Mag Gewohnheit manches Schwere weniger fühlbar machen, mag der ununterbrochene Kampf mit den Elementen eine gewiſſe Be⸗ friedigung und dem männlichen Selbſtgefühle Reiz gewähren— es ſchlummern tief im Herzen auch noch zartere Saiten. Zu ihnen ſtimmen die Disharmonien der Natur und des Lebens nicht; ſie erklingen nicht in Sturm und Nacht, ſondern nur im goldigen Sonnen⸗ lichte, wenn Friede und Stille auf dem Meere und im Herzen woh⸗ nen und Gottes Antlitz freundlich auf die Menſchheit herabſchaut.
Dann aber ertönen ſie um ſo lieblicher, und der ſtrenge, ernſte Mann, der trotzig und kalt dem brüllenden Orkane entgegentritt, der vor dem Brauſen der Waſſer nicht erbebt— er lauſcht willig ihren harmoniſchen Klängen und ſie legen ſich weich und warm um ſein Herz. Es ſchwinden Trotz und Ernſt, Heiterkeit und Milde ziehen ein an ihrer Statt und mit kindlich empfänglichem Gemüth nimmt er in ſich auf, was ſein ſchweres Leben an ſchönen Augenblicken ihm darreicht.
Solche Lichtblicke bieten ſich ihm nicht häufig; aber es gibt deren von wunderbarer Pracht, und ſie erwärmen das Herz auf lange Zeit. Das Trübe, was uns bedrückte, und das wir nicht tragen zu können vermeinten, es verſinkt im Strome der Vergeſſenheir; aber das Schöne uund Erhabene haftet in der Seele. Die Zeit verwiſcht es nicht, ſondern hält die Farben friſch und jung in unſerm Er⸗ innern.
So iſt es mit dem Paſſat. Wer einmal ihn zu Schiffe durch⸗ zog, vergißt ihn nicht; er bewahrt für immer die Eindrücke, die er dort erhalten und zehrt von ihnen ſein Leben lang.
— Das Meer im Sturm iſt groß; die grollende Natur ſpricht mit Donnerworten zum Menſchen und läßt ihn erzittern vor der Allge⸗ walt des Schöpfers. Das Chaos der brandenden Wogen, wie ſie am ſteilen Fels den dampfenden Giſcht himmelan tragen und alles Menſchenwerk vernichtend zermalmen, es iſt erhaben, überwältigend; aber dem Herzen thut es nicht wohl, es erfüllt nur mir Bangen und Grauen.
Wie anders iſt es im Paſſat! Wie ſchön und lieblich ſchaukelt es ſich auf den kryſtallenen Fluten, in denen das Blau des Himmels ſich wiederſpiegelt. Kein Sturm thürmt je die Wogen, keine Wetter⸗ wolke zieht drohend am Horizonte herauf. Ruhe, himmliſcher Friede, Sonnenlicht überall, wohin das Auge ſchaut. Gleichmäßiger, ſanfter Wind ſchwellt die Segel; im neckiſchen Spiel tändeln die leichten Wellen, das durchſichtige Haupt mit duftigem Perlenſchaum gekrönt, und leiſe rauſchend zieyt das Schiff durch ſie ſeine Bahn.
Der Paſſat iſt das Eldorado des Seemanns. In ihm findet er Entſchädiguug für die ſchweren Tage der nordiſchen Gewäſſer und ſammelt neue Kraft zu den ihn im Süden wieder erwartenden Kämpfen. Hier umnachtet ihn kein Nebel, es drohen keine Klippen, und das ſpähende Auge ſtarrt nicht vergeblich in das Dunkel, um den warnenden Leuchthurm oder entgegenkommende Schiffe zu ent⸗ decken.
Sanft wiegt er ſich mit ſeinem Schiffe auf den friedlichen Ge⸗ wäſſern, über denen ein ſtets heiterer Himmel ſeine lichte Kuppel wölbt. Unverhüllt entſteigt die Sonne dem Meere und beſchreibt ihren ſtrahlenden Kreislauf am Firmament, um eben ſo klar und goldig wieder hinabzutauchen in die blaue Flut. Ihr erwärmender Hauch zaubert überall Leben aus der Tiefe, und eine Welt von Wun⸗ dern eröffnet ſich dem ſtaunenden Blicke.
Hier im Paſſat hat das Meer ſeine Schrecken verloren. Wohl gibt es auch hier tauſendfältig Zeugniß von der Allmacht Gottes, aber ſie offenbart ſich nicht in Zornworten, ſondern in liebevoller, freundlicher Weiſe.
Der Körper fühlt ſich leicht und frei unter dem belebenden Ein⸗ fluſſe des Lichtes und der Wärme, und mit ihm der Geiſt; die Bruſt athmet mit vollen Zügen die ſchöne freie Gottesnatur, und das Auge ſtrahlt in Frohſinn und Heiterkeit.
So iſt es auch heute auf dem„Seeſtern.“
Seit acht Tagen iſt die ſchöne Inſel verlaſſen. Als man den Anker lichtete, ward es zwar manchem eigen ums Herz! Dort unten an der Landungsbrücke flatterten ſo viele weiße Tücher luſtig im Winde; aber die Hand, die ſie trug, zitterte. Der Gruß, den ſie brachten, war kein fröhliches Willkommen, wie ſonſt, ſondern ein bitterer Schei⸗ degruß; ihn begleitete kein lächelndes hasta mannana, ſondern ein thränenumflortes Adios.
Und als Abends ſich ein grauer Nebelſchleier auf das liebliche
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Teneriffa herabſenkte, als die letzten Strahlen der ſcheidenden Sonne
das ſchneebekränzte Haupt des mächtigen Piks küßten und dann die
Nacht auch über ihn ihren dunkeln Mantel breitete, da klang das Adios noch einmal ſo ſchmerzlich in der Seele nach. Galt es nicht für immer?
Doch acht Tage und der Paſſat haben lindernden Balſam auf die Wunden gelegt. Die Sorgen ſind über Bord geworfen, und aus den Geſichtern lacht innerliche Zufriedenheit. Der Seemann mag nicht gern rückwärts ſchauen; vor ihm liegt das Leben, von dem er Gutes hofft, und wenn er ſich der Vergangenheit erinnert, hat er nur ihre Lichtſeiten feſtgehalten.— Wie das wogt und ſummt auf den Verdecken der Fregatte. Hier erſchallt luſtiges Gelächter, dort tönt Geſang, überall herrſcht munteres Leben. Iſt heute etwa ein Feſt? wo iſt der feierliche Ernſt des„Seeſtern“ geblieben? Nun es iſt Sonntag Nachmittag, und der iſt für die Mannſchaft eines Kriegs⸗ ſchiffes immer ein Feſt, denn er gehört ihr. An ihm erſcheint der Matroſe in ſeiner eigenthümlichen Individualität und überläßt ſich für einen halben Tag dem behaglichen Gefühle, ſein eigner Herr zu ſein. O wie das wohlthut, nach dem langen Zwange! Freilich der Seemann macht wenig Anſprüche an das Leben, denn mit dem „eigenen Herrn“ hat es nicht viel auf ſich; er beſteht hauptſächlich in negativen Vorzügen. Es wird nicht exercirt, der gemuthmaßte Staub nicht ſechs, ſondern nur drei Mal gefegt, die ſchwarze Liſte ſchabt nicht den Roſt von den Ankerketten, aber es wird auch nicht ſo ſtrenge auf Ruhe gehalten, wie ſonſt, und grade dies letztere be⸗ trachtet der mittheilſame Seemann als eine große Wohlthat. Ein wenig ſchwatzen, ein kleines„Garnſpinnen“— das iſt doch ein wahres Labſal. Und nun erſt das Singen! ein gutes fröhliches Lied, namentlich wenn es ſo recht nach Salzwaſſer ſchmeckt, das geht noch weit über das Schwatzen, dafür läßt er ſelbſt ein Glas Grog im Stich.
Im Zwiſchendeck iſt es ziemlich leer. Das ſchöne Wetter hat die meiſten in die Batterie und an Deck gelockt, nur einige Dutzend Seeſoldaten ſind unten geblieben. Natürlich ſchlafen ſie; Seeſol⸗ daten ſchlafen immer, wenn ſie nicht auf Wache ſind; es liegt einmal in ihrer Natur. Was könnten ſie auch Beſſeres thun? Sie ſind keine Seeleute, fühlen ſich nicht an Bord heimiſch, wiſſen ſich nicht in die Verhältniſſe des Schiffes zu ſchicken und ſind unter den Matroſen überall die Gefoppten. Da ſuchen ſie dann Troſt im Schlaf, aber auch dieſer wird ihnen oft vergällt, und ſchon haben einige loſe Blau⸗ jacken die träumenden„Tümmler“, wie die Soldaten von den Ma⸗ troſen genannt werden, mit ſo kunſtgerechten Schlingen aneinander feſtgebunden, daß ſie wenigſtens eine halbe Stunde brauchen, um ſich wieder loszumachen.
Im hintern Theile des Zwiſchendecks, in der Kammer des Botteliers, ſitzt aber auch noch eine wachende Geſellſchaft. Der Botte⸗ lier iſt der mit Verausgabung des Proviants betraute Unterofficier und eine Perſönlichkeit, deren Freundſchaft an Bord ſehr geſucht iſt, weil er die Stoffe zu einem guten Glaſe Grog— nicht zu ſtark von Waſſer und ſteif wie eine Bramſegelskuhlte— unter ſeiner Obhut hält. Gewöhnlichen Matroſen gelingt es ſehr ſelten, in intime Be⸗
ziehungen zu ihm zu treten, und ſelbſt junge Unterofficiere werden—
kalt von ihm behandelt. Dagegen ſteht er mit den älteren Kame⸗ raden auf gutem Fuß. Heute iſt Clubtag bei ihm; die alten Knaben haben es ſich in dem engen Raum ſo bequem wie möglich gemacht, ſchlürfen mit Behagen den aus den Erſparniſſen der vorigen Woche bereiteten und nach der Ergiebigkeit der ſchwarzen Liſte diesmal ſehr kräftig ausgefallenen Nektar und rauchen ihren„Stummel“ dazu. Doch beides iſt Contrebande, und der Club hat deshalb die Stunde gewählt, während der der erſte Officier ſeine Mittagsruhe hält. Auch iſt die Thür ſorgfältig verſchloſſen, damit der verrätheriſche Duft nicht in das Zwiſchendeck dringt und indiscrete Zuſchauer her⸗ beilockt. Neben der Bottelierskammer liegt die Cadettenmeſſe, jener 24 Fuß lange und 8 Fuß breite Raum auf Fregatten, in den nie Tageslicht dringt, deſſen Inneres zu fünf Sechſtel durch einen ſchweren Tiſch und zwei hölzerne Bänke ausgefüllt wird und in dem zwölf junge hoffnungsvolle Burſche lernen, drei Jahre lang ſich mit 2 Quadratfuß Platz zu behelfen und dabei allerlei luſtige Streiche zu machen. Eine ſtets in Unordnung befindliche Lampe verbreitet ein zweifelhaftes Licht, und auf den längs den Wänden laufenden Re⸗ galen liegen die heterogenſten Gegenſtände in genialſter Unordnung durcheinander. Man hält es kaum für möglich, daß zwölf Menſchen
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und beim Sonntag Wceladen wird, liegt dieſe ſind vom Kell ſehr ſchön geſchriebe
Es iſt keine bereiten, wenn man Stück Rindſleiſch,d der Pökel gelegen, thranige Möve in ei das iſt wahre Kun Heute zum D Gänge außer dem⸗ meſſe, die beim Vo Soupe au 8 Mehl. Fricassée
befindlichen Fleiſ haben. Lander
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mit vereinſamten braten. Deſſert käſe. Letzterer i ſtände; er hält ſie
Das ſind die regalirt hat und di ſchönen Namen ha immer die heitere teugen nicht wenig ſchaft in der Batte — Vogels. Der der blakenden Lan
Carricaturen ſeine derſellen— Kurz legen laſſen, und ſi Officier in die Här nue e zeichner abnehmen
ſein muß.“ Dabei holt den Deliquenten 4 lätter, und uan ad ahnit — ſelbſt du


