; jedenfalls ſei er aber vortrefflich zubereitet, und wenn er auch wegen ſeines ſchwachen Magens darauf verzichten müſſe, ſo verdiene der Koch doch ein Glas Cognac.
Der Abend iſt gekommen. Die Hauptronde des erſten Officiers hat dem ſchönen Tage und der beſcheidenen„Selbſtherrſchaft“ ein Ende gemacht, das Commando„Ruhe im Schiff“ den letzten Schwätzern den Mund geſchloſſen. Auf dem Oberdeck hört man nur noch hier und dort ein leiſes Flüſtern, und unten wiegt ſich die — Freiwache träumend in ihren Hängematten.
Ruhe und Friede herrſchen auch in der Natur. Die Sterne ſenden ihr mildes Licht hernieder, und auf das Waſſer zeichnet die
Sichel des Mondes den goldenen Weg, auf dem die Engel vom Himmel herniederſteigen, wenn ſie ein Menſchenkind beglücken wollen.
Auf der Commandobank ſteht ein Officier. Sein Auge ruht träumeriſch auf der Meeresfläche und ſeine Gedanken ſchweifen in weite Ferne.
Sie wandern über den Erdkreis und dann auf dem
Eine unverwüſtliche Pflanze.
Vor einigen Tagen ſah ich bei einem mir befreundeten Botaniker einen Portulak, die lewisia rediviva, jenes tropiſche Gewächs mit zwei⸗ ſpaltigem Kelch, mehrſpaltigem Griffel und einer rings umſchnittenen Kapſel, das ihm kürzlich von Californien zwiſchen mehreren Blättern Löſchpapier, von dicken Brettern gepreßt und mit ſtarkem Bindfaden zuſammengebunden, zum Geſchenk geſendet worden war. Dieſe Pflanze, bereits vor ein Paar Jahren gepflückt, hatte die lange Ueberfahrt, in der angegebenen Umhüllung, begraben unter einer Menge Sachen, im tiefſten Schiffsraume gemacht, ſo daß man ſie für vollkommen getrocknet halten durfte, ſtatt deſſen hatte ſie, in ihrer langen Gefangenſchaft, ſo kräftige Knospen getrieben, daß dieſelben durch das ſie umhüllende Papier hindurchgebrochen waren und daß ſie, aufs neue in die Erde gepflanzt, ſogleich kräftig weiterſproßte und raſch Blätter und Blüten hervortrieb.— Eine ähnliche Erfahrung hat der Doctor Legall in London gemacht. Entſchloſſen, ſein Herbarium mit einem Exemplar der Le⸗ wiſia zu bereichern, hatte er ſie in ſiedendes Waſſer getaucht, indem er hoffte, fie durch dieſe gewaltſame Behandlung zu tödten. Aber die Lewiſia, nach⸗ dem ſie die harte Probe überſtanden, proteſtirte trotz alledem gegen ihre Ver⸗ nichtung durch neue Knospen, welche bald zu Blättern wurden. Der engliſche Gelehrte mußte ſchließlich, wie mein deutſcher Freund, einem ſo energiſchen Widerſtande und einer ſo ſtarken Liebe zum Leben nachgeben, und heute ge⸗ deiht ſeine Pflanze, kräftig und glänzend, in den königlichen Kewgärten nahe bei London. L. F.
Eine Landesherrliche Verordnung aus dem vorigen Jahrhundert.
Wenn die freundliche Leſerin Morgens oder Nachmittags dem um ſie verſammelten Familienkreiſe den erfriſchenden Labetrunk des jetzt unentbehr⸗
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Am Jamilientiſche.
goldenen Wege des Mondes um viele, viele Jahre zurück in die Ver⸗ gangenheit, in die glückliche Zeit ſeiner Kindheit, als noch das lie⸗ bende Mutterauge über ihm wachte und ihr Mund ihm lächelte. Sie iſt lange zur Ruhe gegangen, die zärtliche Mutter, ſeine einzige Freundin, und ſchlummert in kühler Erde. Verlaſſen iſt ihr Kind in die kalte Welt hinausgeſtoßen, und ſchwere Jahre ſind über ſeinem Haupte dahingezogen. Der Knabe iſt zum Manne gereift, er hat durch eigne Kraft ſich emporgeſchwungen, aber auch durch vieles Leid, und keine weiche Hand hat die Falten von ſeiner Stirn geglättet, keine tröſtende Stimme zu ſeinem Herzen geſprochen, wenn Kummer daran zehrte. Einſam und liebeleer iſt er durch das Leben gegangen; für das ungeſtillte Sehnen in ſeiner Bruſt hat er Erſatz in ſeinem ernſten Berufe geſucht. Das Schiff iſt ſein Haus, das Meer ſeine Heimat, in ihnen glaubte er glücklich zu werden. Ob er es geworden? Weshalb läßt er die Bilder ſeiner Jugend vor ſeiner Seele vorüberſchweben, weshalb glaubt er im leiſen Rauſchen der Wellen die Stimme der Mutter zu vernehmen und ihren Kuß zu fühlen, wenn der laue Wind ſanft ſeine Wangen fächelt? Und am fernen Horizonte, am Ende des goldigen Weges ſteigt jetzt noch ein anderes Bild vor ſeiner Seele auf. Wie ſtrahlt es in hellem Glanze, wie ergreift es ihn ſo wunderbar und läßt ihn in Wonneſchauern erbeben. Hasta mannanal rauſchen die Wellen und flüſtert der Wind. Wie das ſo lieblich klingt, wie ſie ſo bezaubernd lächelt und die ſchwarzen Augen ſich ſo tief in ſein Herz ſenken! Eine Wolke zieht über den Mond, der goldene Weg und das Bild ſind verſchwunden. Der erſte Officier verläßt das Deck und ſucht die Ruhe. Aber mit ſich nimmt er einen himmliſchen Troſt— die ſeligen Tage ſeiner Jugend kehren wieder, ein liebendes Herz denket ſein. Und als ſanfter Schlummer ihm die müden Lider ſchließt, da rauſchen wieder die Wellen und es flüſtert der Wind— hasta mannana!.
III. Jahr
Dies wollen wir auch, ihr ſollet den reichen Halbbrüdern deutſcher Nation Holz und Wein, aber kein Geld mehr für Coffe ſchicken; alle Töpfe, vornehme Taſſen und gemeine Schälgen, Mühlen, Brenn⸗Maſchinen, kurz alles, zu welchem das Beywort Coffe zugeſetzt werden kann, ſoll zerſtört und zertrümmert werden, damit deſſen Andenken unter unſern Mitgenoſſen zernichtet werde. Wer ſich unterſtehet, Bohnen zu verkaufen, dem wird der ganze Vorrath confiscirt, und wer ſich wieder Sauf⸗Geſchirr dazu anſchafft,
Nach die ein Gepolter, geöffnet, vor ein baumlangen wordenes Haa
kommt in Karren.“ K
Das„hiſtoriſche, topographiſche, biographiſche monathliche Tage⸗Buch appe badecke der neueſten in⸗ und ausländiſchen Begebenheiten und Anmerkungen“(Zittau ſtalt ein. We 1781), dem wir dieſe Verordnung entnehmen, bemerkt dazu, gleichſam recht⸗„Cuer Bekann fertigend, in einer Fußnote:„Ein Müller geſtund, wenn er ſeine Mahl⸗ wünſcht E Mühle ohne ſeiner Frau Coffe⸗Mühle allein gehabt hätte, ſo wäre er ein„wünſch. uch reicher Mann. So geht's noch vielen, das kleine Bohnen⸗Mühlgen geht„Tretet ein,“ doch, wo oft kein Bißgen Brot zu finden iſt.“ Ich komme hal
Uebrigens hatte bereits im vorhergehenden Jahre Friedrich der Große Es war mit die Ritterſchaft des Fürſtenthums Halberſtadt, die wegen der von ihm ange⸗ ſtand 3 ordneten Kaffeeverſteuerung auf dem Lande ſich mit Vorſtellungen an ihn 4 ndden umher gewandt hatte, durch ein Reſcript abſchläglich beſchieden, worin ihnen die Inſtrumente. zur Wohlfahrt des Landes dienende Abſicht jener Verordnung, nämlich„die ein Fernrohr 1 Minderung der Greuel der immer allgemeiner werdenden ſtand auf ei Goffee-Consumtion und die durch ſolche verurſachte ungeheure Ver⸗ defindl eln ſchleifung des Geldes außer Landes ernſtlich zu Gemüthe geführt und dabei efindlich wa erinnert wird, daß durch dieſe Erſchwerung das Landvolk wieder ans Bier Der Alte hat zum eigenen Vortheil der Ritterſchaftlichen Brauereien gewöhnt werden ſollte,“
ſchen von der ſeden nicht an ſchemel waren gehr fragte
und worin es zum Schluſſe heißt: „Auch Se. Königl. Majeſtät ſind Höchſt ſelbſt in Dero Jugend mit Bier⸗Suppen erzogen, mithin köͤnnen die Leute dort ebenſo gut mit Bier⸗Suppen erzogenwerden,
lichen Kaffees einſchenkt, fällt es ihr gewiß nicht ein, daß vor kaum 90 Jahren das iſt weit geſünder wie der Coffee“ rühmten pro dieſer harmloſe Genuß von liebevoll um das Wohl ihrer Unterthanen beſorgten gegnete Bied Regierungen auf das heftigſte verfolgt wurde. Und doch war dem ſo, wie Inhalt: Das Geheimniß des Fürſtenhauſes.(Fortſ.) Novelle von G. Hiltl. ſeid ein I folgende„Hildesheimiſche Landesherrliche Verordnung“ vom— Der Reformator der deutſchen Stenographie. Von O. Glagau. Mit Stolzes E Nan Mesrs 1781 bezeugt. Sie lautet: Porträt.— Die Börſe der Unſterblichkeit. Von Bruno Krüger.— Hundecharak⸗ eine ſeltene „Eure Väter, deutſche Männer, tranken Brandtwein, und wurden bei tere. Von A. Müller. II. Der Pinſcher. Mit Illuſtr. von Deiker.— Bilder die Zukunft Bier, wie Friedrich der Größe, auferzogen, waren fröhlich und guten Muthes.]· aus dem Seeleben. Von R. Werner. XI. Im Paſſat.— Am Familientiſche. Zunge legte —,„. 1 I er a Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17. b nns keinen
er angen. 4
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig es errat en,“ Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen a Klafing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Fiſcher a Wittig in Leipzig. 4 d ger u c würde t e C
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