Jahrgang 
13-26 (1867)
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habt mich ſchon erwartet, lachte er.Aber ich mußte vorſichtig ſein, in der Nähe der Gertraudenbrücke war ein großer Zuſammenlauf. Ein Spreeſchiffer iſt dort geſunken mit ſeiner Ladung, und ich gerieth in das Gewimmel von Kähnen, die alle von dem großen Manufactur⸗ Spinnhauſe in Köln abgefahren ſind. Ich habe hier vielleicht doch noch Bekanntſchaften, die ich nicht erneuern möchte.

Wie ſteht Euer Handel, mein Vater? fragte der Baron,

ich bin mit dem meinigen zufrieden.Ich habe davon gehört,

ſagte der Pater.Nun, ich kann bis jetzt nur von dem Eindruck ſprechen, den das Erſcheinen des Schriftſtückes auf den Kurfürſten machte, und das war ein für meine Plane günſtiger. Die Durch⸗ laucht waren ſehr ergriffen und ſind gleich darauf in ihr Cabinet ge⸗ eilt. Heute iſt eine Conferenz mit Herrn von Danckelmann geweſen. Danckelmann? erwiderte Freytag,das dürfte Ihnen nicht günſtig ſein.Mein Freund, begann der Pater,rechnen Sie nicht zu ſchnell. Was ich bezwecke, bedarf der Ruhe, des allmählichen Vorſchreitens. Glauben Sie nicht, daß ich auf plötzliche, gewaltige Effecte rechne. Festina lente! Ich will den Boden ackern, bevor ich ihn bebaue und mit der Saat fülle, die ich mir in Bereitſchaft halte. Mir iſt des Kurfürſten hohes Streben bekannt. Wird er nicht ein⸗ willigen, zu Gunſten unſerer Kirche etwas zu gewähren, zu vollbrin⸗ gen, wenn wir ihm die glänzende Ausſicht zeigen?Wie, Sie rechnen auf eine Convertirung des Kurfürſten?Weshalb nicht, die Fürſten hier im Norden müſſen ja die Augen nach Rom richten, denn der gewaltige König von Frankreich drängt ſie zuſammen mit ſeiner Heeresmacht, wenn ſie nicht Schutz ſuchen beim Kaiſer Leopold, der doch nur ein williger Diener der Kirche iſt. Wir ſind jetzt eben ſo thätig in Dresden, als hier, mit einem der Herren wird es uns ge⸗ lingen. Die Auffindung des Codicills hat mächtig gewirkt ich weiß es.

Man wird ſeine Unächtheit erkennen.Glauben Sie nicht. Es iſt trefflich nachgemacht, und vor allen Dingen iſt es jedem ohne Zweifel unbegreiflich, wie das Schriftſtück in die Archive ge⸗ kommen ſein ſollte, ohne auf Befehl des Kurfürſten ſelig da hinein⸗ gelegt worden zu ſein. Ernſt Metternich hat die delicate Sache aus⸗ geführt und hat dreitauſend Ducaten geopfert.Aber erklären Sie mir nur, wie iſt es bewerkſtelligt worden? Der Pater lächelte pfiffig und rieb mit dem Zeigeſinger die Seitenfläche der Naſe.Hm, ſagte er,ich bringe mich da um ein Verdienſt. Aber es mag ſein. Am Tage nach dem Ableben des Kurfürſten Friedrich Wilhelm hat der Kammerdiener des jetzigen Herrn, der Biedekap, das Document erhalten. Vor dem Archive war eine Schildwache aufgeſtellt, aber der Kammerdiener hat den Weg über den kleinen Eishof genom⸗ men, iſt von da durch die Kaminheizung geklettert und in das Gemach gekommen. Die Schränke hat er mit dem Schlüſſel des Kurfürſten geöffnet man hat einen Fehler begangen, die Thüren waren nicht verſiegelt.Dieu de Dieu! ſagte Freytag,der Mann ſpielt um ſeinen Kopf.

Er erhält dreitauſend Ducaten, ſagte Wolff, gleichgültig ſeine Beine übereinander ſchlagend,und ich habe meine Pflicht ge⸗ than, ebenſo Metternich.

Der Baron ſtand auf. Er war verdrießlich.Sie ſpielen ein gewagtes Spiel, mein Vater, ſagte er.Und wenn Sie es ver⸗ lieren, dann kann es ſich leicht ereignen, daß nicht Sie allein, ſondern auch ich und noch einige andere ſchlecht wegkommen.

Ich ſtehe für alles! rief der Pater, ſich ebenfalls erhebend. Es iſt gefährlich, in dieſem Lande alſo zu handeln, wie wir es thun aber die Gefahr reizt gerade, der Triumph, den ich hier feiern könnte, der würde mich für alles entſchädigen, was ich zu dulden haben könnte. Ha! welch eine Luſt, wenn hier in der Mark Brandenburg vielleicht an der Stelle, wo dereinſt Joachim der Zweite das Abendmahl nach der Lehre Luthers nahm, in jener Kirche zu Spandau an der Havel die Weihrauchwolken wieder ſtrömten, oder wenn in dem Schlofſe zu Berlin die Hoſtie erhoben würde und die ganze Fa⸗ milie des Fürſten kniete nieder vor dem Prieſter, der die heilige Meſſe lieſt die katholiſche Chriſtenheit hätte einen Tempel inmitten der Stadt, welche die Verbannten aus Frankreich aufnahm es wären die Wallfahrten geſtattet mit Kreuz und Fahnen welch ein Triumph! ja das iſt mein Beſtreben, meine Arbeit, deshalb habe

ich Breslau verlaſſen, bin nach Wien und von Wien hierher geeilt.

Ich mußte eintreffen vor dem Tode des großen Kurfürſten, damit der erſte Stein gelegt werde. Einen Wink hat Kurfürſt Friedrich er⸗

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halten, er ſoll ihm eine Leuchte ſein möge er den rechten Weg ſinden. Ich aber laſſe mich nicht irren ich ſtürme weiter mit den Waffen in der Hand, die ich mir ſchmieden werde oh, wenn ich

dieſen Tag erlebte, dann wollte ich gerne verſcheiden. Der Pater hatte ſich hoch aufgerichtet, ſein Antlitz ſtrahlte, die Schärfe der Züge voll Klugheit und Willenskraft war dem Hauche der Begeiſterung ge⸗ wichen und hatte einer Art von Glorie Platz gemacht, die ſein Haupt zu umgeben ſchien.Sie ſchwärmen, mein Vater, rief der Baron. Sie halten Dinge für möglich in Ihrem Feuereifer, die nicht aus⸗ führbar ſind wir leben hier in der böſen, philoſophirenden Stadt Berlin, wo ein Leibnitz, ein Beauſobre und dergleichen Leute Zutritt haben.

Der Pater fuhr mit einem ſeidenen Taſchentuch über ſein er⸗ hitztes Geſicht.Es iſt wahr, ſagte er ruhiger,ich war wieder der eifernde Apoſtel für meinen Orden ich muß bedächtiger zu Werke gehen richtig, fuhr er wieder heftiger werdend fort,die Leute, welche Sie nannten, müſſen wir entfernen, der Kurfürſt muß mit Männern umringt werden, die zu unſern Dienſten ſind. Dieſer Danckelmann muß ſtürzen, an ſeiner Stelle ein ergebener, treuer Freund treten; die philoſophiſche Kurfürſtin Sophie Charlotte muß ein wenig bei Seite gedrängt werden, oh, welche Frauen gibt es in Paris, wie großartig greifen ſie ein in das Räderwerk der Ge⸗ ſchichte; dafür iſt Frau von Maintenon auch die Unumſchränkte, er hatte es leicht, der gute Pater La Chaiſe, er konnte wirken, oh, mir klebt die Zunge am Gaumen. Baron, laßt Wein kommen, Mathias kennt mich, ich muß mich ein wenig erquicken. Frey⸗ tag klingelte, und nach wenig Augenblicken ſtand ein Krug, mit altem Weine gefüllt, vor dem Pater.

Wolff leerte haſtig ein Glas.Ich werde die Gemüther er⸗ ſchüttern, ſie vorbereiten auf kommende Dinge, fuhr er fort.Das erſte Mittel war jenes Document. Sie dürfen im Schloſſe zu Berlin nicht zu Athem kommen, eine ſeltſame Erſcheinung muß die andere drängen, ſie müſſen getrieben werden zum Nachdenken, zum Grübeln, dann kann man auf ſie eindringen. Vor allen Dingen iſt es noth⸗ wendig, daß jenes Document nicht in dem Beſitze des Kurfürſten allein bleibe, dieſes Geheimniß muß an das Tageslicht ſteigen es muß bekannt werden, daß der große Fürſt, der entſchlief, ein Freund unſerer Kirche war. Der Kaiſer wird ſich auf die Schrift berufen, und wenn wir den Kurfürſten in das Gedränge brächten, wenn wir ihm zeigen, aus der Ferne zeigen, hier iſt der Preis: die Krone eines Königs wer weiß, ob er dann nicht die Hand reicht?Sie wollen das Teſtament veröffentlichen? rief erſchrocken der Geſandte. Ja, es muß verbreitet werden, dieſes Codicill die Leute müſſen es erſt heimlich, dann öffentlich leſen. Ich war zwei Jahre als Ihr Kaplan in Berlin, ich kenne den Boden. Hier gibt es ſeltſame Leute, geheimnißvolle, wunderliche Menſchen, denen das gemeine Volk, wie die Großen, Glauben ſchenken, Propheten, wie ſie nur gewünſcht werden können, die von den Wundern der Zukunft reden, die Ge⸗ müther erhitzen und feſſeln. Ich habe einen Plan, den ich reifen laſſen muß. Ich gehe zu einem ſeltſamen Menſchen.

Der Geſandte ſtarrte den Pater betroffen an.

Das Wunderbare zieht die Gemüther mächtig an. Die Men⸗ ſchen glauben alles, wenn der Rechte es ihnen ſagt, und vermögen wir nur die Gegner aus des Kurfürſten Nähe zu entfernen, dann iſt ein großer Schritt geſchehen. Schleudern wir Prophezeiungen in die Welt, welche den baldigen Triumph unſerer Kirche verkünden, ge⸗ wöhnen wir die Leute an den Gedanken, daß die Kirche einſt Siegerin ſein könne, das iſt die Brücke, über welche wir ſchreiten mit den flatternden Bannern und der ſchmetternden Muſik des Triumphes.

Er blickte auf die Uhr.Zehn Uhr, ſagte er,lebt wohl für heute. Ich thue einen Gang in meinem Dienſte. Habt keine Sorge um mich. Mein Leben gehört meinem Orden, meiner Pflicht. Er ſchlug den Mantel um und drückte den Hut wieder in ſein Geſicht. Dann ſchüttelte er dem Baron die Hand. Freytag geleitete ihn durch den Vorſaal, wo Mathias ihn erwartete. Der Pater ging durch das Hintergebäude und dann den Gang am Spreefluſſe ent⸗ lang, bog in die kleine oder Spreegaſſe und eilte von hier in die Brüderſtraße, welche, hell vom Mondlichte beſchienen, vor ihm lag.

Der Pater ſchritt langſam die mondhelle Straße hinab bis zum 1

Domplatze. Hier wendete er ſich links und ging über die Schleuſen⸗ brücke, welche den Stadttheil Köln mit dem Friedrichswerder ver⸗ band. Nur wenige Leute begegneten ihm in dieſem Straßenviertel,

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