für ſich bewohnt oder mit Eltern, Verwandten oder ſonſt jemandem; ob und wie viel Kühe, Schafe, Schweine, Federvieh er ſein Eigenthum nennt ꝛc.
Der geplagte Bräutigam erträgt dieſe Tortur mit ſtoiſchem Gleichmuthe. Er ſtellt ſeinen Reichthum im glänzendſten Lichte dar, bejaht oder verneint nach Umſtänden und erhält zuletzt von dem Schwiegervater mit dem grimmig⸗ ſten Geſichte eine directe abſchlägige Antwort, einen Korb in allerbeſter Form. Der Herr Bräutigam ſcheint ſich dies jedoch nicht ſehr zu Herzen zu nehmen. Er kehrt eben ſo heiter nach Hauſe zurück, wie er gekommen. Er verliert weder den Muth, noch zerzauſt er ſein Haar— was kümmern ihn die Schwieger⸗ eltern, er weiß ſich mit ſeiner Braut einverſtanden, und das genügt ihm.
Unverdroſſen geht er des andern Tages an ſeine Arbeit, verrichtet die Woche hindurch ſein gewohntes Tagewerk, und niemand ahnt, daß in ihm ein heroiſcher Plan zur Reife gedeiht.
Eines ſchönen Abends ſpannt er plötzlich ſeine drei beſten Pferde vor den Wagen, bindet die Glocke im Krummholz mit Riemen feſt, damit ſie ſtumm bleibt, leiht, wenn er ſelbſt nicht drei Pferde beſitzt, die fehlenden vom Nach⸗ bar und ladet ihn auch zur Begleitung ein, die nie verweigert wird.
Leiſe und in tiefem Dunkel verläßt das Gefährt das Dorf und ſchlägt den Weg zur Wohnung der Braut ein. In der Nähe derſelben angekommen überläßt der Bräutigam Pferde und Wagen ſeinem Begleiter und ſchleicht in aller Stille zu der auf ihn harrenden Geliebten. Dieſe ſitzt bereits in einem vom Hauſe abgelegenen hölzernen Speicher, umgeben von ihren ſämmt⸗ lichen in Ballen und Kiſten verpackten Habſeligkeiten.
Die impertinenten Wächter des Hauſes, die Hunde, ſind längſt durch Einſperren ſtumm gemacht, und unter dem Schutze der Dunkelheit beginnt jetzt der junge Mann mit ſeinen Begleitern mit größter Diebesfrechheit alles, was er im Speicher vorfindet, auf den Wagen zu packen. Zuletzt nimmt er auch die Braut mit, und geräuſchlos, wie er gekommen, fährt er zum Dorfe hinaus. Sobald aber die erſte tiefe Schlucht hinter ihm liegt, wird angehalten, die Glocke losgebunden und dann geht es dahin im wilden Galopp über Stock und Stein, daß das Glöckchen laut durch die ſtille Nacht tönt, dem heimiſchen Dorfe zu.
Hier empfängt die Mutter des Bräutigams die künftige Schwiegertochter mit liebender Zärtlichkeit und führt ſie wiederum in eine abgelegene Scheune, wo ſie ſo gut wie möglich mit Speiſe und Trank verſehen, gebettet und— eingeſchloſſen wird.
Ihre fernere Wohlfahrt iſt nur der Schwiegermutter oder in Ermangelung derſelben einer weiblichen Verwandten des Bräutigams anvertraut, und dieſer bekommt ſie nicht wieder zu ſehen, bis der Prieſter zum chriſtlichen Ehebunde ihre Hände ſegnend in einander legt.
Wieder vergeht für den jungen Mann eine Woche, wie ſo viele ſeines Lebens, bei gewohnter Arbeit.
Dann legt er abermals ſeinen Sonntagsſtaat an, vertauſcht auch wohl, um einen tieferen Eindruck zu machen, die Sandalen mit derben dickbeſohlten Lederſtiefeln und fährt langſam zu dem Dorfe der Braut, diesmal allein, aber auf dem Wagen liegt ein Schaf oder eine Kuh oder ein Füllen folgt angebunden.
So erſcheint er zum zweiten Male vor dem auf das tiefſte betrübten und gebeugten Schwiegervater, der ihm das große, ihm widerfahrene Unglück, die Entführung ſeiner Tochter klagt.
Der junge Mann nimmt den innigſten Antheil an dem Kummer, tröſtet und räth hin und her, wer wol der Entführer ſein könne, bis er ſchließlich unter wunderlichen Geſticulationen ſich ſelbſt zu der That bekennt.
Der Alte wird zornig und überhäuft den Räuber ſeines Kindes mit den bitterſten Vorwürfen und Drohungen, die letzteren jedoch wenig zu berühren ſcheinen. Er bietet ganz kaltblütig ein Schaf zur Verſöhnung an. Der Alte ſchlägt es aus. Es folgt eine Kuh. Die Vorwürfe des Schwiegervaters nehmen eine mildere Form an. Schließlich wird ein ſchönes Füllen offerirt, und der Zorn des Alten iſt vollſtändig beſänftigt. Der junge Mann ertheilt jetzt den Rath, das Füllen, welches noch keine Arbeit gethan, dem heidniſchen Gotte Kirenict zu opfern. Ganz zufriedengeſtellt, willigt der Alte ein und — wird zur Hochzeit eingeladen.
Dieſe ſelbſt wird hierauf publicirt und in den Dörfern der Umgegend be⸗ reitet ſich alles zu dem Feſte vor.
Am beſtimmten Tage ſtrömen die Gäſte lärmend und jauchzend zum Dorfe des Bräutigams; Wagen, auf denen jede Familie ein Fäßchen ſelbſt⸗ gebrautes Märzbier mit ſich führt, rollen raſſelnd und mit hellem Glocken⸗ geklingel durch die Straßen, und Cavalcaden junger Leute, geſchmückt mit bunten und am Hute flatternden baumwollenen Tüchern erſcheinen im vollen Galopp von allen Seiten.
Dann geht es zur Kirche und nach vollzogener Trauung zurück ins Dorf, wo ein endloſer Schmaus beginnt, bei dem Bier und immer wieder Bier ſo lange in hölzernen Trinkſchalen die Runde macht, bis die Gäſte taumelnd nach einander ein ſtilles Plätzchen ſuchen, um im Traume weiter zu trinken.
Am andern Tage geht die Feſtlichkeit wieder an.— Doch es fehlt die junge Frau. Man ſucht und findet ſie nicht; Thüren werden geöffnet und wieder zugeſchlagen, es wird gelärmt, getobt, man macht Witze, vollführt die lächerlichſten Geſticulationen, bis endlich jemand ſo glücklich iſt, die Verlorne zu entdecken. Die Aermſte ſitzt verſchleiert und mit einem großen Bettlaken bedeckt in irgend einem Schuppen. Sie wird unter Jubel hervorgeholt und die Zielſcheibe aller möglichen Poſſen und Witze, und dies Fegfeuer dauert ſo lange, bis der Genuß des ſtarken Bieres die Neckenden zur Ruhe bringt.
Am dritten Tage erſcheinen wieder die jungen Leute zu Pferde und die ganze Geſellſchaft ſtürmt zum Dorfe hinaus auf das Feld. Hier wird ein
288
und der Glückliche, der ihn auffängt, erhält vom Bräutigam eine Kupfer⸗ münze als Geſchenk.
So dauern dieſe Hochzeiten oft drei Wochen lang, bis alles ausgetobt hat und ermüdet iſt, um nach Weihnachten oder nächſtes Jahr im Juni— jedesmal zwiſchen den größeren Faſtenzeiten— das Vergnügen bei der Hochzeit eines andern Paares, wo der Bräutigam ſeine Zukünftige noch mit größerer Mühe zu entführen hatte, zu erneuern. A. F. Sommermeyer.
Wie man in Paris für ein neues Journal Reclame macht.
Das Petit Journal, das täglich in 280,000 Exemplaren verkauft wird, kündigt das Erſcheinen einer neuen Collegin(wie es ſcheint, ziemlich nahe verwandt) folgendermaßen an:
„Heute morgen herrſchte in unſeren Bureaux eine außerordentliche Auf⸗ regung, obgleich die Neujahrsfeſtlichkeiten doch ſchon längſt vorüber waren. Die Commis erſchienen ungewöhnlich früh— die Redacteure ſtanden zuſam⸗ men und ſchienen ſich über ein ernſtes, gewichtiges Ereigniß zu beſprechen. Der Caſſier, dieſer charmante Functionär, der ſo hinreißend ausſieht, wenn er ſeine Hände ſegnend über uns ausſtreckt... hatte die Miene eines Men⸗ ſchen, der eine Extrabeſchäftigung übernehmen ſoll.—„Iſt es geſchehen?“ ſagten die einen.—„Iſt ſie lebensfähig geboren worden?“ riefen die anderen. —„Wird ſie groß ſein?“ fragten einige beſonders Neugierige.—„Wird ſie geiſtreich, nützlich ſein? wird ſie gefallen?“ murmelten die, welche am beſten unterrichtet erſchienen....„Zeigt ſie uns, zeigt ſie uns!“ rief die Menge aus. Auf alle dieſe Fragen erfolgte die Antwort:„Meine Herren, Ihre Theil⸗ nahme rührt uns, Ihr Eifer iſt uns höchſt erfreulich!... Wir wollen Ihnen denn die Neugeborne zeigen... die erſt in einigen Tagen... den Augen des Publikums vorgeſtellt werden kann.“——
„Ich glaubte wahrhaftig, es wäre ein vorige Nacht in die Welt ge⸗ bornes Mädchen. Ich träumte mich hinein in das geheimnißvoll halbdunkle Gemach, wo ſie lag. Ich ſah die normanniſche Amme ſie wiegen, ich träumte von Taufrede und Tauffeſt, von hübſchen Gevatterinnen.... da brachte man mir das Neugeborne... ich wich vor Erſtaunen zurück... es war kein kleines Mädchen, es war eine große Publication, ein Kraftſtück von Billigkeit, das außerordentlichſte, das je verſucht worden....
„Es war die Revue pour Tous, zu 3 Franken(24 Sgr.) jährlich.“—
In ähnlichem Styl wird nun weiter ausgeführt, daß das neue Wunder⸗ blatt für dieſen Wunderpreis 52 Lieferungen jährlich bringen werde, deren jede 24 Spalten Text(Kleine Neuigkeiten. Anekdoten. Hausmedicin. Neuig⸗ keiten von der Flotte und Armee. Religiöſe Neuigkeiten und Predigten aus dem katholiſchen, proteſtantiſchen und jüdiſchen Gottesdienſte. Criminalfälle ac.) und 24 Spalten Feuilleton(Erzählungen, Abenteuer, Romane, Theater, Moden, Recepte ꝛc. ꝛc.) bringen ſolle, und gezeigt, daß die Abonnenten eigent⸗ lich— das Porto abgerechnet— gar nichts für all dieſen Reichthum von geiſtigen Gaben zu bezahlen haben.
„Die Gründung der Revue pour Tous zu dieſem fantaſtiſch billigen Preiſe,“ heißt es zum Schluß,...„kann keine Speculation ſein.— Es iſt eine Art Dankerſtattung, welche die Begründer des Petit Journal dem Publicum haben darbringen wollen, als Zeichen der Erkenntlichkeit für den wohlwollenden Empfang und den Schutz, deſſen ſie ſich von ihm zu erfreuen
ehabt.... 3 So leitartikelt Herr Timothée Trimm in ſeinem Petit Journal und ſo wirbt er Leſer für ſein neues Blatt la Revue pour Tous. Von beiden erzählen wir nächſtens ein mehreres.
Briefkaſten.
„Wer viel fragt, bekommt viel Antwort“ ſcheinen manche unſerer Correſpon⸗ denten zu meinen; unſer Schweigen hat allerdings wohl viele bereits vom Gegentheil belehrt. Wer wollte auch alle die Fragen beantworten, die man an uns richtet, und alle die Wünſche berückſichtigen, die man gegen uns ausſpricht! Solche Fragen und Wünſche enthält auch der 8 Seiten lange Brief der Leſerin M. L. in R., der uns übrigens ſehr ergötzt hat. Faſſen Sie ſich in Geduld, mein Fräulein! Es iſt wirklich nicht heilſam, alles zu wiſſen, ja, es iſt ſogar ganz angenehm, einige ungelöſte Räthſel und Fragen und einige unerfüllte Wünſche immer in Kopf und Herz zu bewegen, auf welche die Zeit denn doch einmal noch Antwort und Erfüllung bringt. Daß die ſcherzhaften Angriffe auf Ihr engeres Vaterland nicht ernſtlich gemeint waren, verſteht ſich von ſelbſt; Sie wiſſen ja:„Was ſich neckt, das liebt ſich.— Herrn O. P. in D. Die in dem„Straßenjungen von Paris“(Nro. 16) erwähnte„Ile du Levant“ gebört zu der Inſelgruppe von Hyeres, die, nahe der Stadt Hyeres, im mittelländiſchen Meere liegt. Sie war vor zwei Jahrzehnten faſt ganz unbe⸗ wohnt, da hatte der Graf v. Pourtalès den Gedanken, dort für jung Sträflinge eine Beſſe⸗ rungsanſtalt einzurichten. Die Ragierun autoriſirte ihn dazu im J. 1850, und ſeitdem ent⸗ ſtand und entwickelte ſich dieſelbe u. d. N. Pénitencier Sainte-Anne, und enthielt im vor. September etwa 220 Inſaſſen. Da wurde durch eine Verwaltungsmaßregel eine ähnliche Anſtalt in St. Antoine(Corſica) aufgehoben, und ihre Bewohner(etwa 60) nach der Ile du Levant gebracht; bald darnach— ſei es, daß die Neuangekommenen die Rädelsführer waren, ſei es, daß in der alten Schar ſchon dergleichen gährte— entſtand ein vollſtändiges Complott, und in der Nacht vom 2. zum 3. October brach die Rebellion aus, von der in unſerm Artikel die Rede geweſen. Im Monate Januar haben die Verhandlungen über die 16 am ſchwerſten Beſchuldigten vor den Aſſiſen du Var begonnen.— Herrn M. O. R. in Br. Müſſen dankend ablehnen, da wir noch reichlich mit ähnlichen Beiträgen verſehen ſind.
Inhalt: Das Geheimniß des Fürſtenhauſes.(Fortſ.) Nov. von G. Hiltl. — Hundecharaktere. Von A. Müller. Der Hühnerhund. Mit Illuſtr. von Deiker.— Aus dem Leben deutſcher Auswanderer in Braſilien. Von Avé⸗Lallemant. I.— Reminiscenzen aus der Hochſommerzeit. IV. Ein Berliner Straßenjunge. Von F. Pflug.— Aus allen deutſchen Gauen. XIII. Das oberbairiſche Malerparadies. Mit Illuſtr. von O. Winkler. — Am Familientiſche. 83
Pfeil in die Höhe geſchoſſen. Alles ſtürzt nach dem Punkte, wo er ſich ſenkt,
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 11.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher Wittig in Leipzig.
Der? einem Hauſe untergehende zurückprallten ſielen. Das bäudes, deſſer gebäude aber getrennt war⸗ verden konnt Das 9 velche großen ichtung mach Fenſtern und 1 tenheiten gf uit ſchönem dene Fächer, hervor, wele Seſſel den Armuuhe en Syinl und unte de Büſe Käſe Kamin t deſen Fi italieniſcher a je Wwann ſeiner, nit den Pe don Gäu Audienzſaan etroſ fen ha Baror und ſich m ! 3


